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Der Israelit · 1929-12-24 · Heft 52 (24.12.1929) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 52 (24.12.1929)
Date
1929-12-24
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Tleues aus der urgeschichtlrchen Forschung. Ewig reizt das Rätsel vom Werden und Entstehen der Welten, vor allem vom Werden und Entstehen des Menschengeschlechts Gelehrte wie die Laien zu neuer Forschung. Zu tief ist diese Frage mit weltanschaulichen Entscheidungen verknüpft, als daß jemals das Interesse an diesem Problemenkomplex erlahmen könnte. Aber leider ist dese ewig stachelnde Verknüpfung auch die große Gefahr für die Objektivität des Forschers. Im stillen Herzen regt sich immer der Wunsch nach einer bestimmtn Richtung Ergebnisse zu erzielen, und vor allem macht sich die Subjektivität in der Deutung aller positiver» Tatbestände geltend. Der religiöse Mensch muß den Methoden der Forschung über das Urwisien vom Kosmos doppelte Skepsis entgegenstellen. Sowohl die tatsächlichen Grundlagen als wie auch die Deutungen, die der Forscher seinen Funden gibt, beide sind mit einem guten Stück Voreingenommenheit, mit einem Mangel an Objektivität behaftet und daher mit starken Fragezeichen zu versehen. Die Gesamtauffassung über die Entstehungsgeschichte unseres Planeten ist augenblicklich in einem großen Wechsel begriffen. Hans Hörbiger hat eine neue Theorie aufgestellt, die sogenannte W e l t - E is le h r e. Sie setzt die Zahl und Bahn der Planeten), als abweichend von dem, was wir gegenwärtig vorfinden, für die Urzeit voraus und nimmt viele Kleinplaneten noch innerhalb des Gesamtsystems an, die mit ihren Monden einem allmählichen Verfall unterlagen und dadurch ungeheure kosmische Wirkungen hervorgerufen haben. Vor allem hat die Erde einen besonderen Trabanten noch gehabt, den „Tertiärmond", der sich allmählich der Erde näherte, geradezu gigantische Ebbe- und Flutwirkung und Zerstörungen auf der Erdoberfläche zur Folge hatte, bis er schließlich in einer Groß-Katastrophe mit der Erde sich vereinte. Die kosmischen Begleiterscheinungen all dieser Ereignisse waren langwährende Eisperioden auf dem Erdkörper. Es kann hier nicht der Ort sein, die ganze Theorie Hörbigers auseinanderzusetzen. Sie steht gegenwärtig im Mittelpunkt des geologischen Interesses. Georg Hinzpeter*) unternimmt es nun, alles was wir in Sagen und Erzählungen der Völker und in den Berichten, der Bibel an Mitteilungen und Erinnerungen über vorhistorische Erdperioden besitzen, vom Standpunkt dieser Welt-Eislehre auf ihren Wahrheitsgehalt zu untersuchen. In diesem Singen und Sagen der Völker soll sich ein Schatz alter Erzählungen, die sich von Mund zu Mund fortpflanzten, erhalten haben, natürlich Urwissen von Kosmos und Erde. Von Georg Hinzpeter. 225 Seiten. Mit 11. Abbildungen. 1923. R. Voigiländers Verlag in Leipzig. von der Phantasie der Ueberlieferer umgestaltet,! und damit würde gewissermaßen historisches Zeugnis für die Richtigkeit der Hörbigerschen Theorie erbracht werden. Uns interessiert natürlich vor allem, was er zum Bibelbericht zu bemerken hat. Da ist nun zu sagen, daß er leider den Bericht nicht in seinem schlichten Ursinu nimmt, sondern, daß die Bibel für ihn bereits von dem fahlen Licht moderner Bibelkritik und Literarvergleichung beleuchtet, mythologischen Charakter bekommen hat. So ist es nicht die Bibel, die wir kennen, die uns gedeutet wird, sondern schon eine in hypothetisches Ungefähr eingetauchte Textbeleuchtung, die dem Verfasser vorschwebt. Dennoch sind manche außerordentlich wertvolle Gedanken von ihm ausgesprochen worden. Vor allem in der Deutung des Schöpfungswerkes des vierten Tages und in manchen Zügen der Auslegung des Sintflutberichtes treffen wir uns mit unserer Auffassung mit dem Verfasser. Dem wirklich B i belkundigen kann dieses Werk vor allem von folgendem Gesichtspunkt aus empfohlen werden: Es zeigt, wie wenig es möglich ist, auf Grund irgend eines gegebenen wissenschaftlichen Bestandes das Bibelwort bis zu Ende zu erschöpfen. So ergeben sich von diesem ganz neuen Gesichtspunkt der Welt-Eislehre, über die noch ein Endurteil abzugeben ist, deren Berechtigung heute noch viel umkämpft ist, so viele neue Feinheiten in den Einzelheiten des Schöpfungsberichtes und der Urzeih wie wir nie vorher erwarten konnten. Dem jüdischen Forscher zeigt sich damit nur umso deutlicher der Griffel eines übermenschlichen Geistes, der diese Berichte um gegeben hat. Wie stark das Interesse an den prähistorischen Dingen ist, zeigt die Tatsache, daß in Weimar im Jahre 1928 ein besonderer Verlag für Urgeschichte und Menschenforschung sich gebildet hat. Sein geistiger Führer ist Dr. O. H aus e r?) u. 3) Es ist bezeichnend, daß das 1926 geschriebene Buch „der Erde Eiszeit und Sintflut" nicht die Hörbigerfche Theorie berücksichtigt. Es sind zwei vornehm ausgestattete. mit hochinteressantem Bildschmuck versehene Werke; das eine ein Sammelwerk verschiedener Forscher, das deshalb besonderes Interesse erweckt, weil es in die Wege der Arbeit selbst hineinführt und wir mit den Forschern zusammen ihre Entdeckungen erleben, das andere: „der Erde Eiszeit usw." prüft die Frage der Menschen-Urrassen ebenso wie die der ersten Pflanzen und Tiere. Wir können nicht umhin, zu bekennen, daß Hauser mit sehr großer Zurückhal- 2) u. 3) Der Erde Eiszeit und Sintflut. Von Dr. O. Hauser-Weimar. 360 Seiten. Mit 195 Abbildungen. Weimar 1928. Verlag für Urgeschichte und Menschenforschu«g G. m. b. H. — Nene Dokumente zur Menschheitsgeschichte, Bd. 1. Von Dr. O. Hauser. 332 Seiten. Mit 275 Abbildungen. Verlag für Urgeschichte und Menschensorschung G. m. b. H. Weimar 1928. tung und Vorsicht arbeitet. Er kommt Z. B. zu dem entschiedenen Schluß, daß der Mensch und die lebenden Anthropoiden (menschenähnliche Assen) nicht voneinander abstammen können. Ferner will er auch die Einheit des Menschengeschlechts als eine Konsequenz aus allen prähistorischen Funden anerkennen. Auch in Bezug aus Rassensors chung geht durch beide Werke ein erfreulicher Zug der Objektivität. Trotzdem Hauser von sich sagt, ihm läge besonders am Herzen», deutscher Urgeschichtssorschung zu dienen, und er Nachweisen will, daß im deutschen Lande der Urbeginn hochentwickelter Altkultur liegt, so hat er sich doch vor jeder Einseitigkeit zu bewahren verstanden. Er schildert dann die Gesamtentwicklung der vorgeschichtlichen Kultur in vier großen archäologischen Entwicklungskreisen. Zusammengefaht kann nur gesagt werden, daß der Verlag bemüht ist, der gebildeten Menschheit den Zugang zu dem schwierigen Gebiet der Menschheitsforschung in Werken zu geben, die einen neuen Geist der vorsichtigen Forschung erstreben. Das Vermächtnis Israels. Von Dr. Joseph Jacobsen in Hamburg. (Fortsetzung.) II. Ganz andere, zum Teil weitaus größere und stärkere geistige Kräfte als die des Judentums erschütterten die antike Kulturwelt zu einer Zeit, da Israel einerseits durch seinen politischen Niedergang zur Ohnmacht verdammt war, andererseits durch seine innere Zerrissenheit im Kampfe gegen das Heidentum immer wieder unterlag. Die Ergebnisse des Einflusses der jüdischen Geisteswelt waren daher nicht immer erfreulich. Wie oft erst wurde Israel durch feine Märtyrer, die auf dem Scheitehaufen Gottes Namen verkündeten, an feine wirkliche Aufgabe erinnert, die zu erfüllen es sich dann unter erneuten Entsagungen und Entehrungen wieder anschickte. Wir glauben ja, daß der Weg des ewigen Juden doch doch einmal sein Ziel finden wird. Ueberall da, wo unser Volk auf seiner zweitausendjährigen Wanderung rastete, hinterließ es kostbare Gastgeschenke, Geschenke, die Geber und Empfänger ehrten. Im Vordergrund steht die Ausbreitung des monotheistischen Gedankens, der doch ohne Zweifel seine Wurzel im Judentum hat. Buddhismus und Fetischismus in den mannigfaltigsten Schattierungen bilden einen Komplex, den des Heidentums. Der Komplex der monotheistischen Religionen ist ihm schon heute zahlenmäßig überlegen. Auf der einen Seite 96 Millionen Heiden, 370 Millionen Buddhisten, 235 Millionen Brahmanen, das sind 895 Millionen Menschen; auf

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