Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1930)
- Date
- 1930-03-13
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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jtHilleto*- Btilagt Der Jsraelit Df. II M» Abraham Sohn Abrahams. Line Helden- und rNartyrergefchichle. Von S. Schachnomitz. (Fortsetzung). XVII. Wie Abraham jetzt nach Frankfurt kam, war der Kampf sichtlich im Abebben. Die Gemeinde war schon zu lange führerlos und den Uebllftänden als Folge der langen Streitigkeiten stand leine zentrale Stelle mit hemmendem Machtwort gegenüber. Das sahen die Besseren auf beiden^ Seiten ein und suchten einen Weg zum Frieden. Er schien nicht gar so sernast' und doch war er zunächst versperrt. „Gebt uns den Oberrabbiner wieder, den Ihr hinausgedrängt habt!" sagen die Einen. „Erst die neuen Statuten! " beharrten die Anderen. In Frankfurt und Umgegend tauchten verdächtige Gestalten auf. Man wußte nicht, woher sie kamen, wohin sie wollten. In O f f e n b a ch oder Oberrad, sagte man, hausten sie in gemeinsamen großen Wohnungen und hielten Gebetversammlungen ab, verbreiteten Schriften und suchten junge Menschen in ihre Netze zu ziehen. Juden? Wer wußte es? Baruch S t u r m b e i n, der überall dabei war, zeigte sich natürlich eingeweiht, hatte in ihre Versammlungen hineingeschaut. Was er davon in großem Pathos öffentlicher Redner berichtete, klang schon bedenklich genug, auch wenn es nur zur Hälfte wahr gewesen wäre. Nichts vom aschkenasifchen und. nichts vom fefardifchen Ritus beteten sie, fremde Worte und fremde Melodien sprächen und sängen sie. Von „Gott, dem Alten an Tagen", und „seinem gesalbten König", der einmal da war und nun wieder erstanden sei . . . Tanz und Sang füllten ihre Gebetstunden aus, und dann lagen sie auf den Knieen, wie in der Kirche. . . „Heißt ihr Erlöser Sabbatai?" fragte man den allwissenden Baruch Auch diesen Namen hörte ernennen, aber ihr Messias für den Tag heiße Jak o b. Der andere, wiedergeborene Sabbatai, der die Enderlösung. bringe. Andere.nannten.: ihn fr a nst. Fürsten,und WchöMMGden; ihm '-hiMgWtrsiM b|ß. nestel Sekst^schützent.Md Mtzenpi—. - wsikW auf. AuMeich 'aMMhljM^Kr.istttchsii'LeHrs:M'' ergl!nze,.stnd vervollständige.dessen-Werk rnitHiM MWUtz.'MNtz^-rrrieÄe vsh' der i r ch e n v ä t e r und P ä pst e . . . „Sind es Juden?", drängten die Fragenden. Ja, Juden mtt Bärten waren es, Juden aus Polen und Böhmen, aus den Karpathen und dem Kaukasus., Ihr Führer,- Jakob Frank, pendele zwischen Rußland und der Türkei und hallte zuweilen-Hof uNjher eigenem' oder fremdem Na- Möst, aüch vop hen Toren Frankfurts^ Dann gehe eS^aber Hoch . > ^Jm Haust Rabbi Mosche Rapps, per das Obtzrrahhjstat vertrag Hielten ^ernste Männer der Gemeinde Beratung ,, nach/« Beratung ^ab. Die VvrgängL. in Md . vor den 'Toren der Stadt' zwangen'zur Arbeit.v,. •1 .AbräHam, dep rviemkle fremden Gelehrten'ÄN ofststest Hauses MaM Rapps liebevoW AHuchme gefunden, ,hatte, konnte an Mstr Smtje, vhn .-HM'dss-.'geistZM-MSeÄ'dD de^Mem^inde^- hesxuchcht muMj vollen UeberbUck'^ über die Dinge gewinnen Er durfte auch den Beratungen, beiwohnen. ~ - -;-- Zum ersten Male seit vielen Jahren saßen I u d a K u l p und viele aus seiner Freundesschar an einem Tisch mit Rabbi Moses und Bär Kann. Süßkind Stern und Löb Scheuer, die wie Rapp, als glühende Verehrer von Rabbi Jonathan, Rabbi Jakob Jofua einiges zu verübeln hatten, fand jetzt die stärksten Worte, um zu zeigen, wie unheilvoll sich die Abwesenheit des obersten Führers auswirkte. „Es fehlt der Herr im Hause, da machen sich vor der Türe die Einbrecher breit ..." „Wer ist schuld, daß Rabbi Jakob Josua gegangen? Etwa wir?", brauste Jude Kulp gereizt auf? „Gemach," mahnte der Hausherr, bevor der Streit wieder auflohte. „Wir sprechen heute nicht von Schuld. Alle sind schuld und keiner, daß der Mann, dem wir alle höchste Ehre zollten, gegangen ist. Ein wenig vielleicht auch er selbst. Nun, hadern wir nicht, suchen wir lieber einen Weg, auf dem er wieder kommt." Rabbi Mosche Rapp, etwas untersetzt und beleibt, mit kurzem, stark angegrautem Ründbart um das volle Doppelkinn, hatte so gute Augen, daß sie Frieden ausstrahlten und beruhigend wirkten. Die Ehren und Aemter, die ihm bei Abwesenheit des Oberrabbiners als ältestem der Dajanim zufielen, verwaltete er mit Liebe und Treue, aber stets nur als bescheidener Sachwalter eines berufenen Führers, nach dem sich keiner so sehnte, wie gerade er. „Der Weg ist seit Jahren gewiesen," sagte Juda Kulp ruhiger, „gebt uns die neue Verfassung mit den Statuten, und wir schicken Ehrenwagen nach dem Robbt in Worms." „Rabbi Jakob Josua hat in Worms die Rabbinerstelle angenommen und will nicht mehr zu uns," ließ sich ein anderer an der Seite Kulps vernehmen. Das verletzte den Altfrankfurter Stolz Löb S ch e u e r s sowohl wie Bär K a n n s. „Frankfurt ist schon gut," sagte der letztere spitz „und keiner würde Frankfurt verschmähen, sobald die Menschen darin anders werden, mehr Ehre für die Thora und mehr Liebe zur Kehila, Mehr Gehorsam und. mehr Solidaritätsgefühl, weniger persönlichen Ehrgeiz .zeigten- Rabbi Mosche Rapp breitete flehend die feine weiße Hand aus. Sie wirkte wie die gellendste Glocke. „Genug davon! Schluß des alten Haders! Zuerst verpflichte man sich, vom Alton ä er St p.e i te 'nichts m e h r zu r.e. d e n. Was sie dbr^stun/ bersihrt Frankfurt nicht.. Wir lässtn M uns ^übergreistM -Was unser Rabbiner dazugesagt und Man, ist s e i n e eigene Sache ' Und nicht die der Aemeinde, und .kLKMd.ÄMMwas nachzutragen- Da^Gäröder!Mte^Weg^.zum FriedeUj unter ri Führungdes MerWbbmers." > „Und die Verfassung, die Statuten?", polterten die um Juda Kulp. Rabbi Mosche Kann ,als hätte er auf dieses Wort gewartet, erhob sich.jn feinerganzen Höhe uEgäb mit seiner wohlklingenden«: Stimme?' die Zuweilen. auch scharf undcherrisch sein konnte, Auskunf^Mn -hgheMn Vorstände. Verständnis fük M Mst und ihre Forderungen, wennschon vieles in ' üer jüdischen Gemeinde aus fester Grundlage des Din Mora ruhe und unwandelbar bleibe. "Der dem Vorstände feit Jahren vorliegende Statutenentwurf sei Satzfür Satz E pMstMnamHWMdMn^kMUW MänWs Mgelehntz vieles -geändert wördem Moses Kann härie di>n --(Siiifatmrfaiit* - harte den Entwurf« zur Mnd^unM'mast 'könnte Mast.M lesthast,- aber unter OerMidststg.dUhi§hevr.üblichen'scharfest'persönllchen Note. Und züM Schlüsse war . eine Kömmission Ms beiden HäWeN zusämmengesetztz -die den Ausgleich in den strittigen Punkten auf der Stelle unternahm Nachdem von beidN Seiten eine Verpflichtung unterschrieben worden war, die Beschlüsse der Kommission zu beachten, danach Rühe und Frieden in der-Gemeinde zu halten und allsogleich als Krönung des Friedenswerkes den Oberräbbjner iZurückzuholen. So war Abraham denn, doch in glücklicher Stunde nach Frankfurt gekommen. Er war Zeuge eines Friedenswerkes, das Grundstein für feine Mission sein konnte. Rabbi Jakob Josua Falk würde Verständnis für die Prager Pläne haben. Er kannte den Osten und den Westen, sein Herz schlug warm für das heilige Land, dahin zu ziehen, ihn bisher nur äußere Umstände abhielten. Er suchte überall die Wahrheit und würde ihr gern das höchste Forum in Jerusalem schaffen helfen. Abraham blieb in Frankfurt, um der kommenden Dinge abzuwarten. Baruch Sturmbein wußte am nächsten Morgen, obwohl er bei der Beratung nicht dabei war, über alles, was im Hause Rabbi Mosche Rapps vorgegangen war, von Mann zu Mann, von Haus zu Haus haarklein zu erzählen. Die Statuten feien fertig gestellt. Wst, e r sich.freue! Für die Genehmigung der Behörden lasse man nur ihn sorgen . . . Der Bürgermeister sei sein Freund und der Statthalter, Baron v. Offenberg, nicht minder, er mache alles, was er von ihm verlange. Und wenn es gerade nottäte, käme es ihm auch auf eine Reist nach Mainz direkt zum Kurfürsten nicht an. Bei seinen Beziehungen zum Hofe! . . . Nun»? sei der Weg für die Wiederkehr von Rabbi Jakob Josua an die Spitze der Gemeinde frei. Keiner sei darüber sv glücklich, wie er, Baruch Sturmbein, für den mit dem Wegzüge des Rabbiners der beste Fr e u n d von dannen gegangen sei . . . Baruch Sturmbein wußte noch viel mehr: Die Aussöhnung habe eine Heirat als Hintergrund. Der junge Sohn von Rabbi Moses Kann werde die Tochter von Juda Kulp ehelichen. Das fei sein ureigenes Werk. „Na ja, Freunde, so und nur so muß man es anpacken! ..." Das mit den Statuten und der Wiederkehr des Rabbi hatte diefesmal feine Richtigkeit. War auch noch kein Frieden nach den prahlerischen Worten Sturmbeins da-, so war es zumindest ein.'Waffenstillstand auf Grund der allgemeinen Erkenntnis, daß ein geistiges Oberhaupt der Gemeinde dringend nottue: daß man schwere Schuld auf. seine Seele lade, wenn man sich der Wiederherstellung der. Ordnung widersetze. ' . ' Abraham sah in glückhafter Mwartung^ den , Dingen entgegen. Er träumte > davon. wiS"ek Rabbi Jakob Josua für sein großes FrstWns-!werk begeistern^würde, rare est dänmyrstMn zwei' jgroßen Namen aub PM^ ppd H r astLf u r t jnach Verlist .und von.dort nach.W i l n a reijsen würde, um mit dem ^GaE die Größen Pläne Rabbi Jecheskels zur Ausführung zu bringen. Alle Streitpunkte . würden bald geklärt, aller Böden dem Zank und Hader, in Altona wie in Wilna, entzogen - sein. >Ein g e e j n t e s/.' J s - na e l steht da und harret der. Lösung, dst von Zion kommt! Moschiach ist nahe, und er, Abraham, Sohn Abrahams, war aus einer stemden Welt gerufen, um Vorbote einer Zeik'zstWn, da ein neues Licht über die 'Welt erstrählt'und Me Sehenden zur-Wahrheit und Gstteserkenntnis zwingt! , . . y In wenigen Tagen waren die Statüten fertiggestellt und vom Vorstände, genehmigt. Man kam sich in «einzelnen Punkten entgegen. Die Ge^ nehMigung der Behörde war auch ohne' Zütust Stunnbeins mit Sicherheit M erwaxten. ^.Schon begab sich eine "Deputatiö'st,.'.' geWrt'' ston.„!lkabbi Mösts Kayn, und -, Rabbj ^-Mosts Rapp, l: nach- Worms, um den Dberrabbiner zu holen. Es kamen gute Nachrichten. Rabbi Jakob Josua nahm die Mpsttatkott und das Sendschreiben gut auf. Weiterer Bericht: Er war