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Der Israelit · 1930-02-20 · Heft 8 (20.2.1930) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 8 (20.2.1930)
Date
1930-02-20
Page
– (sequence 11)
Language
German
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20. Februar 1930 Der Israelit Gebräuche und -Sitten neben den allgemeinen Kulturdokumenten aufbewahren kann. Der Jahresbericht, von Schaumberg erstattet, zeigt die Bemühungen des Ausschusses, die auf Erhöhung der Amtszulage hinzielc-n. Während der Halberstädter Verband den Gemeinden die nötigen Mittel zur Erhöhung auf 400 RM. bereits gibt, hat der Berliner Verband noch nicht einmal auf unsere Eingaben geantwortet. Das führt in der Debatte zu der bereits veröffentlichten Resolution. Die Angelegenheit ist inzwischen in für uns günstigem Sinne erledigt worden. Weiter berichtet Schaumberg über die Schritte des Ausschusses zur Erreichung der Gleichlegung der Ferien mit den christlichen Schulen. Die Beinühungcn werden fortgesetzt. — In der Besprechung des Jahresberichts wird beschlossen, den Verbandsvorstand zu bitten, die Beiträge der Pensionäre zur Unierstützungskasse auf die Hälfte herabzusetzen. Außerdeem beschließt die Ve.sammlung, daß bei allen wichtigen Familienereignissen von Mitgliedern die Konferenz vertreten sein soll. Nach dem Bericht der Hilfskasse „Esra" und dem Kassenbericht konnte Schaumberg die Versammlung schließen. Rosenbusch - Bebra. Levi - Birstein. Nr. 8 Seite 11 „Zeschurultt.Ankerslühungsverein emer. Lehrer, Lehrerwilwen und Lehrerwaifeu. Unter der Leitung des Vorsitzenden, Herrn Kollegen Oppenheim, Rhina, fand am 25. Dezember 1929 im Lokale der Schaß-Chevra hier die Jahresversammlung des „Jeschurun" statt, zu welcher eine verhältnismäßig kleine Anzahl von Mitgliedern und vier Gäste erschienen waren. Der Vorsitzende eröffnete um 10,15 Uhr die Versammlung und richtete Morte der Begrüßung an die Gäste und Kollegen. Herr Provinzialrabbiner Dr. Cahn dankte unter Anfügung trefflicher nmn-Worte für die Begrüßung. Der Vertreter der hiesigen Synagogengemeinde, Herr Synagogenältester M. Westheim, dankte ebenfalls für die Einladung und wünschte der Tagung segensreichen Erfolg. Als Vertreter des Dorsteheramtes rief Herr Jonas Eschwege der Versammlung ein arm nbx zu. Herr Studienrat Munk, als Vertreter des Bundes, schloß sich den Dankesworten an. In dem nun folgenden Jahresbericht gedachte der Vorsitzende in ehrenden Worten der im verflossenen Jahre leider verstorbenen Vereinsmilglieder N.chbaum, Hersfeld und Rotzmann, Gers.eld. Die Versammlung ehrte deren Andenken durch Erheben von den Sitzen. Der übrige Teil des Jahresberichtes handelte von den Bestrebungen der Lehrerbildung, von der Notwendigkeit der Aufhebung des Paragraph 4 der Statuten, von den Leistungen des Preußischen Landes7erbandes gcf tzestreuer Synagogengemeinden, der sein Versprechen erfü.lt habe, und verbreitete sich über den Erlaß des Kirchensteuergrsetzes, der für jüdische Gemeinden noch nicht spruchreif sei. Das Referat hatte in liebenswürdiger Weise Herr Studienrat Munk übernommen. _ Er behandelte das Thema „Vom objektiven Geist" in solch fesselnder und wohldurchdachter Weise, daß alle Zuhörer begeistert waren und der Dank' der Versammlung sich in lautem Beifall äußerte. Bei der nun folgenden Diskussion, die sich hauptsächlich um die Aufhebung des Paragraph 4 der Statuten drehte, wurde beschlossen, die Abstimmung darüber noch zu vertagen, weil die statutenmäßig erforderliche Zahl der Mitglieder nicht zugegen war; jedoch war die Majorität der Meinung, daß der Paragraph 4 fallen müfse. Der Kassenbericht — von dem Unterzeichneten erstattet — ließ die dringende Notwendigkeit erkennen, daß die einzelnen Mitglieder mehr für die.Kasse des Vereins leisten müssen, wenn höhere Unterstützungen verteilt werden sollen. Der Appell des Vorsitzenden an die Vereinsmitglieder wurde von dem Kassierer noch bekräftigt. Der Vorsitzende schloß um 2 Uhr die Versammlung. Sonn, Schriftführer. Pfungstadt, durch Zuruf für die kommende Vereinsperiode wiede gewählt. Es folgt das Referat des Kollegen Kahn. Höchst,' „Was kann der jüdische Lehrer zur Hebung des reltdtöT’en Lebens auf d.em Lande tun?" Der Vortrag zeiate den Referenten als einen Lehrer der nickt nur in der Schulstube seine Scküler in den Geist und die Lehren des Judentums einz^füh-en versteht, sondern auch in lemer Gemeinde in unablässiger Tätigkeit arbeitet und kämpft, um dieselbe bei der Fahne des gesetzes- und tradi'ionstreuen Judentums zu halten. Es erübrigt sich, in diesem.Berichte auf den Inhalt des Vortrags näher einzugehen, da Kollege Kahn, um den Vortr^ weiteren Kreisen zuoänqig zu machen, uns in entgegenkommender Weise zngesagt hat, ihn für die Blätter für Erziehung und Leh^e zur, Verfügung zu stellen. An der dem Vortrage folgenden, sehr ergiebigen Diskussion, in welcher die verschiedensten, den jüdischen Lehrer angehenden Gebiete be-ührt wurden, beteiligten sich die Herren Ochsenmann-F anksurt, B'ck Miche'sttd', Simon-P ungstadt, Rabbiner Dr. Merzboch-Darmstadt, Eold'ch^i'at-Homburg, S'e'r-Lauterbach. Stem-Eerottheim. Wahrha t'g-Darmstadt Kah'-Alsfeld, Rabbiner Wastermann-Darmstadt Kaufmann-Schotten, Oppenhri n-Rhi:a, Safra-Trumstadt Ehrmann-Friedberg, Katz-Babenhau>en. Der Schriftführer: Kaufmann, Sprendlingen. hören zurzeit 27 Mitglieder an. Die seitherigen Vorstands-1 gefühlt, nachempfunden, wie so häufig nicht. Hier ist Mitglieder wurden aus Vorschlag des Kollegen Simonj die ewige Sprache der Psalmoe.se verstanden iind ge- " ' würdigt. Aber, warum muß mau denn, wenn man in diesem Lichte, die Gedanken der Psalmen begreift und beurteilt, sie so eng historisch sestiegen, daß man ihre Zeit erkenncii und einmalige Parteien in ihren Jdeenaängen wiedersinden will? Warum müfftn es immer gerade Sadduzäer und Pharisäer sein, aus deren Kanipf heraus der Psalm entstanden ist, wenn doch in Wahrheit die Parteien aller Jahrhunderte sich in den herrlichen Worten der Psalingstänge wiederspirgeln? Diese tritische Analyse, die der (affet nach seinem Vorwort gar nicht sucht, hätte ganz fortbleiben können. Dann koinmt es gar nicht auf ein Wort an, so daß jede Bemerkung über die UeberLieferung des Wortlauts überflüssig ist. Wo doch der Verfasser selbst die „Wissenschaft" recht hart bisweilen anfaßt (S. 47 oder 143 „man soll eine dichterische Stimmung nicht mit der Grammatik messen"). Im Gegensatz zur ersten Auslage wird der hebräische Tert den Psalmen vorangestellt und ebenso die Uebersetzung, es werden auch mehr Psalmen behandelt als früher. Es ist gegen manche Uebersetzung etwas einzuwenden — z. B. wenn 139,16 'nb* durch „meinen Keim" oder 50,16 ovod durch „herzuzählen" wiedergegeben wird — es wird gewiß mißfallen, wenn „vom fröhlichen Mahl frommer Juden" (S. 59) gesprochen wird, aber man kann über dies und vieles andere, was der modernen Wissenschaft verdankt wird, hinweglesen, wenn nicht so oft die zeitliche Festlegung des Psalmes mit solcher Selbstverständlichkeit erfolgt, daß man darüber die eben genossene großartige Erfassung des Psalmes vergißt. Genug dieser Kritik! Man kann nur bedauern, daß man sie so schreiben inutz und dadurch doch manchen Bibelleser von der Lektüre dieses vorzüglichen Psalmbuches abhalten wird. Denn noch einmal: Sprache, Rhythmus, Lebendigkeit, Handlung, Bewegung, Personen, Menschen, Zeiten sind fein, sehr sein in diesem Buche erfaßt. Man möge dem Verfasser eine dritte Auflage wünschen und ihn ersuchen, dann jede Bemerkung über die Entstehungszeit fortzulassen, dann wird der Genuß, den durch seine Vermittlung die Psalmen bieten, ein ungetrübter sein. Rabbiner Dr. A. P o s n e r, Kiel. Abraham Oppenheimer-Mainz. Vor wenigen Wochen verschied unser Kollege Abraham Oppenheimer, Lehrer und Kantor der Israelitischen Religionsgesellschast in Mainz. Die Persönlichkeit des Dahingegangenen ist bereits in Nr. 5 des „Israelit" gewürdigt worden. Es erübrigt sich uns, noch darauf hinzuweisen, daß wir in dem Heimgegangenen ein treues Mitglied des Bundes gesetzestreuer jüdischer Lehrer, sowie des Unabhängigen Vereins israelitischer Lehrer, im Freistaate Hessen verloren. Stets trat er für die Ideale unseres Bundes ein. Dem Unabhängigen hessischen Verein gehörte er lange Jahre als Vorstandsmitglied an.n"aLM Generalversammlung des „Unabhängigen Vereins israelik. Lehrer im Jreistaale Hessen" am 5. Januar 1930 in Frankfurt a. M. im Hörsaal der Synagogengemeinde Israelitische Religlonsg se lschaft. Zu der um 11 Uhr beginnenden Generalversammlung hatten sich 24 Mitglieder und 3 Gäste eingefunden. Der Vorsitzende, Herr Sulzbacher, Groß-Bieberau. eröffnete die Versammlung mit Worten der Begrüßung. Er gedachte des im abgelaufenen Jahre verschiedenen Mitgliedes, Herr Rabbiner Dr. Bondi, Mainz, dessen Andenken in üblicher Weise geehrt wurde. Der Rechner des Vereins, Herr Kahn, Höchst, gibt den Bericht über die Kafssenverhältnisfe. /Die Einnahmen betrugen in den Jahren 1928/29 1642,35 M., die Ausgaben 988,04 M., so daß sich ein Ueberschuß von 654,31 M. ergibt. Die Jakob Lebermann-Strftung hatte eine Einnahme von 245 M>, ihr Vermögen beträgt 673,74 M. Das Vereinsvermögen beläuft sich auf 2100 M. Dem Verein ge- Bücherbesprechungen. Bausteine praktichr Pädagogik. Zum Jubiläum des 125'äh igen Bestehens des Phi lanthrovius hat Herr Studiendirektor Dr. Otto Drkesen unter Mitwirkuna von Lehrk ä'ten genannter Schule eine Festgabe in schlichter, der Wirtschaftslage unserer Zeit gemäßer Aufmachung daroeboten. Driesens Arbeit „Erziehung zur Freude als sittlicher Grundhaltung" ist nicht nur dem Umfange nach der Hauptteil, sie drückt der Festgabe das bestimmende Gepräge auf. Eine Skizze pädagogischer Er'ahrungeN, dir, durch beachtenswerte Beispiele aus der Praxis belegt, eine eingehende Kenntnis der einschlägigen Literatur zeigt, k'iugt in das Bekenntnis aus, die Schule zu einer Gemeinschaft der Freudigen zu gestalten. . Prof.. Dr. Mar Levy behandelt in einer für päda gogttche Berichterstatter zur Nachahmung zu empfehlenden Weise — er gibt kein Ideal-, sondern ein Wirklichkeitsbild — „Die Philosophie als Unterrichtsgegenstand" Eine äußerst interessante Sicht in ausländische Schul Verhältnisse gewähren „Unterrichtliche Probleme im Heu tigen England, nach persönlichen Einblicken" von Studienrat Dr. Julius Plaut, der dabei auch den erfreulich hohen Stand der „Jewish Free School" hervorhebt. Ueber die „Künstlenssche Gestaltung der geschichtlichen Teile des jüdischen Religions-Unterr'ch's" referiert Herr Dr. Henry Philipp. Recht bemerkenswert, wenn man auch versucht ist, hinter manche Ausführungen ein Fragezeichen zu setzen In tief schürfender Art zeigt uns Studienrat Dr Ernst Marbach, wie im Philanthropin, dessen Religionsunterricht es sich zur Aufgabe macht, über einen bloßen Konfessionsunte'-richt weit hinauszugehen, „die griechische und römische Religion" im Geschichtsunterricht durchgearbettet wird. Dr. Mrr Seelig berichtete darüber, „Wie die F-auenschule zur sozialen Arbeit erzieht", nach einer theoretischen Begründung die praktische Auswertung. Aus seinem ureigensten Arbeitsgebiet heraus gibt E. Gut einen aufschlußreichen, flüssig geschriebenen Ueberblick „Zur Geschichte der jüdischen Jugendliteratur", nur — mit Verlaub zu bemerken — ziemlich einseitig, da die nicht-neologen Autoren offensichtlich 311 kurz kommen. Die mit einem Ilebermaß von Fachausdrücken stark belastete Abhandlung „ Die heb-äische Grammatik als S'ütze grammatisch-logischer Ausbildung im Phttanthropin", von I. B. Levy, regt zu erprobenden Versuchen auf dem Gebiete der Konzentration an. 'Ob in Grundschulklafsen damit viel zu erreichen sein wird, möchte ich bezweifeln, da nach den Lehrplänen das Vergleichsmateriai aus der Muttersprache fehlen dürste. Auf der höheren Schule dagegen wird in Verfolgung dieser Ausblicke der Unterricht belebt und intere'sant gestattet werden können. 'Dr. Eugen Stern entwickelt in geistvoller Darstellung wie er sich zum „Wirtschaftswi'senschaflichen Unterricht" einstellt. Der Beitrag von Dr. Mar Salomon „Zum Bildungswert einer Studienfahrt" und die daran anschließenden zum Teil bebilderten Aufzeichnungen der Obersekunda über eine Studienfahrt, haben mich als Erdkundler ganz besonders erfreut. Nur hätte ich das so naheliegende Halberstadt in den Bereich der Studienfahrt ernbezogen, um die jungen Leute einmal hineinblicken zu lassen in die altjüdischen Institutionen dieser ehrwürdigen Gemeinde. Einen erfreulichen Abschluß bildet das mit illustrierenden Beispi:len g schmückte Cchlußkapstel von Wilhelm Maurer „Ueber Kunsterziehung am «Philanthropin"^ Alles in allem: eine gediegene Leistung, die ihren gut gewählten Namen „Bausteine" mit Recht trägt. Kein Arbeitsgenosse von der pädagogischen Bauhütte wird drese Steine verwerfen. K. O. M Spanier, Psalmen, ausgewählt und erläutert. Zweite vermehrte Auflage. Berlin, Schwetschke & Sohn. Preis 3.50 M., geb. 5.— M. Es ist schmerzlich, daß man dieses Buch nicht restlos loben kann. Denn hier werden die Psalmen erlebt, 1 Nachruf! Der „Unabhängige Verein Israelitischer Lehrer im Freistaat Hessen" hat durch das Hinscheiden seines Mitgliedes Abraham Oppenheimer in Mainz einen schweren Verlust erlitten. Lange Jahre gehörte der Heimgegangene dem Vorstande unseres Vereins an. So lange es ihm sein gesundheiiliches Befinden gestattete, erschien er mit regelmäßiger Pünktlichkeit auf den Vereinskonserenzen. Sein vornehmes, bescheidenes Wesen, seine tiefe Frömmigkeit machten ihn zu einem leuchtenden Vorbilde für uns alle. Leider war es dem Unterzeichneten nicht mehr möglich, rechtzeitig zur '’ib zu erscheinen, um ihm im Namen des Vereins die letzte Ehre zu erweisen. Sein Hinscheiden bedeutet für unseren Verein einen fühlbaren und schmerzlichen Verlust. Wir werden seiner stets in Verehrung gedenken, rrasMi- Der Vorstand des „Unabhängigen Vereins Israelitischer Lehrer im Freistaate Hessen", i. A.: Sulz.b ach er- Gr.-Bieberau. Briefkasten. An mehrere Kollegen: Wir haben bei früherem Anlasse erklärt, daß die in unserem Blatte erscheinenden Arbeiten, die mit dem Namen des Verfassers gezeichnet sind, nicht aus das Konto der Schriftleitung gehen. Es ist wohl selbstverständlich, daß es einem jeden unserer Mitarbeiter unbenommen bleiben muß, seine Ansicht zu vertreten. Ebenso dürfte die jedesmalige Feststellung nötig sein, daß die Meinung der Schristleitung eine abweichende von der in den von uns gebrachten Arbeiten ist. Die Schriftleitung. Verantwortliche Schriftleitung: L. Kaufmann, Sprendlingen (Kreis Offenbach).

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