Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1930-02-06 · Heft 6 (6.2.1930) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 6 (6.2.1930)
Date
1930-02-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2450600-2450606--76680-2534270
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

8 entity mentions

Der Israelit Nr. 6 Seite 11 Die Lochaczower Thoralehranstalk. Die auf den Namen des S o chaczower R e b b e n in Warschau gegründete Jeschiwa ist eine der bedeutendsten Thora-Lehranstalten im Osten, bedeutend auch darum, weil sie für das Fortkommen der Zöglinge sorgt und einen Teil von ihnen, soweit er sich für den rabbinischen Beruf nicht eignet, ein Handwerk erlernen läßt. Alle bekannten Rabbis und Rabbiner in Polen bezeichnen die Thoraanstalt als einen Rettungsanker für unzähige junge Leute und eine Bildungsstätte für geistige.- Führer mit warmen Worten. Ein Sendbote der Anstalt, Herr Jakob Wilenczyk, weilt, mit reichen Empfehlungen versehen, zur Zeit in Deutschland und in unserer Stadt, um hier Thorafreunde für die Thoraanstalt, die sich in wirtschaftlicher Not befindet, zu interessieren. Er sei auch hiermit allenthalben bestens empfohlen. Vortragsabend im Jüdischen Turnerbund. Für vergangenen Mittwoch hatte der Jüdische Turnerbund E. B. seine Mitglieder und Freunde des Vereins in die Vereinsräume Langestraße 55 zu einem Vortragsabend eingeladen. Vier Referenten — die Lehrkräfte des Vereins — sprachen in kurzen, klaren und interessanten Berichten über „Die turnerische und sportliche Arbeit im Jüdischen Turnerbund E. V." Es wurde von allen Vortragenden einmütig,zum Ausdruck gebracht, daß der Jüdische Turnerbund keine übertriebenen Rekordleistungen erstrebt, vielmehr für die körperliche Ertüchtigung seiner Mitglieder in inidvidueller Weise Sorge trägt, um sie zu gesunden und aufrechten Menschen zu erziehen. Die Vorträge wurden von der zahlreichen Zuhörerschaft mit Interesse ausgenommen und schloß sich eine anregende, lebhafte Diskussion an. In seiner Begrüßungsrede erwähnte der Vorstand, daß jetzt jeden Monat einmal Vortrags- und Diskussionsabende über allgemein interessierende Themen stattfinden werden. Er wies auch auf die vielversprechende Purimfeier hin, die der Jüdische Turnerbund E. V. Mitte März ds. Js. veranstalten will. Ein Wohltätigkeitskonzert. Die Jüdische Wohlfahrtspflege veranstaltete im Kleinen Saalbau am Montag abend ein W o h ltätigkeitskonzert, bei dem alle, Wohlfahrtspflege, Künstler und Publikum, voll auf ihre Rechnung kamen. Man hörte meisterhafte Klavierstücke von Hedwig E l k a n und Dr. Otto Eisner. Eine Dame, Anny Steiger-Betcaak, spielte Geige und riß mit Schwung und Temperament das Auditorium mit. Benno Ziegler und Frau Gentner-Fischer vom Opernhause sangen Arien aus biblischen Oratorien. Ein illustres Publikum füllte den Saal und, wie anzunehmen auch die Wohlfahrtskasse, was schließlich der Zweck des Ganzen war. Achawa. Am 19. Januar fand die Vorstandssitzung der „Achawa", Pensions- und Hilfskasse israelitischer Lehrer statt. Der Vorsitzende, Herr Oberlehrer Gut, gab einen Rückblick auf das vergangene Geschäftsjahr, das für die „Achawa" wie alle ähnlichen Einrichtungen infolge der herrschenden Wirtschaftslage ein sorgenschweres gewesen ist. Herr Bankdirektor Emil Simon legte die Finanzoerhältnisse dar. Es können rd. Mk. 3000.— zur Verteilung gelangen. Eine größere Anzahl Bezugsberechtigter haben in anerkennenswerter Weise zu Gunsten Notleidender auf ihre Quote verzichtet. — Der Mitgliedsbeitrag für aktive Mitglieder beträgt Mk. 4.—, für Ehrenmitglieder ist der Mindestbeitrag auf Mk. 6.— festgesetzt. Es wird gebeten, die Beiträge für 1930 auf das Postscheckkonto der „Achawa" Frankfurt a. - M. Nr. 47 452 abzuführen. Da im Bestand der Zahl der Ehrenmitglieder ein Rückgang eingetreten ist, werden alle Freunde der „Achawa", insbesondere die aktiven Mitglieder, gebeten, dem Verein neue Mittel zuzuführen, damit eine Institution, die jahrzehntelang so segensreich gewirkt hat, und die ihre Hilfe besonders schwer Bedrängten angedeihen läßt, erhalten und wieder neu aufgebaut werden kann. — Anfragen wolle man an den Schriftführer, Herrn Studienrat Walther Rothschild, Unterweg 20, Frankfurt a. M., richtem Achtung. Zola spricht! ... (Zur Aufführung der „Affäre Dreyfus" von Hans I. Rehfisch und Wilhelm Herzog im Neuen Theater.) Der Vorhang geht auf. Man sieht die Wandelgänge der französischen Kammer und die Menschen, die darin wandeln. Bekannte Köpfe und bekannte Namen, die eine hinter uns liegende Periode bezeichnen. Der Arbeiterführer Jean Jaures im Gespräch mit „Genossen"; Georges Clemenceau, gesenkten Hauptes, stillsinnend, wie ein Tiger sprungbereit; Anatole France, aristokratisch im Gehrock und Zilinder; Generäle und Offiziere in blendenden Uniformen; Journalisten, geschäftig mit gespitzten Ohren; Arbeiter und Studenten. Und dazwischen die untersetzte, beinahe spießerisch anmutende Gestalt Emile Zolas. Es ist großer Tag in der Kammer. Graf E st e r h a z y, auf den man die Schuld des seit vier Jahren auf der Teufelsmsel schmachtenden Juden Dreyfus wälzen wollte, wurde freigesprochen, — unter Umständen freilich, die mehr verschleierten und vertuschten, als daß sie aufdeckten, um das erste Gericht nicht zu desavouieren und die Militarkamarilla nicht zu kompromittieren. Die Pause ist zu Ende, in den Wandelgängen ist es still. Wenn die Ture zum Saale aufgeht, dringt Lärm heraus. Jean Jaures wirft Donnerkeile gegen Regierung, Militär und Militärgericht. Schwacher Beifall ertrinkt in lautem Johlen und Pfeifen. „Schluß!" „Nieder mit den Juden!" Wieder füllen sich die Wandelgänge. „Hoch Esterhazy!" brüllt der Mob. Der nicht nur von Alkohol schwerbeladene Offizier ist plötzlich Symbol einer alten, zusammenbrechenden Welt, die sich noch mächtig aufbäumt. Eine Gruppe junger Menschen, Kaufleute und Studenten, bringt Esterhazy rauschende Huldigungen entgegen. Da holt der sinnende Zola (Costa) die Hände aus den Hosentaschen, hebt den Kopf, putzt seine Brillengläser, fängt an, sänftiglich auf die jungen Menschen einzureden. Sie gruppieren sich um ihn, höhnen und grinsen. Zolas Stimme wächst, seine Muskeln bewegen sich, seine Fäuste ballen sich. Er ist jetzt ein Vulkan, aus dem Feuer speit. Er packt einen aus der Mitte, schüttelt ihn, schreit ihn an, er schüttelt mit ihm die Jugend Frankreichs, die Jugend der Welt. „Jugend, wo bist du? Jugend, hast du vergessen, wie du in früheren Zeiten auf den Barrikaden für Recht und Freiheit gekämpft hast; wie du mit deiner Kraft, mit deinem Impuls geführt und die Alten mitgerissen hast? Jugend, unglückliche, verwirrte, irregeleitete Jugend, wo bist du jetzt? Schämst du dich nicht, Jugend, uns, den Alten, die ganze Arbeit zu überlassen?! . . ." Und die Jugend schweigt. Steht eine Weile ergriffen und wendet sich dann mit höhnischen Worten von dem Manne ab, der durch die Flamme in ihm zu stark ist, als daß man sich tätlich an ihn heranwagen könnte. Und der dabeistehende Clemenceau schüttelt ruhig und vielwifsend den Tigerkopf, klopft dem Freund auf die Schulter und sagt resigniert: „Umsonst, Freund. Heute läßt sich das Volk in Frankreich nur noch von seinen Generälen duzen!"-. Dieser Szene wegen im zweiten Akte soll man ins Neue Theater zur „Affäre Dreyfus" gehen und die Jugend dahinführen . . . Alles andere, Uniformen, Gelage, Gerichtsverhandlung, ist gut gemacht, historisch treu und — belanglos. Vielleicht ist die Zola-Rede für Paris und Frankreich von 1896 übertrieben, stark ausgetragen. Für Deutschland von 1930 trifft sie in allen Punkten zu, trifft den Kernpunkt der Dinge, die Quelle der geistigen Not. Man sollte diese Rede an alle deutschen Türen, zunächst aber an das schwarze Brett aller deutschen Hochschulen a n n a g e l n; sie, genau in der Sprache und Gestik Zola-Costas im Neuen Theater, halten in Berlin und in W eimar, in W i en und in Innsbruck, wo man jetzt unter Gejohle der Straße einen unschuldigen Juden ins Gefängnis schickt — und nicht zuletzt an gewissen Abenden am Hessendenkmal, am Eschenheimer Tor und auf der H a u p t w a ch e zu Frankfurt a. M. Schülerheim Klibansky. Das Schülerheim K l i b a n s k y konnte am 1. Febr. 1930 auf ein 30jähriges Bestehen zurückblicken. Wer die Aufgaben eines solchen Institutes kennt, weiß die Leistungen des Herrn Klibansky richtig zu werten und zu würdigen. Hier werden verschieden geartete und befähigte Schüler aus fast allen Plätzen der Welt durch das einigende Band der Liebe zu Gliedern einer Familie zusammengeschmolzen. Der Geist und der Ton, der im Schülerheim herrscht, ist der wahrer Liebe und echter Menschenfreundlichkeit, die über alle Schwächen und Gebrechen der Jugend hinwegsieht und im Kinde nur die reine, unbefleckte und unschuldsvolle Seele erblickt. Das Wort nav>» nnvt ist hier Erziehungsprinzip. Schüler, die im Elternhause nicht richtig behandelt werden und denen durch falsche Methode jede Lust und Freude zum selbständigen Arbeiten genommen ist, ebenso bei Schülern aus dem Auslande, denen oft die Grundlagen elementarster Bildung fehlen, wird hier in ganz kurzer Zeit die Freude zur Arbeit geweckt, und werden dieselben so gefördert, daß sie in erstaunlich kurzer Zeit soweit vorbereitet sind, um das Examen für den Eintritt in jede höhere Schule zu bestehen. Aber nicht nur aus die Profanbildung wird hier so hoher Wert gelegt, vielmehr wird durch den täglich erteilten Religionsunterricht die Grundlage für p« tvt ns? n-nn geschaffen. Der Lebenswandel, speziell in religiöser Hinsicht, wird stark beeinflußt, und werden die Schüler mit Liebe und Begeisterung für nmpn im-nn erfüllt. Ein Erfolg, der in heutiger Zeit des religiös-sittlichen Verfalls, nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Wir beglückwünschen die Leiter des Instituts, Herrn und Frau Klibansky, zu diesem Erfolg, auf eine solch große Errungenschaft zurückblicken zu können und geben der Hoffnung Ausdruck, daß es ihnen noch recht lange vergönnt sei, ihre Kräfte in den Dienst dieses Kulturwerks zu stellen. Rabb. Donath. Geschäftsjubiläum. Die Firma Simon Waller st ein, Klingerstr. 17, beging am 3. Februar ihr50jähriges Geschäftsjubiläum. Simon Wallerstein gründete 1880 in der Schnurgasse (Nürnberger Hof), ein Geschäft in Papier, Pappen und Kordel, das in den 90er Jahren nach der Klingerstraße 17 übersiedelte. Seit 1907, da Simon Wallerstein starb, ist sein Bruder David Wallerstein alleiniger Inhaber der Firma, die sich zu einem sehr bedeutenden Geschäft dieser Branche in Frankfurt entwickelt hat. Das Geschäft ist am streng geschlossen. Garmisch-Partenkirchen bietet einen herrlichen sonnigen Frühlingsausenthalt im Hochgebirge. Am Pessach werden große Sederabende im Hotel Pension Wolfs, Hellwegerstr. 7, Telefon 2360, abgehalten. In diesem Hotel sind Zimmer mit fließendem warmem und kaltem Wasser, Zentralheizung, Balkons sowie jeder Komfort zu haben. Anfragen frühzeitig erbeten! Für Sport und Reise. Geradezu unentbehrlich ist „Kaiser Borax" auf der Reise, bei Wam derungen oder sonstigen sportlichen Gelegenheiten. Eine besonders wohltuende antiseptische Wirkung erreichen Sie durch den Zusatz von „Kaiser Borax", welcher das Wasser weich und antiseptisch macht, die der Haut anhaftenden Fett- und Schmutzteilchen löst, die Poren öffnet und damit eine normale Hauttätigkeit ermöglicht. — Für Touristen sind Fußbäder mit Zusatz von „Kaiser Borax" vor und nach den Wanderungen besonders zu empfehlen. Originalpackungen mit ausführlicher Gebrauchsanweisung von der Firma Heinrich Mack Nachf., Ulm a. D., geliefert wird. Frankfurker Vereinskalender. Verein Alekor Lhasim. Freitag abend nach Schul, Mikrovortrag Herr Joseph Sänger. Samstag morgen nach Schluß der Synagoge „Dinim", Herr Dr. E. Posen. — Nachmaittag 3/4 Stunde vor Mincho, Mikro, Herr Dr. Hofmann. — Eine '/« Stunde nach Nacht (ebenso Sonntrg vormittag 8 Uhr), „Gemoro", Herr Joachim Sofia. Sonntag morgen nach Schluß der Synagoge (ebenso Mittwoch) im Hörsaal, ms «n, Herr Redakteur S. Schachnowitz. — Vormittag 9l/4 Uhr (ebenso Dienstagabend 6* - Uhr Vereinslokal) „Gemoro", Herr R. A. Gerson Posen. — Abends 6 Uhr Vortrag des Herrn Dr. S. Ehrmann über „Kabbala, Talmud und Chassidismus" Montag morgen nach Schluß der Synagoge (ebenso Donnerstag), im Hörsaale, Mischnalernen der Mitglieder. — Zu gleicher Zeit im Sitzungszimmer Friedberger Anlage von Montag bis einschließlich Donnerstag, „Gemoro", Herr Dr. S. Ehrmann. — Abends 7 Uhr (ebenso Mittwoch) im Vereinslokale, „Gemoro", Herr Rabb. Dr. I. Breuer. —*8l/2 Uhr, (ebenso Donnerstag), „Gemoro", Herr Dr. E. Posen. Dienstag morgen, nach Schluß der Synagoge, (ebenso Freitag), „Mischna", Herr Dr. E. Posen. Von Sonntag bis einschließlich Donnerstag abends 83/< Uhr „Schaslernen", Herr Herz Holpern. Jahrzeitsstiftungen. 9. Februar Anna Eschwege geb. Schlessinger-Stift. Dienstag 11. Febr. Elise Heß geb. Schloß-, Berta Löwenstein-Stift. Donnerstag 13. Februar Lina Sänger geb. Sänger-, Prof. Michael Altmann-Stift. Freitag z4. Februar Jsaac Blumenthal-Sttft. Agudas Iisroel-Iugendgruppe. Schabbos morgen, 73/r Uhr Haschkomo, Schwanenstr. 12 Daf-Jaumi, Dozent Herr Herz Halpern, Schabbos 12—13. Sonntag 11—12, Montag—Freitag 12—13, Gelegenheit zum Lernen — alltäglich 9—12 Uhr. Tefilloh-Erklärungen, Schabbos, 11V2 Uhr, Schwanenstr. 12, für Damen und Herren, Dozent: Herr Louis Kahn. Montag und Mittwoch, 20'/2—21'/2 Uhr, Gemoro Vowo Mezio: Dozent Sr. Ehrw. Herr Rabb. Horowitz. Mauzoe Schabbos 18 '/4 Uhr Vorbereitungsschiur: Bowo Mezioh, Dozent Herr Ch. Liverhant. Sonntag 11—12 Uhr Mischnajoth Nesikim: Dozent Herr Ch. Liverhant. Schiurim für Damen: Thauroh, Dozent: Herr Lehrer A. Hirschberg, Schabbos 16—17 Uhr. Melochim, Dozent: Herr Julius Lewin, Schabbos Vormittag nach Schulschluß. Tefiloh, Dozent Herr Lehrer S. Unna, Uhlandstr. 58, von 2072—21V2 Uhr. Dinim. Dozent Herr Lehrer A. Hirschberg, Mittwochs 14 tägig, 20—2l. Bürostunden der Leitung der Jugendgruppe allwöchentlich Sonntags von 10-13 Uhr. Außerhalb dieser Zeit nach vorheriger Verständigung mit dem Vorsitzenden, Herrn Hartog Hartogsohn, Ostendstraße 82, Car. 44 368. Liwjalh Chen. Samstag mittag nach Mincho im Hörsaale Friedberger Anlage Vortrag des Herrn Schachnowitz „Und es wird sein wenn Dich Dein Sohn fragt" Jüdische Arauenoereinigrmg E. V. Dienstag den 14. Jan. 30. 6V2 Uhr im Hörsaal Friedb. Anlage Arbeitsgemeinschaft unter Leitung des Herrn Zahnarzt Dr. S. Ehrmann: Die Sidroh. Gemetzelte». Freitag abend 5.05 Samstag NQ2VN 6.45 Samstagmorgen 8.— Samstagnachmittag 1.— und 4.— Samstagabend' 6.i0 Wochengottesdienst: Morgens 6.45 Nachmittags 5.00 Tefillin-Legen am Morgen 6.35

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.