Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 7 (13.2.1930)
- Date
- 1930-02-13
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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13. Februar 1930 Der Israelit Nr. 7 Seite 11 heit außer Kraft zu setzen. Selbst in Litauen und Pillen wird diese Wahrheit heute schon empfunden und der Austrittsgedanke gewinnt dort jeden Tag mehr an Boden. Entscheidend ist natürlich gerade die halachjsche Seite der Austrittsfrage. Wenn man den Würzburger Rary, wie selbstverständlich, als halachische Autorität gleich bewertet mit seinen Zeitgenossen, Rabbiner Hirsch und Rabbiner Hildesheimer und dabei von der fast geschlossenen Einheit der ungarischen Rabbonim ganz absieht, so hat sich doch die Mehrheit der deutschen Gedaulim des vorigen Jahrhunderts für die halachische Rechtsgültigkeit der Austrittsentscheidung ausgesprochen. Auch sollte die Gemeindeorthodoxie anerkennen, wie gefährlich ihr eigener Weg ist. Erst die Geschichte kann lehren, ob nicht die praktischen Erfolge der Gemeindeorthodoxie, die gewiß nicht verkannt werden sollen, erkauft sind durch eine Abschleifung der ideellen Gegensätze und damit durch eine schwere Schädigung der Energie und Reinheit des religiösen Denkens. Dieser Schaden wäre noch unendlich viel größer, wenn nicht die selbständige Orthodoxie jeden Tag ihm entgegenwirkte. So wie der Bestand der letzteren die eigentlchie Ursache für die praktischen Erfolge der Gemeindeorthodoxie ist, so müßte diese der selbständigen Orthodoxie auch jeden Tag dankbar sein für den Schutz vor dem Versinken in ein neutrales Judentum, dem alle Richtungen gleich wahr und heilig sind und das darum keinen Wahrheitswert mehr besitzt. Wenn der große Rabbinische Rat der Agudas Jisroel mit Bezug auf die Zugehörigkeit zu den selbständigen orthodoxen Gemeinden an das iwr hab -»as nan erinnern zu müssen glaubte, so hat er damit gerade den Würzburger Raw als Autorität hinter sich. Diesem war es eine Selbstverständlichkeit, daß unbeschadet seiner Stellung zur Austrittsfrage jedenfalls jeder bewußte Jehudi in Frankfurt der Religionsgesellschaft anzugehören habe. Er hat das in seiner „Offenen Antwort" deutlich genug ausgesprochen. Vortragsabend im Verein ehemaliger Schüler der Samson Raphael Hirsch-Schule. Vor einem interessirrten Publikum hielt Studienrat Dr. M. Schüler ein aufschlußreiches Referat über die Entwicklung der äußeren und inneren Lebensgestaltung derehemaligen Schüler der Samson Raphael Sirsch- Schule. Die Feststellungen, die der Redner inbezug auf Beruf, Wohnsitz und jüdisch-religiöse Einstellung der Hirsch-Schüler machte, beruhen auf umfangreichem statistischem Material, das in mühsamer Kleinarbeit im Laufe der letzten Jahre gesammelt wurde und ein fast lückenloses Bild über den Werdegang von Tausenden von Zöglingen gibt, die die Schule seit ihrem Bestehen besucht haben. Entgegen persönlichen Eindrücken, die sich immer nur aus eine gewisse Zahl von Beobachtungen stützen können, ergibt die eXakt-staiistische Forschung, daß der Erziehungsfaktor „Schule" für die Lebensgestaltung von großer Bedeutung ist, vor allem dann, wenn das entsprechende häusliche und gesellschaftliche Mi.ieu, die beide großen Einfluß haben, vorhanden ist. Daß aber auch bei veränderten äußeren Verhältnissen die Eindrücke einer geschlossenen Schulerizehung recht einflußreich sind, beweist der Redner durch interessante Beispiele. Die Schüler der S. R. Hirsch-Schule sind über den ganzen Erdball zerstreut. Das O'gan des Vereins wird u. a. in Südafrika, Meriko und Australien gelesen. Unter den Schülern sind nahezu alle, auch künstlerische Berufe vertreten, vor allem naturgemäß aber der kaufmännische und alle Arten der akademischen. Was das Referat besonders anregend gestaltete, war die Zeichnung der kulturhistorischen und wirtschaftspolitifchen Hintergründe, die in den einzelnen Perioden das Erziehungsergebnis manchmal begünstigten, ^manchmal beeinträchtigten. Im Ganzen ist festzustellen, daß auch in Zeiten der allgemeinen Irreligiosität und der erschwerten Lebensführung der überwiegende Teil der ehemaligen Schüler den in der Schule gelehrten Idealen die Treue gehalten hat. Insbesondere ist zu erwähnen, daß in der letzten von der Statistik erfaßten Epoche (1914—1923) trotz der ungünstigen Zeitverhältni'se ein bedeutsames Ansteigen der im Sinne der Schulideale günstigen Erziehungsergebnisse beobachtet wicd; hierzu trägt auch die Festigung der religiösen Ueberzeugung durch intensiveres Thorastudium und Jeschiwabesuch bei. Nach den Feststellungen der Statistik wirken heute allein weit über 100 ehemalige Schüler der S. R. Hirsch- Schule an führenden Stellen in Gemeinden und Verbänden Zür die Sache des orthodoxen Judentums in der ganzen Welt. Es ist zu wünschen, daß die wohl in ihrer Art einzige Materialsammlung, die sich über die letzten nahezu 60 Jahre erstreckt, der Oeffentlichkeit in irgend einer Form zugänglich gemacht werde, da sie auch weit über den Kreis der Schule hinaus von großem Interesse sein dürfte. Anschließend an das Referat fand die Jahresversammlung des Vereins statt. Der Jahresbericht weist eine große Anzahl von Unterstützungen auf, die der Verein der Schule und den Schülern und Schülerinnen zuteil werden ließ; erwähnt seien Beihilfen für Schulgelder, F ühstücksspeisung, Nachhilfeunterricht, Ausflüge, Landheimaufenthalt, Bibliothek und Neuanschaffung von Lehrmitteln. Der Verein umfaßt über 800 Mitglieder und gibt ein eigenes Milteilungsorgan heraus. M.N. Jüdischer Turnerbund e. V. Am Mittwoch, den 26. Februar 1930, findet in unserem Heim, Langestr. 55, abends um 8,30 Uhr, der zweite Vortragsabend statt. Herr Dr. Josef Frank wird über das Thema: „Unfälle und ihre Rechtsfolge" sprechen. Das interessante und aktuelle Thema dürfte jedem Mitglied und Freund des Vereins seine Teilnahme gebieten. Vortrag Dr. Wolfgang von Weist. Die zionistischen Revisionisten in Frankfurt a. M. veranstalten eine Massenversammlung am Sonntag den 16. Februar, abends 8.30 Uhr, in der Suppenanstalt, Theobaldstraße 5, in der Dr. Wolfgang von Weisl, Jerusalem, über das Thema: „Palästina feit August" spricht. Es folgt freie Aussprache. Ahndung für antijüdische Ausschreitungen im Frankfurter Ostend. Im vergangenen Sommer wurden bekanntlich die Anlagen in Frankfurt a. M. von Nationalsozialisten unsicher gemacht. Meist waren es Trupps von zehn Mann, die jüdische Passanten anrempelten und dann das Weite suchten. Es konnten bis jetzt drei Fälle von Ausschreitungen aufgeklärt werden. Bon den entlarvten Tätern konnte der Schreiner Friedrich Ditzel überführt werden, zweimal an solchen Ueberfällen aktiv teilgenommen zu haben. Erst vor einigen Monaten wurde er wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Nun stand er erneut vor dem Strafrichter unter der Anklage, an dem Ueberfall auf zwei jüdische Bürger in der Friedberger Anlage in der Nähe des Heine-Denkmals am 28. August teilgenommen zu haben. Einer der Ueberfallenen wurde von Ditzel sehr schwer mißhandelt, dem anderen raubte er den Hut, der später in seiner, Ditzels Wohnung, gefunden wurde. Ditzel leugnete, wurde aber durch Zeugen überführt. Das Gericht verurteilte ihn wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Gefängnisstrafe van drei Wochen. Gesucht! Seit dem 28. Dezember 1928 wird Jakob Metzger, geboren in Rhina am 24. Februar 1912, vermißt. Cr hat seinen Eltern an obigem Datum zuletzt aus Frankfurt«. M. Nachricht gegeben. Sachdienliche Meldungen an die Geschäftsstelle unseres Blattes erbeten. Frankfurter Vereinskalender. Verein Mekor Chajim. Freitag abend nach Schul, Mikrovortrag Herr Leopold Oppenheimer. UW WU Samstag morgen nach Schluß der Synagoge „Dinim, Herr Dr. E. Posen. — Nachmaittag 3U Stunde vor Mincho, Mikro, Herr Dr. Hofmann. — Eine '/« Stunde nach Nacht (ebenso Sonntrg vormittag 8 Uhr), „Gemoro", Herr Joachim Soffa. Sonntag morgen nach Schluß der Synagoge (ebenso Mittwoch) im Hörsaal, am »n, Herr Redakteur S. Schachnowitz. — Vormittag 9^4 Uhr (ebenso Dienstagabend 619 Uhr Vereins lokal) „Gemoro", Herr R. A. Gerfon Posen. — Abends 6 Uhr Vortrag des Herrn Rabbiner Joseph Horowitz. Montag morgen nach Schluß der Synagoge (ebenso Donnerstag), im Hörsaale, Mischnalernen der Mitglieder. — Zu gleicher Zeit im Sitzungszimmer Friedberger Anlage von Montag bis einschließlich Donnerstag, „Gemoro", Herr Dr. S. Ehrmann. — Abends 7 Uhr (ebenso Mittwoch) im Vereinslokale, „Gemoro", Herr Rabb. Dr. I. Breuer. — 8l/2 Uhr, (ebenso Donnerstag), „Gemoro", Herr Dr. E. Posen. Dienstag morgen, nach Schluß der Synagoge, (ebenso Freitag), „Mischna", Herr Dr. E. Posen. Von Sonntag bis einschließlich Do.merstag abends 8sf4 - Uhr „Schaslernen", Herr Herz Holpern. Jahrzeitsstiftungen. mv 15. Febr. Frau Berta Rosenthal-Stift. Sonntag 16. Febr. Josef Hermann Jülich-Stift. Dienstag „18. Febr. Josef Grebenau.-Stift. Agudas Jisroel-Jugendgruppe. Schabbos morgen, 772 Uhr Haschkomo, Schwanenstr. 12 Daf-Jaumi, Dozent Herr Herz Halpern, Schabbos 12—13. Sonntag 11—12, Montag—Freitag 12—13, Gelegenheit zum Lernen — alltäglich 9—12 Uhr. Tefilloh-Erklärungen, Schabbos, 1172 Uhr, Schwanenstr. 12, für Damen und Herren, Dozent: Herr Louis Kahn. Montag und Mittwoch, 20 /2—2r/2 Uhr, Gemoro Bowo Mezio: Dozent Sr. Ehrw. Herr Rabb. Horowitz. Mauzoe Schabbos 18 /4 Uhr Vorbereitungsfchiur: Bowo Mezioh, Dozent Herr Eh. Liverhant. Sonntag 11—12 Uhr Mischnajoth Nesikim: Dozent Herr Eh. Liverhant. Schiurim für Damen: Thauroh, Dozent: Herr Lehrer A. Hirschberg, Schabbos 16—17 Uhr. Melochim, Dozent: Herr Julius Lewin, Schabbos Vormittag nach Schulfchluß. Tefiloh, Dozent Herr Lehrer S. Unna, Uhlandstr. 58, von 20V2—21‘/2 Uhr. Dinim. Dozent Herr Lehrer A. Hirschberg, Mittwochs 14 tägig, 20—21. Bürostunden der Leitung der Jugendgruppe allwöchentlich Sonntags von 10 - 13 Uhr. Außerhalb dieser Zeit nach vorheriger Verständigung mit dem Vorsitzenden, Herrn Hartog Hartogsohn, Ostendstraße 82, Car. 44 368. Kunsthandlung Julius Giessen Am Opernplaiz - Ecke Bockenb. Laedstr. 2 Das Facligescliäfl (Or wiietae Einrahmung Die Kunsthandlung des guten Bescbmacks Arbeitsgemeinschaft Iakob Landau, „Politik". Dieser von der Jugendgruppe der Agudas Jisroel laufende Zirkel für Damen und Herren findet am kommenden Mauzoe Schabbos, 21 Uhr, Schwanenstraße 12, seine 7. Fortsetzung. Liwjath Chen. Samstag mittag nach Mincho 4.45 Uhr im Hörsaale Friedberger Anlage Vortrag des Herrn Schachnowitz „Als das Lied aus war". Jüdische Frauenvereinigung E. V. Sonntag den 16. Febr. nachm. 6 Uhr im Hörsaal Friedb. Anlage 5. Vorttag des Herrn Lyzeal-Oberlehrer Karl Ochsemann „Neuzeitliche Psychologie und Pädagogik im Lichte jüdischer Weltanschauung. Dienstag den 14. Jan. 30. 672 Uhr im Hörsaal Friedb. Anlage Arbeitsgemeinschaft unter Leitung des Herrn Zahnarzt Dr. S. Ehrmann: Die Sidroh. Gebetzeiten. Freitag abend 5.15 Samstag noDwn 6.45 Samstagmorgen 8.— Vortrag des Herrn Rabb. Horowitz. Samstagnachmittag 1.— und 4.30 Samstagabend 6.30 Wochengottesdienst: Morgens 6.45 Nachmittags 5.30 Tefillin-Legen am Morgen 6.25 ♦I JULIUS SCHMIDT ANNONCEN-BÜRO FRANKFURT-MAIN 1AAGESIRASSE7 » TEL HANSA 464t POSTSCH.-KONTO FRANKFURTMAIN 142 353 c E B II R O EINZIGE INSERATEN-AHNAHME FÜR FRANKFURTER GESCHKFTS-INSERATE DES »ISRAELIT« AUSSERDEM ANNAHME VON INSERATEN FOR SÄMTLICHE HIESIGE UND AUSWÄRTIGE TAGESZEITU NGEN. WOC H EN UND FACHBLÄTTER ZU ORIGINAL-PREISEN ANNAHME VON DRUCKSACHEN HANDEL*GESCHIIFTE«PRIVATE FÜR DIE HERMON-DRUCKEREI BEI BILLIGSTER BERECHNUNG UND KÜNSTLERISCHER AUSFÜHRUNG IN SCHWARZ UND BUNT-DRUCK Wer Wert auf ein natürliches Produkt legt, gebrauche bei Erkältung, Husten, Heiserkeit, Fay's echte Sodener Mineral-Pastillen, die stets vorzügliche Dienste leisten. Diese Pastillen sind aus den natürlichen seit Jahrhunderten bekannten Heilquellen des Bades Soden a. Taunus hergestellt. Lehr's naturreiner Bienenhonig ist unentbehrlich für jeden Haushalt in Stadt und Land, enthaltend Kalisalze, Eiweiß, verhindert Krankheit, nährt. Wer gesund bleiben will, genieße daher gerade im Winter regelmäßig Lehr's naturreinen Bienenhonig! (Siehe Inserat.)