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Der Israelit · 1930-05-30 · Heft 22 (30.5.1930) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 22 (30.5.1930)
Date
1930-05-30
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
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Seite 14 Nr. 22 Der Israelit 30. Mai 1930 Ruwke, spie geräuschvoll aus, als müßte er einen Spuk von sich abschüttelr! und Wandte sich ab, um den ersten Passagier zu suchen . . . ' Auf der Straße kamen gerade Kinder aus dem Cheder. Eines wies auf Lemke und flüsterte den anderen etwas zu. Bald war es schon eilt ganzer Haufen, der zu einem Bienenschwarm anwuchs und sich an Lemkes Ferse heftete. „Der Mosser! Der Mosser!" wurde es laut und immer lauter. „Werde Euch schon zeigen, Ihr verfluchten Gassenjungen! "stürzte sich Lemke auf die Knaben. Da flogen, ihm von der anderen Seite, wo sich ein neuer Haufen gebildet hatte, spitze Steine an den Kopf. Er wandte sich rasch um und gegen die Angreifer, die Steine flogen jetzt von der entgegengesetzten Seite. Lemke flüchtete sich ins Beshamidrafch. Dort fing gerade eine kleine Mmjangemeinde das Nachmittaggebet an. Kussel, der Chewrohschammes, stellte sich ihm in den Weg. Da er mit einem heftigen russischen Fluche den schwachen Kussel überrannte und nun doch drinnen war, verlieh einer nach dem anderen von der Beterschar das Beshamidrafch und begab sich in die kleine Nebenklaus, wo sie sich bald alle wie auf stille Verabredung zu einer neuen Gebetgemeinde fanden. Lemke stand allein und verlassen im - weiten Raume. Am folgenden Morgen war Lemke Knöpfe! verschwunden. Er hatte, wie Viele wußten, die Nacht hindurch mit dem Pristaw und Lütke, dem Akzisbeamten, getrunken und gespielt und war mit ihnen schwer in Streit geraten. Der Pristaw hieß ihn einen Hundesohn und ein „jüdisches Kinn," einen Bastard und einen Banditen, und Lütke schlug ihn, mit der Faust mitten ins Gesicht. Man hatte ihn in aller Frühe die Sumpfwiese nach der Wilija hinuntergehen gesehen. Vielleicht suchte, er wieder den Weg in die Städte Rußlands, die noch kein jüdischer Fuß betreten hatte; vielleicht ging er auch, da ihn die Juden wie die Pest mieden und ihm die anderen ins Gesicht schlugen, ins Wasser . . . Für den letzteren Fall und den weiteren Fall, daß seine Leiche eines Tages auf die Sumpfwiese Jlijes angeschwemmt kommen sollte, hatte Kussel, der Chewrohschammes, im Gedanken schon einen passenden Ruheplatz für ihn, ausgemacht — weit hinter den Gräberreihen-a m Zaune . . . So verfuhr man damals im Städtchen mit einem Master ... (Fortsetzung folgt.) (Die Schönheit der Haifa-Bucht.) Prof. Leslie Patrick Abercrombie, die bekannte Autorität auf dem Gebiete des Städtebaus und Prof, für Städtebau an der Universität Liverpool, der während seines Aufenthalts in Palästina als Berater des Jüdischen Nationalfonds und der Palestine Economic Corporation in der Angelegenheit der architektonischen Gestaltung der Haifa-Bucht- Böden fungierte, erklärte Vertretern der Presse gegenüber, daß die Haifa-Bucht an Schönheit sogar die berühmte Bucht von Neapel übertreffe, für die das Wort geprägt wurde: „Neapel sehn und sterben". Die zukünftige Stadt, die sich auf diesem Territorium erheben wird, fuhr Prof. Abercrombie fort, wird durch mehrere außergewöhnliche Merkmale ausgezeichnet fein. Es ist hier Platz für eine schöne Gartenstadt mit Obstplantagen, sowie ferner für ein Seebad von enormen Möglichkeiten. Prof. .Abercrombie sprach sich sehr lobend über die Anlage der jüdischen Siedlungen im Tale Jezreel und in Judäa aus. Er wies energisch die These zurück, daß die von den Juden betriebene Entjvicklung des Landes den Reiz dieses Landes beeinträchtige. Im Gegenteil, sagte er, die jüdischen Anlagen und die jüdischen Gebäude erhöhen die Schönheit und das Ansehen Palästinas. Prof. Abercrombie schloß, das, was er von jüdischer Arbeit in Palästina gesehen habe, habe einen solchen Eindruck auf ihn gemacht, daß er entschlossen sei, sich von jetzt ab intensiver mit der zionistischen Bewegung zu befassen. Die „International Society of Medical Hydrology", Sitz London, forderte Herrn Dr. med. Paul Weiß, Bad Homburg, auf, bei dem Kongreß im Oktober ds. Js. in Lissabon ein Referat zu übernehmen. Das Referat lautet: Die Behandlung von Verdauungsstörungen bei Kindern durch Trink-, Bade- und Diätkuren. Die „International Society of Medical Hydrology" ist in 28 Staaten vertreten. JULIUS SCHMIDT FRANKFURT AM MAIN LANGESTRASSE 7 TELEFON HANSA 25865 POSTSCH.-KONTO FRANKFURTMAIN 142 353 EINZIGE INSERATEN-AN- NAHME FÜR FRANKFURTER GESCHÄFTS-INSERATE DES »ISRAELIT« AUSSERDEM ANNAHME VON INSERATEN FÜR SÄMTLICHE HIESIGE UND AUSWÄRTIGE TAGESZEITUNGEN, WOCHEN- UND FACHBLÄTTER ZU ORIGINALPREISEN ♦ANNAHME VON DRUCKSACHEN (HANDEL. GESCHÄFTE, PRIVATE) FÜR DIE HERMON-DRUCKEREI BEI BILLIGSTER BERECHNUNG UND KÜNSTLER. AUSFÜHRUNG IN SCHWARZ- UND BUNTDRUCK Ainderecke. Die drei Sendgrafen. Von Heinrich Einstädter. Ein großer König, der ein weites Reich beherrschte, setzte einst drei Sendgrafen ein, die das Land bereisen und den Untertanen Botschaft bringen sollten. Jedes Jahr mußten sie die Runde machen. Ueberall wurden sie freudig begrüßt, und alt und jung wetteiferte, ihnen einen festlichen Empfang zu bereiten. Nahte der erste, so wurden alle Wohnungen aufs Sorgfältigste geputzt und frisch hergerichtet. Kein Gast hatte je sich rühmen können, daß man so tiefgreifende und langwährende Vorbereitungen für ihn veranstaltet hätte. In jedem Hause wurden ganz besondere Speisen bereitet, eigene Geschirre aufgestellt und Festbrote angeschafft. Aber so wie aus den Ecken Staub und Unrat, so wurden auch aus den Herzen Kummer und Sorgen entfernt, wenn er einzag, der Künder der Freiheit, der Vorbote des Erlösers. Der zweite Gesandte des Herrschers kam stets um die schönste Zeit des Jahres, wenn bei uns die Natur sich verjüngt und die Erde in die buntesten Farben kleidet, wenn in wärmeren Gegenden bereits die ersten Früchte reifen, und von der Güte des himmlischen Königs seinen Kindern erzählen. Dann danken diese wieder dadurch, daß sie den Einzug seines Boten durch reichsten Schmuck mit Blumen oder Früchten feiern. Und wenn er ihnen mit lauter Stimme die Gesetze ihres Königs verkündet, dann sehen sie auch in diesen nie welkende Blüten und duftige Spenden, und so wie sich die zarte Knospe erschließt und ihren reinen Duft ausströmen läßt, so öffnet sich der Mund der Menschenkinder und läßt das Gelöbnis vernehmen: „Wir wollen es tun und gehorchen!" Reich beschenkt der König sein gehorsames Volk, und tief ist der Dank, den es ihm schuldet. Das zeigt es seinem dritten Abgesandten, der nach vollendeter Ernte eintrifft. Denn alles Gute kommt von oben! Ob aus der Tiefe oder von der Höhe, aus welcher Richtung es hierher gelangt, sein Spender ist der höchste König, der bei dieser Gelegenheit auch wieder feine Huld und seinen Schutz von neuem verspricht. Die Jahren schwinden. Die irdischen Güter sind vergänglich. Aber die Gnade des Herrn währet ewiglich. Die Lösung der biblischen Fragen in Nummer 21. 1. Absalom. 2. David in Nebo. 3. Abraham und Isaak. 4. Simson. 5. Samuel dem Eli. 6. Die Kundschafter. 7. Die Ephraimiten. 8. Sarah., 9. Der Altar in Bethel, Könige l, 13. 10. Die Gibeoniten. 11. Der alte Prophet in Bethel, Könige I, 13. 12. Johakim durch Juda.. Berantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton S. Sch achnowitz, Frankfurt a. M.; Inserate i. B.: S. Schachnowitz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. Kaufmann, in Sprendlingen (Kr. Ossenbach). — Verlag des Israelit und Aermon (3m. b. H., Frankfurt a. M>_Druck: Aermon-Druckerei, Frankfurt a. M. In Ober Hof (Thür. Haltestelle aller D- und F. D.- Züge der Strecke Berlin—Erfurt—Stuttgart) hat die Saison begonnen. Die Vorzüge Oberhofs liegen in den klimatischen Verhältnissen und der Schönheit seiner Umgebung Höhe von über 800 Mnter, Waldreichtum, Reinheit der Luft, günstige Bodenverhältnisse) welche, ihm das > Gepräge eines mittleren Gebirgsklimas verleihen. Der ' Aufenthalt hier ersetzt in jeder Hinsicht einen solchen in den höher gelegenen Kurorten, ja, er übertrifft diesen! sogar insofern, als diese Orte sich meistens weder eines j so großen Waldreichtums, noch eines fo bequem begehbaren' Geländes erfreuen.! Die K u r v e r w.a l t u n g legt Wert auf die Feststel-! lung, daß ungeachtet der gegenwärtigen politischen Ver-! hältnisse in Thüringen jüdische Gäste nach wie vor in! Oberhof willkommen sind. Der streng neutralen Einstellung der Kurverwaltung entsprechend sind politische Um-! züge nicht gestattet, so daß eine ungestörte Erholung; der Kurgäste gewährleistet ist.! Das Hotel Blum, seit 10 Jahren wohlbekannt i und einziges jüdisches Hotel des Thüringer Waldes, hat j seinen Betrieb eröffnet. Es bietet 'bei mäßigen Preisen! jeden Komfort (fließ. Wasser, Zentralheizung, Bäder, Ge- > sellschaftsräume ufw.) und eine vorzügliche Küche. Die! Aufsicht führt S. E. Herr Bezirksrabbiner Dr. Wohl-! gemuth, Kitzingen a. M. Wir machen unsere Inserenten besonders darauf aufmerksam, daß der bekannte Damenfriseur Eugen Ochs, wegen seinen vorzüglichen Leistungen in Bubikopfpflege, Dauerwellen (neuestes Dampfverfahren), Henne-Haarfärbungen, Anfertigung aller modernen Haararbeiten, sehr zu empfehlen ist. Herr Ochs hat schon in allen Großstädten Preise errungen und ist den Ansprüchen jeder verwöhnten Dame gewachsen. Die neueste Frisiermode ist stets in seinen beiden Schaufenstern zu sehen. Auch die verwöhnten Herren werden nach amerikanischem Muster bedient. Seine Preise sind sehr mäßig. Auch auf seinen Verkauf von in- und ausländischen Parfümerien zu Originalpreisen sei hingewiesen. Ein schön und bequem gelegenes, vornehmes Frühstück- und Speiserestaurant, 1 Minute vdm Hauptbahn-! Hof, haben die Eheleute Jacob Schweber u. Frau in der Elbestraße 27 unter Leitung der Frau Schweber und Aufsicht eines streng religiösen Schäumers eröffnet, für welches sie sich die Mitarbeit des als orthodoxer Koch bekannten Herrn de Jong gesichert haben. Das Etablissement verbürgt beste Ausstattung und solide Preise. (Siehe Inserat.) Heute finden Sie in unserem Inseratenteil ein große Kreise interessierendes Versicherungsangebot, das sich Ihnen bestimmt selbst zur aufmerksamsten Beobachtung empfiehlt. Der Versicherungsfachmann, Subdirektor Herr Bendix V l u m e n t h a l, Windeckstr. 48, mit 30jähriger Praxis empfiehlt Ihnen die Versicherung „die Töchteraussteuer-Versicherung der Allianz und Stuttgarter Lebensversicherungsbank Aktiengesellschaft". Wer in unseren Reihen sollte sich nicht für eine Aussteuer- und Mitgabeoersicherung seiner Tochter interessieren, da uns ja schon jeden Tag im Morgengebet rto nono warm ans Herz gelegt wird, besonders, wenn diese zu s o günstigen Bedingungen (siehe Inserat) abgeschlossen werden kann. Der Frankfurter Rennklub veranstaltet im Verein mit dem Automobil-Klub am Sonntag den 1. Juni einen Automobil-Schönheitswettbew er b auf der Rennbahn in Niederrad. Die Veranstaltung nimmt bereits um 1.30 Uhr ihren Anfang, anschließend um 3.30 Uhr Pferderennen. Jeder Rennbahnbesucher erhält zu seiner Eintrittskarte ein Freilos und nimmt an der Verlosung eines Automobils „Adler Favorit" teil. Die Eintrittspreise sind so bemessen, daß sich jeder an der Chance, ein Auto zu gewinnen, beteiligen kann. Dürrheimer Aufenthalt. Zu Beginn der Reisezeit möchte ich besonders die Eltern von blaffen, schwächlichen Kindern aus das prächtig im Schwarzwald gelegene, von Licht und Sonne paradiesisch durchflutete Dürrheim Hinweisen. Nie in all den Jahren, in denen wir mit unfern Kindern „Ferien" machten, hatten wir das, was nötig, in solchem Maße gefunden. Sole — herrlicher Wald und Ruhe — Verpflegung — und einen Stamm prächtiger Menschen vom alten Schlage. Nahe all den schönen Orten und Fleckchen, die zu besichtigen lohnen. Die Schweiz, der Bodensee mit den Anziehungspunkten sind im Gesellschaftsauto bequem und billig in kurzen Stunden erreichbar. Das vorbildlich geführte Kinderheim „Friedrich-Luisen-Hospiz" ist eine Welt für sich. Das müßte jede Mutter . gesehen haben. Welche Fülle Liebe und Sorgfalt, Treue und Pflicht dort den Kindern angedeiht,' ist wunderbar. Das Heim ist nach strengsten jüdischen Vorschriften geführt. Leitung und Schwestern sind Tag und Nacht nur auf das seelische und körperliche Wohl der ihnen anvertrauten' jungen Zöglinge bedacht. — Pension Waldeck, das gut geführte, idyllisch an Wald und Wiesen gelegene, streng fromme Hotel, bietet seinen Gästen angenehmen Aufenthalt. Es ist ausschließlich Sache der Leser, die im Reklameteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesetzlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen.

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