Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 22 (30.5.1930)
- Date
- 1930-05-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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30. Mai 1930 Nr. 22 Frankfurt a. M„ den 3. Siwan 5690, Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Abonnement ab Juli 1929: Deutschland 1.30 Mark monatlich; Ausland: Bierteljahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Bersandes) Deutsch-Österreich: Schilling 6.— : Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1 Juli Frankreich 25 Fr.; Belgien ab 1.7.27. Belga 5.; Holland 2 fl.; Italien ab 1.1.28.18 Lire; Jugoslavien 55 Din.; Litauen 7.50 Lit.; Rumänien ab 1. 7. 27. 150 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 5 Fr.; Tschecho-Slowakei 25 Kronen; Ungarn Pengö 5 ab 1. Juli 1927; Dänemark 3.50 Krön.; Norwegen 3.50 Krön.; Schweden 3.60 Krön. Einzelnummer vierzig Goldpfennige._. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 50 Goldpf. für die siebengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 40 Pf. Die 75 ww breite Reklamezeile: letzte Textseite 2.— Mk., vorletzte Textsette 250 Mk.; Chiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Jnserataufträaen tarifm. Preiserhöhung jederz Vorbehalt. Jnferatenannahme durch den Berlag des Israelit G. m. b. H., Frankfurt a. M , Rechneigrabenstraße 7. Tel. Hansa 21084 sow. durch sämtl. Annoncen-Exped. d. In- und Auslands. Alleinige Jnseratenann. für Franks. Geschäftsanz.: Jul. Schmidt, Langestr. 7, II, Tel. Hansa 25865. Platzvorschr. ohne Verbindlich!. Zahlungen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nr. 19802. - Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr. 79905.- Poftsparkafsenamt Budapest Nr. 18424.-Postscheckkonto Warschau Nr. 190757. - Postscheckamt Zürich Nr. VIll 7254. — Inkasso-Bank Rotterdam — Postscheckamt Amsterdam Nr. 24869 - Böhmische Unionbank in Prag—Banca Marmarosch Blank & Co^n Bukarest - Filiale des Wiener Bankvereins in Agram-Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten stch ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. Die große Rechnung und die kleine Rechnung. Gedanken zum Schowuausfesie. Eine Brücke aus Worten- und Zahlen führt vom Feste des Auszuges zu dem Feste der Gesetzgebung. Wir gehen sie, wie damals unsere Väter aus Mizrajim, Jahr für Jahr, seit Jahrtausenden schon. Die gleichen Zahlen, die gleichen Worte, die gleichen Posten in der alten ewi^- gen jüdischen Lebensrechnung. Wir haben mit Eingang des Festes die abgeschlossenen Zahlen der Sefiroh hinter uns und eine Sabbatlektüre der Sefirohzeit, die uns immer und immer wieder das Zählen, Rechnen, Prüfen vor Augen hält, yn und Vnnon- Schaue und bedenke, daß es „ein Höheres über dir gibt,- . „woher du kommst und wohin du gehst." Unsere Besitztümer zählt die Väterweisheit, und siehe, sie werden von den Sorgen übertroffen. Unsere Tage, unsere Arbeit und unser Verdienst werden gegeneinander gehalten, und siehe: „der Tag ist kurz, die Arbeit viel, Die Arbeiter träge, der Lohn groß und der Herr des Hauses zwingt." Wie viele müssen bei öer >(8otteslehre vereinigt fein/ um der Schechinah teilhaftig zu sein? Z e h n, aber auch einer allein kann schon zu diesem höheren Lichte gelangen. Was wir geben und leist e n und dafür wieder empfangen, prüft die alte Weisheit. Und Die Antwort: „Gib Ihm aus Seinem, denn du mit allem, was du bist und hast, gehörest Ihm." Wer weife, stark, reich und glücklich fei? Die Weisheit a u ß.e r uns, die zuweilen. aus dem Munde des Geringsten fließen kann, die Kraft und das Glück in uns, sie machen uns weife, stark und glücklich. Und zuletzt: „Wisse, daß alles nach Recht und R e ch n u n g im Leben bemessen wird." —-*pawnn 'ab Vsntp „Darum sagen die Sieger über ihren Trieb: Kommet, wir wollen Rechnung aufstellen!" pwn 1X13 (aiyn a’bvnnn) ■ a’bvian nax’p Vir ♦(a^iy ^nmwn ntpyii.ixp),... Und diese Berechnung dieste als Grundlage und Maßstab''für den großen Bau unseres Kulturlebens. Es könnten sonst Feuerflammen auflodernl aus den unbeachteten Zahlen jener kleinen Rechnung und all die G ötzen aus Stein und Eisen, die die sicheren Träger der Weltkultur sein sollen, in Schutt und Asche verwandeln. ]inx man 'bua nxia rfox 'im pwna nxir vx ’D Lange genug hatte die Sefiroh, hatten die Vätersprüche uns und dem Weltgewissen die kleine Rechnung entgegengehalten, bis wir es erlebten, daß Flammen aufstiegen, die „die Höhen von Arnon" bis auf die Grundmauern verzehrten und diese Flammen in ihrer weiteren Auswirkung die Besseren und Einsichtigen zu Den Zahlen zwingen, wie wir sie seit Jahrtausenden lebendig erhalten. Die Masse baut weiter, ohne Berechnung, auf schwankem Grunde. Ringen, Gelingen, Hast ohne Rast, Schaffen, Erraffen! Größer und größer! Weiter und weiter! Höher und höher! — das ist der Rhythmus aus dem Maschinengeratter der Kultur. pwn ixin Rechnen und Zählen! Prüfen und Schauen! ist das Lied unserer Sefiroh, unserer Väterweisheit. Und der Sang wird nicht verschlungen vom Geratter und Geräusch der Weltenräder. E i n m a l hält die Welt stille und höret aufmerksam auf das alte Lied, auf die Zahlen der alten kleinen Rechnung. Und Dann gehen Worte wie Erlösungsbotschaften durch die Lande. Uns find sie fo nahe, als hätten wir sie gestern erst aus dem Munde Jesajas, aus dem Munde der ulten Weisen in den! Vätersprüchen vernommen. Nennet esGenf oder Locarno, Völkerbund oder S t a a t e n b u n d E u r o p a s, Abrüstung oder Aechtung des Kriege s oder wie sonst, es wird, wenn es Rechtes fein soll, das Fazit der Zahlen in d e m Buche sein, das wir durch die JahrtausenDe getragen haben . ... Hier an diesem Punkte treffen sich Judentum und Kultur zu einer Synthese, geht die kleine Rechnung in die große über und wird ihre Grundzahl. Weltkultur o h n e pVN führt zu der dünkelhaften Annahme r-itn ‘rnn 'b nwv vp axsn führt zu der Ueberheblichkeit eines Nebukckdnezar: ii’^yV naix 2V man Vy n^yx. Weltkultur mit jntyn zwingt uns die Auffassung aus, daß na by mnnV xVx ixnn xb jrnpn xia^* Und dann ist all das, was wir als die Errungenschaften der Zeit preisen, nichts anderes, als Basis und Träger für die höhere, geistige und sittliche Kultur, wie sie von Sinaihöhen bündig für alle Zeiten und alle Menschen verkündet wurde. Sind wir so weit, Daß wir in Ueberwindung von Zeit und Raum in wenigen Tagen ganze Weltteile umsegeln, dann! mag nur blinder Größenwahn darin eine Ueberwindung des alten Glaubens und der alten Lehre sehen. Der Sehende wird-— mit dem vor kurzem verstorbenen großen Nordpolforscher — sich sagen: ist die Welt vor meinem Blicke so zusammengeschrumpft, wie klein und winzig bin ich und ist der Raum im Vergleich zum Schöpfer, der nicht in diesem Raume wohnt, sondern in dem der Raum istr-rin Vw rnira-Cr wird sagen: Weltumfassend' wie mein Flugzeug ist, muß mein Herz in Liebe alle umspannen, denn klein ist der Raum und nahe sind die Menschen einander mit ihrer Not, mit ihrer Hoffnung, mit ihrem Glück und ihrem Leid. Haben wir es erreicht, daß wir mit einem Stückchen Hartgummi am Ohr, im Bette liegend, Amerika sprechen und singen hören, dann muß uns, und besonders uns Juden, doch Schauer überkommen bei dem Gedanken, wie hier das von uns immer empfundene und gelehrte Arewuthg e f ü h l aus einem Phantom unserer Seele zu einer L e b e n s r e a l i t ä t wird. Sage nicht, was geht mich die Not in Palästina an, es fließt das Mittelmeer dazwischelni; wo ist Sowjet r u ß l a n d, daß ich ihre Aengste und Nöte dort Mitempfinden soll, es sind doch so viele Grenzbarrreren dazwischen und wir haben unser eigen 1 gerütteltes Maß an Sorgen. Nein, sagt die moderne technische Kultur mit znVN' nein und dreimal nein! Es gibt längst keine Ferste mehr. Es bedarf nur einer Antenne, eines kleinen Apparates und einer Scheibe Hartgummi, und du hörst die Leiden und die Seufzer und Notschreie deiner Brüder in Rußland und in Palästina und überall. Sie sind dir auch räumlich und atmosphärisch so nahe, daß du ihren Hauch verspürst. Und das Wort der Lehre und der Stärkung, das wir äusfenDen, und die Tat der Liebe, die von uns ausgeht, sie gehen ebenfalls durch den Aether und erfüllen reinigend den Weltenraum. Wie das große „Onauchi" vom Sinai, das unter Donner und Blitz den Weg durch die gesamte Völkerwelt nahm. Ein Rundfunk im tiefsten Sinne, daß ein Funken vom „Ehrensitze Gottes" rund durch die Welt ging und in aller Völker Herzen zündete. -mV),? o^yn^V xn'i pVnj bipn Bis in die Völker maffen ist der Sinairuf noch nicht gedrungen. Dafür war eine Spanne von dreitausend Jahren auf der Gottesuhr zu kurz. Aber in Einz e l neu, Frühgeborenen, scheint doch der Ruf den einen' und' dein anderen Volksgenius erfaßt zu haben. Wir, ge-