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Der Israelit · 1930-04-10 · Heft 15-16 (10.4.1930) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 15-16 (10.4.1930)
Date
1930-04-10
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 Nr. 15 Der Israelit 10. April 1930 Das Zauberwort Rabbi Elle würde auch den ganzen Aufklärungskreis, wie eine heilige Formel den Spuk der Nacht, bannen. Indes sich Abraham, Sohn Abrahams zur litauischen Grenze begab, fuhr Rabbi Josef Teomim nach Berlin, um seinen Gönner Daniel Jtzig aus die große, seiner harrende Aufgabe vorzubereiten. XX. An der Grenze sammelte sich, von allen Seiten herbeiströmend, viel lcmgbartiges Volk, und Abraham war mittendrin, als gehörte er dazu. Alle hatten ein Ziel, und dabei schien der eine vom anderen kaum mehr zu wissen, als daß er zu gleichem Zwecke hergekommen fei, wie er selbst. War hier Messe oder Konferenz, oder hatte sich ein Teil des Mischen Golus wie ein Eisberg dem Meere losgelöst und in Bewegung gest^ Die Männer sahen ihn verwundert an, indes er so fragte. Von welchem Erdteile kam denn der Blondbart mit dem eigenen Akzent her und wozu kam er überhaupt, wenn er nicht wußte, daß heute hier der R a w, der große Rabbi Schneer Salman von Lady, durchkam? „Wo kam er her?" Auch das wußte er nicht? Aus Rußland kam er, aus dem Gefängnis, wohin ihn der Haß der M i s n a g d i m gebracht hatte. Der große Gaon in Wilna, — möge ihm Gott verzeihen, er ist ein Großer — wollte es gewiß nicht, aber warum schwieg er dann und warf nicht seine Bannstrahlen, statt nach Lady, gegen die Verleumder und Denunzianten im eigenen Kreise? Aber Gott im Himmel, der seine Heiligen im besonderen Schutz hat, sch wieg nicht. Er ließ ein Wunder entstehen, und der Rabbi war frei. Heute komme er hier durch auf dem Wege nach Lady, und seine Gereuen in „Weisheit, Einsicht und Erkenntnis" wollten/ ihn gleich an der Grenze feiern, ein Wort des Segens aus seinem Munde erhaschen. Segen? Es gab welche in der Ansammlung, die Fluch aus dem heiligen Mund erwarteten. Fluch und Verdammnis gegen Wilna, gegen die, welche mit schwarzem Wachslichte und> Posaune die „Frommen" verbannten: gegen die, welche den Heiligen in die Leiden der Gruft brachten. Hätte der Rabbi so lange nicht geschwiegen und nicht vergebens Freundschaft gesucht, wo man ihn und die Seinen nicht verstehen möchte, hätte er gehandelt, es wäre nicht so weit gekommen, klagten Renitente. Abraham, der mit einem Herzen voll des Frideens und der Einheitshoffnung! über die Grenze gekommen war, trafen solche Worte wie spitze Pfeile in die Seele. Aber er war im Bilde und wartete mit den Anderen der kommenden Dinge. Indes die Leute gen Ost Ausschau hielten, von wo die Troika kommen sollte, vertrieben sie sich die Zeit mit Geschichten über die Erlebnisse des Rabbi im Gefängnis und seine wundersame Errettung. „Die Ketten, mit denen sie ihn fesseln wollten, zerschmolzen, da er von den Flammen des Gebetes erfaßt wurde. Sie ließen ihn ungefeffelt." „Der Soldat, der ihn ins Gefängnis bringen sollte, warf die Waffe von sich und versank in den Boden, da ihn ein Blick aus des Rabbis Auge streifte. Die Bahn war frei, ganz frei, er hätte flüchten können, und keine Hand hätte sich gerührt. Aber das tut kein Rabbi Schneer Salinen. Cr ging allein hin und meldete sich im Gefängnis. Die Freiheit sollte ihm, wie den Söhnen Israel in Mizraim, nicht erschlichen, vielmehr am hellichten Tage vor den Augen aller werden." „Der Zar Nikolaus ließ ihn zu sich kommen, war wie vom Blitz von der Weisheit und Heiligkeit des Rabbi getroffen. Er wollte ihn befreien, wollte aber, daß er feine Getreuen mehr für das Land und den Glauben der Russen gewinne. Und weil der Rabbi dieses Ansinnen, wie ein Märtyrer alter Zeiten, zurückwies, mußte er noch länger im Gefängnis bleiben." (Fortsetzung folgt.) Ainderecke. Der Seder auf «Schloß Grüneburg". Von Hermann Seckbach. Wenn die Peßachzeit herbeikommt, da ergreift uns alle ein Gefühl der Unruhe. Schon in der Häuslichkeit gehl es recht „bewegt" zu. Mutti scheuert die Wohnung bereits wochenlang vorher mit ihrer Umgebung, und sie würde sicher gar nicht fertig werden — wenn ihr. liebe Binder, nicht fleißig dabei wäret. Nicht wahr? Nur der arme Papa darf da nicht mitmachen (d. h. soweit es sich nicht um sein „Reich" handelt) und muß notgedrungen von einem Zimmer zum andern wandern, bis er schließlich auf dem — Vorplatz oder, besser gesagt, auf der Diele landet. Für diese vorübergehende Unbehaglichkeit wird er aber reichlich entschädigt, wenn er nachher die blitzblank — unter eurer Mithilfe — geputzten Zimmer sieht und die wahrhaft echt jüdische „Jomtow-Stimmung" sich dann einstellt. Die Lasten der Zeit und die Sorgen, oft allzuschweren Sorgen des Tages werden vergessen, wenn alle sich beim Sederlisch vereinigen. Dann fühlt gewiß jede Familie sich — wie man im Volksmunde sagt — reich wie Rothschild! Doch nicht der materielle Reichtum, sondern der wertvolle ererbte Besitz an unvergänglichen geistigen Gütern ist es, der uns frohbewegt und glücklich macht. Und da in der Tat ein „Rothschild" — wenn er nach der Tradition lebt — an diesem Abend nichts anderes als das Brot der „Armen" essen kann, will ich euch, liebe Kinder, von einem Sederabend bei dem sel. Baron Wilhelm Carl von Rothschild erzählen. Es werden schon nahezu 40 Jahre her sein, da hatte der sel. Baron gerade an den Peßachtagen großen Familienbesuch. Aus London, aus Paris, aus Wien, überall her waren, anläßlich einer besonderen Veranlassung, Angehörige der Familie von Rothschild hierhergekommen und weilten aus dem Schlosse Grüneburg. Draußen im Schloßpark hielt der Frühling seinen Einzug. Wohin das Auge schaute, überall fiel der Blick ins junge Grün, dazu der Vielgesang der Vögelchen; ein Singen und Klingen! Und im Schlosse eine auserlesene Gesellschaft der höchsten jüdischen Aristokratie. Die Damen in vornehmen, kostbaren Kleidern mit langen Schleppen, die der „Mode" der damaligen Zeit entsprachen, befanden sich in angeregter Unterhaltung mit der Schloßherrin Freifrau von Rothschild. „Ja, meine Verehrten, sagte sie, heute sind wir alle Gäste meines lieben Gatten, der hier nach der alt.üdischen Ueberlieferung den Sederabend uns gibt. Sie wissen ja, wie selbstlos und hingebungsvoll er den Vorschriften unserer Religion nachlebt. Selbst bei dem Besuch unserer edlen Kaiserin Friedrich — meiner erhabenen gütigen Freundin — widmete er sich nur kurze Zeit dem hohen Gaste, um alsbald in sein „Lernzimmer" zurückzukehren. Und als neulich Sr. Majestät der Kaiser von Oesterreich hier gerade am Sabbat durchfuhr und mein Gatte in seiner Eigenschaft als Generalkonsul Sr. Majestät begrüßen mußte, ließ er, um den Sabbat nicht zu verletzen, vorher seine Uniform zur Bahn bringen, um sich dann dort für den Empfang umzukleiden. Und heute wird — um dem Rituellen zu genügen — der Sohn unseres Kantors den Peßachwein beaufsichtigen,, und uns — genau nach Vorschrift — je vier Gläser einschenken." Und als kurze Zeit darnach die Damen und Herren der von Rothschild'schen Familie sich um den Sedertisch des Barons Wilhelm von Rothschild gruppierten und dieser weihevoll die herrlichen Erzählungen unserer Hagadah vortrug, da verwandelte sich unsichtbar dieser Kreis aus vornehmem altem Adel in eine Gemeinschaft einfacher jüdischer Menschen, die alle das „Brot der Armen" aßen ... Streit am Sedertisch. Von Lya Steif. Die Mutter hatte diesmal den Sedertisch wirklich einzig schön vorbereitet, so herrlich, daß man ihn nicht genug bewundern konnte. Da standen die neuen goldgeblumten Teller mit dem himmelblauen Rand, davor die Kristallglasbecher mit den eingravierten Namen und all die Schälchen und Täßschen zu Sedergebrauch bestimmt. Und gar in der Mitte. Dort waren die Weinflaschen und der große prachtvolle Becher für Elia Hanovi, damit er gleich mittrinken kann, sowie er nur zur Tür hereinkommt. Das prachtvollste aber war doch die silberne Sederschüssel mit den Dingen, die der Vater brauchte, wenn. er den Seder rezitieren und dabei allen am Tische von den Sachen kosten lassen sollte, nach Vorschrift und Brauch. Fern anzu sehen war es. Vorne der junge Salat in der lachen Schale neben dem Kren auf der Porzellanschüssel und erst die Charauses. Auf die freute sich Paul am meisten, denn die schmeckten wundervoll, ein wahrer Leckerbissen. Das gebratene Ei und der Knochen fehlte auch nicht. Wenn es doch nur schon Abend wäre! Nochmals betrachtete er das Ganze. Solch schönen Sedertisch konnte niemand anders Herrichten wie ferne Mutter. Horch! Jetzt hörte er ein Klirren und Rascheln. Ein seines Stimmchen erhob sich, und Paul sah mit Staunen, wie.der gebratene Knochen aufstand und sprach: „Was gehabt Ihr Euch hier alle miteinander so? Wenn ich nicht hier wäre, der an das gebratene Osterlamm erinnert, das die Juden bei ihrem Auszuge aus Aegypten aßen, wozu wäret Ihr denn überhaupt gut? Ich bin die Hauptsache am ganzen Sedertische." Bei diesen Worten blickte er verächtlich auf die Anderen. Aber schon ertönte eine andere Stimme, die rief: „Nur stille, stolzer Knochen! Nicht Du bist hier der Erste. Wenn ich, der Moraur, nicht wäre, wüßten die Sedergäste nicht, wie bitter die Juden in Aegypten leiden mutzten, und weshalb sie Gott aus dem Elend. rettete. Nicht Du, sondern ich bin der Wichtigste am Tische." „Oho", ries das Tönnchen mit dem S a l z w a s f e r. „Du zeigst den Gästen, wie bitter die Juden leiden mußten. Aber ihre Tränen, die salzigen, die stelle ich dar. Und wären die nicht gewesen, wer weiß, ob der liebe Gott sich ihrer Leiden erbarmt und sie aus Aegypten befreit hätte. Das Allerwichtigste bin ich beim Mahle." „Stimmt alles nicht", sagte die Charauses- Schüssel, „hier spiele ich die Hauptrolle. Denn wären die Leiden der Juden nicht ein wenig gemildert worden durch die Hoffnung auf Befreiung, wie ich es mit meiner Süße verkörpere, diese Leiden wären ihnen so unerträglich geworden, daß die Rettung zu spät gekommen, und sie schon vorher zugrunde gegangen wären." Natürlich wollten auch die M a z z o s das Allerwichtigste am Sedertische sein, und bald schrien alle durcheinander und stritten fürchterlich, weil jeder recht behalten und das letzte Wort haben wollte. Es war ein Getöse und Lärmen, die Schüsselche,n schlugen gegeneinander, ganz heiß war der Kampf. Da öffnete Vater die Türe und Paul, der beim Tische sitzend eingeschlafen .war, erzählt«; ihm vom Streit. Der Vater gab aber allen Unrecht 1 und meinte/. „Laßt sie nur streiten um den Vorrang. Wichtig sind sie alle, doch der Wichtigste heute Abend am Sedertische bist doch D u, der Ma-nisch-Tanoh-Sager!" Die Lösung de^biblischen Rätsel in Rümmer 14. 1.. Simson, Richter 16. 2. Abraham. M. I, 22. 3. Moses Tod, M. V. 34. 4. Der Libanon, Jesajas 60. 6. Ebal, M. V, 27. 7. Der Berg Samaria von Amri angekauft, Kön. I, 16. 5. Der Berg Ararat, M. 1, 8. 8. Der Sinai, M. II, 19. 9. Abigajil steigt den Karmel hinab. Sam. i 25. 10. Moria, Gilboa und Karmel. 11. Debora im Gebirge Ephraim, Richter IV. 12. David besteigt auf der Flucht den Oelterg, Sam. II, 15. 13. Die Berge Gerisim und Ebal, M. V, 27. 14. Moses auf dem Berge Nebo vor seinem Tode, M. V, 34. Die Schwanen-Apotheke teilt uns mit, daß von den Medikamenten, die neuerdings unter der Aufsicht der Jsr. Religionsgesellschaft hergestellt werden, die gangbarsten bei ihr vorrätig sind. (Siehe Inserat.) Am 15. Mä^ ds. Js. wurde Zeil 26 die neue Staatl. Lotterie-Einnahme Harsinghausen eröffnet. Anfänger im Spiel haben Glück. Auf das in dieser Ausgabe befindliche Inserat der Einnahme verweisen wir empfehlend. Eine völlige Umwälzung für das Kochen, Braten und Backen bedeutet der neue Senkinggas- ) e r d Mod. 1930. Seither benötigte jeder gute und parfame Brenner eine komplizierte Jnnenkonstruktion, was in der Praxis die so ärgerlichen Verunreinigungen und häufigen Störungen herbeiführte. Als bahnbrechende Neuerung bringt jetzt Senking einen Brenner, der schneller kocht, sparsamer brennt und dem keine Verunreinigung schadet. Eassachleute erklären den neuen Brenner als „großartig und einzig in seiner Art". Ebenso groß aber ist die Verbesserung des Gasofens durch neuartige Rückstrahlplatten, welche die Wärme so ideal verteilen, daß sich die Anheizzeit auf die Hälfte verringert und im gleichen Ofen und zu gleicher Zeit gebacken und gebraten oder gegrillt werden kann, letzteres ohne Begießen und ohne Fettzutat; dabei sind die Speisen derartig saftig und wohlschmeckend, wie man dies seither noch nicht gekannt hat. Das Wichtigste an den Neuerungen ist aber die Tatsache, daß sie keinen Mehrpreis zur Folge haben. Die Herde find vielmehr unter Berücksichtigung der Verbesserungen sogar nicht unerheblich billiger als alle seitherigen marktgängigen Modelle. Zahlungserleichterungen werden überdies in bereitwilligster Weise gewährt. Praktische Vorführung jederzeit bei der Firma E. Hage u. E o., A m E s ch e n h e i m e r T o r 3. Verantwortlich kür den allgemeinen Teil und das Feuilleton S. Schachnowitz, Frankfurt ä. M; Inserate i. D.: S. Schachnowitz. ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. Kaufmann, in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Verlag Israelit", ®. m.b.H.. Frankfurts. M. - Druck: Hermon Verlag und Drückerei, Frankfurt a. M.

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