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Der Israelit · 1930-12-11 · Heft 50 (11.12.1930) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 50 (11.12.1930)
Date
1930-12-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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11. Dezember 1930 21. Kislew 5621 Nr. 5« Frankfurt a. M., den Begründet non Dr. Lehmann kn Mainz. xXb. Monneinenö aO Juli-1929: Deutschland 1.30 Mark monatlich: Ausland: Vierteljatzrpreise (entsprechend dem^ deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Berfandes) Deutsch-Lsterreich: Schilling 6.—; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1 Juli Frankreich 25 Fr.; Belgien ab 1.7.27. Belga5.; Holland 2fl.; Italien ab 1.1.28.18Lire; Jugo> slavien 85 Din.; Litauen 7.50 Lit.; Rumänien ab 1. 7. 27. 180 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty: Schweiz 8 Fr.; Tschecho-Slowaket 25 Kronen; Ungarn Pengo 8 ab 1. Juli 1927; Dänemark 3.8V Krön.; Norwegen 3.50 Krön.; .Schweden 3.80 Krön. - Einzelnummer vierzig Goldpfennige. Die 75 wm breite Rettamezeile: letzte Textseite 2.- Ml.,, vorletzt Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 50 Goldpf. für die fiebengespaltene Nonpareille-Zeile. 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Von Jacob Landau in Frankfurt a. Al. Von Licht und Flamme sprechen die Chanukkalichter jahrein, jahraus. Von einer geisthaften Vitalität sind die Worte und Mahnungen, die aus ihrem Strahlenglanze zu uns Herströmen. Uns 'erschließt sich ein unversiegbarer Quell gütlicher Kraft, aus dem reichen Boden einer noch reicheren Vergangenheit entsprungen, der über Berg und Hügel in eine immerwährende Zukunft hinquillt. Im Lichte vergangener Herrlichkeit wird uns manches Unsichtbare sichtbar, spürbar wird manches Geheimnis jüdischen Seins. Wie das Allerheiligste stehen die Chanukkalichter isoliert da, „ein Heiligtum sind diese Lichter, uns steht kein Recht zu, sich ihrer zu bedienen." Symbolhaftes Heiligtum jüdischen Lebens und jüdischen Denkens. Was ist Chanukka? Warum so heilig und so geheimnisvoll? Hasmonai kämpfte gegen hie Hellenen und Hellenisten. Makkabi führte-'den Kampf fort bis Zum siegreichen Ende, „Die Starken sielen in die Hand der Schwachen, die Ueberzahl in die Hand Weniger-;- Die kleine Minderheit' besiegte die große Mehrheit. Ein - bedeutendes- Ereignis - in der Geschichte! dev Völker, ein seltsames Wunder.. Ein nationales Fest eines Volkes, das mit dem Untergang gerungen, den Tod überdauert hat. Do hätte es fein müssen. Nicht, anders. Der nationale Wille eines Hasmonai und die trotzige Heldentat eines Makkabi hätten den Inhalt dieses nationalen Festes bilden müssen als Symbol für das Volksganze, als Symbol nationalen Stolzes, der sich in der Not bewährte. Nationale Merk- Male einem nationalen Feste. Was aber sehen wir? . An Stelle von Nationalismus tritt uns ein universeller Gedanke entgegen, Geist verkündend,' Li ch t, verbreitend. Erneuerung ist sein Losungswort. - Erneuerung wird nicht im. Kampfe um die Macht gezeugt,-sondern in dem ewigen MKgen um Geist und Lichts um G'tt und Welt. tm wird nicht am Chanukka der siegreiche m p f Makkabis gefeiert, sondern' das hohe Wv t i v Hasmonais in diesem Kampfes ' Hasmonaider greise Hohepriester, der im Allerheiligsten. Dienst tat, sah schwarze Wolken am Himmel des Judentums sich zusammenballen. Er sah die unermeßliche Gefahr der Verdunkelung jüdischen Geistes und Lichtes aus dem erdhaften Boden hellenistischen Wahns, der sich im Lande Israels gewalttätig breit machte, heraufsteigen. Jüdischer Geist und jüdisches Licht bedeuten zugleich die Zukunft der Menschheit. Makkabi, die von Kraft strotzende, lebendige und frische Jugend, stellte sich dem greisen Hasmonai zur Seite und erkämpfte mit ihm den Sieg jüdischer Wahrheit. Cm. Sieg auch für die Menschheit, ein universelles Fest in jüdischem Gewände. Im Lichte und in der Symbolik Chanukkas findet das Problem von Nationalismus und Univerfalismus im Judentum feine befriedigende Lösung. Der Geist des Judentums will Erbgut der gesamten Menschheit werden. Er ist universell. „Zu ihm Hinströmen werden alle Völker". Dieser. Geist aber muß in der Welt -eine kräftige Hochburg haben in Form einer geschichtlichen Nation, die an ihm ihr ganzes Leben aufbaut und gestaltet. Erst aus den nationalen Schranken einer solchen Nation kann das Urlicht der Ewigkeit in seiner Reinheit der Menschheit Zuströmen. Und je Mehr das jüdische Volk sich nationale Einschränkungen und Begrenzungen auserlegt, umso stärker und reiner sind die Strahlen seiner Sonne, die es der Welt zuwirft. Die Nährquelle des Lichtes — das Oel — muß lauter, rein und heilig fein und „versiegelt mit dem Siegel des Hohenpriesters", ftrn -von jedem schädlichen Einfluß der Unreinheit und Erdhastrgkeit. Wenn es dann auch wenig ist, seine Wirkung auf die Menschheit wird' immer von entscheidender Bedeutung fein. Das kleine Krüglein Oel, das war auch das entscheidendste im Kampfe Hasmonais und-Makkabis. Es reichte kaum für einen einzigen Tag, ein Wunder geschah und es brannte ob seiner Reinheit weitersort, über die sieben Tage der Schöpfungswoche hinaus, acht Tage lang. So ist es auch mit dem. Lichte des Judentums. Immerwährend und immerfort, über alle Zeitabschnitte der Geschichte hinweg, immer von neuem beginnend, leuchtet es der Zukunft der Menschheit entgegen, verheißend und erneuernd. * Dem jüdischen Volke obliegt es als wahrhaft nationale Aufgabe, der Menschheit voranzuschre-iten in wahrheitsgetreuer Lebensgestaltung, immer höher zu steigen in.die Sphären sittlicher Vervollkommnung, immer mehr Lichter anzuzünden in seiner nationalen Mitte. „Mit jedem Tage wird die Zahl der Lichter gesteigert," lehrt die Schule Hillels. Dies ist positiver Nationalismus, der feinen Sinn begriffen und feine wahre Aufgabe ersaßt hat. Der Einfluß auf die Menschheit im Sinne des Universalismus wird schon von selber kommen durch die gesteigerte Kraft des Judentums in Lehre und Tat, durch die lebendige Wirklichkeit eines auf Recht und Wahrheit eingestellten Volksorganismus. Die Wirkung eines von geistiger Kraft erfüllten Judentums auf die gesamte Welt wird nicht ausbleib ert. Sichtbar abnehmen wird die Finsternis in der Welt durch die Vermehrung jüdischen Lichtes. Sichtbar wird sich der Einfluß des Rechts über die Macht im Leben der Völker geltend machen, wenn nicht heute, so doch morgen oder übermorgen. Mit dem Fortschreiten der Menschheit in der Erkenntnis G'ttes als Quell des Rechts und der Gerechtigkeit werden auch die Opfer,' die das jüdische Volk an Geist und Kraft auf dem Altar der Weltgeschichte zu bringen hat, immer weniger werden, bis „die Erde voll wird der Erkenntnis G'ttes." „Mit jedem Tage wird die Zahl der Lichter gemindert, analog den Opfern der Festtage", lehrt die Schule Schammais. Die Opfer an den Festtagen, siebzig an der Zahl, die mit. jedem Tage sich verringertenwaren — so lehren unsere Weisest — für die siebzig Völker der Welt bestimmt. Dies bedeutet nichts anderes, als daß durch die Opfer des jüdischen Volkes für die Heiligung des g'ttlichen Namens in der Welt-auch die Völker der Erde allmählich zu den'Höhen g'ttlicher Bestimmung emporgeführt werden. Je mehr aber die Völker für die sittlichen Grundsätze des Judentums gewonnen werden, um so weniger werden dann die Opfer sein, die das jüdische Volk für die Zukunft der Menschheit zu opfern hat. Ebenso wird das Licht, das das Judentum in die Welt h i n a u s s e n d e t, mit Zunahme seines Einflusses an Aktualität abnehmen. Dies ist Umversalismus in des Wortes edelstem •Sinne, Chanukka ist nicht ein schreiendes Fest eines Volkes, das der Welt seine Muskeln zeigt. Es ist ein stilles, heiliges Fest, durchflutet von Geheimnissen jüdischen Seins, das von.Licht und Flamme spricht. Es ist ein Fest, an demvwahrer jüdischer Nationalismus in seiner Beziehung zum Universalismus kraftvoll und symbolhaft zum Ausdruck kommt. Drum ist es ge boten,--; die Lichter an die Haustür nach außen zu stellen", dort hart an die Grenze von Heim und Welt, dort, wo Nationalismus und Universalismus einander begegnen.

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