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Der Israelit · 1930-02-13 · Heft 7 (13.2.1930) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 7 (13.2.1930)
Date
1930-02-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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13.. Februar 1930 Frankfurt a KL, den 1». s<p>«t &b»o Nr. 7 Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Abannement ab Juli -1&9: Deutschlanv IM Muck monatttch; Ausland: Viertel» tahrpretsr (entfprechelld dem ,beii*w»e» JnlandspretszuzügUch Kosten des Etreifdand-Ber» kander) Deutsch-Österreich: Schilling 8^-; Amertta 1 Dollar: Enalano 4 sh.; abl. Juli FränireiH 35 Fr.; Belgien ab 1. 7. u. Helga 5: Holland 8 fl.; Italien abl. > 88.18 Lire; Jugoslawien 55 Din.; Litauen 7.60 Sit.; Rumänien ab 1. 7. 87. 150 Lei; Polen 1 deutsche Gold» «ärk zum Tageskurs oder 7 Zloty. Schweiz 8 Fr. Tschecho-Slowakei 88 Kronen: Ungar« Pengö 5 ab 1.Juli 1837; Dänemark 8.50Krön.;Norwegen8.80 Krön.; Schwede» 8.50 Krön. Einzelnummer vierzig Noldvi«»riae. . DerJsraelit erscheint jeden Donnerstag. Inserat« 50- Toldvf. für die stebeugespaltene . Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen nnd Familienanzeigen nur 10 Pf. Die 75 mm breite'ReNnmezeiler lichte Tertseite 2.— Mk., vorletzte Tertfette 2.50 Mt.; Ehiffregebühr in Höre eines dop«. Fernbrieftrortos. Rabatt nach Tarif. Bei laufende« Jnserataufttägen tarifm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Inferatenannahme durch de» Berlag des Israelit «S.«. b. Frankfurt a. M., Rechnetgrabenftraße 7, Tel. Sans« 5848 fow. durch siimtl. Annoncen-Erved, des In» und Auslands. Alleinige Jnferatenann. für Franks. Teschäftsan?.: Aul. Schmidt, Langeftr, 7,N, Tel. Hansa 4841. Platzvorichr. ohne Berbindltchr. »ngen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Vtatn) Kr. 18808. — Außerdem an: Poftsparkoge Wien Rr. 78805. — Poftspartasfenamt Lndcweft Rr. 18484. — Poftschecklonw Warschau Nr. 180757. - Postscheckamt Zürich M. VUl 7254 — Inkasso-Bank Rotterdam - Postscheckamt A« st :rd. « Nr. 84889 — Böhmische Untonbank in Prag --.Am» R»rm-uo«d & Co.to Bukarest — Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. — Der cherichtsstand stir alle aus Abonnement« od r ins Inseraten stch ergebenden Zahlunasvervflichtunge« ist Frankfurt a. W. Eine Aktion des Papstes gegen die Keligionsverfolgung in Rußland. Christenverfolgung. Ch r ist enverfolgung heißen, die ersten Kapitel in der Geschichte der christlichen Kirche. Cs war zur Zeit der Götterdämmerung in Rom, von Nero bis zu Constantia, da das alte Rom im christlich-byzantinischen Reiche versinkt. Die Macht hatte sich verschoben, die Verfolgungen blieben: Judenver f o l g u ng e n im Reich e her ch r i st l ich e n L i e b e, angefangen mit Len Byzantinern und bis heute, im Zeitalter nationalsozialistischer Minister in deutschen Landen und des bayrischen Schächtverbotes, noch nicht abgeschlossen. Nun gibt es wieder — wie antik sich das Wort anhört, — Ehr iste n v e rfo l - g u n g e n. In Rußland, wo man mit dem Kaiser auch Gott entthront zu haben glaubt, tritt der Arbeiterklub an Stelle der Kirche, weht die rote Fahne, wo das goldgestickte Kirchenbanner' die Prozession ansührte, wird die Lehre von Marx und Lenin verkündet, wo sonst die heilige Messe die Menschen auf die Knie zwang. Umwertung aller Werte. Das Proletariat herrscht, bildet sich'die Volksmasse, die es braucht und erzieht, stch . die Generationen, die seine Zukunft verbürgen. Ob sich Europa damit abfinden wird oder nicht, Sowjetrußland hat mit seiner Fünftagewoche ohne Sabbat und ohne Sonntag seine neue Wellimd Zeitordnung. Das Alte aber wehrt sich, bietet die letzten Lurch die Not herausgelockten Kräfte auf, um sich zu retten, zu behaupten. Und dabei erfahren wi r Jud e n , was wir doch für ein armes, verwaistes, hilfloses Volk sind, ohne Helfer und Annehmer unter den Mächtigen der Erde, angewiesen einzig aus die eigene, durch einen Abwehrkämpf von zweitausend Jahren gestählte und erprobte Kraft und auf die Hilfe Gottes, der. sein Volk nicht verlassen kann, noch wird. \ Die^ christlich-katholische Welt auf dem ganzen Erdenrund ist tiefbewegt durch eine'Bulle, die j dieser Tage der P a p st gegen die Christenv er f o l g u n gen in Rußland erlassen hat. ' Sie bewegt sich in wuchtigen Sätzen folgender . Art:; zerstört und viele Heiligtümer verbrannt worden, sondern auch die Gläubigen wurden zur Arbeit gezwungen, wie überhaupt die Sonntagsruhe unterdrückt worden ist. In allen Städten und vielen Dörfern wurden schmachvolle Karnev als,'üge veranstaltet, bei denen Gasenjüngen, in die heiligen Gewänder gekleidet, auf hohen Wagen fuhren und das Kreuz beschi.npften und bespuckten. Gleichzeitig wurden ln den Straßen Weihnachtsoäume errich et, an denen Puppen in Gestalt von orthodoxen und katholischen Bischöfen ausgehäygt waren." Der Papst erinnert daran, daß er schon 1922 die Regierungen der Welt beschworen hatte, die Anerkennung Sowjetrußlands von der Gewissens -und K u l tus f r eih eit, sowie der Unantastb ark e i t d er Kirche n g ü t e r abhängig zu Machen,. Der Erfolg blieb aus. Inzwischen konnte die „Liga der kämpfenden Gottlosen" weitere Verwüstungen in der Kultur, der Moral und sogar im Familienleben anrichten, die zum Ruin der menschlichen Vernunft und sogar der menschlichen Natur führten. Der Papst hat zur Abhilfe und Gegenwehr eine besondere Kommiss i an f ü r Rußland unter dem Vorsitz eines Kardinals eingerichtet und außerdem durch das päpstliche orientalische Institut eine Propaganda in L o n - d o n, P a r r s, P rag und G e n f veranstaltet. All dieses konnte d-ie obengeschilderten Ausschreitungen nicht verhindern, und der Vatikan ruft daher die gesamte katholische Welt zu einer neuen Aktion auf. Die jüdische Jlot Liest man. diese päpstliche Darstellung, so dentt man an den eigenen, ungewein weiten Bezirk des j ü d i s ch e n Leides mitten in diesem Reiche der. religiösen Röte. Wir haben in jüngster Nummer das Martyrium eines jüdischen Jungen in der Ukraine geschildert, dessen einzige Schuld darin bestand, daß er hebräische Bücher — nicht einmal religiöse -— las und unter Freunden verbreitete. Vor einigen Wochenbrachten wir Auszüge aus dem Briefe eines Dajan und religiösen Aufsichtsbeamten, der, als religiöser Beamter enteignet und deklassiert, mit feinen darbenden, Kindern auf die Straße gesetzt wurde, da man ihm für schuldige Steuern erst allen Hausrat aus dem Häuschen trug und zuletzt . das Haus selber wegnahm. „Wem soll ich mein Herz ausschütten?," klagt der Unglückliche, „nachdem sie ja alle!in d-er gleichen oder ähnlichen Lage sind wie ich?" Eine sechzigjährige Frau hatte das Kärdtnalverbrechen begangen, mit jüdischen Mädchen unentgeltlich das jüdische ist ein Attentat auf die Grundanschauungen der Sowjets, und sie wandert für den Rest ihres Gebens in Gefängnis,—wo sie übrigens viele Melamdim, die auf der gleichen Verbrecherliste stehen, findet. Wenn in der Anklageschrift des Papstes von den „Karnevalsaufzügen" die Rede ist, so denken wir an die kommunistischen Demonstrationsumzüge ge.gen Jomkippur, die Propagandabälle amKol-Nidre- Abend, die roten Sederabende bei Brot und Bier. Ein Blatt, das sich „Eines" nennt — allerdings geschrieben — kämpft g e - gen die jüdische Wahrheit und ihre Vertreter. Die beschlagnahmten Synagogen und Lehrhäuser hat man schon längst zu zählen aufgehört. Es gibt kaum noch eine Gemeinde .mit Synagogen und synagogalen Einrichtungen. In Leningraddarf nicht mehr geschehen, was im Petersburg des Zaren Nikolaus als selbstverständlich galt. Die Vorsteher der jüdischen Gemeinde werden nach Sibirien geschickt, weil sie die Kultusgemeinde als Kommune mit Steuervecht weiter erhalten wollten,. Ein raffiniert ausgeklügeltes System, wie den Pharaonen abgeguckt, hat man sich für die Juden ausgedacht: Man läßt die Alten gewahren und wirft die K i n d l e i n in die rote Flut ... Man darf Kinder im minderjährigen Alter n i ch t r e l i g i ö s b e e i n f l u f f e n. Darum darf der Vater bei seinem Folianten, und Gebetbuch bleiben; wehe aber, wenn er sein Kind in den Cheder oder in die Synagoge, schickt! Aus solchen - Gewisstnszrrnmg stehk diehärteste Strafe. Zur gleichen Zeit, da in der sowjetischen Staatsfchuke der a nti re ligiöfen Beeinflussung des Kindes keine Grenze gezogen und kein Damm errichtet ist, da Demonstrationszüge der Kinder gegen die religiösen Feiertage organisiert werden. Der jüdische Händler wird deklassiert, auch wenn er als Handwerker nur das Produkt seiner eigenen Hände vertreibt. Der „Deklassierte" hat aber kein Recht auf Bro t un d O b dach, auf Unterstützung und Schutz der Gesetze; ist sozusagen ein fünfter Stand, der ohne Schäden für die Gesamtheit zugrund eg eh e n kann. Zu diesem Stande gehört aber das große Heer der beruf los gewordenen Th o r a l e h r e r und Religionsbeamten, vom Rabbiner bis zum Synagogendiener. Das letzte Schreckenswort heißt Kollektivierung', mit dem man die jüdischen Dorfbe- „Aüfs. AesstL .bin . ilh von. ben schrecklichen und schände Uchkn- Derbrechen bewegh die srch' jeden Tag in Rußland g egen Go tt und die Seelen wiederholen. Sind Loch beim letzten Weihnächtsfeste nicht nur viele Kirchen Alphabet und die tätlichen Gebete zu üben. Das w o h n e r, zumeist Landarbeiter, die sich auf

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