Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1930-05-08 · Heft 19 (8.5.1930) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 19 (8.5.1930)
Date
1930-05-08
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2450600-2450618--76931-2534559
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Das war zugleich eine bösartige Anspielung auf den Zwischenfall in der Tumohgasse in Wilna, den Jlije — es hatte sich seitdem nichts Aufregendes ereignet — noch immer nicht vergessen hatte, und paßte gut zu dem spröden, abweisenden Wesen des Mädchens. „Ist Dir," zankte Dwoire mitten in Zemachs schönste Psalmen hinein, „ist Dir der eine nicht fromm, der zweite nicht gelehrt genug, so suche doch einen anderen, einen besseren für unsere Esther. Soll sie sitzen bis zum grauen Zopfe? Bist Du nicht der Vater? Warum gehst Du nicht nach Wilna, wie andere? Dort in den Lehrhäusern, beim Gaon, gibt es fromme und gelehrte junge Leute, mehr als ganz Jlije Menschen Hab Warum sitzt Du da und überläßt alles mir?" Und schon, weinte sie dicke Tränen, von denen ihre Augen so viele in Vorrat hatten, als säßen darin, die warmen Quellen von Tiberias-- — Als sie ihm einmal besonders zusetzte, zog er den Sabbatrock an, nahm den Stecken in die Rechte und etwas Reisezehrung in einem bunter; Tuche in die Linke, küßte die Mesuso an der Türe, und bestieg den Wagen Rurvkes, um nach Wilna zu gelangen, nicht ohne vorher sich mit Schwur und Gelübde aufzuerlegen, um keinen Schritt die große Schulgasse zu verlassen und Satan, der sich etwa wieder an seine Rockschöhe hängen sollte, um ihn nach der Tumohgasse zu locken. Widerstand entgegenzusetzen, wie Vater Abraham dem Verführer auf dem Wege zum Morijah. .So kam er nach zwölf Jahren wieder aus dem Weichbilde Jlijes heraus. Mutter und Tochter wünschten ihm Glück auf den Weg. „Vater ist Vater!" weinte Dwoire Tränen der Versöhnunig. „Der arme Vater! Den richtigen trifft er doch nicht," lachte die Tochter ausgelassen. Zemach hatte Glück. Von Satan und Tumoh keine Spur. Lauter Judenbärte, schwarze, rote, graue, lange und kurze, die in die Luft stachen oder von dünnen, knochigen Fingern gezogen wurden, daß von ihnen Weisheit, Rat und Ueberlegung komme. Die einen wollten ihm was verkaufen, die anderen etwas von ihm kaufen. Wieder andere reichten ihm die Hand zum Schalomgruß und wollten s o wissen, woher er komme, wohin er gehe. Wenn er Juden, Jünger und den Gaon suche, so sei er zur glücklichen Stunde gekommen. Es sei ja Dienstag und Lernftünde in der großen Klaus, mit Gleichnissen des „Dubner". Ob er den Dubner schon je gehört? Nein? Da halte er sich bereit, heute noch in den siebenten Himmel zu fahren . . . Und ein Festchen werde es heute überdies auch noch geben,, es werde etwas ausgelernt . . . (Fortsetzung folgt.) Die Zahl der jüdischen Studierenden an den deutschen Universitäten. a) Universitäten. Die soeben im Verlag von Struppe u. Winkler, Berlin, erschienene „Deutsche Hochschulstatistik" für das Winterhalbjahr 1929,30 enthält besondere Tabellen über die im Wintersemester 1929/1930 immatrikulierten Studierenden der einzelnen Universitäten und Technischen Hochschulen nach Geschlecht und Gruppen von Studienfächern in Verbindung mit der religiösen, Zugehörigkeit. Den Tabellen ist zu entnehmen, daß in dem erwähnten Semester an den Universitäten des Deutschen Reiches 3824 Juden (4,21 o.« der Gesamtzahl von 90743 Studierenden) immatrikuliert waren. Von den jüdischen Studierenden waren 2767 männlich, davon 655 Reichsausländer, und 1057 weiblich, davon 199 Reichsausländer. Von der allgemeinen Zahl der Studierenden (90 743) maren 75 788 männlich, davon 729 Reichsausländer, und 14 955 weiblich, davon 149 Reichsausländer. Von den jüdischen Studierenden studierten Rechtswissenschaft 997 männl., 167 weibl.; Volkswirtschaftslehre 141 männl., 60 weibl.; Betriebswirtschaftslehre 58 männl., 14 weibl.; allgemeine Medizin und Zahnheilkunde 967 männl., 418 weibl.; Tierheilkunde 1 männl.; Philosophie und Pädagogik 90 männl., 36 weibl.; alte und neue Sprachen und Germanistik 154 männl., 182 weibl.; Geschichte und Geographie 75 männl., 37 weibl.; Mathematik und Physik 86 männl., 42 weibl.; Chemie 90 männl., 31 weibl.; Landwirtschaft 16 männl.; sonstige Studienfächer 92 männl., 70 weibl. An den Preußischen Universitäten ist das Verhältnis das folgende: An der Universität Berlin studierten unter 14126 Studierenden 1517 (10,74%) Juden, davon 1068 männl., 449 weibl.; Bonn unter 5257 Studierenden 133 (2,53o/o) Juden, 96 männl., 37 weibl.; Breslau unter 4251 Studierenden 300 (7,C6%) Juden, 231 männl. weibl.; Frankfurt a. M. unter 3665 Studierenden 329 (8,98o/o) Juden, 242 männl.,- 87 weibl.; Göttingen unter 3715 Studierenden 32 (0,86 o/o) Juden, 23 männl., 9 weibl.; Greifswald unter 1536 Studierenden 4 (0,26%) Juden, 3 männl., 1 weibl.; Halle unter 2243 Studierenden 16 (0,80o/o) Juden, 12 männl., 6 weibl.; Kiel unter 2120 Studierenden 9 (0,42o/0) Juden, 8 männl., 1 weibl.; Köln unter 5515 Studierenden 193 (3,50%) Juden, 157 männl., 36 weibl.; Medizinische Akademie Düsseldorf unter 230 Studierenden 12 (5,22o/o) männl. Juden; Königsberg unter 2681 Studierenden 83 (3,10o/o) Juden, 55 männl., 28 weibl.; Marburg unter 3315 Studierenden 29 (0,87%) Juden, 22 männl., 7 weibl.; Münster unter 3993 Studierenden 16 (0,40»/o) Juden. 9 männl., 7 weibl.; an allen preußischen Universitäten studieren demnach unter 52 383 Studierenden 2675 (5,08 o/o) Juden. Bayern: Erlangen unter 1692 Studierenden 26 (1,54%) Juden, 20 männl.,. 6 weibl.; München unter 8400 Studierenden 244 (2,84%) Juden, 174 männl., 63 weibl.; Würzburg unter 2713 Studierenden 116 (4,28o/o) Juden, 92 männl., 24 weibl.; in ganz Bayern also unter 12 905 Studierenden 384 (2,98o/o) Juden: in Sachsen (Universität Leipzig) waren unter 6367 Studierenden 206 (3,26 o/o) Juden, 166 männl., 42 tdeibl.; in Württemberg (Tübingen) unter 3036 Studierenden 18 (0,580/») Juden, 14 männl., 4 weibl.; Baden: Freiburg unter 3470 Studierenden 131 (3,76o/o) Juden, 78 männl., 53 weibl.; Heidelberg unter 2999 Studierenden 182 (6,07v/o) Juden, 119 männl., 63 weibl.; Thüringen (Jena) unter 2769 Studierenden 27 (0,970/0) Juden,'23 männl., 4 weibl.; Hessen (Gießen) unter 1686 Studierenden 42 (2,49o/o) Juden, 35 männl., 7 weibl.; Hamburg unter 3364 Studierenden 145 (4,310/0) Juden, 99 männl., 46 weibl.; Mecklenburg-Schwerin (Rostock) unter 1374 Studierenden 12 (0,87 0/0) Juden, 9 männl., 3 weibl. b) Technische Hochschulen. An den Technischen Hochschulen des Deutschen Reiches studierten' insgesamt 22 650 Personen (21992 männl., 658 weibl.), unter ihnen 547 (2,420/0) Juden (520 männl., 27 weibl.). Auf Preußen entfielen unter 8595 Studierenden 350 (4,07%) Juden, 338 männl., 12 weibl.; davon. Aachen unter 1027 Studierenden 16 (1,6 0/0) männliche Juden; Berlin unter 5041 Studierenden 300 (5,95o/o) Juden, 291 männl., 9 weibl.; Breslau unter 622 Studierenden 23 (3,70 0/0) Juden, 20 männl., 3 weibl.; Hannover unter 1905 Studierenden 11 (0,580/0) männliche Juden. Bayern (München) unter 4019 Studierenden 35 (0,87o/o) Juden, 32 männl., 3 weibl.; Sachsen (Dresden) unter 3407 Studierenden 40 (1,17o/g) Juden, 35 männl., 5 weibl.; Württemberg (Stuttgart) unter 2039 Studierenden 23 (1,13%) Juden, 20 männl., 3 weibl.; Baden (Karlsruhe) unter 1287 Studierenden 44 (3,42 0/0: Juden: 43 männl., 1 weibl.; Hessen (Darmstadt) unter 2323 Studierenden 44 (1,690/0) Juden, 42 männl., 2 weibl.; Braunschweig unter 980 Studierenden 11 (1,12 o/o) Juden, 10 männl., 1 weibl. (Wilhelm II. gegen Ritualmordmärchen.) Der Kriminalkommissar a. D. Gustav Steinhauer, der den früheren Kaiser Wilhelm II. als Detektiv überallhin begleitete, teilt in seiner vom „8-Uhr-Abenblatt" veröffentlichten Serie „Was ich am Hof Wilhelms II. erlebte" ein Gespräch mit,. das während eines Gastaufenthaltes des Exkaisers in Liebenberg, dem Landgute des Fürsten Waldenburg, stattfand. Man sprach über den angeblichen Ritualmord in Könitz, der damals ganz Deutschland in Aufregung versetzte. Ich muß gestehen, sagt Kriminalkommissar Steinhauer, der dem Gespräch beiwöhnte, daß die vernünftigste Ansicht in dieser Sache der Kaiser äußerte. Er nannte die ganze Geschichte einfach blödsinnig. Er bedauere es sehr, daß es noch einflußreiche und selbst vernünftige Leute gibt, die diesen Blödsinn nicht nur kolportieren, sondern ihn dadurch noch nähren, daß sie nicht dagegen angehen. An den Mienrn der Herren konnte er bemerken, daß sie nicht alle seiner Meinung waren. Darüber ärgerte er sich. Als dann einer der Herren bemerkte, daß sich die Juden doch tatsächlich gesellschaftlich von den Christen absondern, sodaß man auf den Gedanken kommen könnte, daß sie Heimlichkeiten treiben, erwiderte der Kaiser ziemlich ironisch: „Ich habe von einem gesellschaftlichen Absondern, insbesondere in den höheren Kreisen, noch nichts bemerkt. Ich kann auch nicht sagen, daß. mein Vater oder mein Großvater besonderes Vorurteil gegen die Juden gehabt hätten, im Gegenteil, der letztere hatte einen jüdischen Bankier namens Kohn. Dieser stand bis an sein Lebensende in größter Achtung bei meinem Großvater." Er bemerkte dann weiter, daß nach seiner Ansicht der Ritualmordgedanke von vielen Leuten nur aus Neid genährt werde, weil der Wohlstand der Juden immer mehr steige. „Fahren Sie doch einmal nach England oder Amerika. Da kümmert sich kein Mensch um die Juden, und zweifellos hat mein Onkel Eduard viele persönliche Freunde, die der jüdischen Religion angehören." Ainderecke. Biblische Fragen. Von P. Augistin. 1. Verräterin, unwürdige Braut, Der er sein ganzes Herz vertraut. 2. Zum Bade triebs die Tochter her — Und das kam nicht von ungefähr. 3. Aus lautem Festesjubel ward verstoßen Die schöne Königin vor allen Großen. 4. Sie kam von fern mit Gold und Spezereien Und kaufte edle Weisheit dafür ein. 5. Von sieben Töchtern kannst du eine nennen, Die ihren Mann am Brunnen lernte kennen. 6. Die Tochter giig mit Pauken au; und Reigen, Doch bald wird sie als williges Opfer schweigen. 7. . Nicht schön, und unwert ihrem Manne, Nahm Gott sich ihrer segnend an. 8. Um eitler Silberlinge Lohn Verrät sie schnöd den Heldenfohn. 9. Des Herren Macht, die Wunderhilfe bringt, der Prophetin Lied gewaltig wiederklingt. 10. Zum Racheplan des Mannes gab schnell sie Rat Doch eigne Grube nur sie ihm gegraben hat. 11. Vom Ohr den goldnen Schmuck sie lösen; O Toren, so schnell geneigt zum Bösen. 12. Der Schwieger zu Liebe wandert sie aus. Doch ziehet zurück sie der Heimat Haus. 13. Obwohl. mit dem Bruder vereint zur Tat Allein sie die Strafe getragen hat. 14. Welcher Jungfrau Freundlichkeit Machte, daß man um sie freit'? 15. Wie heißt die Königin, die nicht wollte Als sie zum König kommen sollte? 16. Nachdem sie längstens war begraben Soll bitter sie geweint noch haben. 17. Wer fragt in einem Satze drei Warum. Sein liebes Weib, doch das blieb still und stumm? 18. Bösen Brief schrieb einst ein Weib, Wahrlich nicht zum Zeitvertreib. 19. Die Tochter Benjamins schön und klug Im fremden Land die Königskrone trug. 20. Zu Kades in der Wüste haben Sie still ein wackres Weib begraben.. 21. Zur Warnung ward vor aller Welt Sie durch die Thora hingestellt. (Antworten an die Redaktion der „Kinderecke des Israelit".) Briefkasten. I. G. in Antwerpen. Gar so schlimm war das vom Autor nicht gemeint. Wir haben ihm Ihre Beanstandung zugestellt. Die Metzgerei und Pension Bär-May in Eberbach am Neckar bietet bei mäßigen Preisen beste Unterkunft und Verpflegung. Vorherige Anmeldung ist erwünscht. Die Aufsicht hat Herr Rabbiner Greilsheimer in Mosbach in Baden. Näheres Inserat.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.