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Der Israelit · 1930-01-16 · Heft 3 (16.1.1930) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 3 (16.1.1930)
Date
1930-01-16
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Nr. 3 Seite 14 Der Israelit 16. Januar 1930 Und dies geschieht just zu einem Zeitpunkt unserer Entwicklung, wo die Einsicht in das Unstatthafte der Befriedigung noch fehlt. Freilich tut da Aufklärung not, wie es der geehrte Verfasser mit Recht verlangt. Braucht es aber dafür einer besonderen speziellen Aufklärung über das Sündhafte einer solchen Nichtbeherrschung seiner Begierden? Nein gewiß nicht! Die Aufklärung wird sich von selbst ergeben, da wo das Studium unseres Schrifttums, vor allem unsere talmudischen Lehren, in richtiger Weise und zeitig genug der Heranwachsenden Jugend aus Herz gelegt werden. Schon die erste Mischna bietet für den gewandten Lehrer Anhaltspunkte, uni die heikle Frage in einfachster Weise zu besprechen. Entweder kommt es dann überhaupt nicht zum Sichgehenlassen gegenüber besagtem Naturtriebe, oder wenigstens wird vermittelst besserer Einsicht dem sich einschleichenden Fehler rechtzeitig Halt geboten. , Ich kenne Beispiele auch für die letztere Eventualität. Wo trotzdem in Ausnahmefällen die üble Gewohnheit zum scheinbaren Lasier geworden ist, da kann Moralpredigt und Strafandrohung ruhig unterbleiben. Es liegt dann ein pathologischer Fall vor, der schleunigst dem erfahrenen Mediziner zuzuweisen ist. Es handelt sich entweder um krankhafte Anlage oder um einen erworbenen Krankheitszustand, der zur Domäne des Arztes gehört. Die Entwicklung der Medizin in den letzten Jahrzehnten gibt uns Mittel in die Hand, das Uebel in der überwiegenden' Mehrzahl der Fälle zu heilen. Geistliche Strafandrohung würde da nur von Uebel sein, im besten Falle der Tendenz zur Verheimlichung, zum Jnsichgekehrtsein, Vorschub leisten. Ob es überhaupt wünschenswert ist, derartige Fragen vor dem Forum der Oeffentlichkeit zu behandeln, lasse ich dahingestellt. Die angehängte Notiz der Redaktion scheint mir für das Urteil der letzteren bezeichnend. Wenn wir nach Vorschrift unserer Weisen ivs m»? ja nsmV verfahren würden, wäre gar manchem Lasier ein Riegel vorgeschoben. Aber wie viele Ausreden und Ausflüchte mutz inan auch von streng religiöser Seite vernehmen, wenn man über diese Forderung sich auslätzt. Und doch ist — von anderen Gesichtspunkten ganz zu schweigen — vom medizinischen Standpunkt aus die Ansicht unserer Weisen die einzig richtige. Dr. med. E. M. Briefkasten. Abonnent in Kokomea. Wenden Sie sich wegen Auskunft durch Vermittlung Ihrer Buchhandlung an den Börsenverein deutscher Buchhändler in Leipzig, Buchhändlerhaus. Synagogale Musik können Sie bei allen bekannten hebräischen Buchhandlungen in Frankfurt, Berlin, Hamburg Kassel etc. betziehen. Aamikienvater in Kamönrg. Wir finden die Annahme naiv, daß die Titel weltbekannter Bücher erst aus dem von Ihnen zitierten Artikel zur Kenntnis der jugendlichen Leser kommen sollten. Leider kommt man mit ängstlichem Vertuschen heute nicht mehr durch. M. S. I3. 1) Seitdem „Das jüdische Licht" nicht mehr erscheint, ist uns ein ausgesprochen orthodoxes Blatt in Amerika nicht bekannt. 2) Von der Beteiligung R. Akibas am Aufstand Bar Kochbas ist in Talmud und Midrasch nichts erwähnt. Daß er sich Rom und seiner Verordnung gegen die Religion widersetzte, davon wissen viele Talmudstellen und Midraschim zu melden. Sein tragisches Ende wird in „Brychoth" 61 und Smachoth, Absch. 8. erzählt. Familiennachrichten. Ba'rmizwoh: Max Eskeles Sohn des Edm. Eskeles Rechneigrabenstr. 12. Synagoge Börneplatz 's 18. 1. 29. Die Woche. Ein Fünsun'osiebzigjähriger. Am 16. Teweth begeht Herr Michael E i s e m a n n m voller körperlicher und geistiger Frische seinen 75 fährt ge n Geburtstag. Von seinen vielen Verdiensten um die Kehila sei seine aufopfernde Wirksamkeit für die Mazzoversorgung hervorgehoben. Dem Jubilar wurde vom Rabbinate unserer Gemeinde der ian-Titel verliehen. Aus der Agudas Jisroel-Jugendgruppe Frankfurt a. M. Jahrzeitslernen in der Agudas Jisroel- Jugendgruppe. Am Montag, 21. Tewes, findet in der Schwanenstr. 12, 21,30 Uhr, das Jahrzeitslernen für Martin Feist statt. Neuer "nio- Kurs in der Jugendgruppe. Einem Wunsche weiter Kreise Rechnung tragend, ist jetzt in der Person unseres verehrten Herrn Louis Kahn ein Dozent gesunden worden, der jeden na» von 11,30 bis 12,30 Uhr, in der Schwanenstratze 12, für Damen und Herren, diesen Schiur geben wird. — Der Wert einer gründlichen Kenntnis unserer rr&s/i dürste jedem Besucher dieses Schiurs bald klar werden. — Anmeldungen unverzüglich zu richten an den Vorsitzenden (Hartogsohn), Ostendstraße 82, Tel. E. 443 68. tnvsvm - Schrur der A. I. - Jugendgruppe. In der Wohnung des Herrn Eerson Schnerb, Kantstratze 4, findet allwöchentlich, Donnerstags, von 21—22 Uhr, dieser Schiur statt. Einige Teilnehmer können noch Aufnahme finden. Arbeitsgemeinschaft: Politik, Jakob Landau, Schwaben st ratze 12. Der fünfte Abend dieser recht gut besuchten Veranstaltung der A. I.-Jugendgruppe findet kommenden Mauzoe Schabbos, 21 Uhr, statt. (Für Damen und Herren.) -Eine neue Arbeitsgemeinschaft für i-nnv' yin - F r a g e n. Herr Dr. S. E h r m a n n hat, nachdem der erste Abend am letzten Mauzoe Schabbos, bei recht guter Beteiligung, die dringende Notwendigkeit einer solchen Einrichtung ergeben hat, für die Orts- und Jugenogruppe der Agudas Jisroel die Leitung einer jeoe zwei. Wochen zusammenkommenden Arbeitsgemeinschaft übernommen. Damen und Herren, die sich besonders für pa interessieren, sind zur nächsten Zusammenkunft, 25. Januar, 21 - Uhr, Schwanenstratze 12, willkommen. Das Iaumi-Sijum. Der Sijum des w -p-Schiurs auf Traktat nnan hat am Freitag aven'o, den 2V. Kistew, in den Agudarcrumen, Schwanenftraße 12, unter Leitung des Dozenten, Herrn Herz Holpern, mit einem grotzangelegten und weit aushotenden Haöran ftattgefunden. Außer Ferrit Holpern und dem Ehrengast, Herrn K a r p e l, welcher in geistvoller Weise oas naim 02 erläurerte, sprachen noch einige Schturteilnehmer. Eingeflochtene besänge oslilchen Stils erheiterten die Teilnehmer in angenehmster Weise und in dieser Stimmung trennte man sich erst um Mitternacht. Antisemitismus und Wissenschaft. Die Arbeitsgemeinschaft für jüdische und allgemeinkulturelle Interessen veranstaltete am Mittwoch, den 8. Januar, unter der Leitung von stud. jur. Julius Suhmann einen Vortragsabend, an dem Herr Hans Seidenberg über das Thema: „Antisemitismus unter dem Deckmantel objektiver Wissenschaft" sprach. Nach den einleitenden Worten des Vorsitzenden, der auf die Lage in Deutschland hinwies, das augenblicklich als der wichtigste und jedenfalls kulturell bedeutsamste Mittelpunkt der antisemitischen Bewegung anzusehen sei, ergriff der Redner das Wort, um zunächst auszuführen, oatz seiner Meinung nach drei Hauptarten des Antisemitismus zu unterscheiden seien: Rabauantisemitismus, gefühlsmäßig antijüdische Einstellung und überzeugte Judenfeinds chaft. Zu der letzteren gehöre auch der scheinwissenschaftliche Antisemitismus, der augenblicklich vielleicht nicht besonders aktuell fei, weil sich jetzt vor allem der Radauantisemitismus breitmache; trotzdem sei er aber uns Juden am gefährlichsten, denn er mache auf einfache Gemüter besonderen Eindruck und seine Widerlegung bedürfe großer Sachkenntnis und wissenschaftlicher Mittel. Der Redner legte dann einige Broschüren aus dem letzten Wahlkampf vor und wies auf die gern betriebene Mißdeutung von Talmudstellen hin, um nachzuweisen, wie Antisemiten unter der Flagge der Wissenschaft segeln. Der von Theodor Fritsch herausgegebene „Hammer" betreibe den „wissenschaftlichen" Judenhaß als Spezialität, aber selbst das kürzlich erschienene Werk des Kieler Staatsrechtslehrers Hasbach stehe ungefähr auf der gleicherl Stufe. Als sehr interessant bezeichnete der Referent in diesem Zusammenhang die Anfang dieses Jahrhunderts aufgekommenen Versuche, das Christentum von dem ihm lästigen jüdischen Ursprung zu lösen; ein Werk, das Friedr. Delitzsch mit seinem „Bibel und Babel" versucht, Ludendorsf aber durch den Austritt aus der Kirche als unmöglich anerkannt habe. Irder anschließenden Diskussion wurde vor allem von nichtjüdischer Seite der Antisemitismus damit zu erklären versucht, daß dem deutschen Juden das deutsche Narionalbewußtsein abgehe, eine Behauptung, die im weiteren Verlauf der Diskussion überzeugend widerlegt werden konnte. Ein Zionist führte aus, daß sich aus der jahrhundertelangen Aberkennung aller staatsbürgerlichen Rechte des Juden häufig zwangsläufig eine Opposition zum Staat ergeben habe. Von anderer Seite wurde auf die besondere Struktur der Berufsschichtung der Juden hingewiefen, die oft zur Begründung der antisemitischen Bewegung diene, aber durch die historische Entwicklung und die in dieser Hinsicht allzu stark traditionelle Einstellung des Juden bedingt sei. In seinem Schlußwort suchte Herr Seidenberg verchredene im Laufe der Diskussion zum Ausdruck gekommene Gegensätze aufzuklären und auszugleichen. In Uebereinftimmung mit ihm bezeichnete der Vorsitzende Sußmann als das geeignetste Mittel zur Bekämpfung des Antifemitismbs die Erkenntnis des wahren Judentums und begrüßte aus diesem Grunde vor allem die rege Teilnahme nichtjüdischer Kreise an dem anregend verlaufenen Vortragsabend. Ortsgruppe Frankfurt a. 2ß. des Jüdischen Frauenbundes. Die Ortsgruppe Frankfurt a. M. des Jüdischen Frauenbundes veranstaltet am Donnerstag den,23. Januar, abends 8.30 Uhr, in ihren Räumen Langestr. 3, 1. einen Vortragsabend. Herr Arthur S a k h e i m spricht über jüdische Sagen, Legenden und Volkserzählungen. Frl. Bertha Pappenheim liest. Geschichten aus dem Maassebuch. Karten a Mk. 3.— erhält man in der Geschäftsstelle Langestraße 3, vorm, von 10—1 Uhr und nachm, von 3—5 Uhr. Die Ortsgruppe Frankfurt a. M. des Jüdischen Frauenbundes teilt mit, doch der nächste Ortsgruppenabend am 25. Januar bei Frau Lilly Mosessohn, Liebigftraße 7, stattfindet. Frau Landrichter Dr. Brann- Frank spricht über: „Der Einfluß des ehelichen Güterrechtes auf. die Stellung der Frau". Die nächste Arbeitssitzung findet am Donnerstag den 30. Januar vorm. 10 Uhr Langeftraße 3, 1. statt. Konzert zum Besten der „Jüdischen Wohlfahrtspflege Frankfurt a. 21t.“ In der im Saalbau stattfindenden Veranstaltung der Jüdischen Wohlfahrtspflege am 27. Januar werden Werke von Mozart, Haydn, Cefar Frank, Rofy Geiger- Kullmann, Erneft Bloch, Sarafate und Schumann aufgeführt. Als Mitwirkende wurden Elfe Gentner-Ziegler, Anni Steiger-Betzack, Hedwig Elkan, Rosy Geiger-Kullmann, Benno Ziegler, Dr. Otto Eisner, Paul Meyer gewonnen. Eintrittskarten erhältlich: Jüdische Wohlfahrtspflege Frankfurt a. M., Langestr. 30, C. A. Andre, Steinweg 7, B. Firnberg, Schillerstr. 20, Lina Schott, Rathenauplatz 10, Olga vom Hagen, Bockenheimerlandstr. 9, H. Wronker A.-G., Zeil 17 und an der Abendkasse. Vortrag im Bes-Hamibrasch Langestratze. Herr Rabbiner Chajim G 0 l d k l a n g, Rabbiner der Synagoge „Kahall Israel" in Wien, ein bewährter rrn und Redner, hält am Sonntag nach Mincho im Bes- Hamidrasch, Langestratze 31, einen halachischen und agadischen Vortrag. MSSWöSSSSSWSö^SSSSSSSS^SSSSSSSSSSWWSSSWSSS» Frankfurter Vereinskalender. Verein Atekor Chajim. Freitag abend nach Schul, Mikrovortrag Herr Hermann Frankenthal. Samstag morgen nach Schluß der Synagoge „Dinim", Herr Dr. E. Posen. — Nachmittag 3u Stunde vor Mincho, Mikro, Herr Dr. Hofmann. — Eine '/« Stunde nach Nacht (ebenso Sonntag vormittag 8 Uhr), „Gemoro", Herr Joachim Soffer. Sonntag morgen nach Schluß der Synagoge (ebenso Mittwoch) im Hörsaal, tm "n, Herr Redakteur S. Schachnowitz. — Vormittag 91'4 Uhr (ebenso Dienstagabend 6'.. Uhr Vereinslokal) „Gemoro", Herr R. A. Gerfon Posen. — Abends 6 Uhr Vortrag des Herrn Rabbiners Jonathan Horowicz Jerusalem über „Das Thorawort im Heiligtum". Montag morgen nach Schluß der Synagoge (ebenso Donnerstag), im Hörsaale, Mischnalernen der Mitglieder. — Zu gleicher Zeit im Sitzungszimmer Friedberger Anlage von Montag bis einschließlich Donnerstag, „Gemoro", Herr Dr. S. Ehrmann. — Abends 7 Uhr (ebenso Mittwoch) im Vereinslokale, „Gemoro", Herr Rabb. Dr. I. Breuer. — 8 V2 Uhr, (ebenso Donnerstag), „Gemoro", Herr Dr. E. Posen. Dienstag morgen, nach Schluß der Synagoge, (ebenso - Freitag), „Mischna", Herr Dr. E. Posen. Von Sonntag bis einschließlich Do.merstag abends 83/* Uhr „Schaslernen", Herr Herz Holpern. Jahrzeitsstiftungen. Freitag 24. Jan. Hermann Lehmann, Jacob Seelig-Stift Agudas Jisroel-Jugendgruppe. Schabbos morgen, 772 Uhr Haschkomo, Schwanenstr. 12 Daf-Jaumi, Dozent Herr Herz Halpern, Schabbos 12—13. Sonntag 11—12, Montag—Freitag 12—13, Gelegenheit zum Lernen — alltäglich 9—12 Uhr. Montag und Mittwoch, 20'/2—2172 Uhr, Gemoro Bowo Mezio: Dozent Sr. Ehrw. Herr Rabb. Horowitz. Schiur: Prophetien des 8. Jahrhunderts, Leitung Herr Dr. Merzbach, Röderbergweg 9. Wöchentlich Donnerstags 7^21—3/a22 Uhr. Mauzoe Schabbos 18 /, Uhr Vorbereitungsschiur: Bowo Mezioh, Dozent Herr Eh. Liverhant. Sonntag 11—12 Uhr Mischnajoth Nesikim: Dozent Herr Eh. Liverhant. Bürostunden der Leitung der Jugendgruppe allwöchentlich Sonntags von 10 — 13 Uhr. Außerhalb dieser Zeit nach vorheriger Verständigung mit dem Vorsitzenden, Herrn Hartog Hartogsohn, Ostendstraße 82, Car. 44 368. Liwjalh Chen. Samstag mittag nach Mincho im Hörfaale Friedberger Anlage Vortrag des Herrn Schachnowitz Gebetzetten. tti rat? Freitag abend 4.35 Samstag nnmi 6.55 Samstagmorgen 8.— Samstagnachmittag 1.— und 4.7— Samstagabend 5.50 Mochengottesdienst: Morgens 6.55 Nachmittags 4.30 Tefillin-Legen am Morgen 6.55 Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton S, Schachnowitz, Frankfurt a. M.; Inserate i. V.: S. Schachnowitz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. Kaufmann in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Verlag „Israelit", T. m. b. H„ Frankfurt a. M. — Druck: Hermon Verlag und Druckerei, Frankfurt a. M.

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