Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1930)
- Date
- 1930-01-09
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Hfäffev keeausgegebea von dev fandesorganifation der Ägsdos-Jisioel In üeutfefilond. \6. Jahrgang Hamburg, 9. Januar 1930/9. Ccbet 5690 Nummer \ Schriftleilung: Wolf S. Jacobson in Kamöurg. xnpix xnuym inax Ihr Fasten am 10. Tewet wird zum Segen, wenn Sie die für Speisen ersparte Ausgabe dem Schulwerk in Erez Jisroel zuwenden. Die Summe dieser kleinen Einzelbeträge wird sich zu großen Leistungen gestalten. Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel (Postscheckkonto No. 53900 Frankfurt a. M.) Organisationsbüro der Agudas Jisroel Weltorganisation in Frankfurt a* M. Vor kurzem erschien: Die 11. Kenessio Gedaulo der Agudas Jisroel-Weltorganisation zu Wien am 10. bis 17. Ellul 5689. V o r 1 au figer Bericht. Preis 50 Pfennig, für Agudagruppen und agudistische Organisationen bei Bezug von mindestens 10 Exemplaren 20 Pfennig. Wir bitten zu bestellen. Frankfurt a. M. Rechueigrahenstrasse 7. Agudas Jisroel. Erez Jisroel und der Monat Teweth. Eine der vielen Erziiehungsaufgaben der Agudas Jisroel besteht darin, das innere Miterleben eines Agudisten in den gehobenen Momenten des jüdischen Pflichtlebens derartig zu revolutionieren, daß ihm jeder jüdische Fest- und Fasttag mehr ist als ein bloß mechanisches Tun ohne innere Verbundenheit mit den historischen Quellen unseres nationalen Geschehens. Agudistisches Denken bedeutet ja nicht nur, sich mit Klall Jisroel verbunden fühlen, insoweit Klall Jisroel heute vorhanden ist, sondern auch sich bewußt einzufügen als Glied in die viertausendjährige Kette, die vom Sinai über die Wüstenwanderer, die Heiligtumserbauer, die babylonischen und römischen Exulanten hinweg bis zu unseren Tagen reicht. Jeder Agudist hat die Pflicht und das j Recht, sich als Brücke zu fühlen zwischen Vergan- I genheit und Zukunft unseres Volkes. Dieser Blick i in die Vergangenheit kann von unendlichem Se-! gen für die Gegenwart werden, wenn das tiefe Wort beherzigt wird, mit dem Samson Raphael Hirsch s. A. seinerzeit seinen Jeschurun eröffnete: „Des Juden Katechismus ist sein Kalender". „Priester sterben, Denkmäler verwittern, Tempel und Altäre zerfallen, aber die Zeit bleibt ewig, und ewig frisch und ewig neu tritt jeder junge Tag aus ihrem Schoß. Tempel und Altäre müssen warten, bis du zu ihnen kommst, nicht also die Kinder der Zeit. Sie kommen zu Dir, unangemeldet, unabweisbar zu Dir und reichen Dir überall das Wort Deines Gottes mahnend und warnend, beseligend und tröstend." Selten mag diese Wahrheit so empfunden werden als heute, wenn wir den Monat Teweth denkend und fühlend erleben inmitten der bangen Sorge, Ne uns alle um Erez Jisroel erfüllt. Der Monat Teweth gibt uns die Richtlinien agudistischer Erez Jisroel-Einstellung. Am 1. Teweth war es, als die nach Erez jisroel Zurückgekehrten unter Esras Führung eine Kommission aus den Auserwählten des Volkes bildeten, die zu prüfen hatte, wieviele jüdische Männer mit nichtjüdischen Frauen verbunden des Rechtes verlustig seien, auf heiligem Boden zu wohnen, e s s e i denn, d a ß s i e w i e d e r z u GottundseinerThorazurückkehren (Esra 10, 16). Es war am 8. Teweth, als zum ersten Male die Gottestochter, die Thora, es sich gefallen lassen muhte, mit fremdem Gewand bekleidet zu werden. Am 8. Teweth wurde die Thora ins Griechische übersetzt und unsere Weisen s. A., weit davon entfernt, etwa in der ersten Uebersetzung der Bibel in die Landessprache eiine Etappe zur Judenemanzipation zu erblicken, registrieren diese Tage in der Chronik als Tage, in denen „die Welt verfinstert wurde" (Traktat Megilla 9a) sprachen: Noch werden Häuser und Felder und Weinberge in diesem Lande gekauft werden!" (Jirmijahu 32, 14/15). A m 2 0. Teweth wurde der große Lehrer des jüdischen Volkes heimgerufen, der vielleicht wie kein anderer in der Zeit unseres Goluth den Namen eines „Nationaljuden" verdient. Der Mann, der i>n seinem „Mischne Thora" uns wie kein anderer das Bild des jüdischen Volkes in Erez Jisroel zeichnete, ein Bild von jener Zeit, da wieder Gottes Land und Gottes Volk vereinigt sind. Am 20. Teweth ist der Todestag von Rabbi Mosche den Maimon, dessen Lebenswerk mit einer Schilderung jener Zeit schließt, die als die Geula des jüdischen Volkes betrachtet werden kann; eine Schilderung, die stets den Maßstab dafür bilden wird, wieviel von jüdischen Zukunftshoffnungen bereits erfüllt sind und wieviele noch der Erfüllung harren: „Moschiach wird erstehen und das Reich Davids in seiner alten ersten Herrschaft wiederherstellen, den Tempel bauen und die Verstoßenen Jisroels einsammeln. Alle Gesetze werden dann wie ehedem wieder hergestellt werden. Man wird Opfer darbringen und Schmita un Jomel halten, wie es die Thora gebietet und wer daran nicht glaubt und auf sein Kommen nicht hofft, der verleugnet nicht die übrigen Propheten, sondern die Thora und unseren Propheten Mosche. Denn die Thora zeugt nr. n m O rtfc fTcrrt dilrrb Uno unseren Propyeren wlvsrye. rue ijcngl Es war a m 9. „emetl), als Lsra Dura) ^ür öa C5 heißt: „Gott wird deine Gefangenen zuden Tod von feinem Volke getrennt würbe. Jener rü<ksühren und sich deiner erbarmen und dich wieder Esra, der von Babylonien die Armen des Volkes; einsammeln von allen Völkern, unter welche dich Gott, nack Jerusalem geführt hatte, und der mit einer! dein Gott, zerstreute. Wenn deine Verstoßenen am Deklaration der nerMcken Reaieruna avsaefer-1 ®nöe öes fem werden, auch von dort wird Lienaranon cer persischen Jiegienmg, ausg-yer Gott einsammeln und dich von dort Holen. tl'gt von Konrg Eyrus, das Land und den Tem-! Diese Worte der Thora umfassen alle Weissagungen pel wieder aufbaute in der einen Hand die Bau-: der Propheten.-Du sollst nicht glauben, daß kelle in der anderen das Schwert. Jener Esra,! Moschiach Zeichen und Wunder zu vollbringen haben den die Weisheit unserer Weisen s. A. mit Mosche oi>er mm W-lwrdnun» -insiihrt. Tote leben- Rabenu vergleicht. Jener Esra, der in erschütternder Weise es zum Ausdruck bringt, daß Jisroel auch unter seiner Führung nicht frei und selbständig sein Land aufbaute. „Noch sind wir'Knechte und auf dem Boden, den Du unseren Vätern gegeben, um seine Frucht, sein Bestes zu genießen, leben wir als Knechte. Seine Früchte bringt das Land in Menge hervor für Herrscher, welche Du unserer Sünden wegen über uns gesetzt hast, und die über unsere Personen und unsere Herden nach Willkür herrschen. Aber dessenungeachtet verbinden wir uns zu Dir, Gott, in Treue, schreiben dieses (Treugelöbnis für alle Zeiten) nieder und unsere Fürsten, Leviten und P r i e st e r unterzeichnen es. Und die klebrigen vom Volke, jeder der zu begreifen verstand, hielt fest zusammen mit den Führern und verpflichtete sich durch Eid und Schwur, nach dem Gotteswort zu wandeln, welches durch Moses, den Diener Gottes, gegeben worden ist, die Gebote Gottes, feine Rechte und Gesetze zu hüten und zu beobachten." (Nechemja 9, 36—10, 30). Das ist das Testament Esras, besten Jahrzeit wir am 9. Teweth begehen. Es war am 10. Teweth, da Nebukadnezar mit seinem babylonischen Heere zum ersten Male Jerusalems Mauren belagerte und damit den Untergang unserer nationalen Selbständigkeit einleitete. An bemselbigen 10. Teweth, da der Feind vor dem Tore stand und alles zum letzten Sturme bereit war, als das jüdische Volk verzweifelt seine Hoffnung aus sein Land und auf seinen Staat aufgegeben hatte, und jede Aussicht auf ein zukünftiges jüdisches Erez Jisroel eine Utopie schien, da erging Gottes Befehl an Iir - m i j a h u — der im Gefängnis schmachtete, von den eigenen Volksgenossen eingekerkert — V o - den in Erez Jisroel zu kaufen, der in der Gegenwart wertlos war, der morgen schon unrettbar dem Feinde verfallen schien, dessen Erwerb aber durch den Propheten auf Gottes Geheiß dem jüdischen Volke die Wahrheit nahelegen sollte: „So hat Gott der Schöpfungsscharen, Israels Gott, gesprochen: „Nimm diese Briefe, diesen Kaufbrief, den versiegelten und diesen offenen Brief, und tue sie in ein irdenes Gefäß, damit sie viele Jahre sich erhalten. Denn also hat Gott der Schöpsungsscharen, Israels Gott, gedig macht und dergleichen. Die Hauptsache ist, daß die Thora mit ihren Geboten und Gesetzen für alle Ewigkeit da ist. Es kann nichts hinzugefügt, nichts daran gemindert werden. Wenn also ein König aus dem Haufe Davids aufsteht, der die Thora lernt und die Gebote hält wie sein Ahne David, das geschriebene und das überlieferte Gesetz und Israel veranlaßt, darin zu wandeln und es hochzuhalten und für Gott zu kämpfen, so hat er als Moschiach zu gelten, wenn es ihm gelingt, den Tempel wieder an demselben Orte aufzubauen und wenn sr die Verstoßenen Israels wieder sammelt, dann ist er gewiß Moschiach und wird die ganze Welt dazu bringen, Got zu dienen, wie es heißt: „Dereinst werde ich den Völkern eine reine Sprache beibringen, daß sie alle den Namen Gottes anbeten und Ihm Schulter an Schulter dienen." Sie werden das reine Gesetz annehmen, nicht rauben und morden, sondern nur das rechtmäßig Erlaubte genießen. -Die Weisen und die Propheten haben die messiunische Zeit nicht herbeigewünscht, um über die Welt zu herrschen oder Völker zu bändigen, oder um von denselben hochgehalten zu werden, auch nicht um zu essen, zu trinken und fröhlich zu sein, sondern um frei zu sein für die Thora und ihre Wissenschaft ohne Bedränger und Störer, um sich die Ewigkeit zu erwerben. In jener Zeit wird es weder Hungersnot noch Krieg geben, weder Neid noch Zank, denn das Gute wird in Fülle herabströmen und die Welt wird sich mit Gotteserkenntnis beschäftigen, Israel wird Gott verstehen lernen, soweit dieses menschenmöglich ist. Wie es heißt: „und die Erde wird voll sein von Gotteserkenntnis wie die Gewässer das Meer bedecken." Da habt ihr das „wahre Protokoll eines Weisen von Zion" über die jüdischen Weltherrschnftspläne, über die jüdische Erlösui-gssehnsucht, geschrieben von -dem Meister, der am 20. Teweth des Jahres 1965 sein Volk verließ. Das sind einige der wesentlichsten Daten des Monats Teweth. Laßt sie mehr für euch sein als bloße Daten. Denkt an Jirmijahus Zeiten und verzweifelt nicht an Erez Jisroel. Denket an Esras Zeiten und sorget für die Thora in Erez Jisroel. Denket an Rambam und fühlt euch stolz in dem Bewußtsein, durch jeden Beitrag, den ihr für ein wahrhaftiges jüdisches Erez Jisroel liefert, jene Zeit mitanbahnen zu können, in der Jisroel und die Nationen der Welt „Schulter an Schulter" Gott in Gottes Land dienen werden. E.