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Der Israelit · 1930-02-27 · Heft 9 (27.2.1930) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 9 (27.2.1930)
Date
1930-02-27
Page
– (sequence 13)
Language
German
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2V? V-V Sil o-o llo—öl o \WtTO 3üdiscftcr (5 ^11 o—o II o-=öin5 1> o f ft s freund Btitog* znpr >*vacüt Organ des Hereins für die jitdifchen 3nferef/en {Rheinlands e.D. nsn :Hafcfrinc* D*. rvsif in Lsin a« Rtz. nn slg sin ■ö;ro^ ■O O :°3D> UlL 24 Jahrgang Frankfurt a. M , 27, Februar 1930 / 29. Schebat 5690 Nr. 2 Bericht über die ordentliche Mitgliederversammlung des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands (E.V.) . Köln, 12. Januar 1930. Der Festsaal der Rheinlandloge konnte kaum die Schar fassen, die diesmal der Einladung des Rheinlandvereins von nah und fern gefolgt war. Haben doch seine Tagungen nicht den Charakter trockener Beratungen. Sie bilden Familienzufammenkünfte. Tatsächlich ist das Rheinland eine .große Familie. Viele alteingesessene Rheinländer sind verschwägert oder, seit altersher befreundet. Geistig sollen sie eine Familie werden, eine jüdische Familie, im besten Sinne des Wortes. Sie sollen wie die Cherubim auf dem Deckel der -heiligen Bundeslade sich freundlich und friedlich einander zuwenden, mit dem Blick auf das Gotiesgesetz, mit den himmelanstrebenden Fittichen lebensfroher, hoffnungsfreudiger Schwungkraft, sich begreifend als Schutz und Träger des heist- -gen Lebensgesetzes, das Israels Lebenselement und einzige Lebenskraft bedeutet. Frohe, rheinische Stimmung strählte von den Gesichtern, als der stellvertretende - Vorsitzende, Herr Salo Meyer-Düsseldorf, die Tagung eröffnete und alsbald dem Vorsitzenden, Herrn Nathan Kahn, das Wort zur folgenden Ansprache erteilte: Sehr geehrte Damen und Herren! \ Es gereicht mir zur besonderen Ehre und Freude, Sie namens und im Aufträge des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands auch in diesem Jahre in so überaus stattlicher Anzahl begrüßen und Jhsien ein herzliches Willkommen bieten zu dürfen. Wenn die wachsende Zahl der Teilnehmer! in unseren jährlichen Mitglieder-Versammlungen nicht nur als ein Maßstah füif; das steigende.Interesse! angesehen werden': darf, das den Bestrebungen unseres Vereins in rheinischen Gauen entgegengebracht wird,. sondern auch als ein Gradmesser für seine Erfolge in der Verbreitung traditionell-jüdisch-religiöser Werte, so dürfen-wir in,. dem Bewuß-tsem froh beglückt sein, daß unsere Arbeit nicht vergebens "war. Seien Sie, .verehrte Anwesende und da wende ich mich insbesondere an unsere Getreuen aus den kleinen Gemeinden und besonders aus den ländlichen Bezirken, auch weiterhin unsere Mitkämpfer für die hohen Ziele, die wir verfolgen, ermatten Sie nicht in der Verteidigung unserer höchsten Güter, Ihr kraftvoller Wille , möge ein Bollwerk sein gegenüber allen Versuchungen unh Strömungen, die sich ihm entgegenstellen. Zwar! ist unsere Tagung satzungsgemäß nur eine Mitglfeder-Versammlung, doch entscheiden nicht nur die Paragraphen und die äußere Form allein, der Geist ist es, der belebt und unserer Tagung den.Stempel einer öffentlichen Manifestation,- einer starken Kundgebung aufdrückt. Sie ist ein. Treugelöbnis zu unserer heiligen jüdischen Sacke/ für Taurosfeinu -Hakdäufcho. Sie soll sein ünL werden ein Quell der.Labung und Erfrischung für uns selber und neue Säfte und Kräfte spenden dem alten ewig-jungen Lebensbaum des Judentums. Sie, meine verehrten Damen und Herren, find wahre Jakauw^-Jsroels Kinder, die gleich ihrem großen Ahn in schweren wirtschaftlichen Zeiten hierherkommen, bm um Lebensmittel zur Stillung Ihres Hungers nach Jüdifchkeit zu holen, hier für die Schwere des täglichen Daseins für kurze Zeit Kraft und Stärkung zu finden in der brüderlichen Gemeinschaft Gleichgesinnter, sich mit Tauroh Wort und Tauroh-Geist zu erfüllen und nach Ihrer Rückkehr in Ihre Heimat und Ihre Familien davon zu zehren. Diese Wegzehrung aber — wer könnte sie uns besser und genußreicher darbieten als die berufenen Verkünder des Gotteswortes? Und so begrüße ich in erster Linie unseren hochverehrten Herrn Distriktsrabbiner Dr. Breuer aus Aschaffenburg aufs Herzlichste, der in überaus dankenswerter und liebenswürdiger Weise unserer Einladung, uns Gaben aus dem reichen Schatz seines Wissens zu spenden, Folge gab. Seien Sie uns, sehr geehrter Herr Rabbiner, willkommen und so, wie wir davon überzeugt sind, daß Sie es aufs Trefflichste verstehen werden, uns schöne Stunden geistigen Genusses zu bereiten, so hoffen auch wir, daß Sie sich in unserem Kreise recht wohl fühlen werden. Meinen Gruß entbiete ich weiterhin den Vertretern der Kölner Synagogengemeinde, der Synagogen-Gemeinde Adaß Jeschurun, der beiden Kölner Logen, der höheren jüdischen Schule „Jawne", der Volksschule Moriah, des Lehrerseminars,. der Agudas Jisroel, des Misrachi, des „Esra", der Chewroh Talmud Tauroh, Koßnaus Aur, der Chewroh Daurschei Chessed und der anderen hier vertretenen Chewraus und Korporationen. Für Ihr Erscheinen danken Mir Ihnen herzlichst. Wir bitten, unsere Einladurig als ein Zeichen unserer Verbundenheit mit allert jüdischen Rrüdern auffassen zu wollen, die mit uns zur Förderung jüdischer Interessen beitragen wollen. Mag die Einstellung in iüdisch-religiofer, odier in gemeindepolitischer Hinsicht bei den. einzelnen verschieden geartet sein, wir rufen ihnen allen zu: „Es Achai onauchi mewakeisch". „Meine Brüder suche ich". Ein brüderlich Band umschlinge uns, von brüderlicher Liebe soll die heutige Tagung, sollen die von ihr ausstrählenden Wirkungen getragen sein. Sie soll dortwo das heilige Feuer des Gottesgesetzes auf dem Herzensaltar. lodert/ neue Nahrung hinbringen und da,' wo es zu verglimmen droht, frische Glut erstehen, lassen; aufs Reue soll der Skrabl des Sinai-Feuers leuchten. Sie alle mögen sich um das Banner des traditionellen Judentums scharen und Agudo achas bilden, damit Mach den Worten^ unserer Weisen:- ., Wenn die. Ki n - d e r I s r a e ls ei n e n e i n z i g e n B u n d f ch l i e'ße n , d a n n ha b e.n s r e sich s e l b st d e n W e g z u r G e u l o h, zur Erlösung bereitet" — — — — unserer Gotus- Wanderung ein Ende' gesetzt sei und das Frührot der Erlösung yüfsteige. — Dann wird sich auch das Wort erfüllen, das ipir in der gestrigen Haftäuroh lasen (Jecheskel): ,. Und ich w e r d e sie machen zu einem Volke auf den .Bergen Jsraels und ein König fei j ii b e r f i e alle König und sie seien 'nicht ferner zwei Völker und spalten sich nicht ferner in zwei Königreiche." Wie unser Stammvater Jakauw-Jisroel im kommenden Wochenabschnitt seine Söhne zu einer General - Versammlung einberief: „Heiosfu W'agido Lochern, Hikowzu W'schimu Bnei Jaakauw", seinen Segen einem jeden seiner Söhne mit hinaus ins Leben gab, so soll auch von dieser für heute hier einberusenen General-Versammlung unseres Vereins sich ein Strom des Segens und der inneren Beglückung auf seine Mitglieder und auf alle an der Tagung teilnehmenden Brüder und Schwestern ergießen. Meine Damen und Herren! Bevor ich nun einen kurzen Ueberblick über die Tätigkeit des Vereins im abgelaufenen Geschäftsjahr gebe, habe ich die traurige Pflicht, derer in stiller Wehmut zu gedenken, die Gottes unrforschlicher Ratschluß von uns genommen hat. Frau Dr. Weyl. in Düsseldorf, die von uns und all denen, die sie kannten, so hochgeschätzte Gattin unseres verehrten Herrn Bezirksrabbiners, diese Eisches chajl im vollsten Sinne des Wortes, die treue Wegge-. nofsin ihres Mannes in Freud und Leid ist nicht 'mehr . . . Unser langjähriges Vorstandsmitglied. Herr Aron Oppenheimer, Goch, der mir persönlich in frühester Kindheit Lehrer und Erzieher war und dem ich tiefe Dankbarkeit dafür schulde, daß er in mein Herz die Saaten der Gottesfurcht zu pflanzen suchte — der ein treuer Zionswächter und ein Vorposten in seiner Gegend für das traditionelle Judentum war, der Zeit seines Lebens die Fahne des unverfälschten jüdischen Geistes hochhtelt, ging 'in die Ewigkeit . . . Unser früheres langjähriges Vorstandsmitglied, Herr Bär aus Ahrweiler, ein treuer Freund unseres Vereins, ein Kämpfer für die uns Men heiligen Ziele unseres Glaubens hat üns verlassen, um in die ewigen Gefilde einzuziehen. Wir rufen den teuren Entschlafenen auch. von . dieser Stelle aus. aufrichtigen Dank für ihre . Liebe und Freundschaft nach,, die sie unserm Verein entgegenbrachten. Mögen ihre Seelen unter den Fittichen der göttlichen Allmacht Ruhe und Glückseligkeit finden. Meine Damen und Herren! Das hinter uns liegende Jahr stand im Zeichen tiefster wirtschaftlicher Depression und brachte gewaltige Erschütterungen auch in jüdischen Kreisen. Mancher feste Stamm wurde vom Sturm entwurzelt, mancher fest gefügte Bau beschädigt, manche - Hoffnungsblüte verwelkte. Mußten wir ohnehin . viele Punkte unseres Programms infolge der > Nachwirkungen des Krieges und der Inflation - aufheben, weil die dafür angefcnymelten Gelder zugrunde gegangen sindso mußten wir-uns im Berichtsjahr im Wesentlichen darauf beschränken," die bestehenden Einrichtungen zu erbalten und ' zu pflegen. Und dennoch können wir über einigem - neue Erfolge berichten. Mit Befriedigung kön- - Ney wir von der Neuschaffung einer-Mensa akad. jud., einer koscheren Studentenküche in Bonn Kenntnis geben, die sich der Aufsicht des Ver-

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