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Der Israelit · 1930-03-27 · Heft 13 (27.3.1930) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 13 (27.3.1930)
Date
1930-03-27
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14. Nr. 13 lich ihr Streit um „das gelegte und ungelegte Ei" sei. Abraham loste sich los von diesem Kreise und legte in einer privaten Aussprache dem Hofjllden Daniel Jtzig seine Plane in allen Einzelheiten dar. Er fand ein aufmerksames Ohr. Daniel Jtzig sagte, etwas Aehnliches habe ihm immer schon vorgeschwebt. Er sei ein Mann des Friedens und des Ausgleiches, die äußere Not zwinge dazu. Man könne in den Höfen kaum etwas ausrichten, wenn man immer zu hören bekomme, Ihr seid ja selber unter Euch nicht eins. V „Darum," fügte er wie zu seiner Rechtfertigung hinzu, „dulde ich auch, die Versammlungen der jungen Leute mit ihren neuen Plänen in meinem Hause, und unterstütze sie. Ich teile ihre Ansichten nicht, habe auch keine Zeit, mich darin zu vertiefen. Man sagt mir aber, es gehe nicht gegen die Religion und es sei ein Weg zum Frieden und zum Ausgleich. Dieses Wort hat. etwas Bestechendes für mich." Daniel Jtzig erklärte feine Bereitwilligkeit, den Plan des Prager Rabbi Landau zu unterstützen und mit Hilfe anderer Hoffaktoren und Geldmänner zu finanzieren, wenn ... Der Hofjude nannte den Namen des jungen Gelehrten, der in Berlin in aller Munde war. Eigentlich nur Buchhalter bei Jsak Bernhard, aber mit Lessing und Kant und anderen großen Männern in Freundschaft verbunden. Er hatte gelehrte Bücher geschrieben, die großes Aufsehen erregten. Dieser Moses Dessauer, sagte Daniel Jtzig, komme leider nicht so oft in sein Haus, aus Mangel an Zeit, vielleicht auch aus Mangel an Interesse an endlosem, oft fruchtlosem Gerede junger Männer, die im Ringen noch keinen Anker gefunden ... Man sagte ihm, daß. 9(e Bücher des Deffauer, klares Bekenntnis zu Gott enthielten und im Sinne der heiligen Lehre geschrieben seien. Es wäre gut, riet er, Abraham würde diesen seltenen Mann aufsuchen und ihm die Pläne vorlegen. Wenn er sie empfehle, dann seien die Wege offen ... Und da Abraham mißtrauisch noch mehr über den Mann und seine Werke wissen wollte, gab Jtzig zu, nicht viel davon zu wissen. „Meine geschäftlichen Anliegen und meine Arbeit für die Gemeinde und viele Gemeinden lassen mir keine Zeit, philosophische Bücher zu lesen: kaum, daß mir Zeit übrig bleibt, täglich eine Stunde dem Thorastudiüm zu obliegen. Ich tat es bis jetzt unter Leitung eines großen Gelehrten, Rabbi I o s e f T e o m i m. Er ist seit einiger Zeit Rabbiner in Frankfurt an der Oder Ein vortrefflicher Mann von großer Gelehrsam? keit. Sein großes Werk „Peri Megodim" erobert, wie mir von allen Seiten gesagt wird, die ganze jüdische Welt, und das Werk," fügte er mit großem Stolz hinzu, „ist in m e i n e m Hause entstanden. Es wäre gut,-- wenn Ihr ihn in Frankfurt, es ist nicht weit, besuchen könntet, um mitihm die Pläne zu besprechen." Daniel Jtzig kam von den Neuerern, sogar vom Dessauer, vollkommen ab, sprach jetzt nur noch in.den höchsten Tönen von Rabbi Josef ^.eomim und ließ durchblicken, daß ihm das Urteil dieses Mannes wichtiger und ausschlaggebender sei, als das aller Gelehrten und Philosophen zusammengenommen. Der -nächste Weg war somit für Abraham gegeben. (Fortsetzung folgt.) Reminiszenzen an eine paläskinareife. Nach Berichten ausgezeichnet von Jsaac M. Mainz. Im Krimkriege 1856 stand ich vor der vergitterten Anzeigentafel im Vorhofe der Synagoge der Israel. Religionsgesellschaft und las eine Bekanntmachung der Hamburger Rheedereifirma Louis Knorr ü. Co., daß ein Auswandererschiff mit Koscherverpflegung ab Hamburg nach Amerika ginge, 1., 2. Kajüte und Zwischendeck. Welche Fortschritte die Schiffstechnik in diesen'73 Jahren gemacht hat, brauche ich nicht zu erwähnen, solche liegen klar vor Augen. Aber weit, weit übertroffen sind die Der Israelit Fortschritte auf dem Gebiete ritueller Verpflegung. Denn was die damaligen Passagiere erster und zweiter Kajütte vor den Zwischendeckreisenden voraus hatten, bestand darin, daß sie' eigene Küchenherde zur Bereitung der Speisen hatten, während die letzteren sich selber die Gelegenheit, suchen mutzten, auf Kohlenpsannen ohne Fe-uersgefahr das Essen zu, -bereiten. Die damaligen Zwischendeckzustände würde die Generation von heute nicht begreifen noch glauben. - Was es heißt, 14—18 Tage (Schnelldampfer gab es damals nicht) in einer, solchen Atmosphäre zu verbringen, ist füruns unfaßbar. Alle Wände hingen..-voll von Tallesim- und Tesillinbeuteln, die abends, mit Tüchern, aller. Art verdeckt wurden. Auch eine Berührung, der Zwischendecker mit 1. und 2.' Kajütenfahrern .durfte < wegen. Ansteckungsgefahr nur M geringsten Matze stattfinden. Aber alle Männer und Frauen jüngeren Geschlechts und Greise wie Greisinnen waren, beseelt von der Hoffnung, in neuem Lande eine bessere Heimat zu finden. - Amerika hatte Menschheitsrechte proklamiert, insbesondere für die Eingewanderten eines tt-na»! *]»»» 09. Sie, sahen mit großen Augen die Inschriften an den Hafenausgängen a^ia« pns «a’i o-nsm inna „Oeffnet. euch, ihr Tore, damit ein glaubenstreues Volk in euch einziehe." Auch der Segen dafür blieb nicht aus. Denn wie in den Städten P h i l ad e l p h ia und Baltimore, die in den 1840er Jahren als -ns für Auswanderer infolge der Judengesetze namentlich aus Kurhessen, Nassau und Bayern ausgesucht wurden, diese zur Entwicklung der Städte beigetragen haben, so erging es New York. Und heute beherrschen tausende Enkel und Urenkel der damaligen Generation den Großhandel,, die Börse, die Eisenbahngesellschaften, die Trusts, und. begreifen sich als dankbare Mitbürger bei jeder Gelegenheit. . Rückwanderungen kamen keine vor iaij?a Vy »’x 'lV»a 83- Zu Anfang des 20. Jahrhunderts kann man schon einen großen Fortschritt nicht allein in der Technik,, sondern auch in den Bemühungen, allen Reisenden jegliche Möglichkeit höchster Bequemlichkeit und guter Verpflegung zu bieten, beobachten, sowie das Interesse für den Orient zu wecken, nachdem es auch der deutsche Kaiser durch die Reise dorthin getan hatte. Der Oesterreichische Lloyd erließ im Febrüar 1905 eine Bekanntmachung, daß er bei genügender Beteiligung beabsichtige, eine Palästinareise, für vier Wochen berechnet, mit einer vollständigen Koscherküche ausgerüsteten Dampfer gegen den Betrag von 600 Kronen zu veranstalten. Diese neue Idee fand in allen Teilen Deutschlands und Ungarns großen Wider--- hall .Auch mein Herz pochte bei dem Gedanken, die historischen Stätten mit eigenen Augen sehen zu können. Ich wollte die Fahrt mitmachen, aber^m »*k aVa nia»na man Viele Gedanken birgt das Menschenherz, jedoch nur der Ratschluß Gottes bleibt bestehen. So auch bei mir. Ein tückisches Leiden umspann mich und die Aerzte erklärten, mich einer Operation unterziehen zu müssen. Ich mußte mich fügen. Aber der gütige Gott gab mir den Gedanken, meinen Töchtern die Reise abzutreten, umsomehr als die inzwischen verstorbene Frau E. Schwarzschild und deren Sohn, die sich bereits in den Passagierlisten eingetragen hatten, so freundlich waren, volles Protektorat über meine Kinder zu übernehmen. Meine Töchter frohlockten, ich aber sagte ihnen: Fasset die Reise nicht als Vergnügungsreise auf, sondern als religiöses Erlebnis. Bedenket eurer dreimaligen Bitte mvvnv und zrna und richtet eure Herzen nach Moriah. Auch alles Vorgeschriebene beim Anblick und Betreten der Städte des heiligen Landes, sowie Verhaltungsmaßregeln am na» und .a-nis gab ich ihnen als Reisepaß mit. Die Reisegesellschaft fand sich zum größten Teile in Budapest zusammen zur Weiterfahrt nach Fiume, dem Abgangshafen des mit 79 Schiffsmannschaften und 146 jüdischen Passagieren besetzten Dampfers. Das ni->»3 hatten 15 streng auf gesetzlichem. Boden stehende Eraa*i auf sich genommen, während fünf mitfahrende „Kollegen" sich dises nicht so sehr zu Herzen nahmen. Es war alles aufs feinste und strengste ausgeklügelt, derart, daß jeder Senftopf die Marke, eines Rabbiners tragen mußte und drei anai» von Rabbinern tagtäglich kontrolliert würden. Die Reise ging vom Ausgangshafen Fiume per Schiff vier Tage nach Alerandrien. Unterwegs mitten im Meere kam *vdt >a na». Vorbereitungen waren bestens getroffen, lange Tafeln und Einzeltifche bogen.sich von der Schwere derrnVaanl'-Brote. Aber an einem besonderen Tisch war ein Schauspiel sichtbar, von dem man sagen konnte nl-n nnan py-n»».' Dreißig Sabbatlichter von 15 Frauen, das Haupt mit dem Diadem jüdischer Züchtigkeit geschmückt, erleuchteten diese Ecke und sandten Strahlen durch die Cchisssluken zum Meere und Himmel hinaus. Ein grandioser Anblick und ein nie verlöschender Eindruck in ,den Herzen der Teilnehmer.; ' : :v; . Am na» Morgen war die ganze Gesellschaft vollzählig in der Betkajüte. Es entstand ein kleiner Disput, ob nach raa»«. anaa oder ptns anaa gebetet werde. Blutige Köpfe gab. es nicht, und jeder betete nach seiner Facon. In witziger Weise sagte dann Rabbiner Koppel Reich „Die Frankfurter ohren nach dem Strich, den ihnen Heidenheim' in den Lv'nrna gemacht hat als besonders Privilegierte. Von Alerandria ging' es 'nach K ai rv und von da wieder zurück zur Besichtigung der Kolonie Peffach-- Tikwo und ihrer SchwesteUolonien. Alsdann ging es nach Jaffa und zum letzten Reiseziel Jerusalem, wo im , Gasthaus zur Aufnahme? alles aufs beste vorbereitet war. Nach kurzen Aufenthaltstagen Tn Jerusalem kam der Purim Für die Reisegesellschaft wurde' das j. Zt> für den deutschen Kaiser errichtete Zelt zum Vorlesen der nV>aa benutzt. Die Besichtigungen von Jericho, dem Toten Meer, Chebron und der Omar-Moschee bildeten Glanz- -37.'März 1930 F ra n kfurts größtes Sp eziaIhaus b i etet „B e s t e Qua I i t ä t z u b i 11 i g s t e n P r e i s e n“. Uhren aller Art Gold . Silber Juwelen Bestecke - Tr au ringe Nur Zeil\95u.Töngesg.25-27 punkte, im Reiseprogramm. Die - Zeit ging schnellherum. 'Schäare Zedek--Spita1, eine Gründung, des fei. Dr. Israel ,3l-o o s, wurde gründlich besichtigt und alle wären entzückt über die Freundlichkeit, des Verwalterpaares, sowie von den Zuständen innerhalb des Spitals, das wohl sehr abstach von den sonstigen Anstalten am Platze. Denn die hygienischen Zustände ließen überall noch, viel zu wün- Zschen übrig, obschon bei der Reise des Kaisers die alte Wasserleitung König Salomos mit vielen Kosten und Müheii wieder in Stand gesetzt worden.wär. . . . Die Rückreise erfolgte nach etwa zehn Tagen auf dem gleichen Wege. Alle Teilnehmer waren-voller Begeisterung und vollen Lobes für den Qesterreichischen Lloyd, der trotz großer Verluste alles Versprochene vollauf hielt. Zwer Jahre später wollte der Lloyd die Reise unter Erhöhung des Preises auf 1800 Kronen wiederholen. Es fanden sich aber keine Teilnehmer. Meine Töchter kehrten Anfang April mit „Schüttelfieber" für nvs behaftet, wohlbehalten zurück und überbrachten mir als Trophäe des Landes ein Päckchen f e i n e r E r d e, das mir einst als Kopfkissen dienen wird, wenn ich zur Ruhe gegangen bin. -naimr msy nni .i'aan rw l’iay m’a*? In unserer schnellebigen . Zeit . werden Ereignisse älterer Jahrgänge sehr rasch vergessen, und . so dürfte es auch mit den Eingangs erwähnten aus den 1850er Jahren sein. Aber die-vonT905 bis dato liegen der jetzigen Generation klar im Gedächtnis. Man kann dre Fortschritte von Handel, Eisenbahn, Elektrizität, Gelellschaftswefen, Schiffahrt' ufw. von damals bis zur Fahrt der „Bremen" und der „Europa" konstatieren. Selbst die Achtung der Menschenrechte. ist durch Spezialgesetze riesig gestiegen, aber über dem Haupt unserer Nation schwebt noch das Damoklesschwert des p?ay» Prinzips, wenn auch etwas abgestumpft. Mit großer Voraussicht haben unsere Großen deswegen uns ermahnt, dem na: na» mehr. Bedeutung zu geben als seinen drei Genossen, deren. Kurs auf den- Erlösungsmonat^ jan gerichtet ist. Deswegen müssen auch unsere Lippen "tagtäglich neu durch den Ausspruch ns 7*131 *pay m ,iy»in 7’nVnabtc Liebe zu Gott, seinem Volke und seinem Erblande bekunden. ... . - ' -------- — Und die. Dame des Hauses weiß, daß die Frühjahrstoiletten, um zur vollen Wirkung zu kommen, besonders sorgfältige Unterkleidung verlangen, bei der das gute Korsett die Hauptrolle spielt., Dieses wird sie sich wohlweislich nur im Corsetthaus Gazelle besorgen, da sie aus Erfahrung weiß, daß sie dort sorgfältig mit nur erstklassigen Fabrikaten so preiswert als möglich bedient wird. (Siehe Anzeige 'im Inseratenteil.) Wollen Sie der lieben Gemahlin oder Braut eine ganz besondere Freude machen? Dann gehen Sie zu Pletzsch u. S 0 h n, Zeit. 95 oder^Töngesgasse 25—27, und wählen Sie ihr dort zur-Zierde Ihres Heimes einen schönen Silbergegenstand, irgend ein praktisches Tafelgerät oder einen gut sortierten Besteckkasten. Auch Uhren aller Art, aparte Goldwaren und Juwelen finden Sie dort in größter Auswahl, und. alles bei soliden Preisen und. aufmerksamster. und, fachmännischer Bedienung! (Siehe Inserat.)" ' Im Jacob so nheim Seesen stehen, für Mai noch einige Plätze zur Verfügung. Wir machen nochmals darauf aufmerksam, daß in. den folgenden Monaten fast ausschließlich' dre bündische Schuljugend berücksichtigt wird. Schriftliche Anmeldungen sind umgehend an das Büro des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände, Berlin, Oranienburgerstr. .13-14, zu richten. Der Verpflegungssatz beträgt M. 2.75 pro Tag. - - " - Wer Pessach in Bad Kreuznach verbringen will, kann es in den neuen Räumen der Pension Jank.elowi tz, Poststr. 14 1. Gemütliche Räume, gute Küche. Anmeldung baldigst erwünscht. . Adresse bis 1. April Fahrgäste 2, Tel. 926. Ref. Sr. Ehrw. Herr Rabb. Dr. -.Jacobs.?' 7-^ Dre, Liebhaber des Tehnisspösts.besuchen äuch dieses Jahr,. Eoffnung,am 22. März,- gerne'wieder - die" cheLoorrägend neu .angelegtes gilt gehaltenen^ .Nit..sroter Decke versehenen 20 Tennisplätze „TaunusÜlick" ^voN Heinrich Bonnie,''Eschersheimer Ldstr. 219.5— Äufmerksämstes Entgegenkönimen für jeden Besucher ist ebenso, gewiß wie^die ..Sicherheit, Lehrer und Trainer am Platze zu finden. (Siehe Jyserät.).. - . - ~ " T, Verantwortlich für den allgemeinen, Teil..unddas Feuilleton S. Schachnowitz, Frankfurt a. M.; Änferate ir B.: S. S"chachnowitz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. Kaufmann, in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Verlag Israelit", 05. m. b. tz., Frankfurt a. M. — Druck: tzermon Verlag und Druckerei, Frankfurt a. M.

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