Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1930)
- Date
- 1930-02-06
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2450600-2450606--76686-2534276- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ufa ff et* fierausgegeßen von der fandesorganifalion der Jlgudas-Jisiroel in Ventfeklnnd. <6. Jahrgang Hamburg, 6. Februar ^930/8. Schebat 569O Nummer 3 Schristleitung: Wolf S. Jacoösori in Kamburg. Organisationsbüro der Agudas Jisroel Weltorganisation in Frankfurt a* M* Vor kurzem erschien: Die II. Kenessio Gedaulo der Agudas Jisroel-Weltorgamsation zu Wien am 10. bis 17. Ellul 5689. Vorläufiger Bericht. Preis 50 Pfennig, für Agudagruppen und agudistische Organisationen bei Bezug von mindestens 10 Exemplaren 20 Pfennig. Wir bitten zn bestellen. Frankfurt a. M. Rechneigrabenstrasse 7. Agudas Jisroel. ■Soeben erschien: Von Rabb. Ch. M. Silberschütz in Zlotschow Heft I. Das in leicht lesbarem Hebräisch geschriebene Werkchen, das eine Reihe in freier Folge erscheinende Hefte umfassen soll, stellt die Grundgedanken der Agudas Jisroel populär im Anschluß an biblische, talmudische und midraschische Stellen dar und eignet sich zur Propaganda in allen Kreisen, die für Druschliteratur Liebe und Verständnis haben. Wir empfehlen allen Landesorganisationen, sich eine Anzahl Exemplare des Werkes vom Verfasser kommen zu lassen und wegen eines billigen Bezugspreises mit ihm selbst Vereinbarungen zu ireffen. Frankfurt a. Main JRoschchaudesch Schwat 5690 Geschäftsausschuß der Agudas Jisroel Organisationsabte|lung. Neutrale Jugend? Don Jacob Zoe! Braun in Bratislava.*) Meine öffentliche Tätigkeit im Dienste der thoratreuen jüdischen Gesamtheit und die Verantwortung, deren ich mir dabei stets vor und dem Judentum bewußt bin», nötigt mich heute, die orthodoxe jüdische Oeffentlichkeit auf eine Erscheinung zu lenken, die meines Erachtens die traurigsten Folgen nach sich ziehen und in ihrer ungehemmten weiteren Entwicklung das gesamte jüdische Leben in der Slowakei in die gefährlichsten Bahnen leiten könnte. Ich meine damit die furchtbare Situation, in der sich die gesinnungstreue orthodoxe Jugend in unserem -Lande seit einigen Jahren befindet. Es sind deren leider nicht allzuviele, aber ein kleines Häuflein junger jüdischer Menschen findet sich zum Glück immer noch in fast allen orthodoxen Gemeinden. Ein Teil von ihnen ist auf den Jefchiwos und beweist damit allein schon, daß er vom besten Willen beseelt ist, sein Sinnen und *) Wir geben diese bemerkenswerten Ausführungen wieder, weil sie auch außerhalb der Slüvakei beherzigt werden sollten. Trachten nach dem Geheiß der p"nin zu gestalten. Ein anderer Teil hat die Jeschiwoh notgedrungen oder aus welchen Gründen immmer bereits verlassen oder konnte sich niemals in dem Maße dem Thoralernen widmen, um eine Jeschiwa aufzusuchen. Man muh diese Jugend kennen und mit ihr Umgang Pflegen gleich mir, um zu wissen, daß da in dieser orthodoxen jüdischen Jugend allein die Hoffnung der Orthodoxie in der Slowakei liegt. Ist sich aber auch die Gesamtheit der slowakischen Orthodoxie dieser Tatsache bewußt? Ich fürchte: Nein! Manche Ereignisse der letzten Jahre erhöhen meine Besorgnisse nach dieser Richtung. Es wird gut sein, die Dinge klar ins Auge zu fassen, bevor es zu spät ist. Wir besitzen hier in der Slowakei eine Agudas Jisrool-Jugendorganisation! mit Zweiggruppen in einer Anzahl von orthodoxen Gemeinden in der Westslowakei und einigen in der Ostslowakei. Diese Jugendorganisation ist die einzige interurbane jüdische Jugendvereinigung in der tschechoslowakischen Republik, die sich in! ihrer gesamten Tätigkeit uneingeschränkt und vorbehaltlos auf die anerkannten Prinzipien des orthodoxen Judentums festgelegt hat und alle ihre Mitglieder unzweideutig bündig zur Vertretung dieser Prinzipien und zur kompromißlosen Verwirklichung der thoragemäßen jüdischen Ideale verpflichtet. Diese Aguda-Jugend, wie ich sie kurz nennen! will, steht seit einem Jahrzehnt, seitdem sie auf den Plan getreten ist, in einem schweren Kampfe für Thora und Mizwos, für wahre jüdische Weltanschauung und bewußte, positive jüdische Lebensbetätigung im Einzel- und Gemeinschaftsleben gegen eine Menge von anderen Vereinen», Bünden ufrv., die mit mehr oder weniger deutlichen Programmen nicht immer ohne Erfolg bestrebt sind, die jüdische Jugend auf Abwege, in Abgründe zu führen, aus welchen nur selten jemand wieder emporsteigt'. . . Die Aguda- Jugend ist von den religiösen Führern des Judentums in die vorderste Kampffront des orthodoxen Judentums gestellt worden und sie hält ihre Stellung .mutig mit festem Sinn für die Größe ihrer Aufgabe und für die Heiligkeit ihres Kampfzieles. Sie kennt ihren Gegner und sie — unterschätzt ihn nicht. Sie weiß, daß er gut gerüstet ist und ausgestattet mit allem, was in unseren Tagen des Zusammenschlusses Gleichgesinnter in den geistigen Kämpfen Erfolg verheißt. Aber sie stellt ihm ihren eigenen Willen, ihre eigene unbeugsame Üeberzeugungstreue entgegen und harrt standhaft ohne Schwäche und Wankelmut auf ihrem Posten aus. Die Aguda-Jugend wird eben wegen dieser Festigkeit und der geraden orthodoxen Linie, die sie in allen jüdischen Dingen geht, unausgesetzt verfolgt. Gleich der Agudas Jisroel selber wird sie nicht nur von den eigentlichsten und natürlichsten Widersachern des historischen Judentums in der Gegenwart, den Zionisten, Nationalisten und ihren Fraktionen, stark angefeindet. Sie ist vielleicht noch mehr all denjenigen ein Dorn im Auge, die einem jeden klaren Bekenntnis und namentlich einer jeden zielbewußten Zusammenfassung der thoratreuen Kräfte zum Widerstande gegen die zerstörenden Strömungen jeder Art abhold sind und einer jeden positiven Arbeit unter dem Vorwand der „Friedensliebe" oder irgend einer anderen scheinheiligen Marke entgegenwirken. Die Aguda- Jugend kennt auch diese Gegnerschaft in allen ihren Nuancierungen und Motiven und — überschätzt sie nicht. Sie hält bei den Grundzielen des orthodoxen Judentums aus und weicht nicht vom Kampfplatze, allsolange das Judentum ihrer jungen Kräfte bedarf. Was geschieht jedoch unterdessen hinter der Front? Wird diese Jugend an der Gerechtigkeit ihrer Sache, ihres Wollens und ihres Strebens, an der Aufrichtigkeit der ihr von den Führern auf den Weg gegebenen Grundsätze nicht Zweifel hegen, wenn sie einen Blick wirft in die Etappen der Kampslinie, von wo der Nachschub ihr folgen sollte? Hier hat eine von langer Hand in die Wege geleitete und sich nur vorsichtig, sachte, aber immer mehr und näher vorwagende Bewegung eingesetzt, die unsere gesamte Jugend von den großen Aufgaben der Gegenwart abzulenken, die Aguda- Jugend ihres Nachwuchses zu berauben und ihn in die trüben, seichten Gewässer der „Neutralität" gegenüber den Lebensproblemen des orthodoxen Judentums zu führen geeignet ist. Es werden entgegen der! organisatorischen Anregungen der Aguda in zahlreichen orthodoxen Gemeinden Jugendvereine mit „neutralem" Programm, zum Teil sogar unter Mitwirkung orthodoxer Rabbiner gegründet und bestehende solche Vereine in den Mittelpunkt der Jugendinteressen geschoben, die sich über alles, was bisher als Gegensatz zum überlieferten! Judentum galt, wie gleichzeitige Mitgliedschaft in zionistischen Vereinen, zuweilen auch die Zugehörigkeit zur offiziellen Neotogie usw., als belanglos hinwegsetzen. Im Gegensatz zu den strengen Verpflichtungen, die der Aguda- Jugendorgamsation in bezug auf ihr Verhältnis zur Mitgliedschaft in anderen, von der Orthodoxie verpönten, jüdischen Vereinen und Organisationen mit Recht auferlegt und von ihr willig übernommen wurden, wird der orthodoxen Jugend nunmehr ganz offen und programmatisch ein ganz neues orthodoxes jüdisches- Ideal angepriesen: Die „Neutralität" gegenüber dem Abfall und den Mitarbeitern an dem Abfall! Zur Verwirklichung dieses Ideals wird in orthodoxen Gemeinden unter den Augen ihrer rabbinischen Führer, wenn nicht unter ihrer persönlichen Mitwirkung, für Vereine Propaganda gemacht, wie sie früher einmal vielleicht ihre lokale Bedeutung hatten und unter gewissen Umständen an einzelnen Orten auch heute noch als Vorschule für die Aguda haben könriten, die aber in der Rolle, die ihnen neuerdings zugedacht wird — nämlich als absichtliche Ablenkung von den bewußt und grundsätzlich orthodoxen organisatorischen Bestrebungen der Aguda-Jugendorganisation und als organisierter Widerstand gegen ihre zielgemäße vereinigende Arbeit zu dienen» — die ernsteste Aufmerksamkeit aller prinzipientreuen Kreise herausfordern. Unsere Jugend hat ein Recht darauf, klare Ziele zu sehen. Ich nehme mich ihrer furchtbaren Seelennot an und wende mich hiermit an alle, die Verständnis für die großen Ausgaben einer schweren Zeit haben, mit der Aufforderung: Rettet die orthodoxe Jugend vor dem Geist einer gesinnungslosen', w i l l e n z e r m ü r b e n d e n „Neutralität"! Gemeinsame politische Arbeit für Erez Jisroel! Von Dr. Robert Weiß in Berlin. In wenigen Wochen wird der politische Status von Palästina für die nächsten Jahre festgelegt werden. Die englische Untersuchungskommission wird ihren Bericht erstatten und die Völkerbundskommission wird „die Frage der Rechte und Ansprüche der Juden und Moslenrs bezüglich der Klagemauer endgültig regeln". Die Mandatarmacht, die englische Regierung wird auf Grund der Feststellungen dieser Kommissionen