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Der Israelit · 1930-01-16 · Heft 3 (16.1.1930) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 3 (16.1.1930)
Date
1930-01-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Nr. 3 Der Israelit 16. Januar 1930 Die Rosenthaliana in Amsterdam. Zum 40 jährigen Amtsjubiläum ihres Leiters Jeremias Hillesum. Von Louis Lamm in Berlin. (Fortsetzung.) Niemals vorher und niemals nachher ist eine Sammlung jüdischer Bücher von solchem oder ähnlichem Wert zu einer Bibliothek vereinigt worden. Allein über 120 Werke davon waren in spanischer oder portugiesischer Sprache gedruckt und schon das Lesen der Beschreibung jener 65 Handschriften, die sich darunter befanden, bereitet jedem Kenner einen Genuß. Der Katalog muß bestimmt sehr großes Aufsehen in der jüdischen Gelehrtenwelt erregt haben und sicher ist Roest erst durch ihn allgemein bekannt geworden. Allerdings war er schon drei Jahre vorher als Redakteur des „Israel. Weekblad" tätig und spielte in Holland schon damals eine Rolle. Anscheinend war er bei Frederik Müller angestellt und er dürfte sich bis 1880, in welchem Jahre L. Rosenthals Kinder, nämlich der obengenannte Georg von Rosenthal, Frau Nanny Cohen-Rosenthal und Frau Mathilde Lewy-Rosenthal die Bibliothek ihres ' Vaters, die wohl inzwischen noch eine Vermehrung gefunden hatte, der Stadt Amsterdam zum Geschenk machten, schlecht und recht durchgeschlagen haben. Von 1875—1886 erschien in Amsterdam unter Roests Redaktion der „Israelitische Letterbode", eine wertvolle jüdisch-wissenschaftliche Zeitschrift, an der so ziemlich alle Größen damaliger Zeit, besonders stark Moritz Steinschneider, der in Roest einen Geistesverwandten erblicken mußte, mitarbeiteten. Roest selbst hat dort eine Anzahl hochwertiger Arbeiten veröffentlicht. Als die Stadt Amsterdam, wie schon erwähnt, 1880 die Rosenthalsche Bibliothek als Geschenk annahm, bestellte sie M. Roest zum Konservator und diese Stelle behielt er bis zu seinem Tode im Jahre 1889. Außer seiner umfangreichen wissenschaftlichen Betätigung hat er auch sonst' viel für die Juden in Holland geleistet. und er ist deshalb auch heute, nach 40 Jahren, noch in gutem Andenken in seiner Heimat. Die Rosenthalsche Bibliothek wurde als Sondernd» teilung der Amsterdamer Universitätsbibliothek aufgestellt. Nach Roests Tod, am 1. Januar 1889, wurde Jeremias Hillesum als sein Nachfolger gewählt. Er ist am 14. August 1863 als Sproß einer seit Jahrhunderten in Amsterdam wohnenden, aus Deutschland stammenden Familie geboren. Der Name. Hillesum ist identisch mit Hildesheim, der auf gleiche^Weife entstand wie z. B. Heddernum aus Heddernheim, Jtert aus Uetrecht, oder Bottewies und Buttenwiesen. Hillesum besuchte das Niederländische Israel. Nabbinerseminar, war dann, wie so viele angesehenen Amsterdamer, im Diamantenfach beschäftigt und dabei auch Religionslehrer. Frühzeitig erwachte in ihm schon das Interesse am jüdischen Buch und an jüdischer Wissenschaft und dadurch war er schon in seinen Jünglingsjahren mit Roest bekannt geworden. Im Augenblick, da Hillesum in die „Rosenthaliana" eintrat, begann' die Aera eines beispiellosen Aufschwunges dieser Bibliothek. Obgleich Hillesum zunächst nur einige Stunden wöchentlich in der Bibliothek und mit dem kärglichen Gehalt von 25 Gulden pro Monat angestellt war, widmete er dieser Institution und ihrem Ausbau seine ganze Kraft und sein geradezu unerschöpfliches Wissen. Der hier zur Verfügung stehende Raum reicht nicht aus, Hillesums Schaffen auch nur annähernd zu würdigen. Seinem Einfluß gelang es, daß Georg von Rosenthal und nach seinem Tod seine Witwe Sophie, geb. May, erhebliche Mittel zur Ausgestaltung und Vervollkommnung der Bibliothek zur Verfügung stellte und schon nach 13 Jahren wurde sie zu einer wichtigen öffenüichen Institution, die jetzt täglich geöffnet, von Gelehrten und Interessenten der ganzen Welt ausgesucht wird. Der Bücherbestand war um vieles vermehrt, die Aufbewahrung und Katalogiefierung nach modernster Art verbessert worden. Viele Dinge, die, früher keine Beachtung gefunden hatten, würden in das Sammelgebiet eingeschlossen, so beispielsweise jüdische Graphik, Einblattdrucke, interessante Bucheinbände u. a. m. Wer, wie der Verfasser dieser Zeilen, Gelegenheit hatte, Hillesum in seiner Wirksamkeit als Bibliothekar und Berater der zahlreichen Bibliotheksbesucher zu beobachten, mußte staunen, wie viel Zeit der so stark beschäftigte Mann jedem, ukb dazu noch jedem mit der gleichen Liebenswürdigkeit und Zuvorkommenheit, widmen konnte. Und man wird ruhig behaupten können, daß es kaum einen jüdischen Gelehrten oder Schriftsteller gibt, dem er nicht einmal hilfreich zur Seite stand. Außer dem persönlichen Verkehr — wohl jeder prominente Jude war einmal in Amsterdam und dann auch in der Rosenthaliana — führt er einen umfangreichen Schriftwechsel und alles mit seiner ewig gleichbleibenden, charakteristischen Handschrift. Zu einer Schreibmaschine hat es die Bibliothek noch nicht gebracht. Ueberaus zahlreich sind die wissenschaftlichen Publikationen Hillesums, alles hervorragende Leistungen, die exorbitantes Wissen und Können dokumentieren und ihm einen Ehrenplatz in der jüdischen Literatur für alle Zeilen sichern. Hier seien nur einige seiner Arbeiten aufgesührt. 1. Voornaamste letterkundige producten vanwylen, M. Roest Mz. Amsterdam 1890. 2. Menasseh b. Israel, Amsterdam 1898. 3. Hebben de geestelyken der Pürtug. Israel. Gemeente te Amsterdam voor 1666 gern nivvvo verleend? Amsterdam 1889. 4. Het vereenigingsbren by de Port. I. in Amst. zie Amstelsdamm Jaarbook I. 5. Ury ha-Levi, de erste Mohel-Chazzan en predikant des Portug. Jooden te Amst. in het jaar 1593, Amsterdam 1904. 6. Waan nierd Menasseh b. Israel geboren? Amsterdam 1905. 7. Een belanggryk historisch fest herdackt. Amsterdam 1905. (Schluß folgt.) Ainderecke. Der Lhanukahleuchter. Von Schoschanath Jaakow. (Schluß.) „Nun, mein Junge," sagt er, „sollst du wissen, warum ich unsere herrliche Menorah hergeben wollte, die ich doch ebenso liebe, wie du! Ich hatte schon einmal, als ich sie gestern erblickte, Abschied von ihr genommen, denn ich wollte sie zum Althändler Baumgartner bringen. Ich konnte mich nur nicht von ihr trennen und dachte: „Einmal noch entzündest du an ihr!" — Wisse, mein Kind, früher konnte ich euch alles geben, was ihr wolltet, denn mein Geschäft ging gut, und viele zogen Nutzen aus ihm. Dann kam der Krieg, nach ihm der Kommunismus — ich habe mein ganzes Vermögen verloren! Du weißt, es ging nicht nur mir so — ich bekam eine Anstellung — wir hatten zu leben. Heute aber stehen wir vor einem Nichts! Ich wollte es Mutter nicht erzählen, aber, als der Herr so viel Geld für die Menorah geben wollte, fühlte, ich mich verpflichtet, mit Mutter zu reden. Ein neuer Schlag hat uns Juden getroffen. Das Höchste, — der Schabbos — steht auf dem Spiel! Die Fünf-Tage- Woche ist in Rußland eingeführt. Samstag und Sonntag sind ms dem Kalender gestrichen». Verstehst du, was das für uns bedeutet? Für uns bleibt doch der Schabbos ewig heilig. Aurch die unselige Füns-Tage-Woche fällt er nun eine Woche auf den Montag, die nächste Woche auf den Dienstag, dann auf den Mittwoch ufw. und du kannst verstehen, daß es uns dadurch fast unmöglich gemacht wird, ihn zu halten. — Siehe, ich muß nun meine Stellung verlassen. Und da wir ohne Verdienst stehen, so glaubte ich im Sinne derjenigen zu handeln, die uns die Menorah zurückließen, wenn ich sie in jüdische Hände gäbe, anstatt in fremde, unbekannte, um uns fürs erste vor allzudrückenden Sorgen zu bewahren. Begreifst du es nun? Aber der liebe Gott wird uns schon helfen-. Und jetzt schlafe wohl!" Wie Simon sich schämt!! Sein Kopf glüht! Er hätte so gerne Vater gebeten: „Verzeihie mir!" Aber etwas sitzt in feiner Kehle — das tut so weh. Ach, wäre das doch alles bloß ein Traum! Aber es ist wahr! Es ist geschehen! Durch seine Schuld! Er möchte es so gerne wieder gut machen! Aber wie? — „Lieber Gott," betet er, „hilf mir, daß Vater doch das Geld bekommt! Und' wenn Du mir hilfst, ich verspreche Dir, ich will fromm und tapfer werden!" — Ja, Gott wird chm helfen!! Das ist sicher. In dieser Nacht hat er noch viel gedacht und! als er am frühen Morgen sich erhob, war er um vieles älter und reifer geworden. Der Vater ist aus dem Hause gegangen, Mutter zieht Sonja an, Simon muß in die Schule. Er geht aber heute nicht direkt hin. Behutsam packt er Vaters Leuchter ein und stiehlt sich aus dem Hause. Er schleicht die Häuserwand entlang über die mit schmutzigem Schnee bedeckte Gasse. Er preßt die Menorah fest an sich. Es wird' doch keiner sehen, was er trägt?! Dann wäre alles verloren!! „Hilf mir! Hilf mir, lieber Gott! Und Du wirft mir auch helfen, daß ich Herrn- Rosenfield finde!" — Auf der Karte, die dieser dagelassen hatte, stand nur die Adresse von Newyork. Aber in Moskau gibt es nicht mehr viele schöne Hotels, und dieser vornehme Herr hat sich sicher das schönste ausgesucht. Der Weg dahin ist nicht weit, Gott sei Dank! Sonst käme er auch zu spät m die Schule. Da steht er in der Halle. „Entschuldigen Sie, wohnt Herr Rosenfield hier? Er ist aus Newyork!" — „Rofenfield — Rosenfield — ja! Zimmer 14, erste Etage!" Warum der Kleine sich wohl so schrecklich freut? Der Mann muß wirklich über ihn lachen! Seht einmal, wie der die Treppe raufhüpft! — Aber auf der obersten Stufe überfällt Simon plötzlich ein eisiger Schreck! Wie, wenn der Herr den. Leuchter nun nicht mehr haben will?! Vielleicht hört er Simon überhaupt nicht an, weil er gestern Abend so häßlich zu ih mwar!— Umkehren?! — „Hallo Simon!" — Himmel, wer ruft da? — Es ist Herr Rosenfield! — Nun kann Simon nicht mehr fort! Herr Rofenfield hat seinen Arm um die Schulter des Knaben gelegt und führt ihn in fein Zimmer. „Das ist sehr nett, daß du mich besuchst, Simon," sagt er. Simon schüttelt den Kopf. „Aber warum weinst du denn, mein Junge? Du darfst nicht weinen, sonst tue ich es auch gleich. — So! Siehst du, lachen! Das steht dir viel besser! — Also, was möchtest du denn, mein Kind?" — Simon reicht ihm Vaters Menorah. „Bitte, kaufen sie ihn doch!" schluchzt er. — „Aber natürlich kaufe ich ihn, Simon! Hat Vater sonst noch etwas gewünscht?" — „Vater?" — Erstaunt sieht der Knabe Herrn- Rosenfield an. „Vater hat mir nichts gesagt —aber ich möchte, — daß Vater — viel Geld bekommt, —- weil, weil — die Tränen, die dummen, dummen Tränen-!!"— Herr Rosenfield hat verstanden. Er nimmt die Menorah und stellt sie weg. „Simon!" sagt er, nimmt dessen Kopf in seine Hände, und küßt ihn auf die Stirne, „ich habe noch keinen Jungen gesehen, der so tapfer und so brav ist, wie du! Wenn du groß bist, mußt du nach Amerika kommen und mein Freund werden! Das versprichst du mir! Nicht wahr?" — Simon nickt. „Und mun^warte eben,, bis ich gefrühftückt habe, dann bringen wir beide Vater das Geld: „Ich muß aber jetzt ch die Schule!" — „O? — Nun, das macht nichts! Dann bringe ich es Vater alleine." — „Danke vielmals! Adieu!" — Er springt die Treppe runter lfnfc rennt, was er kann, in die Schule. — „Nein! Wird Vater sich freuen!" — Als er am Abend vom Cheder nach Hause kam, nahm Vater ihn an die Hand. — „Simon," sagte er ernst, „Gott hat uns aus schwerer Not geholfen! Herr Rofenfield hat mir das Geld gebracht und alles erzählt. Und für dich hat er auch etwas dagelassen. Willst du mal sehen?" — Er führt Simon an das verhangene Fenster. — Da steht sie, die wunüerherrliche Menorah! Und neben ihr liegt eine Karte, darauf steht geschrieben: „Für Simon — von A. I. Rofenfield." I, "n Die grossartigsten Neuerungen seit JPirliMiy 0 Jahrzehnten bringt 11 11 der neue Senking-Gasherd 6 umwälzende V erbesserungen Besichtigung h ochinteressant- E.HAGE&Co. Am Eschenheimer Tor 3 Wochenkalender. v. 18. b. 38. Januar 1930 ' v. 18. b. 38. lebet 5690 Samstag 18 18 'N'l Sonntag 19 19 Montag Jan 20 20 Dienstag 21 N2V 21 Mittwoch 22 22 - ' - „ Donnerstag 23 23 Freitag 24 24 »'"ISS fpawi »sn Samstag 25 25 ' BHnn pa-ian mvv © © €§> nns rr.v

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