Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 12 (20.3.1930)
- Date
- 1930-03-20
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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i' \:? i' | i :!'■ \ V [ ■ f' I' t] : MÜ cfje^X^arf lllcrans Bücherbesprechungen. Beiträge zur Frauenbiotogie. (Die jüdisch-rituellen Sexual- Vorschriften.) Von Dr. med. S. Weißenberg (Berlin u. Köln, 1927). Preis 2.20 M. Verfasser gibt Bericht über seine Erhebungen, die er inbezug aus das intime eheliche Leben russischer Frauen in seiner ärztlichen Praxis, welche alle Stände der russischen Gesellschaft umfaßt, angestellt hat. Er hat die Frauen, auch jüdische Frauen aller religiösen Schattierungen ausgesragt und, eine kleine vergleichende Statistik aufgemacht. Zur Belehrung über die Anschauungen der katholischen Kirche-wurde die „Pastoralmedizin" von Cappelmau-Bergmann (19. Aufl.) und zur Orietierung über jüdische Vorschriften und Gepflogenheiten die „Biblischtalmudische Medizin" von Preutz, sowie die Schrift von Dr. Hanauer „Das rituelle Bad der jüdischen Frau" herangezogen. Es zeigt sich überall die Ueberlegenheit jüdischer Vorschriften inbezug auf Würdigung des Weibes und inbezug auf Aesthetik und Hygiene und Naturgemäßheit sowie gynaecologische Zweckmäßigkeit. Die jüdische Tradition ist im ehelichen Leben der Juden fest verwurzelt trotz Lockerung des religiösen Lebens, wie sie die letzten Jahrzehnte mit sich gebracht haben. In der Gegenüberstellung des Jahres 1912 und 1925 ist allerdings ersichtlich, wie verheerend die russische Revolution und Propaganda gegen hergebrachte religiöse Anschauungen und Formen auch aus dem Gebiete des ehelichen Lebens gewirkt hat: Während 1912 von 100 jüdischen Frauen 64 ihre Nidovorschriften einhielten, waren es 1925 nur noch 15. . Die Nido- und Tewilovorschriften werden im Einzelnen wiedergegeben und einen großen Kreis von Lesern damit zugänglich gemacht. Ob die Wiedergabe in allen Punkten verläßlich ist, vermag ich nicht zu beurteilen. San.-Rat Dr. A. Stern. apjp riN» V"L1V1^"2.1 ö’nnan 1218 •rrsin Es gibt selten Neuerscheinungen in hebräischer Sprache, die allen hebräisch Lesenden willkommen sind. Was uns, die wir tru Hebräischen die heilige Sprache sehen, begrüßenswert scheint, was uns von Werken, besonders wenn sie unser Thoragesetz auf die geänderten Verhältnisse und technischen Fortschritte anzuwenden und auszubauen bestrebt sind, willkommen, ja oft dringend notwendig scheint, läßt die, die im Hebräischen nun eine Sprache, wenn auch zufällig unsere Sprache sehen, gleichgiltig. Was aber die modernen Hebraisten in modernem Hebräisch schreiben, Originalschriften oder Uebersetzung, kann uns leider zumeist nicht gleichgiltig sein, denn gar oft sind es Werke, deren. Lektüre auch in nichthebräischer Sprache verpönt ist, oft sogar Werke, die gegen den Glauben, gegen die Lehre gerichtet sind, direkt zum Abfall und zur ni'vo erziehen. Bel diesem Verhältnis zwischen den Hütern der Heiligkeit der heiligen Sprache und den rein linguistischen Hebraisten, geht man wohl mit großem Mißtrauen an das vorliegende Werk Klatzkins, das in modernenr prächtigem Gewände mit hebräischem und lateinischem Titel ein wissenschaftliches Unternehmen kündet: Thesaurus philosophicus, ein hebräisch-deutschse philosophisches Wörterbuch, doch es sei gleich vorweg genommen, man ist angenehm überrascht. Klatzkin als Interpret hebräischer und jüdischer Philosophen durch eine Reihe trefflicher Werke bestens bekannt, verleugnet seinen Werdegang und seine Herkunft nicht. Als Sohn des großen Lubliner Raw •>"i hat er viel zu viel Judentum und jüdische Lehre in sich ausgenommen, als daß er etwa antireligiös wirken wollte. Das vorliegende Lexikon ist ein Werk, das jedem, dem unser altes Schrifttum am Herzen liegt, willkommen sein inuß und wird. Ob jemand den Kusari oder den Jkarim, den More oder den Chowoth ha lewowoth lesen will, durch Klatzkins Buch wird ihm oft erst das richtige Verständnis ausgehen. Klatzlein gibt in seinem Wörterbuch — die beiden erschienenen Teile umfassen die Buchstaben ein Verzeichnis aller in gedruckten und erreichbaren handschriftlichen, hebräischen philosophischen Autoren enthaltenen Fachausausdrücke oder als Fachausdrücke verwendeten Worte. Jedes Wort wird durch Quellenangaben aus den wichtig-- sten Autoren in: Zeinen prägnantesten Bedeutungen beleuchtet, vor unseren Augen wird der Sprachgebrauch an der Hand verschiedener Autoren entwickelt bis zur endlichen Geltung, die das Mort behält. In diesem Smne ist das Lexikon auch geschichtlich, da es uns die Entwicklung der einzelnen termini technici bietet und damit einen weitreichenden Ueberblick über die philosophischen Begriffe und Philosopheme. Der Thesaurus ist kein simples philosophisches Wörterbuch, sondern geradezu eine Enzyklopädie der hebräischen Philosophie. Das wird sich deutlich zeigen bei Erscheinen des 3. Bandes, der am Schlüsse auch Sachregister enthalten wird. Jedenfalls sei das Werk jedem, der hebräische philosophische Schriften liest, wärmstens empfohlen, es wird ihm viel Mühe sparen und das Verständnis wesentlich erleichtern. S. H. Lieben, Prag. Haben die Juden in Bayern ein Heimatrecht? Von Dr. A. Eckstein, Bamberg. Zweite verbesserte Auflage. Philo- Verlag. Von einem bekannten Rabbiner pflegte man zu sagen, seine Kanzelreden seien an die Abwesenden gerichtet. Von den sehr sorgfältigen, mit vielen Quellenangaben versehenen Nachweisungen des gelehrten Verfassers und Forschers der Lokalgeschichte seiner Heimat muß leider im gleichen Sinne gesagt werden, daß sie für diejenigen bestimmt sind, die sie nicht lesen. Für uns Juden ist der Nachweis des Heimatrechtes überflüssig, da es eine Selbstverständlichkeit ist, und unsere Feinde und Widersacher werden sich nicht von der Berechtigung unseres Standpunktes überzeugen lasten, weil sie sich zum überwiegenden Teilesich gar nicht überzeugen lassen wollen, und wenn man ihnen noch so viele Gründe vorbringt, so werden sie zum Schluß doch immer wieder darauf Hinweisen, daß nlan uns stets als Fremde angesehen hat, und daß der Unterschied in der Religion einen Abstand zwischen ihnen und uns bedinge. Es will uns auch scheinen, als ob die Herabsetzung des Hebräischen auf S. 16 nicht sehr glücklich angebracht sei, denn einmal war die Kenntnis der hebräischen Sprache bis vor etwa 100 Jahren keineswegs so gering, wie Verfasser anzunehmen scheint, und dann ist .es doch unbestreitbar, daß in der Umgangssvräche der Juden unter sich z. T. bis auf den heutigen Tag sich eine ganze Zahl hebräischst-Ausdrücke befinden, die nicht auf solch allgemeine Unkenntnis des Hebräischen schließen lassen.,:,'Viel wichtiger wäre es gewesen, daraus hinzuweisen, daß^die Juden immer bestrebt waren, sich: privatim Kenntnisse der deutschen Sprache - anzueignen, auch da. wo es'ierlaubt war,' die Kinder.schock im Anfang des vorigen Jahrhunderts die allgemeine Volksschule besuchten, wie es j. B. das Abgangszeugnis einer Volksschülerin aus dem Schwäbischen vom Jahre 1815 beweist. Dem Buche sind beigelegt kriegsstatistische Beilagen, die mit einem sehr warmherzigen Vorwort des R.-A. Dr. Wern er-'München, Vorsitzender des Landesverbandes Bayern des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten eingeleitet werden. Man ersieht aus ihnen, welche großen Opfer die bäuerischen Juden gebracht haben, und wie sie sich den nichtjüdischen Soldaten durchaus gleichwertig erwiesen haben, wovon die vielen Auszeichnungen und Beförderungen Zeugnis ablegen. Freilich darf man keine Vergleiche ziehen, wenn man bedenkt, daß ganze zwei Offiziere es bis zum Major gebracht haben, während von Frankreich, England und Italien ganz abgesehen es sogar in Oesterreich kommandierende Generale gegeben hat. Dafür durfte es sich der „Bundesgenosse" auch sagen lassen, daß, wie wir es' selbst gehört haben, das Offizierskorps der österreichischen Armee „verseucht" sei. E. Los vom Zionismus. Von Fritz P l a n k e n f e l d , K im chi und, Ernst Ludwig Pinnet. 68 Seiten. 2.— Mk. Frankfurt a. M., I. Kauffmann Verlag. Es darf uns eme Auseinandersetzung über jüdische Fragen mrt Leuten nicht zugemutet werden, deren jüdische Vasierung wie ihre hier folgenden Aussprüche ist: „Welches sind die gemeinsamen Interessen der Juden? Nur ein gemeinsames Interesse gibt, es, die Emanzipation. Haben wir die Freiheit erreicht, -so ist es mit unseren gemeinschaftlichen Interessen zu Ende." „Was liegt daran, wenn wir wirklich untergehen? Alles Leben ist dem Tode verfallen, auch das der Völker." „Unsere Bibel ist den Menschen wirklich has Buch der Bücher durch das Leben und Sterben jenes gewaltigen Juden, dessen Namen die Juden nicht nennen, der mir aber zum Zentrum des lebendigen Judentums ge» worden ist." „Es war doch der Sinn des Zionismus, den Aberglauben vom jüdischen Volke Wiederaufleben zu machen, der beim Erlaß der Emanzipationsgesetze als unerträglich mit dem modernen Staatsgedanken bezeichnet worden war und die Juden zurückführen mußte ins Ghetto „nach Leben und Lebensgefühl." „Die starren, unbelehrbaren Orthodoxen, die im Glauben Verkalkten und Verknöcherten . . ." „Diesem herzlich geliebten Manne Constantia Brunner verdanke ich es, daß ich wahrhaft unreligiös geworden bin, daß ich den Zionismus mit allen Wurzeln aus meinem Herzen gerissen habe, und daß ich dennoch, nein, daß ich gerade deswegen ein bewußter Jude geworden bin." Jedenfalls sind diese ehemaligen Zionisten ein Beweis für die große Schuld der Zionistischen Organisation durch ihren d Jndifferentismus gegenüber den auf der jüdischen Religion sich aufbauenden Traditionen des jüdischen Volkes. - Zofe al Zion. Bilder aus meiner Heimatgeschichts. Ein Beitrag zur Geschichte und Heimatkunde der Juden in Bayern. Von Ä. Friedmann, Ingolstadt. Der Titel dieser Sammlung ist nicht glücklich gewählt, da er den Anschein erweckt, es handle sich um einem Auszug aus einem größeren Werke. Der Verfasser hat mit großein Fleiße eine Reihe von Berichten aus Werken älterer und neuerer Zeit, aus Lokalchroniken und Zeitungsartikeln über Judenverfolgungen in Bayern zusammengestellt, ohne chronologische oder sonstige Ordnung, anscheinend nur so, wie sie ihm zur Hand gekommen sind. Die große Zahl von 36 Nummern, obgleich sie sich leider bis ins Unendliche vermehren ließen, wirkt ermüdend, zumal noch einige Sagen von geringem Werte eingeflochten sind, und der Anhang: „Was wir selbst erlebt haben" nicht sehr überzeugend wirkt. Auch dienen solche Uebertreibungen, wie die, daß man zum Schluß des Weltkrieges mit „Türklinken und Gardinenstangen. geschossen habe", der Sache nicht, für die der Verfasser sich eingesetzt. - Lobend ist anzuerkennen, daß Verfasser seine. Quellen sehr sorgfältig angegeben hat. , Als aktuelle Kuriosität sei erwähnt, daß in dem Schutzbrief für einen Juden in Kitzickgen aus,'dem Jahre 1511 ausdrücklich: zugesichert wird, daß' „das Fleisch nach ihren (der Juden) Sitten gegeben werde". Damals gab es allerdings noch keinen Tierschutzverein, und der Machthaber erkannte das Schächten äks religiöse Vorschrift an. Rückkehr der Juden zur Landwirtschaft. Beitrag zur Geschichte der landwirschaftlichen Kolonisation. Von Dr. I. M. Jsler.. 144 Seiten. 1929. 5.— Mk., geb. 6.50 Mk. Frankfurt a. M., I. Kaufmann Verlag. Der Leser erfährt zu. seinem Erstaunen, daß man heute von einer starken Strömung in der Judenheit, zur Landwirtschaft zurückzukehren, sprechen kann. Das Buch behandelt in populärer Form gründlich und allseitig das gestellte Thema. Einige Zahlen seien hier, gegeben. In den Vereinigten Staaten betrug im Jahr 1925 die jüdische landwirtschaftliche Bevölkerung über 75 000 Seelen mit 400 000 Hektar und ca. 100 Millionen Dollar Wert ihres toten und lebenden Inventars. Die Baron Hirsch-Stiftung „Jewish Cvlonisation Association" besitzt in Argentinen 600 000 Hektar'Land mit 43150 Seelen in 14 Siedlungen und in Brasilien fast 100 000 Hektar Land mit 782 Seelen in zwei Kblonien. In Rußland beschäftigen sich 32 800 jüdische Familien mit Landwirtschaft. In Oesterreich-llngarn lebten im'Jahre 19161 110781 Juden vöckl landwirtschaftlichen Erwerb. Die jüdische Landbevölkerung in Palästina verzeichnete im Jahre 1927 30 500 Seelen auf fast 100 000 Hektar. , Jsler kommt zu dem Schluß, daß die Eignung der Juden zur Landwirtschaft bewiesen ist. Zofe al Zion.