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Der Israelit · 1930-04-10 · Heft 15-16 (10.4.1930) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 15-16 (10.4.1930)
Date
1930-04-10
Page
– (sequence 17)
Language
German
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1 i Zacken srae Das Lavdheim unserer Schüler in Hofheim a. T. Von Direktor Dr. Mas in Frankfurt a. M. Die moderne Reform strebt eine Schule, in der die Jugend leben und erleben, in der sie ein Lebenvon selbsterziehender Gemeinschaft führen kann. Ob dieses Ziel sich noch mit dem Begriff einer Schule vereinbaren läßt, kümmert uns nicht viel. Der Jugend Erlebnis und Gemeinschaft zu ermöglichen, dazu sind wir da, das Ge- . fühl für beides zu vernachlässigen, bedeutet einen Zwang und eine Unterdrückung gerade jener Kräfte, die uns die Jugend zu unentbehrlichen Trägern unserer Zukunft machen. Die Schule muß aufgelockert werden; wo kann sie diese Auflockerung eher erfahren, als im Landschulheim, dessen erzieherische, soziale und hygienische Bedeutung nicht zuletzt darin liegt, daß es ein Heim und keine Schule ist. Wir haben in Hofheim etwas Aehnliches eingerichtet, nicht als Landheim unserer Schule, wohl aber als Heim für unsere Schüler. Jener bittere Beigeschmack, den manche andere für die Schüler getroffenen Maßnahmen an sich haben, , existiert da nicht. Zum ersten Male verstehen, die Kinder, daß etwas für sie geschieht; mit picht zu v zügelnder Ungeduld, mit froher Erwartung sehen; . dw Jugendlichen ' diesem * Tag entgegen, der mib ten in! die Schulzeit und; ins Schullebeck etwas - hiEleinbringen soll, wgs allen ihren - .Vorstellung g^y bon Schule widerspricht. Wie wird das sein? „Wird ÜeriLehrer dort ganz mit uns leben, das?, selbe reden, dasselbe hören, dasselbe tun, wie -wir zu Hause", die tollsten Gedanken wirbeln 'chuifch den Kopf der Buben und zumal der Mäd-l chen: die Schute hat erreicht, was sie sonst mit hundertfachen Bemühungen nicht erlebt: 14 Tage langsteht sie im Mittelpunkt des jugendlichen Lebens, Fühlens und Denkens.;3n. Hochstimmung geht die Fahrt vor sich. Mit den Empfindungen von Menschen, in denen sich alle Spannung gelöst hat und in deren Gesichtern sich - nur Freude malt, gehen sie gruppenweise vom Bahnhof zum Heim, merken garnicht, wie der Weg ansteigt, wie schwer das Gepäck, wie nahe sie Frankfurt sind. Losgelöst von allen ^häuslichen Verbindungen sehen die in dem immer noch über ihnen zur Höhe steigenden Ettlmger'- schen Heim nur die Nebensache, die Hauptsache in den waldigen Höhen und Baumriesen, die sich auf der arideren Seite dem Heim gegenüber trotzig gen Himmel recken. Am liebsten wären stedagleich hMUufgekleftert. Zunächst aber, steht eine Arbeit, eine lästige und doch lockende Arbeit bevor? Es.gift zu zeigen, was man alles mitgebrächt und was man alles zur Verfügung hat für die lange Zeit, in der man hier bleiben will: es wird -ausgepackt! Dann aber geht es hinaus auf die Berge! und da ist bald ein Plätzchen gefunden, sich auszutoben, das, öde und fghl^ von der Zerstörungsarbeit zeugt, die der Mensch an der Natur yormmmt: „ein Steinbruch" fügen Schon, die Vorbereitungen zur" Uebersiedlung wären bei den Mädchenapfpegender. Für eine Dolomitenexpeditiop Hären picht größere nötig gewesen' Dort üppekMmen, entwickeln sich die Püppchen zu Wieseln und die Spätzchen zu Mmmerfülten. ^er ^remoruch mutz verumen werdie Vorübergehenden achtlos. „Ein Steinbruch"! den und in einer eindringlichen Rede muß darauf jubeln die Ä^üler und schon sind sie daran, wie mtven, daß die Hausdächer dazu 'da sind, .daß die u.N.t e r Hnen warn Mn Und nicht auf ihnen; ' Bet Tisch'*2"™* Men und Surren, qm Schwätzen und Schalken, als ob sich diese Menschlein den ganzen Tag nicht, gesprochen hätten, nicht hätten sprechen können. Alle Konventionalität, alle erzwungene Feinheit, alles Unnatürliche findet feine Grenze, vor dem einfachen, mit Wachstuch überzogenen Tisch, vor de^-.Einfachen Dellern^ und vor der natürlichen Freundttchkest der Vorsteherin, und. .ihrer hilfreichen Geistert--Drei Äerzte im Haus beraten nicht so sicher wie diese für alle. Fälle. gßMteten und nie den Kopf und di^Nphe verlierenden Damen, die mütterlich bemüht Md,, . alles Notwendige herbeizufchaffen und gerecht zck verteilen. Bei Tisch sehe ich mir jeden einzostlen näher an, und erkenne ihn kaum wieder, oder vielmehr hier erkenne ich ihn erst richtig. Jeden wie er sein kann und so manchen, wie er sein muß. Da werden Talente entdeckt, pädagogische, technische und gesellschaftliche. Vor allem' über dichterische und schauspielerische. Davon zeugte die Abschiedsfeier der Untertertianerinnen, bei der viele selbstiverfaßte Stücke, und von den Mädchen'einstudierte Tänze zur Aufführung kamen. Und welche Freude bei den Vorbereitungen! Tctgelang vorher waren alle Säle des Ettlingerheims für Proben besetzt. lieber allem aber schwebt ein Geist der Verckrüllkichkeit, 'der Dankbarkeit und des Lebensgefühls, der sich auf alles legt, was von ihnen hier in Angriff genommen wird, das Lernen würzt, die Speise versüßt und selbst die unbeholfensten Bewegungen verschönert. Führer zeigen sich und werden willig anerkannt. Das kommt besonders der Gruppenarbeit zugute, die hier erprobt wird. Die Erfolge sind überraschend. Ganz spontan sagen die Schüler: „Da; lernt man gleich viel lieber, das ist ganz was anderes, da lernt manspielend leicht." Vor den vor der Mathematik ängstlich zurückweichenden Schülerinnen erhellen sich schwere Lehrsätze und Schüler, denen die französische Stünde nicht geradeein Genuß war, bekommen eine Leidenschaft für die Sprache. Freilich, ob der Schüler oder der Lehrer führt, hier gibt es keine Bänke und keine Katheder, hier sitzen sie im Kreis nebeneinander und lernen miteinander. T'hK i"m -isiv nato-'n TWia pnxn pH»? 2in niix otföJSHjn py Rabbi Salonion Schreiber Oberrabbiner, Beregszasz die Fliegen am Fenster die steile Höhe hincküfzüklimmen. 14 Tage lang ist dieser Bruch Mittelpunkt lustigsten Treibens, kühnster SprUngoMaftonen, komischster Szenen. Zum Schluß ist die ganze. Formation von Grund auf verändert, wo Sand war, sind Steine, wo Steine waren, ist Sand, wo es hoch, war, ist heute eine Tiefebene, und wo es niedrig war, ist heute ein Berg, eine Vorahnung gebend von der Prophezeihung: v'vsnni w>a^ aipsrn ym Man würde sich aber täuschen, wenn man glaubte, daß nur. die Jungen so tollkühn wären, die Mädels,, und sogar die jüngeren Stunden liegen nicht fest, es wird auch mehr. Man spricht soviel von .TMxäuMep,. M-sieinmäl mehr fortgegangen, nur das jüd ische so einem Landheim tre^p sie fpndie -Wirklichkeit. I Lernen darf nicht ausfallen, und es ist schön zu

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