Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1930)
- Date
- 1930-05-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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15. Mai 1930 17. Jjar 5690 Frankfurt a. den Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Nr. 2tt Abonnement ab Juli 1829: Deutschland 1.30 Marl monatlich; Auslcrnd: Vterteljahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Berfandes) Deutsch-Österreich: Schillings.—; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1 Juli Frankreich 25 Fr.; Belgien ab 1.7.27. Belga 9.; Holland 2 fl.; Italien ab 1.1.28.18 Lire; Jugoslavien 55 Din.; Litauen 7.50 Lit.; Rumänien ab 1. 7. 27. 150 Lei;'Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 6 Fr.; Tschecho-Slowakei 25 Kronen; Ungarn Pengö 9 ab 1. Juli 1927; Dänemark 3.90 Krön.; Norwegen 3.50 Krön.; Schweden 3.50 Krön. Einzelnummer vierzig Goldpfennigs. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 50 Goldpf. für die stebengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 40 Pf. 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Das Blut der Märtyrer von Hebron, der D’Tbtoi D’ffrrp die mitten aus vollendeter Hingabe an Gott und seine Thora dem arabischen Mordschwerte zum Opfer fielen, und die so letzten Endes ihr Leben lasten mußten für die Verirrungen der Jabotinski und Gegossen, diese ganze, jedes jüdische Herz aufwühlende Bekundung des. unzerstörbaren Arewus, das alle Teile des jüdischen Volkes, die Treuen wie die Entfremdeten, miteinander auf Leben und Tod verknüpft — dieses ganze Erlebnis sollte nicht einmal die eine kleine Wirkung gehabt haben, daß unsre nationalen Sporthelden nun doch ein ganz klein wenig menschliche Rücksicht auf das köstlichste Nationalgut des jüdischn Volkes, auf. den Sabbat, auf die Gefühle ihrer Eltern, Großeltern, ihrer Lehrer und Brüder nähmen? Eine solche Enttäuschung war nicht zu erwarten. Wenn man sich vor Augen hält, daß es keinem christlichen Verein in Erez Jisroel einfallen wird, am Sonntag ein Fußballspiel zu veranstalten,, wenn man in der Zeitung liest, daß' der englische Außenminister Henderson bereits am Samstag Abend in Genf eintrifft, weil er aus religiösen Gründen am Sonin ta g g runds ä tz l i ch n i ch t reist — dann erscheint einem in um so grelleren Farben das unerhörte, nach Sowjetrußland schmeckende Renegatentum des antireligiösen Fanatismus dieser sogenannten nationales! Kreise des heiligen Landes. Gegenüber dieser Tatsache braucht man sich über das Verhalten des jüdischen Richters weniger zu wundern, der eben nicht die innere moralische Unabhängigkeit aufgebracht hat, um die Pölizeiverordnungen im Geiste höhexer Gerechtigkeit anzuwenden. Wir haben bereits in der vorigen Nummer darauf hingewiesen, daß der Artikel, in dem „Times" die Mission von Sir John Simpson nach Erez Jisroel kommentiert, ein recht trübes Vorzeichen für die weitere Stellungnahme der britischen Regierung zum Shaw-Bericht bedeutet. Wir können uns der Befürchtung nicht erwehren, daß die starken Zweifel an der Ausführbarkeit der Balfour-Erklär u n g, die der Shaw-Bericht zum Ausdruck bringt, in englischen Regierungs kreisen geteilt werden, und daß man daher bis zu der unbestimmbaren Zeit, in der neue landwirtschaftliche Methoden zur Vervielfachung des anbaufähigen Bodens in Palästina gefunden sein werden, faktisch mit einer Verhinderung jüdischer Ansieölungen größeren Stiles rechnen muß. Trotzdem ist es eine unbegreifliche Torheit der jüdischen Presse Palästinas, die bei dieser Gelegenheit wieder einmal ihren geradezu hysterischen Charakter beweist, nun von vornherein Sir John Simpson in der schärfsten Weise anzugreisen und' herunterzusetzen, indem sie seine Objektivität ebensowohl wie feine.Urteilsfähigkeit m Zweifel zieht. Die gleiche Methode politischer Hysterie haben dieselben Leute befolgt, als die Shaw-Kommission in Palästina verweilte, und das Echo dieser ihrer Tätigkeit liegt — soweit psychologische Momente überhaupt wirksam sind — in dem Tenor des Shaw-Berichtes vor. Gegenüber dieser Frage aller Fragen: „gibt es genügend Boden im heutigen Erez Jisroel, um ohne Vertreibung der Araber jüdische Siedlungen in größerem Maßstabe anzulegen?", eine Frage, die doch erst jüngst von den Sachverständigen der Agency in positivem Sinne beantwortet worden ist, und die nun plötzlich wieder zum Problem werden soll — gegenüber dieser Frage aller Fragen tritt der Kampf um die Ordnung der politischen Verhältnisse in Erez Jisroel fast in den, Hintergrund. Wir müssen aber auch in diesem Punkte unserer Entrüstung Ausdruck verleihen über die unverantwortliche Methode führender zionistischer Persönlichkeiten, die sich nicht darüber beklagen sollen, wenn ihre eigene Schuld zum gänzlichen Zusammenbruch des zionistischen Experimentes führt. Die „Jüdische Rundschau" bringt aus einer Rede, die U s s k s ch k i n in einer Pressekonferenz des Keren Kajemeth in Jerusalem am 27. April gehalten haben soll, folgende Sätze: „Wir haben beigetragen zur E^eugung der größten Lüge, weil wir unser Werk wie ein Vogelstrautz geführt und unsere Bestrebungen nicht in ihrer vollen Wahrheit enthüllt haben. Wir hätten stets offen proklamieren sollen, daß wir unser Land in unseren Besitz zurücksordern. Wenn das Land frei ist von Bewohnern — gut! und wenn Bewohner da sind, dann mutz man J i e eben a n irgend einen anderen Ort überführen. Wir aber haben das Land zu bekommen.*) Wir haben ein Ideal, das größer und erhabener ist als die Sorge um einige hundert Fellachen. Die Araber haben genug Länder. Palästina ist nur Va Proz. des Bodens, der in ihrem Besitz ist. Demgegenüber fleht das jüdische Volk, das keinen Boden für seine nationale Eristenz hat. Ist es nicht gerecht, daß uns dieses Land übergeben wird? Mutz man wirklich unser Ideal verstecken und meiden mit lauter Stimme über unsere Bestrebungen zu sprechen?" Die „Jüdische Rundschau", in der bekanntlich Robert Weltfch mit großer Energie und Ueberzeugungskrast ungefähr den besonnenen Standpunkt des „ B r i t h S ch a l o m " vertritt, weist darauf hin, daß die Rede Uffifchkins von den anwesenden Journalisten mit einmütigeni Beifall ausgenommen worden ist, was nicht weiter zu verwundern braucht. Ebensowenig braucht man sich aber darüber zu wundern, wenn die arabische Delegation in London auf Grund des kostbaren Materials, das ihr von den Herren Ufsifchkin und Genossen in ihrem blinden Radikalismus geliefert wird, hinter den Kulissen der englischen Politik viel Verständnis findet. Letzten Endes ist es das/gleiche unjüdische, lediglich auf — eingebildete — Macht und äußere Momente gestützte Kraftmeiertum, das in der Politik der Jabotinski, Ussischkin und Genossen zum Ausdruck kommt, und das die jungen Sporthelden des Makkabi zu ihrem rücksichtslosen Kamps gegen alle religiöse Bindung begeistert. Mit Recht bemerkt die „Rundschau" (mindestens zur Hälfte in unserem Sinne) zu dieser Situation: „W ennnichtin zwölfter Stunde die Mehrheit der zronistischen Bewegung sich aufrafft, der Wahrh e i t i n s Auge z u s 1l) e n , wennnichi eine gründliche und bewußte, eindeutige Neuorientierung der zionistischen Politik ohne Aufschub eingeleitet wird', dann können wir der Zukunft nur mit schwerer B e s o r g n i s e n t g e g e n s e h e n." Zu den Wolken, die den strahlenden Himmel von Erez Jisroel in diesen Jjar-Tagen verdunkeln, gehört auch die Bestätigung des Todes- *) Von uns gesperrt. Red.