Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 14 (3.4.1930)
- Date
- 1930-04-03
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 Nr. 14 Der Israelit 3. April 1930 nen Weg vom Priester zum jüdischen Rabbi. Kurz streifte er das tragische Geschick Menachem Leibs in Paris, aber mit solchen innigen Worten, daß in den Augen beider Männer dicke Tränen standen. Moses Mendelssohn erhob sich, und erst jetzt sah Abraham, wie klein und verkümmert der Körper war, der einen unverhältnismäßig großen Kopf trug. Mendelssohn reichte seinem Gast noch einmal die Hand, als müßte er ihn erst jetzt richtig begrüßen: „Gesegnet im Namen Gottes!" Er hatte die wundersame Geschichte des „Ger Zedek" gehört. Es hatte sich in Berlin und überall herumgeredet. Er hielt sie für eines der frommen Märchen, wie sie um diese Zeit um Rabbi Elie in Wilna und andere Größen herum in der Welt gesponnen wurden. Nun stand der Mann, der Träger dieses späten jüdischen Wunders, der personifizierte Sieg der ewigen jüdischen Wahrheit, leibhaft vor ihm. So vollständig war der Jude und der Rabbi in ihm, daß er, der Welt und Menschen kannte, nicht mehr die Spur der Vergangenheit in ihm wahrnahm. Mendelssohns Auge hatte in diesem Augenblick den verklärten Zug eines plötzlich beglückten Kindes. Dann, als er sich wieder sammelte: „Ihr habt einen wundersamen Weg hinter Euch und - wäret der richtige Mann, unser Werk zu unterstützen und zu fördern. Ihr schöpfet aus zwei Kulturen und seid ins Judentum so hineingewachsen, daß Ihr es den anderen zeigen könntet, wie Thora und Bildung, Welt und Judentum zusämmengehören'. Gott hat Euch hergeschickt, im richtigen Augenblick an den rechten Platz. Bleibet hier. Ihr seid im lutherischen Berlin vor Behelligung sicher und für das Weitere lasset m i ch sorgen." Langsam befreite Abraham seine Rechte aus den weich und warm ^ie umklammernden« Händen des Meisters. „Ihr wollt nicht?" „Ich kann nicht. Gott ruft mich, nicht hierher, aber zu anderen Aufgaben. Ich höre den Ruf Tag und Nacht, im Wachen und im Schlafen. Zuerst sprachs zu mir aus zwei erschrockenen Augen eines kleinen Judenmädels in Wilna, zuletzt aus den toten Augen des Mannes, der für mich in den Tod gegangen ist. Ich muß weiter." „Eine Mission?" „Wenn Ihr es so nennen wollt, ja! Die Mission ist groß und gewaltig. Und glücklich, wer ihr Diener sein darf! Widerstreit und Zwiespalt herrschen in Israel, und kaum gab es eine Zeit, die so viele großen Männer und Lehrer auf einmal aufwies. Aber sie kennen sich nicht und verstehen sich nicht. Wie die Sterne am Himmel, deren jeder seine eigene Bahn wandelt; aber der Doppelsegen spricht auch vom „Sand am Meere", dem Symbol des Zusammenhaltens, daran fehlt es. Und aus Mißverständnissen entstehen Brände, die, wie in Altona, zur Zeit auch in Wilna, die ganze jüdische Welt in Flammen setzen. Israels zerstreute Kräfte sollen gesammelt, die Großen zusammengeführt werden, daß sie sich kennen und verstehen und ejnsehen, wie sie alle das Gleiche wollen. In der heiligen Stadt Jerusalem soll die höchste Stelle errichtet werden, von wo aus Recht und letzte Entscheidung für Israel in der gesamten Diaspora gesprochen werden. Nicht i ch bin der Mann, der all das Große vollbringen könnte, ich bin nur der letzte Bote dieses Werkes. Rabbi Jecheskel Landau in Prag hat mir den Plan eingehändigt und Rabbi Elie in Wilna wird ihn prüfen und zur Ausführung bringen." (Fortsetzung folgt.) Etwas über: Sehnsucht nach Erez Zisroel. Mehrfach habe ich den Artikel in Nr. 12 dieses Blattes mit obiger Überschrift lesen müssen und ich konnte un d kann nicht begreifen, daß dieses Zeilen eines Men* schen sind, der durch die Veröffentlichung im „Israelit" artut, daß er zu unserem Kreise gehört. Es hätte mich nicht j gewundert, derartige Ausführungen in einem uns Juden fernstehenden Blatt zu finden. Darf ich Herrn C—u K—y ftagen, ob er jemals mit Menschen sich ausgesprochen hat, die ihr alles, Familie, Tättgkeit rc. aufgegeben haben, nicht weil ihnen „Europa zum k.ist", nicht weil sie glauben, in Erez Iisroel „Neues, Befferes oder Schöneres" zu finden. Nein, lieber Herr C—u K-y, Menschen, die dieses suchen, sie würden hierfür nicht Erez Jisroel auswählen, sie könnten in andere Länder aüswandern, brauchten dort' weniger hart arbeiten und hätten eher Aussicht auf finanziellen Erfolg. Es ist eben die in uns steckende, mit der Muttermilch eingesogene Liebe zu Erez Jisroel, die selbst, wenn sie bei Menschen geweckt wird, die sonst dem Judentum,, oder sagen wir, dem traditionellen Judentum fernstehen, ftuchtet. Ich kann nicht annehmen, daß der Schreiber des oben erwähnten Artikels seine Ausführungen auf die o’Tina an den mj’P’ in Erez Jisroel gemünzt hat, aber hingewiesen muß darauf werden, daß n'a auch eine beträchtliche Anzahl stteng orthodox lebender v'nibn in Erez Jisroel tätig sind, tätig um im schönsten Sinne das fo viel mißbrauchte Wort von rw Tn ns min zu erfüllen, indem sie lernen und leben im Sinne der Tauroh und gleichzeitig aiür> nrra erfüllen. Und selbst für die große Anzahl der o’SiVn» die sich nicht so führen, wie wir es wünschen, hat der Artikel keine Berechtigung, denn es sind nicht die von Herrn C—u K—y aufgeführten Momente, die sie nach Erez Jisroel getrieben haben, sondern es ist reine Liebe zum Heiligen Lande. Wir sollen wissen, daß es n'a im jüdischen Volke noch Menschen gibt, die die Kraft haben, sich ihren Idealen zu opfern, daß Juden in ErezIisroel tättg sind, die nicht hinüber gegangen sind, weil sie im Heimatlande keine Existenz hatten, oder weil sie „Neues, Befferes oder Schöneres" suchten, sondern, die hinüber gegangen sind ins Land unserer Väter, weil „einst Propheten von dort ihren Weckruf ins Land und über Landesgrenzen hinaus sandten" und „weil Gottesoffenbarung sich dort sichtbar vollzog". Und selbst, wenn bei einem Teil dieses nicht der direkte Anlaß zur Einwanderung in Erez Jisroel war, dann ist es "eben , die geheimnisvolle Kraft von Erez Jisroel, uns Juden an sich, zu ziehen und an sich zu ketten. Es bedarf keiner Erwähnueg, daß wir gegen die Chaluzim, die nicht im Sinne der Tauroh leben, Stellung nehmen sollen, denn wir wissen, Erez Jisroel kann sich nicht erhalten, wenn dort nicht entsprechend den Vorschriften der Tauroh gelebt und gearbeitet wird, aber so unberechtigte Ansichten, wie sie in dem Artikel aufgeführt werden, dürfen nicht unbeantwortet bleiben. I—e K—n. Ainderecke. Biblische Rätsel. Von P. Augistin. 1. Wer trug ein schweres Tor mit Macht Auf Bergeshöh um Mitternacht? 2. Wer zog zu unbekanntem Ziel: Zum Berg, den Gott ihm zeigen will. 3. Zum Berge schallen Klagelieder — Ein großer ging und kam nicht wieder. 4. Den Rücken deckt ein Wald mit edlen Bäumen, Die Füße hält ihm kalt des Meeres Schäumen. 5. Kennst Du den Berg? An sein schneeweißes Haupt Stieß einst ein großes Schiff; wer hätt's geglaubt? 6. Vom Berge weiße Steine schauen Ins Land, drein das Gesetz gehauen. 7. Zwei Zentner Silbers zahlt ein König Für einen Berg — fürwahr nicht wenig — Und baute seine Hauptstadt drauf: Ihr Name rührt von jenem Kauf! 8. Wie ein Altar des Herrn so ragt der Berg gen Himmel, Um seine kahlen Hufe wogt ein bunt Gewimmel. Und droben raucht's und kracht's und sprüht's vom Feuerglanze, Und drunten betet an das Volk und lauscht im Kranze. 9. Ein Weib ritt einst den Berg hinab Die Esel beladen mit reicher Gab' 10. Drei Berge sind mit Blut getränkt. Zu nennen leicht für den, der denkt: ( a) Am ersten strömt in tiefen Rinnen Der Opfertiere Blut von hinnen. b) Der zweite zeigt Erschlagner viel Nach mörderischem Kampsgewühl. c) Der dritte fraß der Priester Leben, Die sich dem falschen Gott ergeben. 11. Auf dem Gebirge, unter Palmenkronen Sah man ein Weib zum Gerichte thronen. . , . 12. Mit Tränen, barfuß und das Haupt verhüllt Geht' der zum Berg, der sonst'des Glückes Bild. 13. Von einem Berg erklingt der Segen Vom andern schallet laut der Fluch; Sechs Stämme stehen dort entgegen Den andern sechs, laut Mosis Spruch. So tragen sie im Wechselchor Die göttlichen Gebote vor. ,14. Von hoher Warte drang des Auges letzter Strahl Ins schöne Land. Dann nahm das Grab ihn auf im Tal. Im schönen Heidelberg, das jetzt mit der schon beginnenden Baumblüte im Nissan und zu nov die Fremden anlockt, hat das Restaurant Blum in famoser Lage (Anlage 23a) seinen Betrieb neu eröffnet. Bahnhof, Geschäftsstraßen, Universität, alles ist nahe zu erreichen. Wer es weiß, wie schwer die wirtschaftliche Lage nicht nur auf dem Essenden, sondern auch aus den Verabreichenden lastet, wird wünschen, daß Geschäftsleute, Studenten, Erholungsuchende mit Befriedigung das Weiterbestehen des einzigen unter Aufsicht stehenden Restaurants in Heidelberg begrüßen. (Siehe Inseratenteil.) Wir machen unsere Inserenten besonders darauf aufmerksam, daß der bekannte Damenfriseur Eugen Ochs, wegen seinen vorzüglichen Leistungen in Vubikopfpslege, Dauerwellen (neuestes Dampf oerfahren), Henne-Haarfärbungen, Anfertigung aller modernen Haararbeiten, sehr zu empfehlen ist. Herr Ochs hat schon in allen Großstädten Preise errungen und ist den Ansprüchen jeder verwöhnten Dame gewachsen. Die neueste Frisirrmode ist stets in seinen beiden Schaufenstern zu sehen. Auch die ver-- wöhnten Herren werden nach amerkanischetm Muster bedient. Seine Preise sind sehr mäßig. Auch aus seinen Verkauf von in- und ausländischen Parfümerien zu Originalpreisen sei hingewiesen. Badenweiler, Thermal- und Luftkurort im südlichen Schwarzwald (450 Meter über dem Meeresspiegel), hat seine Frühlings-Saison begonnen. Im Bezirke der warmen Quelle entfaltet die Natur eine verschwenderische Pracht und seltenen Liebreiz. Diesz Fleckchen Erde ist dazu geschaffen, Gesundheit und Erholung allen zu bringen, die sie in beschaulicher Ruhe suchen, llm sicher zu sein, an Petzach ein schönes Zimmer zu finden, empfiehlt es sich, dem dorotigen Jüdischen Hotel „K u r h o t e l Bellevue" die Ankunft vorher mitzuteilen. (Näheres siehe Inserat dieser Zeitung.) Wir machen unsere Leser daraus aufmerksam, daß die seit 19 Jahren bestehende Bäckerei David Stein, hier, am 8. April ihren Betrieb nach der Hanauer L d st r. Nr. 30 verlegt (siehe Inserat) und durch ihre neuesten maschinellen Einrichtungen allen Anforderungen gerecht werden kann. Bäckerei Stein hat keinerlei Mühe und Kosten gescheut, um einen in jeder Beziehung erstklassigen und modernen Betrieb einzurichten. Im wunderbar gelegenen, im Aufschwung begriffenen Bad Homburg findet man angenehmsten Aufenthalt im neureno: irrten Hotel „Bellevue". Bestgelegen, gegenüber dem Kurhaus und Park, finden Sie dort Zimmer mit allem Koinfort zu kulantesten Preisen, das Gewünschte für jeden Geschmack bei entgegenkommender Bedienung. Das unseren Lesern wohlbekannte Fischhaus Lölfeiert (siehe Inserat) sein 50jähriges Geschäftsjubiläum, was wohl jeder, der heutige Verhältnisse kennt als Beweis dafür nehmen kann, daß es stets bemüht war und ist, seine Kunden tadellos zu bedienen. Für die kommenden Jaumtauftage kann sich jeder wieder davon überzeugen. Die Engelapotheke (siehe Inserat) bringt als sehr empfehlenswerte Neuheit für Petzach die gebräuchlichsten Arzeneimittel heraus. Interessenten wird empfohlen (allen Aerzten ist die Liste hierüber zugestellt), darauf zu achten, daß die für diesen Zweck ausgeschriesbenen Rezepte den Vermerk „Pessaol" tragen. WBsmmmamBBamaemmeBBBammaaBmaaBmseB^amms® Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton S. Sch achnowttz, Frankfurt a. M.; Inserate i. B.: S. Schacknowitz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. Kaufmann, in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Verlag Israelit", (8. m. b. H., Frankfurt a. M. — Druck: Hermon Verlag und Druckerei, Frankfurt a. M.