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Der Israelit · 1930-02-20 · Heft 8 (20.2.1930) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 8 (20.2.1930)
Date
1930-02-20
Page
– (sequence 20)
Language
German
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fi i V. / Seile 4 Nr. 4 D er Israelit Blätter 20. Februar 1930 Weizmann macht kein Hehl mehr daraus, dag ferne pompöse Politik Schiffbruch erlitten hat. Menschliche Kraft hat versagt, er hege nur Vertrauen aus die jüdische Unbesiegbarkeit. Vielleicht wird auch Pros. Einstein, der jüngst verkündete, dag er nur an den Gott von Spinoza glaube, nunmehr einsehen, daß die Ereignisse in Paästina nichts anderes, als einen Finger Gottes bedeuten. a’p$>K vn« Nur Gott kann und wird uns wieder retten. Und unsere Pflicht ist es heute, mehr denn je, unsere tausendjährige Hoffnung in uns wieder wachzurufen und unsere ganze Kraft für Erez Iisroel aufzubieten. Erez Iisroel ist unser, wird auch unser sein und kein arabisches Schwert wird uns von dort verdrängen können, wvnio ,|Y>:^ *pi2?a ii’i’y nannro Agudas Iisroel und die Gewinnung der jüngeren Zugend. Die beiden folgenden Artikel erschienen in dem Mitteilungsblatt der Hamburger Agudas Jisroel- Jugend- und Mädchengruppe. Es ist nicht zu leugnen, daß der Esra sich in den letzten 10 Jahren unschätzbare Verdienste um die seelische Rettung einer durch di: geistigen Wirren der Nachkriegszeit aufs äußerste gefährdeten Jugend erworben hat. Er hat viele Kinder aus unreligiöfen Kreisen zum orthodoxen Judentum zurüügebracht und diejenigen, die schon von Haus aus religiös erzogen wurden, in der Jüdifchkeit gefördert und sie zu besseren und aufrichtigeren Jehudim gemacht. Aber gerade wegen dieser großen Verdienste des Esra ist, falls der Esra nicht von seinen bisherigen Leistungen abfallen will, eine Aenderung nötig. Der Esra darf nicht weiterhin die reifere Jugend zu politisch gleichgültigen oder gar zu bewußt neutralen Menschen erziehen. Ein Jude kann heute nicht mitten im praktischen Leben stehen und gleichgültig an den großen jüdischen Bewegungen der Gegenwart vorübergehe». Aber leider bleibt es augenblicklich im Esra garnicht bei dieser Neutralität aller Politik gegenüber. Es besteht vielmehr unter den älteren Esräern .eine Neigung, eine politische Richtung zu schassen, deren Anhänger ganz bewußt sowohl Agudas Iisroel als auch Misrachi bekämpfen und, obwohl sie sich für Politik interessieren, sich keiner der großen jüdischen Bewegungen der Gegenwart anschlietzen wollen. Sie tuen dieses nicht etwa aus Unentschlossenheit, sondern aus bewußter Gegnerschaft. Falls der Esra dieses nicht will, so sind die Esrasührer verpflichtet, die älteren Esräer auf die wichtigen jüdisch-orthodoxen Bewegungen hinzuwe'.sen und sie für diese zu interessieren. Vor allen Dingen muß der Esra immer wieder betonen, daß er keine neutralen Menschen erziehen will. Unverständlich ist ferner, daß. während misrachistisch eingestellte Esrasührer sich absolut nicht genieren, di: ihnen unterstellten Esräer misrachistisch zu beeinflussen, die agudistischen Esrasührer nicht einmal wagen, das Wort Agudas Iisroel auszusprechen. — So sieht es bis heute mit der vielgerühmten „Neutralität" im Hamburger Esra aus. Der Zeice Misrachi gründete vor einigen Jahren zur Erhaltung seines Nachwuchses den Brith Hanoar. Dieser erfreut sich eines großen Zulaufes und hat so einen großen Teil der bisher unpolitischen, nicht einmal schulentlassenen Jugend zum Misrachi gebracht. Und was taten wir Agudisten angesichts dieser großen Gefahren, welche unsere ganze Bewegung organisatorisch zu gefährden drohten? Nichts? Wir verharrten in der bei der Orthodoxie so beliebten Vogel Strauß- Politik. Die Folgen blieben auch nicht aus. Wo ist die jüngere Jugend der Agudoh? Wieviele Agudisten unter 19 Jahren haben wir? Aber die Schuld liegt außer beim Esra und beim Brith Hanoar, darüber wollen wir uns einmal klar werden, auch bei uns selbst. Wie lange wollen wir noch untätig zusehen, wie uns Tag für Tag die besten Zukunftskräfte verloren gehen? Wir sehen leider zur Genüge, wie weit wir mit unserer Passivität gekommen sind. Wenn die Agudoh sich nicht selbst aufgeben will — denn wer aus die Jugend verzichtet, gibt sich selbst auf — dann müssen wir sofort Gruppen für Jugendliche von 15—18 Jahren einrichten, und eine ganz andere Werbearbeit als bisher muß sofort ersetzen. Gewiß, es wird viele Opfer und Entbehrungen kosten und auch Selbstüberwindung wird nötig sein, aber fürwahr, ist der Weiterbestand der Agudas Iisroel, der Weltorganisation aller thoratreuen Juden, nicht diese geringen Opfer wert? Ernst Blau. * * Mit außerordentlicher Freude las ich den Artikel von Ernst Blau im Mitteilungsblatt der Agudas Jisroel- Jugendgruppe in Hamburg. Ich freute mich, daß endlich einer derjenigen jungen Agudisten, die dem Esra fern stehen, den Mut gefunden hat, in den Spalten eines Agudohblattes zu erklären: „Der Esra hat „auch etwas" geleistet; man kann seinem Konto auch etwas z u s ch r e i b e n . . .!" Man könnte sogar meinen, daß dieses „Wagnis" ein Schritt weiter ist, um an eine Verständigung zu denken . . . Bisher hat man eine solche Sprache bei denjenigen Agudisten, die zu dieser Frage Stellung genommen haben, vermißt. Es hat vielmehr als oberstes Prinzip gegolten, daß jeder Agudist, dem der Esra als unsympathisch vorkam, gegen den Esra mit allen Waffen kämpfte. . . Aber auch Ernst Vlau weicht nicht ganz von dieser Methode ab. Auch er ist nicht frei von einem gewissen engherzigen Parteihaß. Blau sucht Mittel, die jüngere Jugend zu gewinnen. Er wirft der Agudas Iisroel vor, daß sie wenig oder überhaupt nichts für die jüngere Jugend getan hätte. Wer hat aber daran Schuld? Selbstverständlich der Esra. . .? Er zählt dann eine Liste mit „Chatoim" auf, die der Esra begangen haben soll . . . Mit solchen Mitteln operiert man, wenn man die Jugend heranziehen will! Ich, als Esräer, der aus seiner Zugehörigkeit zur „Agudas Iisroel" kein Hehl macht, der bei jeder gegebenen Gelegenheit für unser heiliges Ideal kämpft, fühle mich berechtigt und veroflichtet, Blau einige Entgegnungen zu machen und &ffe, daß manche Agudisten dadurch etwas erfahren werden, was sie bis jetzt nicht wußten, und wodurch sie zu falschen Meinungen verleitet worden sind. Blau behauptet u. a., daß im Esra eine Neigung bestände, „eine politische Richtung zu schaffen, deren Anhänger ganz bewußt sowohl „Agudas Iisroel" als auch „Misrachi" bekämpfen . . ." Woher er zu dieser Behauptung gekommen ist, ist mir völlig unklar. Für uns Esräer ist eine solche „politische Richtung" innerhalb des Esra vollkommen unbekannt und auch ausgeschlossen. Diese „Entdeckung" ist m. E. völlig aus der Luft gegriffen. Wenn es auch wahr ist, daß der Esra immer und immer wieder seine poli ische Neutralität zum Ausdruck bringt, so ist es dennoch nicht in dem Sinne, den Blau ihm unterlegt hat. Es heißt vielmehr, daß der Esra keine politische . Tendenz verfolgt; er ist einzig und allein bestrebt, die Jugend aller Kreise, soweit als möglich, dem echten Judentum zuzuführen, eine thaurotreue Generation zu erziehen, die nimmer von unserer Thauro abfallen soll. Daß er diesem Programm treu geblieben ist, gibt auch Blau zu. Er behauptet aber, daß misrachistische Esrasührer die ihnen unterstellten Esräer misrachistisch beeinflussen, dieses ist nut der Fall bei einigen. Im allgemeinen aber sind auch di: Misrachisten innerhalb des Esra bestrebt, die Neutralität des Esra nicht zu verletzen. Eine Tatsache wird dazu dienen, die Richtigkeil meiner Worte zu beweisen. In einer süddeutschen Stadt, wo man eine Jugendgruppe der Agudas Iisroel gründen wollte, erwartete man auch die Mitarbeit einiger Esräer. Jedoch di"se zögerten und verlangten schließlich ron der Bundesl i u g eine Aufklärung in di f r Arg legenheit. Der Bundesleiter, Ernst Nebenzahl, ein überzeugter Misrachist, antwortete: „Selbstverständlich ist es den Esräern erlaubt, vom Tc'sra-Standpunkt aus in einer Jugendqruppe der ■ Agudas Iisroel mitzuarbeiten." — Blau klagt auch die agudistischen Esrasührer an, daß sie sich scheuen, 'für „Agudas Iisroel" einzutreten und „sogar das Wort „Agudas Iisroel" oft nicht wagen auszu- Devwendcf Hguda-OHavfeen * Svfiafflicfi in allen Ortsgruppen sprechen . . ." Eine Parallele in dieser Hins'cht von Hamburg mit anderen Städten im deutschen Reich zu ziehen, wäre Unsinn. Ich bin mit den Verhältnissen in Hamburg sehr knapp vertraut und kann deshalb nicht urteilen, wie es hier zugeht. Das weiß ich aber, daß die Verhältnisse im übrigen deutschen Reich, insbesondere in Cüddeu'schland, ganz anders liegen. Dort braucht der agudistische Esrasührer seine Unterstellten nicht agudistisch zu beeinflussen, er hat es nicht nötig. Das Milieu bringt es mit sich, daß der Esräer zugleich Agudist ist. agudistisch denkt und fühlt. Ist doch eine bekannte Tatsache daß in den meisten bayerischen Städten der Esra und die Agudas Jisroel-Jugendgruppen Zusammenarbeiten! Meines Erachtens ist es überhaupt nicht nötig. Agudismus im Esra zu predigen. Der Esra ist neutral, seine Wege führen aber zu „Agudas Iisroel"! Der ältere Esräer, falls er des Alters wegen aus dem Esra austritt, weiß ganz gut, und ist es für ihn selbstverständlich, daß er sich nur den Reihen der „Agudas Jisroel" anzusch'.ießen hat! Man kann noch so viel, innerhalb wie außerhalb des Esras, über das sogenannte „Mtersprobkem", welches sich im letzten Jahre einer besonderen Aktualität erfreute, debattieren, es bleibt aber nichts» mehr als ein Thema für einen Diskussionsabend. In Wirklichkeit aber besteht überhaupt nicht ein derartiges Problem. Denn der Esräer, solange er im Esra neutral ist, hat doch seine eigene Meinung über diese oder jene aktuelle Frage im Judentum, auch er weiß, wie er sich zu dieser oder jener Partei zu verhalten hat; er findet es aber nicht für nötig, feine Ansicht hinauszuschreien. Hat er aber das Altersstadium erreicht und bleibt a l l ei n, so weiß er, für wen er sich zu entscheiden hat, es ist ihm klar, daß er kein „Pauresch min Hazibur" sein darf. Der Begri,f von „Klall Jisr o e l" ist ihm eigen geworden. Die Brücke vom Esra ist eine gerade und feste zur „Agudas Iisroel". S o denken fast alle Esräer, das ist einmal klar und kann mrt folgendem illustriert werden: Bekanntlich war dieses „schwere" Altersprollem auf dem letzten Bundestag in Reichenberg ein wichtiger Punkt in den Verhandlungen. Die Referenten wußten nicht, wie sie dieses Problem lösen sollten. Delegierte und Gäste haben alle Referate mit größtem Interesse verfolgt diese Frage liegt doch. Vielen am Herzen. Man faßte damals kejne bindenden Beschlüsse.' And gerade einer der Referenten über dieses Thema, ein älterer Esräer, ist ein aktives Mitglied einer bedeutenden Ortsgruppe der Agudas Iisroel geworden. Er hat dieses Problem einfach gelöst, indem er „Agudas Jrsroel" aufsuchte und seine Kräfte ihr widmete. Beweist das nicht zur Genüge, daß es ein Unrecht ist, behaupten zu wollen, daß ein derartiges Problem existiere. „Agudas Iisroel" ist die Fortträgerin der im Esra gepflegten Ideale.. Aber ' aud} das ist roahrj es gibt auch im Esra nnsrachlstisch eingestellte Esräer und sogar solche, die ihren Einfluß auf andere ausüben wollen. Aber, wir können dessen ruhig sicher sein, solche bleiben auch nicht lange im Esra! Die Ursache, die sie der Agüdas Iisroel entfremdet hat, wird sie schließlich auch aus diesen Reihen führen. „A u ch der Esra stellt zu viel die Thauro in den Vordergrund . . ." äußerte sich einmal mir gegenüber ein misrachistischer Esräer! Solche und andere Ansichten sind zur Genüge vorhanden. Blau spricht ferner von einer „Gefahr, die unsere ganze organisierte Bewegung zu gefährden droht. . * Er meint dabei sowohl den Misrachi als auch den Esra. Sein Hauptaugenmerk ist aber ausschließlich auf den Esra gerichtet. Ich kann es aber nicht begreifen, wie weit schon ein Zui.svalt innerhalb der orthodoxen Juegnd vorhanden sein soll. Zu behaupten, der Esra sei eine Gefahr für die Agudoh, ist mehr als komisch, es ist schon tragikomisch! Wie schon von mir behauptet worden ist, ist der Esräer in seiner Denkungsweise durch und durch agudistisch. Ich hatte gerade Gelegenheit, in letzter Zeit dieses wahrnehmen zu können. Als ich nach Wien zur „Kenessio Gedaulo" fuhr, war mein innigster Wunsch, auch Esräer dort zu treffen. Ich hatte es ihnen allen gegönnt, diesem feierlichen Moment beizuwohnen. Ich muß aber offen gestehen, daß ich selber skeptisch war, ob Esräer zur Kenessio Gedaulo fahren würden. Meine Freude war aber desto größer, fünfundzwanzig Esräer bei der Kenessio Gedaulo gesehen zu haben! Ich habe mich außerordentlich gefreut, beobachten zu können, mit welchem Interesse und welcher Begeisterung all^Esräer aus allen Teilen Deutschlands den Verlaufs der^kenessio Gedaulo verfolgt haben. And nicht nur diejenigen, die die Sechioh hatten, bei dieser grandiosen Zusammenkunft aller Großen in Israel anwesend zu sein, sondern auch diejenigen, denen leider die Möglichkeit, nach Wien zu fahren, gefehlt hat, habe ich beobachtet und habe gesehen, wie sie jede Kleinigkeit, die sich in Wien während dieser großen Tage abgespielt hat, mit ungeheurem Interesse verfolgt haben, wie sie in ihrer Seele alles miterlebten, als ob sie glaubten: Dort entscheidet sich das jüdische Schicksal und somit auch das ihrige. Nun frage ich noch dazu: Wird es ein Esräer wagen, zu einem zionistischen oder gar misrachistische Kongreß zu fahren? Oder etwa Interesse nur daran zu zeigen? Ich glaube, daß gar viele diese Frage verneinen werden! Der Esra ist unser, wenn auch solche da sind, die es anders haben und behaupten wollen. Und wenn der Esra seine Mitglieder, wie bisher, zu aufrichtig treuen Jehudim, auch bei politischer Neutralität, erziehen will, hat er trotzdem und gerade dadurch seine heilige Aufgabe nach allen Richtungen hin, heilig erfüllt! Also, die Befürchtungen haben durchaus keinen Grund. Es ist Gott fei Dank nicht so schlimm. Wenn inan aber mit solchen Hetzartikeln kommt, dann würde es schlimmer werden können! Dann aber fällt die Schuld und Verantwortung nur auf die, die solche Artikel veröffentlichen! i Den Verfasser des Artikels möchte ich aber noch aufmerlsam machen, wenn er als treuer Agudist unserem heiligen Ideal gerecht werden will, muß er aufhören, Fehler zu suchen; denn damit ist noch nichts geschehen. Kritisieren ist leicht, leichter als etwas Produktives zu leisten. Mit doppelter Energie und ernstem Hislahawus muß er sehen, das Programm der „Agudas Iisroel" zur Geltung zu bringen. Allein arbeiten und sich bemühen, andere für unsere Arbeit zu interessieren, nur dann hat er seine Pflicht als Agudist erfüllt! Nun aber möchte ich noch einige Worte an die aufrichtig agudistischen Esräer richten. Wen interessiert wohl diese Angelegenheit, die man zu einem „Problem" gemacht hat, mehr, als uns selber? Ihr seht doch, wie Unbefvgte sich erlauben, zu urteilen. In diesen Spalten ist Gelegenheit geboten, sich über diese Frage zu äußern. Nützt -diese Gelegenheit aus! Zeigt allen denjenigen, die uns zu einer zweiten Kategorie Agudisten degradieren wollen, weil fjoic Esräer sind, daß wir gerade ebenso gute Agudisten sind wie die, die ihren Agudismus nur dadurch zur Kenntnis bringen wollen, daß sie gegen den Esra kämpfen. Bekennt Euch öffentlich zu „Agudas Iisroel"! Wir sind stolz darauf, Agudisten zu sein, und wir wollen keinem das Recht verleihen, in unserem Namen anders zu reden. Wir bleiben aber auch weiter im Esra und kämpfen mit Freude für unser Recht. Ja, wir haben nach innen und nach außen zu kämpfen, wir wollen das gern tun und die Ueberzeugung in uns wach rufen, wir arbeiten für etwas Heiliges und Ideales! Wehaschem jrjeh Beosrenu! Ehasakck Joachim Hartmann.

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