Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 23 (5.6.1930)
- Date
- 1930-06-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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5. Juni 1930 ß* bCtt 9. Siwan 5690 Nr. 23 Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Abonnement ab Juli 1929: Deutschland 1.30 Mark monatlich; Ausland: Biertelzahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Österreich: Schilling 6.— ' Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1 Juli 'Frankreich 25 Fr.; Belgien ab 1.7.27. Belga 5.; Holland 2 fl.; Italien ab 1.1.28.18 Lire; Jugoslavien 55 Din.; Litauen 7.50 Lit.; Rumänien ab 1. 7. 27. 150 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 5 Fr.; Tschecho-Slowakei 25 Kronen; Ungarn Pengö 5 ab 1. Juli 1927; Dänemark 3.50 Krön.; Norwegen3.50 Krön.; Schweden 3.50 Krön Einzelnummer vierzig GolVpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 50 Eoldpf. für die siebengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 40 Pf. Die 75 mm breite Reklamezeile: letzte Textseite 2.— Mk., vorletzte Textseite 250 Mk.; Chiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Jnserataufträgen tarifm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Jnseratenannahme durch den Verlag des Israelit G. m. b. H., Frankfurt a. M, Rechneigrabenstraße 7. Tel. Hansa 21084 sow. durch sämtl. Annoncen-Exped. d. In- und Auslands. Alleinige Jnseratenann. für Franks. Geschäftsanz.: Jul. Schmidt, Langestr. 7, II, Tel. Hansa 25865. Platzvorschr. ohne Verbindlich!. Zahlungen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nr. 19 802. — Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr.79805. — Postsparkassen«^ Budapest Nr. 18424. —Postscheckkonto Warschau Nr. 190757. - Postscheckamt Zürich Nr. VIll 7254. — Inkasso-Bank Rotterdam — Postscheckamt Amsterdam Nr. 24869 - Böhmische Unionbank in Prag — Banca Marmarosch Blank & Co.ht Bukarest — Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. — Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten stch ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt g. M. Die Bewegung für A»d gegen die Kalenderreform. Der in diesen Wochen allzu früh Heimgegangene Astronom Dr. Berthold Cohn y'xt in Straßburg war es, der die jüdische Welt zuerst auf die ihr durch die Kalenderreform-Bewegung drohende Gefahr aufmerksam gemacht hat. Nachdem er schon im Jahre 1919 in der Oeffentlichkeit die Folgen des Blankotages für die Sabbatheiligung geschildert hatte, veröffentlichte Dr. Cohn in der ersten Januar-Nummer des „Israelit" von 1924 einen Aufsehen erregendeni Artikel, in dem er mit ernsten Worten auf die PMcht der Orthodoxie hinwies, den^ Abwehrkampf gegen die drohende Kalenderreform aufzunehmen. „Mit allen Mitteln,"' fo schloffen seine Ausführungen, „müßet versucht werden, den Wünschen der orthodoxen Judenheit beim Völkerbund Gehör zu verschaffen. Der Rabbinische Rat der „Agudas Jisroel" als der berufenste Repräsentant der Interessen des religiösen' Judentums sollte unverzüglich eine Denkschrift an kompetenter Stelle vorlogen, in der nachgewiesen werden müßte, daß das konservatjpe Judentum aus historischen und religiösen Gründen. seine Stimme laut gegen eiye Regelung erheben» muß, die anstelle der siebentägigen Woche auch nur ein einziges Mal eine minder- oder mehrtägige > ■ Dr. Cohn war es denn auch, der für den Rahbinischen Rat der Agudas Jisroel eine auf fachmännischen Unterlagen beruhende Eingabe ausarbeitete, die namens des Rabbinischen Rates, unterzeichnet von dessen zeitweiligem Präsidenten, Oberrabbiner Fürst in Wien, der Völkerbundkommission im Laufe des Jahres 1924 überreicht wurde. >.. In dem Cohn'fchen Aufsatz war aber auch schon darauf hingewiiefen, daß weit über den Kreis der Treugebliebenen hinaus, die den Sabbat im Leben praktisch heiligen, auch die l i b e - ra l e n Juden, soweit sie nur ideenmäßig oder gefühlsmäßigihren Zusammenhang mit der Ueberlieferung bewahrt haben, an der Erhaltung der Siebentage-Woche mit ihrem Sabbattag aufs höchste interessiert sind; denn — so schrieb Dr. Cohn — es besteht die Gefahr, daß bei vielen Judien die gesamte S >ab b atinstitution in Vergessenheit gerät, und ihnen gar nicht mehr zum Bewußtsein kommen wird, wenn sie den Sabbat entweihen. So war es denn natürlich, daß auch die führenden jüdischen Kreise in denjenigen Ländern der Diaspora, in denen eine mehr oder minder einheitliche religiöse Vertretung der Judenheit vorhanden ist,' sich mit ähnlichen Eingaben an den Völkerbund wandten. Dieser lud neben den außerjüdischen konfessionellen Körperschaften und Autoritäten im Februar 1925 Oberrabbiner F ü r st als Vertreter des RabbintrfchLN Rates der „Agudas Jisroel", den französischen und englischen Oberrabbiner, Lucien Wolfs als Sekretär des Board of Deputies und Oberrabbiner Dr. Lewenstein, Zürich, als Vertreter der holländischen Judenheit zu einer persönlichen Erörterung der Angelegenheit vor die VölkerbundkommissioN ein. Das Zusammenwirken der genannten fünf Herren führte dann zur Bildung eines ständigen jüdischen Komitees zwecks Abwehr der Kalenderreformgefahren. Wie wir bereits im Februar ds. Js. mitteilten, hat dieses Komitee, dessen Geschäfte von dem unter Einsetzung seiner ganzen Persönlichkeit mit unbeschreiblichem Eifer tätigen Züricher Rabbiner Dr. L e w e n st e i n geführt werden, nach eingehenden Erwägungen den Beschluß gefaßt, dem Völkerbundkomitee durch Einreichung einer jüdischen Massenpetition die Ueberzeugung von dem hohen Gewicht der Angelegenheit für das gesamte religiöse Judentum zu verschaffen. Das Komitee hat, um diese Massenpetition durchzuführen, reiches informatorisches Material a n alle R a b b i n e r d e r W e l t versandt und erwartet, daß kein Rabbiner sich der Notwendigkeit verschließen wird, in seiner Gemeinde und seiner Einflußsphäre die Unterschriftensammlung für die Petition mit größter Energie durchzuführen. Trotzdem sind.wir der Meinung, daß es des Komitees wäre, in jedem Lande ein zu großes, am bestennur a ü s d r e i energischen Männern des praktischen Lebens bestehendes L a n d e s k o m i - tee einzusetzen, das für, die Ausführung der Unterschriftensammlung verantwortlich ist. Nur dann besteht eine Gewähr'dafür, daß die Gemeindevorstände überall auch wirklich in Bewegung gesetzt werden und rasch'genug ein praktisches Ergebnis erzielt wird. Mittelpunkt der Unterschriftensammlung können nur die Gemeinden sein, weil sie allein alle Kreise der jüdischen Bevölkerung umfassen: anregend und kontrollierend aber sollten vor allem diejenigen Kreise, Organisationen und Vereine wirken, denen die Abwehr der Kalenderreform Herzenssache ist. In diesem Sinne hat die Leitung der „Agudas Jisroel"-Wel1organisation an sämtliche Landesorganisationen die Aufforderung gerichtet, ihre Ortsgruppen und Jugendgruppen in den Dienst der Unterschriftensammlung zu stellen. Ueber den Stand und die Aussichten der ganzen Kalenderreform-Bewegung hat sich der Generalsekretär des Komitees, Herr Oberrabbiner Dr. T. L e w e n st e i n in einem Interview, das die Jüdische Preßzentrale in Zürich veröffentlichte, wie folgt geäußert: „Direkt ablehnend gegen den „ewig-stabilen" Kalender hatten sich nur zwei Staatsregierungen ausgesprochen, die österreichische und die niederländische, letztere unter Betonung, daß u. a. auch von israelitischer Seite religiöse Bedenken dagegen geltend gemacht werden. Die deutsche Reichsregierung hatte auch, aber nur provisorisch, empfohlen, auf solch „ewig-stabilen" Kalender zu verzichten, weil sie nicht davon überzeugt sei, daß die Bevölkerung diesen „ewigen" Kalender als einen Fortschritt betrachten würde, da man dann jährlich einmal oder (im Schaltjahr) zweimal zu den sieben Wochentagen einen Tag hinzufügen müßte, der nicht den Namen einer der Wochentage trägt. (Blankotag.) Keine der anderen Regierungen hatte sich prinzipiell ablehnend geäußert. Hingegen verschiedene sofort zustimmend. Von den religiösen Autoritäten hatte nur die orthodoxe Kirche Rumäniens die unterbrochene Reihe der sieben Wochentage für unannehmbar erklärt. Von astronomischer Seite waren außer aus Helfingfors und Lissabon keine direkt ablehnenden Gutachten abgegeben. Immerhin waren die meisten Gutachten noch nicht entscheidender Natur. Deshalb empfahl das Studienkomitee des Völkerbundes in dem herausgegebenen Bericht, daß in den verschiedenen Staaten die öffentliche Meinung über die geplante Kalenderreform befragt werden sollte und zwar vermittelst Einsetzung von nationalen Komitees. Diese nationalen Komitees sind nach und nach in verschiedenen Ländern entstanden und entstehen in allerletzter Zeit weiter. Inzwischen hat aber eine Kraft eingesetzt, die mit Hochdruck arbeitet, um die Katenderreform mit Blankotag zu realisieren. Schon vor fünf Jahren lernten wir in Genf persönlich den Mann kennen, dessen Namen heute in allen möglichen Zeitungsartikeln betreffs ddr Kalenderreform genannt wird, Moses B. Cot s w o r t h, geborener Engländer, ursprünglich Angestellte^ auf dem statistischen Büro einer der größten englischen Eisenbahngesellschaften. Er hat die gewaltige Propaganda für die Kalenderreform geschaffen, die in London und New- York ihren Sitz hat. Durch seinen Einfluß stellte sich George E a st m a n, Präsident der „Eastman Kodak Company" in Newyork, an die Spitze des amerikanischen Nationalkvmitees für die Kalenderreform. Vor einem Jahr wurden wir aufmerksam auf den Einfluß, den diese amerikanische Pro-