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Der Israelit · 1930-01-16 · Heft 3 (16.1.1930) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 3 (16.1.1930)
Date
1930-01-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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■s x>j n*' ’ - „‘ * f \ 17.1.30 r LL X W» w 16. Januar 1930 HrankfUrl a. 2TI*f öen 16. Cebet 5690 Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum Begründet von Dr. Letzmann in Mainz. Nr. 3 Abonnenrentab Juli 1989r Deutschlandvl.30 MarckmonaUich^; Ausland: Bierteljahrvreisv (entsprechend dW» deutschen JnIandspreiszuzügltchKoften des Etreifdand-Ber» fandes) Deutsch-Österreich: Schilling 8^—; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1. Juli Frankreich 35 Fr.; Belgien ab 1.7.27. Belga S; Holland 8 fl.; Italien ab 1.1. L8.18 Lire; Jugoslawien 68 Di».; Litauen 7.50 Sit; Rumänien ab 1.7. 87. 150 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty. Schweiz 5 Fr. TscheLo-Slowaket 85Krone»; Ungar« Pengö 5 ab 1.Jult1937; Dänemark 8.50 Krön; Norwegen 8.50 Aron.; Schwede« 850 Krön. Einzelnummer vierzig Doldpfeunige. Der Jtzraelit erscheint jede« Donnerstag Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Die 75 min breite Reklamezeile: letzte Textseite 3.— Mk., vorletz Thtffregebühr in Höbe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufe» Jnseratanfträgen iartfm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Jnferatenaunahme durch Berlag des Israelit G. m. b. H.» Frankfurt a. M., Rechneigrabenstratze 7, Tel. Hansa laufende» de» Zahlungen direkt an de« Berlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nr. 19808. — Außerdem an: Warschau Nr. 190767. - Postscheckamt ZürichNr. Vin 7254 - Inkasso-Bank Rotterdam - Postscheckamt ' __ ____., _ ____ . öhurifche Untortbank in Prag — Ü»ue» icknriuerosod 1 Bukarest - Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. — Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten stch ergebende« Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. rostsparkaste Wien Nr. 79805. — Postsparkassenamt Budapest Nr. 18431. — lmstrrdcm Nr. 84889 — Bök ~ Großbritannien und das Palästina-Mandat. Von Henry Noel Brailsssrv. (Angesichts der außerordenlich komplizierten und verworrenen Lage, in der sich das politische Palästina-Problem jetzt nach dem Abschluß der Arbeiten der Untersuchungskommission und nach der kühlen Behandlung des Balfour— Lloyd Georg — Smuts Vorschlages durch Macdonald befindet, scheint uns der im nach- . folgenden von uns wiedergegebene Aufsatz . eines nichtjüdischen englischen Politikers, den wir im amerikanischen „Menorah Journal“, finden, von klärender Bedeutung zu sein. Wir. V haben ihn deshalb aus dem Englischen ' - übersetzt, um die in meisterhafter Klarheit geschriebene Darstellung auszugsweise den interessierten deutschen Lesern zugänglich zu machen. Red. des Jsr.) Die August-Ereignisse, in Palästina stellen die Gefühle der britischen Nation auf eine harte Probe. Sie haben unserem Stolz einen schweren Schlag versetzt. In den Augen der ganzen Welt hat ullsere Administration zum zweiten Male innerhalb eines Jahrzehntes die elementarste Probe nicht bestauben. Man verlangt von jeder zivilisierten Regierung, die eine solche Aufgabe übernimmt^ irgend einen positiven Beitrag zur Wohlfahrt und zum Fortschritt, des Gebietes' das sie beherrscht. Aber.bevor man beginnt, aus zivilisatorische Erfolge hinzublicken, setzt man voraus, daß sie wenigstens versteht, Ordnung zu halten. Die. öffentliche Meinung Englands hat sich voll Zorn und' Verachtung über die Pogrome geäußert, die in Polen seinerzeit stattfanden. Aber die junge polnische Republik hatte die Entschuldigung, daß ihvK Bevölkerung, halb verelendet.und halb ärhestsM,yHoch!^ erfüllt von den Leidenschaften und HaßgefühleÄ der Kriegszeit unter der Herrfchäft Äver^WWM' Armut und Verwirrung im- M'HMstng. stand. Es. ist nicht sehr sWltzÄWMWß 'pAkren.Stolz, eine b r i t i s ch e Regierung in derselben' Verfassung vorzufinden wie Volen in d?n Tagen des Chaos. des Kabinetts und der bMifchM gWMWchen'-Meinung aus die schlecht bestanÄckits>PvE-Waren gesund. Die HinMöMg von militärischer Verstärkung zu Land, zur See und durch die Luft hätte nicht prompter sein können,, Die Ernennung einer Untersuchungskommission, obgleich es wünschenswert gewesen wäre, sie etwas stärker mit Persönlichkeiten auszustatten, befriedigte das allgemeine Empfinden, das dahin ging, daß für diese Tragödie die Administration, sei es wegen ihrer Vernachlässigung oder wegen ihrer Parteilichkeit, ernsten Tadel verdiene. Die Minister verloren keine Zelt,, von London und Genf aus ihren festen Entschluß zu erklären im Geiste des Mandats weiter zu Händeln und in Palästina ein jüdisch- . nationales Heim aufzubauen. All. das konnte man. von einem Volk, das nur etwas Selbstachtung besaß, erwarten. Der Augenblick, in dem man einem Pöbel gegenübersteht, der mit dem Blute von Masfakres befleckt ist, macht nicht besonders zur Nachgiebigkeit geneigt. Die Gefahr der Schwäche und der Entmutigung, wenn sie vorhanden fein sollte, kommt erst später zur Geltung wenn die Ordnung wieder hergestellt ist, die schlimmsten Verbrecher bestraft sind und das erschütterte Prestige der britischen Verwaltung einigermaßen hergestellt sein wird. Dann kann es kommen, daß man, ohne gerade verächtliche Feigheit zu zeigen, beginnt, über die Schwierigkeiten und über die moralischen und politschen Verwicklungen des Unternehmens nachzudenken. Lord Rothermere hat schon eine Politik der Durchlöcherung empfohlen. Dieser ungeschickte Herr hat keinen psychologischen Instinkt. Er schrieb zu schnell. Die Scham über unser Versagen war noch zu lebendig/die Erinnerung an die arabische Brutalität noch zu frisch.- Glücklicherweise find Lord Rothermeres Gedankengänge ohne Einfluß auf die Labour-Regierung. Deren Träger sind einem Zweifel ganz anderer Art ausgesetzt, dem man mit Achtung begegnen muß. Ihre instinktive Haltung ist diejenige der Sympathie gegenüber jeder unterdrückten Rasse und sie haben kein Vorurteil gegen die jüdische Rasse. Nirgends in der Welt gibt es eine Arbeiterklasse, die weniger von Antisemitismus angefressen ist, wie die unsere. Ebensowenig ,ist Labour 'etwa zur besonderen Sentimentalität gegenüber den Arabern geneigt: Die Gewohnheit, den Islam zu idealisieren, ist nur eine Schwäche unserer herrschenden Klasse, die gewohnt ist, an die indischen Moslems zu denken als Stütze des östlichen Reiches. In den letzten Phasen des Krieges und während der Friedensunterhandlungen war kein Teil der britischen öffentlichen Meinung so fest und einstimmig wie die organisierte Arbeiter-Partei in der Stützung' der Idee des Mandates. In ihrer öffentlichen Haltung hat sie niemals geschwankt, noch ist sie als Partei ausgewichen. Ihr internationales Gewissen ist hochentwickelt und reagiert auf jeden. Appell. Trotzdem verbleibt, wenn man all dies anerkennt, in der Gemütsstimmung der Arbeiterpartei eine Strömung, die etwas Unbehagen erweckt. Das hat noch keinen allgemeinen Ausdruck gefunden, aber es ist ein Symptom, das man nicht übersehen darf, wenn James M a x ton, der Vorsitzende der unabhängigen Arbeiterpartei und der Leiter des linken Flügels im Parlament, eine glänzende Persönlichkeit, so energisch und geschlossen wie ehrlich, die Aufgabe des Versuches empfohlen hat, in Palästina ein jüdisches Heim entgegen der Opposition der Araber zu schaffen. Was er als erster a u s g e s p r 0 ch e n hat, mögen andere später denken, wenn es auch widerstrebend geschieht. Die Gründe für diese Unnannehmlichkeit lassen sich leicht erkennen, Die britische Arbeiterpartei akzeptierte' etwas unkritisch das Dogma des Präsidenten Wilson vor dem Recht auf S e l b st b e st i m m u n g. Pie hat es ehrlich angewandt auf Aegypten,, sie wird' es, wenn auch vorsichtiger, auf Indien anwenden. Wenn sie nach Palästina blickt, so sieht sie eine fast homogene arabische Bevölkerung welche, auch sitoch heute eine überwältigende Mehrheit bildet. Sie wohnt in Palästina fast ebenso viele Jahrhmst derbe, wie unsere; germanischen Vorfahren England besetzten. Man kann nicht daran zweifeln, daß diese arabische Bevölkerung ganz Allgemein und entschieden jeder beträchtlichen Einwanderung von Juden abgeneigt ist. Kann man ihr das Recht auf Selbstbestimmung verweigern? Man mag ihren Fanatismus beklagen; man mag bedauern, - daß sie blind ist für die ökonomischen, und kulturellen Vorteile, die der Zionismus schon gebracht hat und in weit reicherem Maße in Zukunft bringen wird. Das sind, wenn der Appell an das Recht begründet sein sollte, ganz unbeachtliche Erwägungen. Man könnte mit den Arabern überlegen, man könnte darauf bestehen, daß- Zeit gegeben werde für eine Durchführung des Experimentes. Aber wenn man schließlich ihre Vorurteile nicht überwinden kann, dann sind sie es selbst und nicht wir, die entscheiden müssen, was für sie das Beste ist. Dieses Argument der Selbstbestimmung läßt sich auch in weniger abstrakter Weife darstellen und in dieser letzteren Form-stört es manchen liberalen Engländer, denn wenige von uns sind sicher, daß wir verstehen, wie man.das majestätische Wilsonsche Dogma anwenden soll. Wenn man einmal zugidt, daß die. Feindseligkeit der Araber nicht überwunden werden kann, dann sind die Aussichten für uns als liberales Volk

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