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Der Israelit · 1930-05-01 · Heft 18 (1.5.1930) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 18 (1.5.1930)
Date
1930-05-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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<Bf aller fittousgegeSen von der kandesorganisation des Jlgitdas-Jlseoel in Veutfvkland. >8. Jahrgang Hamburg, 1. Mai 1930 / 3. 3jar 5690 Nummsr 7 öchriftleitung: Wolf S. Jacobson in Kambnrg. Zewish Agency und Agudas Zisroel. Die" politische Exekutive 'der Agudas Jisroel Ijat die von der Kenessio Gedaulo im September 1629 zur Jewish Agency-Frage gefaßte Resolution dem Vorsitzenden der Jewish .Agency, Mr. Felix Marburg, seinerzeit zur Kenntnisnahme übermittelt. In der Resolution war bekanntlich ausgesprochen und begründet, daß Agudas Jisrole auf Grund der Entscheidung des Rabbinischen Rates den Beitritt zur Agency nur dann ins Auge fassen könne, wenn diese auf jede Finanzierung kultureller Aufgaben, die angesichts der weltanschaulichen Gegensätze nicht gemeinsam bearbeitet werden können, verzichtet. Mr. Felix Marburg hat nunmehr der Exekutive der Agudas Jisroel unterm 1. April mitgeteilt, daß er eine K o m m i s s'i o n ernannt habe, um mit Vertretern der Agudas Jisroel „einen Plan auszuarbeiten, innerhalb dessen Agudas Jisroel in der Lage sein könnte, mit der Äervish Agency zu kooperieren." Zu Mitgliedern dieser Kommission hat Mr. Marburg folgende Herren ernannt: Rabb. Dr. Leo Baeck in Berlin, Rechtsanwalt Dr. Aron Barth in Berlin, Hefchel F a r b st e i n in Marschau, Dr. Morris Hexter in London und Leo M o tz k i n in Paris. Von Seiten der Agudas Jisroel wird für die Verhandlungen ebenfalls eine ögliedrige Kommission ernannt werden, deren Zusammensetzung noch nicht feststeht. Lin Interview mit Rabbi Tobias Horowitz. Herr Rabbiner Tobias H o r o w i tz , der im Aufträge des Bes I a k o w s - S e m i n a r s in Krakau durch Europa reiste-, äußerte sich einem Vertreter des „Jüdischen Tageblatts" in Warschau gegenüber über seine Erfahrungen und Eindrücke. Es gelang ihm im Auslande, in Konferenzen und Beratungen prominente jüdische und nichtjüdische Männer über die Ziele der Agudas Jisroel zu informieren. In Paris konnte ein ständiges Bes Jakow-Komitee errichtet werden, dem die führenden Männer des französischen Judentums angehören. Das Haus Rothschild sowohl wie Grandrabbin L e v i bringen der Bes Jakow-Bewegung Interesse und Sympathie entgegen. Die materiellen Erfolge leiden unter den schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen in 'Westeuropa, verhältnismäßig waren aber auch .die finanziellen Resultate befriedigend. In London war die Arbeit für die Bes 'Jakow-Bewegung viel leichter, da dort schon vorher starkes Interesse für die Sache herrscht. Herr Rabb. Horowitz weilte in London gerade zur Zeit, da dort die Jewish Agency tagte und der Bericht der Untersuchungskommission erschienen war. Zur selben Zeit befand sich in 'London Rabb. Dr. Pinchas K o h n, der Präsident der Exekutive der Agudas Jisroel. Es wurde eine ganze Reihe von Konferenzen abgehalten. Aussprachen pflegte man u. a. mit Lord .M e a d i n g, mit dem polnischen Bo t f ch a f t e r und Persönlichkeiten des Ministeriums in Sachen 'der Kalenderreform und der Sonntagsruhe. Auch mit Mitgliedern der Jewish Agency, der zionistischen Organisation und der Misrachipartei wurde konferiert. Entgegen falschen Gerüchten erklärt 'Rabb. T. Horowitz, daß dabei nicht vom Eintritt ber Agudas Jisroel in die I e w i s h A g e n c y d i e R e d e w a r. Alle Aussprachen mit den Zionisten drehten sich um die Frage der M e st m a u e r und wirtschaftliche Angelegenheiten. Die Aussprachen trugen einen rein privaten Charakter. Was die spezielle Kommission, die von der I. A. zur Verhandlung mit der Aguda eingesetzt wurde, anbelangt, so sei diese schon in Zürich beschlossen worden und habe mit der V e s p r e ch u n-"g in London gar n i ch t s z u t u n. Mitteilung derpalästina-Zenkrole der Agudas-Iisroel. 1. Preisausschreiben: Wir machen darauf aufmerksam, daß zur Beteiligung an unserem Preisausschreiben nur diejenigen Spender zugelassen werden können, deren Beträge bis spätestens Dienstag, den 8. Jjar (6. Mai), bei uns eingelaufen sind. Von Postscheckeinzahlungen, die am 4. oder 5. Mai oorgenommen werden, bitten wir uns brieflich zu verständigen, damit die Einsender bei der Verlosung noch berücksichtigt werden können. 2. Bei genügender Jnteressentenzahl soll eine deutsche Monatsausgabe des „Kol Jisroel" erfolgen, welche regelmäßig über sämtliche Erez Jisroel-Angelegenheiten unterrichtet. Preis pro Eremplar 50 Pfg. Wir bitten die Interessenten um Mitteilung. 3. Te'egramm-Formulare, Geschenk-Karten anläßlich von Verlobungen, Barmizwaus u. dgl., zugunsten bedürftiger Kinder in Erez Jisroel sind zum Preise von RM. 1.—, 3.—, 5.— und 10.— bei uns erhältlich. Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel Frankfurt a. M.» Schwanenstraße 12, Postscheckkonto 53 900. Wozu verpflichkeken unsAgudisten die Arba kausaus? Von W. S. I. Ueber die vier Becher Weines, die unserem Sederabend das charakteristische Gepräge geben, ist in Wort und Schrift schon viel gesagt worden. Mit unseren heutigen Ausführungen wollen wir die Zahl der homiletischen Betrachtungen nicht um eine erhöhen. Wir wollen in entscheidender Stunde nochmals warnen, dringend warnen, uns zur Selbstbesinnung aufrusen, feststellen wo wir stehen,' und wo wir stehen könnten, l. Den e r st e n Becher führen wir zum Mund, nachdem wir die Worte gesprochen haben: „Der heiligt Israel und die Zeiten", nachdem wir den Gott gelobt haben, der uns diese Zeit erreichen ließ. Wenn Gott Israel heiligt, dann hat Israel in der Regel Proben seines Opfersinnes und seiner Opferfreude abzulegen. Gott heiligt es, indem Er schwere Last auf seine Schultern legt, den Stand und Grad seiner Heiligkeit abliest von der Art, wie es sich im Druck bewährt. Israels Heilige, das sind seine Märtyrer. Den höchsten Grad von Heiligkeit erreicht es in den Zeiten schwersten Martyriums. Gott heiligt die Zeiten, indem Er sie mit ihrer Schwerz mit ihren Verfolgungen und Nöten an Israel heranführt. Man sollte meinen, daß Israel wie jener Weise spricht: „Ich will heiligende Leiden nicht, sie nicht und nicht ihren Lohn". Und doch lobt das jüdische Volk gerade angesichts solcher seiner Heiligung zum Prüfstein werdenden Zeiten den Gott, der es solche schwere Zeit erleben und erreichen liest. Das ist der Sinn des ersten Bechers. Woher nimmt das jüdische Volk Kraft, Mut, Ausdauer, Opferfähigkeit und Lebensenergie, solche Zeiten zu ertragen, sie bewußt zu erleben? „Der erlöst hat Israel", ist der Gedanke, der zum zweiten Becher hinführt. Es schaut auf seine Geschichte, sieht, daß die schwersten Zeiten immer die besten waren für die Erlösung der Seele des Volkes, daß das Oel, je mehr es gestoßen wurde, desto größere Leuchtkraft hergibt, daß das feist gewordene Jeschurun übermütig wurde, daß, wenn das Herz des Volkes verfettet wurde, sich sein Ohr der Mahnung verschloß. Es sieht den Gott der Heerscharen durch die Länder schreiten und wieder und immer wieder das Volk aus der Verelendung zu sich Heraufziehen, erlebt jene Deutung: Ist sie ganz gesunken, sodaß sie nicht mehr weiter sinken kann, dann erhebt sich wieder die Jungfrau Israel. (Brochaus IV«.) Es sieht Gott durch die Geschichte schreiten „und ihm von Seiner Rechten her das Feuergesetz reichen", jenes Gesetz, das fordert: Werdet Heilige!, d. h. seid auch bereit, das Leben zu geben, wenn Ihr dadurch Euer Heiligsein erweisen könnt. Der dritte Becher wird geleert unter dem Eindruck jenes Wortes: „Gott gab Seinem Volk die Macht, Gott segnete Sein Volk mit Frieden". Es ist die mächtige Kraft der Thauro, die dem Volk die Segnung des wahren Friedens, letzter Harmonie, höchster Vollendung des inneren Ausgleicher sichert. Der Gott der Geschichte, der Gott, der uns die Thauro gab, zu Ihm sieht das jüdische Volk hin. Das Schwerste trägt es, im Hinblick auf das, was die Vergangenheit es lehrte, auch in der Gegenwart freudig und bewußt. Es weiß, wie schwer man es auch drückt, daß es die heilige Lade trägt, und es weiß, daß in Wirklichkeit sie und das Gesetz in ihr das Volk tragen, es hinwegtragen über die Niederungen von Not und Elend, durch die Schwere der Zeiten. J^xael ist fähig und freudig bereit sich zu heiligen, und auch die schwerste Gegenwart als erlebenswertes Geschenk entgegenzunehmen, weil der Blick in die Vergangenheit, die Kraft der Thauro es stärkt, und weil der Ausblick auf die Zukunft es tröstet. >,Jm kommenden Jahr in Jerusalem!" Unter dieser Hoffnung' leeren wir den vierten Becher. „Die Gegenwart mit aller ihrer Schwere ist eine Gott-gewollte Prüfung, die vom Einst des Gestern zum Einst des Morgen führt, da der Erlöser verdient, durch Schmerz und Not errungen wurde, da die Sonne der Heilung aufstrahlt über Jerusalem, Symbol der Wiedervereinigung von Gottes Volk und Gottes Land unter Gottes Herrschaft (Js. Breuer). So stehen die vier Becher in innigem Zusammenhang. Ihre Lehre macht auch die schwersten Zeiten ertragbar. erlebenswert, indem sie überwunden werden. II. Schwere der Gegenwart, Der Gott der G.eschichte, Das tragende Gesetz, Ein Jerusalem der Zukunft — das find die tragende« Gedanken des Seder, die tragenden Gedanken des Sinnes von Agudas Jisroel. Jede Gegenwart begreifen, sie bejahen, auch in ihrem Leid bejahen, das ist die große Ausgabe, zu deren Lösung Agudas Jisroel die versprengten Glieder des jüdischen Volkes zusammenruft. Um dieser Ausgabe willen schließt sie einen Bund um die Einzeinen, daß sie fest bleiben, bindet sie zusammen, daß die gesammelte Gemeinschaft die Kraft, die schwere Aufgabe zü lösen, die jede Zell uns stellt. Sie bindet die Menschen aneinander, indem sie diesen Bund aufbaut auf dem großen eindeutigen Gemeinschaftserlebnis, das Israels Vergangenheit, Israels Geschichte umschreibt, dessen Inhalt, dessen gestaltender Wille das Gesetz Gottes ist. Und indem sie für die Sicherung dieses Gesetzes, die Erhaltung seiner Lehrstätten überall und im heiligen Lande zumal arbeitet, schon dem Jerusalem der Gegenwart das Gepräge seiner Heiligkeit zu wahren und zu sichern hofft, will sie milarbeiten am Jerusalem der Zukunft. Und jeder Agudist steht vor der großen Frage und hat sie sich und der Gesamtheit in verantwortungsbewußter Hingabe zu beantworten: Helfe ich Agudas Jisroel mit, daß sie sich selbst getreu bleibe und ihre Aufgabe lösen kann? Jeder Agudist weiß, wie schwer die Zeiten sind, nicht nur wegen jenes furchtbarsten beispiellosen Unglücks in Rußland, nein, auch wegen all dessen, was sich in unserem eigenen Kreise abspielt an Wirtschaftsnot, die um des Schabbos willen schlimmste religiöse Not ist. an Abfall, Entfremdung, Mischehe, Vruderhaß und Bedrückung UUd Ausbeutung der Enterbten. Trägt jeder Agudist in vollem Bewußtsein diese schwere Zeit? Reicht er dem um seinen Schabbos Ringenden immer die hilfreiche Hand? Reißt er nieder die Mauern, die Haß und Entfremdung aufgetürmt? Setzt er sich mit dem ganzen Gewicht seiner Persönlichkeit für das Recht des jüdischen Arbeiters ein? Trägt jeder Agudist dazu bei, daß das Gemeinschaftserlebnis der jüdischen Geschichte auch im Leben jedes Einzelnen zu täglichem, zu ständigem Bewußtsein kommt? Lebt in jedem Agudisten die jüdische Vergangenheit mit ihrem verpflichtenden Adel voller Lebendigkeit? Fühlt er sich wirklich restlos als Glied des Ganzen und nicht eines besonderen Teiles? Orientiert, er sich, seine Neigung, seine Lebensnotwendigkeiten an 'den Erfordernissen des Klall Jisroel, oder nicht oft viel beguenier an denen des engeren Landeskreises, in dem er ausgewachsen und dessen Interessen ihm dahyr geläufiger sind und uäherstehen? Baut jeder Agudist wirklich mit ganzem Können und ganzer Habe am Erstarken der Thauro-Eemeinschaft, der Thaurostätten, des Thaurogedankens mit? Vergißt er nicht zu oft, in der Sorge ums Brot, daß der Mensch von Brot allein nicht lebt? Ist jedem Agudisten wirklich der Aufbau der heiligem Stätten im heiligen Lande, das sind die orthodoren

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