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Der Israelit · 1930-05-22 · Heft 21 (22.5.1930) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 21 (22.5.1930)
Date
1930-05-22
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 Nr. 21 Der Israelit 22. Mai 1930 mondstage des Jjar Esther, Tochter des Zemach und der Dwoire, der Tabakmacherleute, mir deren voller, froher Genehmigung, in aller Fonn vor Gott und aller Welt in Jlije als Eheweib nach den Gesetzen von Moses und Israel antraueu wollte. Der Frühling war über Jlije' auf einmal gekommen, wie ohne Anmeldung direkt aus Schnee und Eiskruste herausgewachsen, und sah schon beinahe wie voller Sommer aus. Auf dem sumpfigen Wiesengrunde vor der Wilija standen die gelben Butterblumen mitten im Hellen Grün, wie von Meisterhand in einen Teppich hineingewebt. In der milden Sonne über den Tümpeln summten die Käfer. Auf der Höhe, wo der Friedhof lag, standen die Bäume um den verfallenen Zaun herum, die keiner gepflanzt hatte, in voller Blütenpracht. Und in den Zweigen sangen und schmetterten die Vögel, als riefen sie: „Menschen von Jltje, wachet auf!" Alle hatten in ihren Zügen etwas Freies und Frohes. Der liebe Gott hatte, da er feine Strahlenbündel auswarf, auch das überschüssige dunkle Erdkrümelchen nicht übersehen, aus dem er, nach Ansicht Ruwkes, des spöttischen Wilnaer Fuhrmanns, Jlije geformt hatte.... (Fortsetzung folgt.) Ein Weltensegler mit weltumfassenden Ideen. Frihjoff Nansen, der große Weltensegler, kannte auch keine Grenzen zwischen Mensch und Mensch. Millionen von Heimat- und Staatenlosen, hunderttausend Angehörigen des heimatlosen jüdischen Volkes, hat er mit seiner Flüchtlingsaktion und den Nansenpässen den Weg zu Heimat und Glück geebnet. Einem von der I. T. A. verbreiteten Nachrufe von Lucien Wolfs entnehmen wir: Die jüdische Gemeinschaft schuldet Nansen großen Dank. Sein erstes Werk irr Genf galt den Kriegsgefangenen und den Hungernden in Rußland. Diese beiden Fragen brachten uns häufig in Berührung miteinander, und als er 1921 zum Oberkommissar für das Flüchtlingswesen ernannt wurde, hatte ich den Vorzug, mit ihm bei der Bildung des Komitees privater Organisationen für Flüchtlingshilfe, das schließlich dem Nansen- Kommissariat angegliedert wurde, zusammenzuarbeiten. Bei den vielen jüdischen Aspekten des Flüchtingsproblems zeigte sich Nansen immer als ein warmer und von Energie beseelter Freund. Seine Dienste waren uns in politischer Hinsicht von unschätzbarem Wert. Auf Anregung des Joint Foreign Committee und der Jewish Colonisation Association hat er im Interesse der jüditchen Emigration interveniert, so u. a. als Südamerika sich anschickte, die Tore für neue Einwanderer zu schließen. In der Krisis der Jahre 1921—23, als die polnische und die rumänische Regierung gegen die russisch-jüdischen Flüchtlinge, die sich in den Grenzgebieten dieser Länder ansammelten, vorzugehen im Begriffe waren, hat Nansen die jüdischen Gesellschaften in der Abwehr dieser geplanten Maßnahmen unterstützt. Als im Herbst 1923 die polnische Regierung die Flüchtlinge ausweifen wollte, berief er eine Sondersitzung des Beratenden Komitees ein, dessen Eingreifen eine Zurücknahme der Drohung zum Ergebnis hatte. Als die rumänische Regierung eine Ausweisung der jüdischen Flüchtlinge aus Beßarabien unter harten Bedingungen anordnete, sandte er in seiner Eigenschaft als Oberkommissar einen energischen Protest nach Bukarest und bewirkte die sofortige Zurücknahme des Ausweisungserlasses. Er intervenierte auch erfolgreich zugunsten der - mit Entrechtung bedrohten äusländischen jüdischen Studenten an den österreichischen Hochschulen. (Statistische Daten der Wiener Kultusgemeinde für 1929.) Zugleich mit dem Rechnungsabschluß für das Verwaltungsjahr 1929 liegen dem Vorstände der Israelitischen Kultusgemeinde Wien die statistischen Nachweisungen der einzelnen Aemter und Abteilungen für das Jahr 1929 vor. Daraus ist zu entnehmen: Im Jahre 1929 haben 450 männliche und 443 weibliche, zusammen 893 Personen ihren Austritt aus der israelitischen Religion bei den magistratlichen Bezirksämtern vollzogen. Davon waren 523 ledigen Standes. Die größte Zahl der Austritte weist die Altersgruppe zwischen 30 und 40 Jahren auf. Der Eintritt in die Israelitische Religionsgesellschaft, bezw. der Wiedereintritt hat in 305 Fällen stattgefunden, davon betrafen 111 männliche und 194 weibliche Personen. Die Höchstzahl — 96 — weist die Altersgruppe vom 24. bis zum 30. Lebensjahre auf. Die Zahl der Todesfälle hat 2638 betragen, davon 1295 Männer, 1241 Frauen, 61 Knaben und 41 Mädchen. Die Höchstzahl der Todesfälle entfällt auf Herzkrankheiten mit 487, dann folgen die Erkrankungen des Blutes und seiner Bahnen mit 412 und Erkrankungen der Atmungsorgane mit 372 Fällen. Die Zahl der Selbstmorde hat 76 betragen. Die Höchstzahl der Todesfälle nach deni Alter ergibt sich mit 603 Fällen in der Gruppe zwischen dem 70. und 60. Lebensjahre. In 223 Fällen wurde ein Alter zwischen 80 und 90 und in 32 Fällen ein solches zwischen 90 und 100 Jahren erreicht. Die Anzahl der Geburten hat 1344 betragen, davon 670 männlich, 674 weiblich. Darunter sind 24 männliche und 18 weibliche Totgeburten verzeichnet. Insgesamt wurden im. Jahre 1929 : im Wirkungsbereiche der Israelitischen Kultusgemeinde Wien 1246 Trauungen und 328 Ehescheidungen vollzogen. In den Gemeindestempeln und in den von der Kultu'sgemeinde veranstalteten temporären Bethäusern standen insgesamt 10 065 Betsitze zur Verfügung. Im Jahre 1929 wurden im Schlachthause St. Marr 16 700 Stück Großvieh rituell geschlachtet, wovon 5243 Stück als trefe befunden wurden, ferner 12 697 Stück Kleinvieh, und weitere 4772 auswärts geschächtete rituell beschaut. Schließlich sind 103 Schafe zur Schlachtung gelangt. Im Geflügelschächtlokale der Israelitischen Kultusgemeinde wurden 54 683 Hühner und 333 Gänse geschlachtet. In der Versorgu-ngsanstält beträgt die Bettenzahl 347hiervon 115 für Männer, 232 für Frauen. 117 Insassen werden ohne jede Verpflegungskostenzahlung verpflegt. Im Jahre 1929 wurden 2656 Patienten im Spital aufgenommen. Die Zahl der gesamten Verpflegungstage für Patienten und Personal hat 103 659 betragen. Das Jugendfürsorgeamt hat im Jahre 1929 in 19 821 Fällen interveniert. 1929 wurden für allgemeine Fürsorge verausgabt: Für Monatsgaben S. 64818, an laufenden Unterstützungen S. 88 279, Unterstützungen aus Spenden S. 13 447, aus dem Präsidialfonds S. 25 734, für die Kohlenaktion S. 19 584, für Ferienaktionen S. 7500, für arme Bräute S. 12 059, für Speisemarken S. 3600. Im Jahre 1929 sind insgesamt 59116 Kultussteuerbemessungen ergangen. Der Gesamtaufwand für personelle Auslagen hat für das Jahr 1929 S. 2 477 000 betragen. Am Schluffe des Jahres 1929 waren bei der Kultusgemeinde insgesamt 522 Personen beschäftigt. 11 Personen waren im "Genüsse von Pensionen, 58 im Bezüge von Gnadengaben, welche aus einem bestandenen Dienstverhältnisse herrührten. Der Dienstbetrieb der Kultusgemeinde umfaßt 31 Aemter und Anstalten. (Sandersleben, das Schicksal einer jüdischen Kleingemeinde.) Im „Jüdischen Gemeindeblatt für Anhalt und Umgegend", schreibt Herr Mar Gold st ein - Sandersleben u. a.: Wie jedes Land, jede Stadt mehr oder weniger ihre historische Vergangenheit haben, so ist es nicht zuletzt die israelitische Kultusgemeinde hier, die sich einer wlchen Vergangenheit besonders rühmen kann. Durch die Toleranz, welche das frühere Fürstengeschlecht den Juden gegenüber übte, nahmen vikle unserer Vorfahren, nicht zum Schaden des Staates, ihren Wohnsitz in dem kleinen Lande Anhalt. Sandersleben, hart an der preußischen Grenze, war in früheren Jahrhunderten ein sehr bedeutender Handelsplatz (im Volksmunde daher auch Klein- Leipzig genannt) und da unsere Glaubensgenossen zu dieser Zeit fast nur auf den Handel angewiesen waren, ist es erklärlich, daß viele Sandersleben als Wohnsitzgemeinde den Vorzug gaben. In großer Blüte stand' damals hier die Schafzucht, die Juden kauften die Wolle auf und hielten große Wollmärkte ab, die die Käufer von weit und breit heranzogen. So entstand hier eine über 100 Mitglieder zählende israelitische Kultusgemeinde. Was dieser nun den Stempel der Historie ausdrückt, verdankt sie den aus der Gemeinde hervorgegangenen Männern. Heroen der Wissenschaft, des Handels usw. hatten ihre Wiege hier stehen, ihre Kinderjahre hier verlebt. Sie zogen hinaus, die Lehren zu verkünden, ihre großen Kenntnisse in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen und haben damit ihrer Glaubensgemeinde ein unvergängliches Denkmal gesetzt. Das Herz der Gemeinde, die 100 Jahre alte Synagoge (wir begehen im nächsten Jahre die Centenarfeier der Einweihung) zeugtnoch von der einstigen Größe unserer Gemeinde. Heute ist diese bis auf vier alte Familien zurückgeqangen. Trotzdem dieselben durch Weltkrieg und Inflation das Schicksal Tausender teilen, sind sie bemüht, in den Traditionen ihrer Vorfahren weiter zu wandeln und zum Teil mit Hilfe von Spenden hochherziger Stifter das vom Zahn der Zeit schwer mitgenommene schöne alte Bauwerk der Nachwelt zu erhalten und an hohen Feiertagen durch geldliche und persönliche Unterstützung der Glaubensgenossen aus den benachbarten preußischen Städten Hettstedt, Gerbstedt usw. einen Vorbeter zu gewinnen, um den Gottesdienst in althergebrachter Weise abhalten zu können. Vor dem Weltkriege konnte sich die Gemeinde durch staatliche Beihilfe sowohl als die aus der Baronin von Eohn-Oppenheimer-Stiftung (die Stifterin hatte auch zu Sandersleben enge verwandtschaftliche Beziehungen) erhaltenen jährlichen Zuwendungen noch einen eigenen Ehason halten. Nach .der Inflation war auch dieses nicht mehr möglich. In der Folge der Trennung von Staat und Kirche haben die staatlichen Zuschüsse aufgehört und gleichfalls unterblieben die Zuwendungen aus der erwähnten Stiftung. Schwer kämpften nun die wenigen Mitglieder um die Erhaltung ihres Gotteshauses. Das gegenüber der Synagoge gelegene Schulhaus mit Lehrerwohnung, in dem viele Jahrzehnte Israels Jugend in der Religion ihrer Väter unterrichtet wurde, war baufällig und da kein Geld zur Reparatur vorhanden war, mußte es verkauft werden. Die wenigen Zinsen, welche der Erlös des Hauses bringt, reichen nicht aus, um die allernotwendigsten Reparaturen am Gotteshaus vornehmen zu können, um dieses vor dem Verfall zu bewahren. Im Sommer vorigen Jahres erhielt die Gemeinde die erfreuliche Nachricht, daß die in Ahrendsee in Mecklenburg verstorbene Frau Justizrat Hausmann der israelitischen Gemeinde Sandersleben letztwillig 6000 Reichsmark vermacht hat, mit der Verpflichtung, die Gräber ihrer auf dem neuen Friedhof hier ruhenden Großeltern aus den Zinsen dauernd zu erhalten. Die Verstorbene ist die Tochter des in Sandersleben geborenen und in Berlin verstorbenen Herrn. Mar Frank, Prokurist des Bankhauses Bleichröder und einzigen Ehrenbürgers der Stadt Sandersleben. Auch dieser hat seine Vaterstadt und die Gemeinde, in der er seine Kinderjahre verlebte, nie vergessen. Der Tempel aber macht uns große Sorge. — Wenn diese Abhandlung durch ihre Verbreitung in die Hände von Nachkommen ehemaliger Sandersleber, oder von Freunden alter Stätten großer Männerdes Judentums kommt, so werden sie gebeten, beizutragen, zur Erhaltung derselben. Der Tempel ist ein schönes Bauwerk, eine Zierde der. Stadt und wird stets dem Judentum Ehre machen, wenn er erhalten werden kann. Ainderecke. tsm® Wer weiß es? Von P. Augustin. 1. Er stahl der Männer Herzen sich mit Küssen, Die seinen Plänen dienen müssen. 2. . Er log aus bittrer Not; Ihm selbst verschafft es Brot, Den Freunden bringt's den Tod. 3. Mit Gott im Bunde, Verleugnung im Munde. Wie reimt sich das? — Dreimal geschah's In gleicher Weise — ja auf der Reise. 4. Aus gottverlobtem Munde Lug Zu dreien Malen — schlimm genug! Doch als das Schlimmre fei's geklagt, Als er zuletzt die Wahrheit sagt. 5. Wer wollte zarten Sinns verschweigen, Was Gott ihm Düstres mußte zeigen? 6. Sie machten größer die Gefahren Und selbst die Menschen, als sie waren. 7. Wer nicht wohl ein Sch kann sagen, Ist ein Lügner, wird erschlagen. 8. Lieblicher Trost dem betrübten Haus — Doch man lachte den Tröster aus. 9. Daß gewiß das Wort sei wahr Riß in Stücke der Altar. 10. Alte Schuhe, alte Kleider, Alte Schläuche, altes Brot, Trog die Obersten, die leider Nicht erst fragten ihren Gott. 11. Wer hat ein Engelwort erdacht, gelogen Und jähen Tod auf „Bruders" Haupt gezogen? 12.. Wer hat im finstren Widerstand Ein Buch zerschnitten und verbrannt? Räksellösung. Weitere richtige Lösungen der biblischen Fragen in Nr. 19 schickten nachträglich (vor Veröffentlichung der Lösung) ein: Benzion Tachowski, Düsseldorf; Karl Mahl, Berlin: Arnold Lewin, Frankfurt a. M. ^ÜRO O * o z 2 4 UM I TELE POSTS V JULIUS SCHMIDT FRANKFURT AM MAIN LANGESTRASSE 7 TELEFON HANSA 25865 POSTSCH.-KONTO FRANKFURTMAIN 142 353 EINZIGE INSERAT EN-AN¬ NAHME FÜR FRANKFURTER GESCHÄFTS-INSERATE DES »ISRAELIT« AUSSERDEM ANNAHME VON INSERATEN FÜR SÄMTLICHE HIESIGE UND AUSWÄRTIGE TAGESZEITUNGEN, WOCHEN- UND FACHBLÄTTER ZU ORIGINALPREISEN.ANNAHME VON DRUCKSACHEN (HANDEL, GESCHÄFTE, PRIVATE) FÜR DIE HERMON-DRUCKEREI BEI BILLIGSTER BERECHNUNG UND KÜNSTLER, AUSFÜHRUNG IN SCHWARZ- UND BUNTDRUCK

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