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Der Israelit · 1930-04-10 · Heft 15-16 (10.4.1930) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 15-16 (10.4.1930)
Date
1930-04-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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** *. , ™ c 10. April 1930 / ll. M», den 12. Mßan 6690 Nr. 15>16 Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. für die Sutr 19S9: Deutschland 1.30 Mark «onätttch Ausland: Viertel» Der Israelit rede« Dönnerntas. Inserate SO Go andes) Deutsch-Österreich eich 28 Fr.; Belgien ab 1.7.27. Belga 5; vouano » n.; »rlnrea ao r. i. w. laisue; «ngo» awien 66 Dm.; Litauen 7.68 Ltt.; Rumänien ab 1. 7. 27. 160 Lei; Pole» 4 deutsche Bold» mark zum Tageskurs oder 7 Zloty. Schwei, 8 Fr- Tfchecho-Slowakei 26 Kronen; Ungarn gö 8 ab 1. Juli 1827; Dänemark 8.50 Krön.; Norwegen 8.80 Kro«.; Schweden 860 Krön. Einzelnummer vierzig Eoldpfeunige. Höhe e Inseratauftriige» tanf«. Preis« Verlag des Israelit G. m. b. 8 ^w. durch sämtl. Annoncen»Erved. des In» und Auslands ostsparkaffe Wien Nr. 7»««..— msterdomNr.24888onnements oder aus Inseraten Die nächste Nummer erscheint Donnerstag, den 24. April. _su.; ______laufende« leben. Vorbehalt. Jnseratenannahme durch de» t a. M., RechneigrabenstraSe 7, Tel. Hansa 21884 _____„_und Auslands Alleinige J»s«ate«an». fürFranif. ischäftsanz.: vul. Schmidt, Langeflr. 7. ll, Tel. Hansa 25885. Platzvorutzr. ohne Berbiudlichr. lnioLA M^agti »ende» Zahlungsverpflichtungen ist SranNnrt n. " Die Religionsverfolgrmgen in Rußland dauern fori. Eine Schreckensbotschaft! kommt aus Leni ng r a d (Petersburgs Sie wird uns von zuverlässigster Seite übermittelt, so daß an ihrer Nichtigkeit kein Zweifel erlaubt ist. Das in unsre .Hand gelangte Schreiben hat folgenden Wortlaut: .„Ein Verhängnis, ohnegleichen auch für unsere Begriffe, traf in Leningrad Lehrer und Jünger, die beschuldigt sind,,- das Th-oraftudcum b etrleben und verbr eitet zu h all en; Vor drei Monaten bereits wurden in Leningrad unter besagter Anklage Rabbi Schimon L a s a r o w, Rabbi N is san, sieben Thorajünger, sowie der Vorsteher des Veshamidrafch, in dem die. Genannten lernten, in Untersuchungshaft genommen.. Nunmehr wurde am Mittwoch, den 26. März, das Urteil über die Angeklagten gesprochen. Die Rabbiner Schimon L a sa ro w und Rabbi Riss ä n wurden zu z e h n j ä h r i g e r G e - f ä n g n i s st r a f >e auf der Insel S o l o w e tz k verurteilt. Es ist dies das fürchterlichste Gefängnis der Welt auf einer Teufelsinsel, von der di e w e n i g st e n l e b e n d z u rückte h re n. Die sieben jungen Leute wie der Vorsteher Iäsno h o r i tz k r wandern für d re i Jahr e in das gleiche Gefängnis. Alle sieben jungen Leute zählen ungefähr 18 Jahre. .Einer von ihnen ist Sohn des genannten Rabbi Lafarow. Die gesamte jüdische Welr wird aufhorchen und erzittern bei dieser Nachricht und die jüdische Oeffentlichkeit, wie die große Weltpresse müssen ihre Stimme erheben. Vielleicht, läßt sich das, schwere Unheil vom Haupte der Unschuldigen, der Märtyrer : der Thora und der Religion, noch abwenden, bevor sie -die Reise ins Verderben angetreten haben!-" Wir wissen nicht, was die jüdische und die große politische Oeffentlichkeit heute tun kann, um den Wüterichen in Sowjetrußland. Einhalt zu gebieten. Wir verweisen nur in diesem Zusammenhang auf das dieser Tage ergangene Protestschreiben des Berliner Bischofs Dr. Schreiber, in dem er zum Kampfe der Gläubigen aller Konfessionen gegen die Gottlosen in S o w j e t r u ß t a n d aufruft. Auch der g o t t gläubige Jude gehöre in die große Emheitsfront des Glaubens gegen den Unglauben, heißt es in diesem Aufruf. Wir brauchen uns nicht erst diesem Aufruf anzufchließen, da wir, vielleicht als erste, schon bei Anlaß der Veröffentlichung des Vatikans dem Gedanken der Einh e i t s f r o nt a l l e r Gottgläubigen Ausdruck verliehen. Können wir auch unseren Brüdern in dieser schweren Not ihrer Seele und ihres Lebens im Augenblicke keine positive Hilfe leisten, so wäre, es doch unbrüderlich, unser Fest der Befreiung anzutreten ohne ein Gefühl des Mitempfindens einen Gedanken der Hoffnung, ein Wort des Gebetes für die, deren Hilferufe, wie aus einem brennenden Haufe, immer lauter, immer herzzerreißender zu uns dringen! . - Der neue Mensch. Zeitbekrachtung zum Petzachfeste 5690. Von Oberrabbiner Dr. Adolf Mtmann in Trier. -I^rrn V1N2 SW vnrr vnn „Heute seid -ihr hinausgezogen im Monate der Aehren ..." (Exod. 13, 4). Seit tausenden von Jahren hämmert uns das Merkwort der Bibel dieses „heute" ins Gedächtnis. Immer neu und jugendfrisch, wie der Monat der Aehren, wie der Lenz in seiner Verjüngung, erscheint.von Jahr zu Jahr das alte Fest der Überschreitung und ruft uns zu dieses Wort voll Kraft, dieses „heute". Seht, heute seid ihr.hinausgezogen! Kein gestern ist es und nichts einst Gewesenes, nichts VerAüngenes .uind Verrauschtes, was doch so lange schon, einstens einmal-sich für uns'zutrug, sondern ein Heute, ein Jetzt ist es geblieben, was Peßach uns zu künden hat. „Heute seid ihr hinausgezogen". Mag dazwischen eine ganze Weltgeschichte liegen, Völkern sieg und Vülkersturz, Kultuvenaufbau und Kulturenverfall, aller Errungenschaften Segen und aller Katastrophen Fluch, was ficht es den Gang des jüdischen Schicksals an, es nimmt seinen Wey über der Zeiten Flucht und spricht jetzt wie damals fein „heute". Heute seid ihr hinausgezogen. Man weiß nicht, was typischer ist am ganzen Peßachfeste als dieses eine Wörtchen „Heute". Es liegt darin» die ganze Eigenart jüdischer See- . lenkunde und jüdischer Historik, der tiefste Sinn und Geist jüdischer Lebenslehre und Lebenskraft. Was nützten uns Erinnerungszeichen und Sinnbilder, Sedertisch und Festtagslied, Gebet und frommer Brauch ohne dieses „heute"? Wäre alles nicht beseelt und getragen VM der Lebendigkeit des „heute", der Peßach hätte nicht mehr Sinn als eine schöne . Gedenkfeier, die sich, schnell verflüchtigt. Aber das „heute" macht uns Peßach zum Selbsterlebnis, erhebt es. zur Gegenwärtige kett und Wirklichkeit des Jetzt. Heute, jetzt erleben wir das im Nachklang wieder, was den Ahnen schon Erlebnis war. Da ist nichts Antiquiertes am Inhalte unseres Festes, nichts außer Kurs Gekommenes. Kein Veraltetes, Ungangbares, denn dieses setzt man unter Glas und stellt es ins Museum. Man bewundert und ehrt es, aber mau lebt' es nicht. Matt lebt nur das Neue, das Frische, das Atemdurchhauchte, das Jetzt, und das Peßachfest will das Jetzt sein, wie das. Judentum denn überhaupt dasselbe sein will, das Jetzt, das im blutwarmen Leben der WirMchkeit seine Fundamente legt und im Hauche des Lebensodems atmet. Man hat itr der Häggada nach Höhepunkten gesucht und gefragt, welche von den vielen wundervollen Stellen dieses herrlichen Buches" eigentlich den Hochmoment des ganzen darstellt. Man ist nicht verlegen mir An'tworten und weist mit mehr oder weniger Geschick und Recht auf die eine oder andere Stelle hin. Aber man geht sicher nicht fthl, wenn man als Höhepunkt die Stelle heraushebt, die das Peßacherlebnis in die Gegenwärtigkeit verlegt und mit Nachdruck das „heute" betont,, es ist das die Stelle des mitreißenden Bekenntnisseszü dem „jetzt", das sich in den Worten ausdrückt: viöxy r>rr nmV. aix n”n' ym th *oa CD^S»Ö H5P „In jeder Generation und in jedem Zeitalter ist der Mensch verpflichtet, sich so zu betrachten, als wäre er selbst mit aus Aegypten gezogen, denn so heißt es-in der Schrift: Verkünden sollst du deinem Sohne an jenem Tage und sagen, um dessentrvillen hat es mir Gott getan, als ich aus

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