Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1930)
- Date
- 1930-05-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 19 Frankfurt a. M., den —io: af« seVo S||\ Ein Centralorgan für das orMxe Mntam [[[fl) ZUL, , , ■ — ■— WlTZSj « Abontketnent av Jutt 1939: Deutschland 1.R1 Matt monatltch; A u s l an d: Merteljabrpreise (entsprechend dem-deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes)' Deutsch-Österreich: Schilling 6.—: Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ad 4 Juli Frankreich 25 Fr.; Belgien ab 1.7.37. Belgcr5.; Holland2fl.; Stallen ab 1.1. 28.18Lire; Jugoslavien 55 Din.; Litauen 7.80 Lit.; Rumänien ab l. 7. 37. 150 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 5 Fr.; Tschecho-Slowakei 25 Kronen; Ungarn Pengö 5 ab 1. Juli 1927; Dänemark 3.50 Krön.; Norwegen3.50 Krön.; Schweden 3.50 Krön Einzelnummer vierzig Goldvfennige.■ Der Israelis erscheint jeden Donnerstag. Inserate 50 Goldps. für die stebengespaltene Nonvareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 40 Pf. 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In mächtigen Akkorden, tönt der Rhythmus des Bibelwortes, die Ohren aber hören nicht den brausenden Klang, — und so wird die Epopöe, das Heldengedicht vom Herrn der Welt, zu einer Kinderweise, an deren Melodie man sich in beschaulichen Augenblicken erinnert. Wenn jener Heide den Inhalt des Judentums gelehrt haben wollte, während er auf -einem Beine stehe, so war er eben ein Heide, Aber größ^ Massen der Judenheit sind - längst' mit noch weniger zufrieden-als-jener Heide zur Zeiti Hillels, denn‘ ihnen; genügt ein . einziges Wort.: ’ H:: ' i.i"'!' ' Monotheismus1 lautet die Zauberformel, die m einem Worte das ganze Judentum erfassen will. Was bedarf es zur Erkenntnis des Judentums der: ganzen Bibel, da iu Dr ein kleiner Satz von sechs Worten schon die Essenz gibt, die dann in ddtn Worte Monotheismus, sich begreift? nnrr rr iipbk 'rriv vnv, dieser Satz künder den Monotheismus; das stimmt und ist dennoch in der-Verallgemeinerung und m der Nebelhaftigkeit der „ üblich gewordenen Auffassung nicht richtig. Mehrere Religidnen und eine Reihe phildsophischer Systeme dienen dem Monotheismus. Nirgends aber sst er so prägnant, so bis in die letzte Konsequenz menschlichen Verständnisses klar gestaltet wie im Judentum. Drei Begriffe stellt der kleine Satz des Schema hm: Elokim, Haschem, Israel. Elokim, die Allmacht, die höchste Intelligenz, ist die Ursache des Weltalls. Doch Er ist nicht seit den- Tagen der Schöpfung seinem Werke fern«, sondern ihm stets gegenwärtig als Haschem, der Seiende, und so M er Mch M^der GesWtÜM MensWeitsgeschich'te stets leitend gegenwärtig, wie es Js-* rael, Sein Volk, kündet. Zu Elokim, zur Eingottheit im Gegensatz zur Vielgötterei hat sich seit dem babylonischen Exil das Volk Israel Lurchgerungen. Daß aber Haschem das Geschick eines jeden Individuums und eines jeden Volkes allgegenwärtig bestimmt, wie es Israels Thora kündet, ist noch heute nicht Gemeingut in Israels Volksbervuhtsein. In vier Symbolen hat das erste Buch Moses bereits die gleichen Gedanken versinnbildlicht: Sabbat, Kescheth, Milah, Gid-hanascheh. Der Sabbat der Schöpfung bezeugt, daß die Welt, Gottes Schöpfung, irr» 2iv> sehr gut, ist, daß die Welt also gleich vollendet geschaffen wurde, so daß es keine Neufchöpfungen mehr gibt. Eine unvollendete Welt der Entwicklung hätte den Menschen vor die Unmöglichkeit, zur ^.^onnnenheit zu streben, gestellt und so Unmoral gestützt. Der jüdische Sabbat ist keine Sonntagsruhe. Wenn er ein Ausruhen von der Arbeit befiehlt, so geschieht es, weil die Arbeit schöpferisch ist und der Jude mit der Enthaltung von: jeglicher schöpferischer Handlung am siebten Tage, sich stets erneut zum Bewußtsein bringen solh öüß Gott eine vollkommene, d. h. zweckmäßige Welt geschaffen hat und es nur an der Menschheit liegt, auf ihr in einem Gan-Eden zu leben oder nicht. Der Sabbat legt Zeugnis ab für Mokim, den allmächtigen König der Welt. Kescheth, der Regenbogen am Himmelszelt, läßt die große Flut des Verderbens vor. dem geistigen Aug^ erscheinen, und indem er die Bürgschaft für ihre Nichtwiederholung gibt, kehrt er, «.aß Haschem, der allgegenwärtige Vater,-den Gang auf Erden so leitet, daß nie die gesamte Menschheit in rettungslose Entartung versinken kann: Anstelle der bisherigen Einheitlichkeit auf der Erde war nach der Flut die Veränderung der Differenzierung getreten, wie sie Haschem dem Noach mit den Worten ankündigt: „Fernerhin werden, solange die Erde besteht, Saat und Ernte, Kälte und Hitze,. Sommer und Winter, Tag Und Nacht nicht, aufhören." Alle diese sind seitdem-zu gleicher Zeit auf der durch die Flut geologisch vollständig, im Sinne weitester Differenzierung veränderten Erde. In dieser Stunde hattet anstelle der Menschheitsgeschichte die Völkergeschichte begonnen. >r,;- Dokumentiert der Sabbat, daß alles. Gefchafsene nach dem. Willen des SHöPfers fernen Daseinszweck erfüllt, so verlangt Milah, die Beschneidung am Glied der Sinnlichkeit, vom.Juden, mit den dem Menschen verliehenen freien Willen seinen Trieben Grenzen zu setzen und sich so in das große Schöpfungswerk harmonisch einzugliedern. Nur durch Sabbat und Milah, nur durch Grenzensetzung in seiner Arbeit und in seinen Trieben erkennt der Jude Elokim an. Die Gebote und Verbote der Thora aber sollen dieses Erziehungswerk an dem Juden, vollbringen. Jedoch nicht nur als Glied -m der Menschheit, deren ^Bestimmung es ist, aus freiem Entschlüsse sich der großen Symphonie des Weltalls einzufügen, sondern auch in seinem politischen Denken, das das Verhältnis der Völker zu einander betrifft, hat der Jude in der Thora den vorgezeichneten Lseg. Gid-hanascheh ist ihm hier das Symbol. Auf dem Wege zu seinem Bruder Esau, dem Prototyp der Macht, hatte einst — es war am Beginn der jüdischen Vülksgeschichte — ein Engel mit Jakob gerungen und dem schließlich Siegenden den Namen Israel, dem im Kampfe zwischen Göttlichem und Menschlichem, d. h. zwischen Recht und Macht, Obsiegenden gegeben. Für diese Ausgabe wurde ihm Gid-hanascheh, die Spanniader verrenkt und seinen Nachkommen für alle Zeiten zum Genuß verboten, damit sie ihnen; ein Symbol sei. Eine, 1 Verrenkung der Spannader bedeutet eine Lähmung der materiellen Kraft. Wer aber in seinem politischen Denken die Anerkennung der materiellen Macht ausschaltet und auch hier nur durch die Forderungen der Ethik sich bestimmen läßt, der macht sich zum Zeugen für Haschems Walten in der Völkergeschichte. Schema Israel mit den vier Symbolen vor der Thorazeit und den 613 Geboten und Verboten der Thora, — dieses zusammen erst ist der Monotheismus, sst der Dienst dem einen Gotte, wie ihn das Judentum lehrt. Dieser Monotheismus verlangt die ganze Persönlichkeit des jüdischen Menschen von der Kindheit bis zum Grabe, — und würde der Jude im Erkennen taufende ,Jahre alt werden, es würden sich ihm immer neue Seiten in der Wesenheit Gottes enthüllen, er würde den Monotheismus nie auslernen. S. G.