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Der Israelit · 1930-01-30 · Heft 5 (30.1.1930) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 5 (30.1.1930)
Date
1930-01-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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3l>. Januar 1930 Frankfurt a. 2TI., den —i'.'s^-bat &t*o Nr. 5 Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. mgm HDomtemeirt ab Juli 19t Deutschland 1.30 Mark monatltöjJ Ausland: Vierteljahrpreise (entsprechend dem denEe» Inlandspreis zuzüglich «osten des Streifband-Ber» sandes) Deutsch-Österreich: Schilling 6^-; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1. Juli Frankreich SS Fr.; Belgien ab 1.7. u. -Selga 5; Holland S fl.; Italien ab l. » 88.18 Lire; Jugoslawien SS Din.; Litauen 7,80 Sit.; Rumänien ab 1. 7. 87. 150 Lei; Polen 4 deutsche Doldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty. Schweiz 8 Fr. Tschecho-Skowaket 88 Kronen; Ungarn Pengö 8 ab 1.Juli 1837; Dänemark 3. Sv Krön.; Norwegen 8.80 Krön.; Schweden 8S0 Krön. ■'Einzelnummer vierzig Doldpf«neige. Der Israelit erscheint jede« Donnerstag. Inserat» SO Eoldvf. für die stebengespalte». Tnserataufträge« iarifm. Preiserhöhung Berlag des Israelit <s. m. b. " fow. durch sämtl. Annoncen-!. Geschäfts»«?.: Jul. Schmidt, Zahlungen direkt an den Berlag auf Postscheckkonto Warschau Nr. 1907S7.-Postscheckamt Zürichs- ' Bukarest - Filiale, des Wiener Bankvereins Jenamt Budapest Nr. 18434. — Postscheckkonto! in Prag — öauea Marmarosch Blank & Co, in Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. Vom besonderen Verte der Hirsch'schen Gesetzessymbolik für die Gegenwart. Von Rabbiner Dr. B. Cohen. II. Sy verleiht nach Hirschs Lehre das Gottesgesetz allem unserem Tun eine Symbolik des S o l.l e n s, des Strebens zur ethischen Freiheit. Stellen wir die heutige Psychoanalyse diesem System zur Seite, so erscheint erstere daneben -wie eine Symbolik des Seins, eine LMrsicht der Sinnbilder dessen, was ist und was m^ÄMeschieht. Es kann nicht im Birne göttlicher Sollettslehre sein, solche Sinnbildslehre des Seins Hering zu achten;-sie strählt'ja gleichfalls klares Licht äuf die dunklen Seiten unseres Dafeins,die es zu überwinden gilt,-und der Feind ist mNehestenüberwunden, -den wir am gründlichsten bis in alle seine Schlupfwinkel verfolgt und. kennengelernt haben. Doch darf das Ken- -istenlernH der eigenen Seele nie so, wie es in derverstaWn BolkspsyHsanalyse der Hegenwart' zu bechörken istzu beschaulichem Sichbefassen,, / 'Zu nichts! änderndem Spiele jijiitjideü'Unzuläpg-- lichkeiM unseres SeeleN-Kerns ausarten;! .selbst ' ' j diese Erkenntnis, daß Beschäfstgung mit Dunkelem selber ins Dunkle ziehterscheint in Hirschs Ausdeutung des Gesetzes v.orgeahnt, nach welchem der, welcher die Asche der roten Kuh zur Reinigung, versprengt, selber, danach der Reini- . gung-bedarst, - '' / ." Wir wissen es, wenngleich nicht aus den Plättern derHirschischen Syymbolik selber, so doch aus zahlreichen Aeußerungen des Pen taten chkommentärs, daß ihm die rätselreichste Sphäre des Religionsgesetzes, hie,, welche mit dem Entstehen und Vergehen des Lebens in Verbindung steht, zur. Erschließung der Rätsel aller anderen; Gesetzessphären unentbehrlich gewesen ist. Hier erleben wir außerhalb der Symbolik der Gebote eine solche der Verbote. Die Toten und das Sterben, hie den Religionen, der dunklen Göttergewalten; verehrenswerte; Peußerungett der ihnen . heiligen, Macht gebrochenen Und aufgelösten Willens sind, werden durch das Wort unseres Gottes in den Vereich deSi.Unreinen und Verbotenen gewiesen. Oäs Lebsni, nicht!'den Tod, erkennt Hirschs - Symbolik als Heimat der. Gottesnsrehrung durch den Mfrechten, bewußten Willen an. So fern aber lag ihm aller Stolz auf die 'geniastjAuffindung dieses Schlüssels zym Heiligtum der Thora, daß er eine deduktive Ableitung aller Symbole aus diesem einen Teilbezirke des Gesetzes nirgends groß anlegt; so aufrichtig ist seine Demut vor dem Faktum der Offenbarung, daß er, obgleich klar bewußt von jenem einen großen Leitgedanken „höchste sittliche Freiheit, höchste Bewußtheit des Willens gleich höchster Reinheit" fortwährend beherrscht, ihn dennoch bei der Betrachtung jedes einzelnen Gesetzes aufs neue aus diesem selber in gewissenhaftester Weise deduziert. Obgleich nun die. Symbolik diejenige Schrift Hirschs ist, bei welcher er von seinem Prinzip des Nichtbenennens der Anlässe die Ausnahme Zugelassen und die er dadurch in, Beziehung zu seiner Umwelt gesetzt hat, so ist doch gerade die Symbolik und die ihr entsprechende Gedankenwelt seiner Schriften alles andere als zeitgebunden und hat ganz besonders > unserer zerrissenen Gegenwart viel zu sagen. Das gilt nicht nur von den Gelehrtenschulen Wellhausens und Freuds, über die im Bisherigen die Rede war: es gilt in gleichem Maße von den Wirklichkeiten heutigen jüdischenGemeinschaftslebens. Aus Rücksicht auf die,,Abneigung unserer nichtjüdischen Umwelt gegen die „Last des Gesetzes"- die uns —nrr wü pxn ii'Mii — eine erhebende Bürde ist, hat man neuestens. sogar den Namen „Gesetz" überhaupt dem Mizwoth-Änhalte der Thora absprechen wollen. Demgegenüber haben" wir äuf die zahlreichen Stellen aus der Symbolik , und den Kommentaren hinzuweisen, welche die heteronome, d. i. von außen kommende, nicht dem noch so edlen Menschengeist entsprossene-. sondern von Gott als -neue Erkenntnis hem Volke Israel geoffenbarte Gehorsamsforderung des Thoragesetzes klarlegen. Wir erinnern nur an die Schlußfolgerungen, welche die Symbolik aus den Einsetzungsworten wnsri. vwrni des Zizithgebotes liest, und durch dessen Einzelvorschriften bestätigt findet, — oder an die allerersten Einleitungssätze der Symbolik, welche die reiche und Helle! Kraft menschlicher Sinnbilder überhaupt ins rechte Licht' rücken. Diese Kraft würde vergeudetdiese Deutlichkeit unnütz aufgewendet sein, wenn es nur gälte, vorhandenes, edles Streben neu zu wecken und ganz gewöhnte SeelenlvorMnge nicht entscheidend zu beeinflüssäsi, sondetm etwa nur ihren gewohnten Entfaltungsgang gehen zu lassen. Das" Gesetz Gottes ä n das Volk,, seine verbale Inspiration, d. i. seine wörtliche Eingebung, ist Grundlage! unserer Weltanschauung und erstes, wenn 'auch wegen seiner damaligen Selbstverständlichkeit nicht oft in Anwendung gebrachtes, so doch richtunggebendes Element der Hirschischen Symbolik. Warum aber finden wir es so oft und so deutlich in seiner Symbolik betont, daß kein Symbol zur Mitteilung einer vorher ganz unbekannten Tatsache taugt und daß daher auch der Sinn eines Gottesgesetzes niemals die Offenbarung überirdischer Geheimnisse, sondern nur die wirksame Einprägung schon vorhandener Erkenntnisse sein kann? Widerspricht das nicht scheinbar der vorher ermittelten Lehre, daß die Gottesgesetze etwas ganz Neues und von aüßm Kommendes für die Menschheit sind? Dieser Widerspruch besteht nur scheinbar. „Nicht neu" ist der Inhalt des Symbols doch nur insofern, als sein Sinn vorher durch die Worte und Vorgänge enträtselt war, mit denen die Offenbarung und Einsetzung des symbolischen Gesetzes geschehen ist. Es ist „nicht neu", weil es die Entstehung seines Anlasses fortwährend in Erinnerung rufen will. „Neu" ist es in jeder anderen Beziehung, neu erleuchtend für die Befolgendes Gesetzes, neu erziehend für das Volk Gottes. Daß nur die Eigenschaft, nichts völlig Neues lehren zu können, diejenige ist, welche Hirsch am deutlichsten und eindringlichsten einschärft, ist zwär in einer Strömung seiner Zeit als Anlaß begründet, "hat aber gleichfalls lebendigste Meltung für! die Gegenwart. Damals hatte Steinheim in seinem „Osfenbarungsbegriff der SyNagoge" die Forderung aufgestellt: Die Offenbarung kann zwar nichts enthalten, was der Vernunft widerspricht, doch müsst ihr Änhylt die^ Vernunft , „gefangenüehmen", d^ h. auf die bekannten ewig offen bleibenden Fragen der Vernunft nach den letzten Md höchsten Formen des Seins, üuf die Fragen nach Gott an sich und den Dingen ansich, nach der Form des Fortlebens der Seele und nach dem Zustandekommen menschlichen Denkens entscheidende Antwort erteilen. Diese, zu verstiegenen und überschwänglichen Gedanken, zu vermessener Kritik am Gesetze und zur Geringschätzung grundlegender Thoragebote, vor allem aber zu ganz abwegiger rationaler Deutung und Aenderung derselben, führende Grundlehre; des sonst gemäßigt rationalisftschen Hegelianets Steinheim galt es völlig abzstlehnen; daher i■ die immerwährende Betonung dessen, daß ein Symbol des Gottesgesetzes nichts völlig Neues-ja,' nicht einmal etwas nicht mit der Gelegenheitseiner Einsetzung in Zusammenhang Stehendes zu lehren bestimmt sein kann. Auch die Gegenwart hat eine Schule aufzuweisen, die sich darin gefällt, in den Gesetzen der

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