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Der Israelit · 1929-12-24 · Heft 52 (24.12.1929) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 52 (24.12.1929)
Date
1929-12-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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24. Deymtfer 1929 Der I si oe I i t Nr. 52. Sette 7 Aussagen in hebräischer Sprache, die ins Englische übertragen werden. Von Bedeutung ist seine Angabe, daß die Juden vor 40 Jahren das Pflaster vor der Mauer auf ihre kosten anlegen ließen. Die verantwortlichen Stellen des Zionismus haben alles getan, um die Gemüter zu beruhigen, aber auch dauernd die Regierung auf den bevorstehenden Ausbruch und die Haltung der Araber aufmerksam gemacht. Die Beteiligung am Begräbnis des jungen Misrachi war keine Demonstration, sondern eine Ehrung für einen Märtyrer. Er lehnt es ab, seine Beschuldigungen gegen die britische Polizei und Administration zurückzunehmen, oder in etwas einzuschränken. Es wird daraus Rechtsanwalt Horowitz aus Manchester, der während der Unruhezeit in Jerusalem weilte und mit die Exekutive vertrat, vernommen. Er gibt eine Schilderung der Ereignisse und' beklagt sich über die mangelhasten Sicherheitsmaßnahmen Lukes. I er u s a l e m , 18. Dez. Die Ueberraschung der gestrigen Verhandlung war, daß Araber zugunsten der Juden aussagen. Merriman weist nach, daß arabische Zeugen von führenden Arabern beeinflußt und gewarnt wurden, etwas zugunsten der Juden auszusagen. E t o ck e r, der Anwalt der Araber, bestreitet es. Dann sagten zwei Araber aus, die Unruhen seien durch ehrgeizige Personen von hohem Rang ins Werk gesetzt worden, die damit eigene Vorteile verfolgten. Die Angaben, daß die Araber in Emek durch Einwanderung von Juden litten, sei vollkommen grundlos. Der Zeuge, Mohamed Kawulg, ein früherer türkischer Offizier, wird vom arabischen Anwalt verdächtigt und als Abenteurer hingestellt. Der andere Zeuge, Elias Kawar, sagt, man habe in Safed bewußt mit dem Feuer gespielt. Hätten die arabischen Rotabeln überall so gehandelt, wie in Tiberias, dann wäre Frieden geblieben. Die arabischen Häftlinge in Safed klagten, daß sie von ihren Führern getäuscht worden sind. Mit wirtschaftlichen Verhältnissen habe das alles nichts zu tun. Ein Beweis: Nazareth, wo keine Juden und keine Zionisten sind, sei ganz in Verfall geraten. Die arabischen Bauern in der Nachbarschaft der jüdischen Kolonien konnten ihre Wirtschaft gut entwickeln, da sie von den Juden die neuen Methoden erlernt hatten. Die Gläubiger der arabischen Kleinbauern sind arabische Geldverleiher in Nazareth, die sie erbarmungslos bewuchern. Die Bemühungen der arabischen Verteidigung den Eindruck dieser Aussagen abzuschwächen, haben keinen Erfolg. * Am Nachmittag wird die Vernehmung des Rechtsanwaltes Ho rowitz fortgesetzt. Horowitz hält alle Behauptungen und Beschuldigungen gegen die Regierung und die britische Polizei aufrecht. Am ungerechtesten empfand er die Auflösung der jüdischen Sonderpolizei und die Entwaffnung der Juden, auch der britischen Staatsangehörigen. Das sei seit der Emanzipation der Juden in England noch nicht vorgekommen. In der Proklamation Sir John Chancellors wurden die Greuel richtig bezeichnet. Die Entwaffnung der Juden bedeutete auch im Sinne dieser Proklamation eine Kapitulation vor einer „Bande von Mördern und Verrätern". Man brauche sich über die Bezeichnung nicht so sehr aufzuregen. Die zionistische Exekutive hatte das Recht und die Pflicht, die Dinge dem Kolonialamt mitzuteilen. Die -Regierungscommuniques Hatten wohl anderen Zweck, als die Wahrheit zu sagen. Am 17. Dezember wird zunächst sestgestellt, daß der arabische Zeuge Kawar nicht anwesend war. Boyd Merriman stellt fest, daß Kawar wegen seiner den Juden günstigen Aussagen so bedroht wurde, daß er mit seinem Freunde T a r a b i aus der Stadt geflüchtet sei. In der Fortsetzung seines Verhöres gibt Horowitz auf Drängen des Regierungsanwaltes zu, daß manches in der Sprache und Form der zionistischen Telegramme zu scharf sei, in der Sache treffe aber alles zu. Ueber die Ursachen der Unruhen sich äußernd, kommt er wiederum auf die mangelnden Sicherheitsmaßnahmen der Regierung zu sprechen. Gewiß war die jüdische öffentliche Meinung beunruhigt, es fei aber abwegig, die Beunruhigung der Juden als Herd der Unruhen zu bezeichnen. „Felestinzur jüdisch-arabischen Verständigung. Jerusalem, 13. Dez. Das Organ der arabischen Exekutive in Erez Jisroel, „FeLesim", bespricht die ÄellMignaihmo der jüdisch-zionistischen Führer Dr. Magnes und Dr. Hugo Bergmann zur Frage der arabisch-jüdischen DerftänNgunig. Die ZeÄmvg bedauert, daß dilese bM>en Männer, wie sie glaubt, eine hoffnungsÄofe Mniderheiilt innerhalb der zio- Nistischen! Kreise vertreten. Sie betont, da-ß die Araber nicht daran dächken, die Inden aus Erez Sisroief hiNauszudränigen oder die jüÄifche Einwanderung vollkommen verbieten zu wollen. Ebenforvenig wollten die Araber die Juden ihrer GleichberechliiglUNg als Minderheiksna'tvon berauben. In einer KommenÄeru-ng des Aufrufes, den Rabbi Ehujinr Sonnenfekd cm die Araber gerichtet hak, spricht die Zeitung ihre Sympathie mit diesem Aufruf aus und bemerkt folgendes: „Bei all unserem Respekt vor dem hochgeschätzten Rabbiner, müssen wir ihn aufmerksam machen auf einen gewissen Teil seiner Glaubensgenossen!, der sich sehr wenig an die Worte der Thora halt und Dr. Weizmann als Messias aufieht." Die Arbeit der Gerichte. Jerusalem, 13. Dez. Das Berufungsgericht hak das Urteil gegen, zwei Araber, die vom Gericht m Haifa wsgen Plünderung von' Weizen während der Unruhen zu je 30 Monaten Gefängnis verurteilt wurden, aufgehoben; diie Araber wurden aus der Haft entlassen. Das Berufungsgericht hat ferner 'das auf sieben Jahre laufende UrMfl gegen einen Araber aus Haifa, der während der Unruhen bewaffnet au'fggeriffen wurde, auf drei Monate reduziert. Das Berufungsge-rÄhk sprach einen Jerusalemer Araber fror, der vom Erstgeriicht zu 30 Monaten Gefängnis verurteilt wurde, weil er den jungen Schriftsteller und Unrversitätshörer Mordechem KapliUk durch Messerstiche verletzt hatte. — Der Jerusalemer Jude Mordechaii Sasoon, der des versuchten Mordes angekkagk war, wurde aus der Haft enÄafserr; der UnkerfuchungsrÜchter stellte das Verfahren gegen> ihn ein, weil die Belastungszeugen widerspreichende Aussagen machten,. Der Jude Salim Schachrur aus Safed wurde in Verbindung mit feiner Aussage über Vorgänge während des Safeder Progroms wegen Meineids zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Wegen Plünderung einer jüdischen Farm in der Nähe von Rosch-Pinah wurde eilt Araber aus einem benachbarten Dorfe zu> dret Jahren Gefängnis veruvteW. Personalien. Reichelsheim, 15. Dez. Am 25. Dezember feiert ihren 85. Geburtstag in geistiger F-ische Frau Fanny L ö b Wwe. geb. Sondheimer in Reichelsheim i. O. Rhina, 19. Dez. Frau Iettchen B a ch a r a ch feiert am 27. Dezember den 95. Geburtstag. Frau Bacharach, in der ganzen Gegend unter dem Namen „Löbs Iettchen" bekannt, erffeut sich allgemeiner Beliebtheit und Hochschätzung in allen Kreisen. Wohl selten ist in Rhina ein fremder, noch weniger ein ehemaliger Rhinaer zu Besuch, ohne daß er „Löbs Iettchen" besucht; wie sehr sie sich mit jedem Einzelnen freut, läßt sich nicht aussprechen; mit Recht ist auf sie das Wort anwendbar: .ins» vt’« r-wiLN v« --»-n, Sie fastet noch die wichtigsten Festtage ohne Beschwerden, nimmt regen Anteil an allen Vorgängen in der Kehila. Möge sie in der bisherigen Frische des Körpers und des Geistes n<» n» der Stolz und die Freude ihrer Familie, zu der vier Söhne, eine Tochter, 28 Enkel und 21 Urenkel gehören, fein. Vermischtes. Bratislava, 15. Dezember. Wie verlautet, sollen die schmerzlichen Gemeinde'ämvfe in Munkacz, die seit 10 Jahren tobten, nunmehr ihrem Ende entgegengehen. Es ist grundsätzlich zu einer Verständigung zwischen den etwa 50 ausgetretenen Mitgliedern der Belzer Anhängerschaft und der orthodoren Muttergemeinde gekommen und es bleibt nur noch die flnannrlle Frage zu bereinigen, d. h. es müssen die Mittel geschafft werden, um die von der neu gegründeten Gemeinde angeftellten Beamten zu entschädigen. Bad Kissingen, 22. Dez. Der Schochtimverband Bayerns hält am 5. Januarv'-N feine 4. Mitgliederversammlung im Eememde^okal in Kissingen ab, zu der auswärtige Kollegen herzlichst eingeladen sind. Beginn 11 Uhr vormittags. Sprechsaal. Gesetzestreues Judentum und profane Bildung. Der unter dieser Ueberschrift in voriger Nummer Ihres Blattes erschienene Artikel behandelt eine Strömung im Judentum des Westens, die in der Tat Aufmerksamkeit verdient. Man muh daher dem Verfasser Dank wissen, daß er das Thema in aller Oeffentlichkeit erörtert. Das Thema erscheint. wichtig und deshalb soll in den folgenden Zeilen ebenfalls Stellung dazu genommen werden. Es ist sicherlich unbestritten, daß das Prinzip o? nun p» yn das unsere Alten verkündet und Rabb. Hirsch in neuerer Zeit zur Geltung brachte, wie der Verfasser betont, heute m«chr als je Geltung hat. Es ist kein Zwei« sc", Jajj wir für bei E.ist nJampf und für dir Vertretung unserer eigenen Interessen das ganze Rüstzeug der profanen Bildung nötig haben. . Aber sind denn jene Kreise, von denen der Verfasser spricht, wirklich von dirsem Pnnzip abgerüät, oder wollen sie nicht vielmehr zum P.iizip Hirsch's zurück? Hat sich nicht etwa das Prinzip Hirsch's im Laufe der Zeit verkehrt in ein Prinzip niir, r>n p« yn? Es ist eben eine Tatsache, daß die Schulen im Westen Europas das Kind derartig in Anspruch nehmen, daß für die jüdischen Wissenscha ten wenig Zeit bleibt und darüber hinaus sind die Disziplinen, die Lehrbücher und die ganze Umgebung darauf eingestellt, dem Kinde eine rein weltliche Auffassung zu geben, daß selbst das beste Wollen der Eltern nur schwer ein Gleichgewicht herzustellen vermag, zwischen dem Geiste der profanen Wissenschaften und jüdischer Einstellung. Seien wir doch ehrlich, besonders wir Aeltsren: Ist uns nicht durch Schule und Leben ein großer Teil jener jüdischen Einstellung verloren gegangen, die wir erst nach besserer Einsicht im späteren Leben durch bewußten Verkehr mit dem Osten wieder einigermaßen ins Lot brachten? Ob die jüdischen Schulen überall das P.oblem so ganz gelöst haben, möchte ich noch nicht behaupten. Denn leider ist es auch da noch nicht gelungen, ohne quantitative Beschränkung des Lehrplanes ein Menschenprodult herausmbringen, das wirkliches Thorawissen mit weltlichem Allsten vereinigt. So ist eben im praktischen Leben duch Einfluß der Schule, der Umwelt und des Lebenskampfes aus dem wahren Hirsch-Prinzip s*n öy n-vn eil n-nn o» p» yn (manchmal ohne Thauro) geworden, das Hirsch sich r nicht gewollt. Man hatte sich zu sehr aus die Umwelt eingestellt und war so eines großen Teiles der Wärme des jüdischen Gefühls verlustig gegangen. So steht, um mit dem Verfasser jenes Artikels zu sprechen, das Kind, wenn es hinaustritt ins Leben, ohne genügendes Thaurowissen und innerlich fremd den Konflikten gegenüber. Soll daher der werdende Mensch fähig sein, die großen Angelegenheiten des menschlichen und nationalen Seins zu erfassen, dann muß auch der Thauro und ihren Disziplinen die Ebenbürtigkeit in der Erziehung gegeben sein, denn sie ist der Quell unseres Seins. Deshalb eben haben gewisse Kreise eine stärkere Betonung des jüdischen Lebens ausgenommen, um jenes Ziel zu erreichen, das unsere Alten verkündet und auch Rambam und Rabb. Hirsch vertreten haben. Wenn diese Auffassung wieder durchdringt, dann erst werden die Worte des Verfassers zur Tat werden, daß unsere Seele die Halbheit überwindet und wir an allen Menschheitsfragen Anteil nehmen als Mensch-Jisroel. Mar Mannes, Zürich. Die Woche. Ortsgruppe Frankfurt a. M. des Jüdischen Friedcnsbundcs. Der im Mär) d. I. gegründete „Jüdische Friedensbund" ist mit der Aufforderung heroorgetteten, daß sich in verschiedenen deutschen Städten Ortsgruppen refp. Arbeitsgemeinschaften bilden sollen, die die lokale Arbeit des in Berlin zentralisierten Jüdischen Friedensbundes zu übernehmen hätten. Die Ortsgruppe Frankfurt des Jüdischen Frauenbundes berief darauf für den 12. Dezember eine Zusammenkunft ein, die von Vertretern einer Anzahl jüdischer Organisationen (Logen, Jugendbünden, Frauenvereinigungen usw.) besucht war. In Vertretung der erkrankten Vorsitzenden, Frau Paula Nassaun-Niedermayer, eröffnete Frau Ella Werner als stellvertretende Vorsitzende der hiesigen Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes die Versammlung und vermittelte den Erschienenen den Wunsch des Jüdischen Friedensbundes, eine Ortsgruppe zu gründen. Sie skizzierte in kurzen Umrissen die Wichtigkeit intensiver Arbeit, für den Frieden. Sie begründete den Zusammenschluß einer speziellen jüdischen Friedensorganisation damit, daß in nicht allzuweit gespanntem, sondern enger umgrenztem Kreise eine erhöhte Möglichkeit persönlicher Beeinflussung und Erfassung gegeben sei, und führte aus, daß dieser jüdische Friedensbund dann als solcher mit den entsprechenden Organisationen der anderen Konfessionen Zusammenarbeiten werde. Frau Werner betonte weiter, daß nicht etwa nur die Frauen, sondern die ganze jüdische Gemeinschaft sich zur Mitarbeit bereit finden sollte, und verlas dann einige Hauptpunkte der vom jüdischen Fnsdenbund provisorisch herausgegebenen „Richtlinien". An die Verlesung schloß sich eine recht lebhafte Diskussion, in der von verschiedenen Seiten die nicht genügend präzisierte Formulierung der in Aussicht genommenen Satzungen kri.jsiert wurde; in einer abschließenden Rede führte Frau Werner aus, daß die neu zu gründende Ortsgruppe die Möglichkeit haben werde, an der Präzisierung der Satzungen milzuarbeiten, und daß der Wille zum gemeinsamen Werk am Frieden primär sei gegenüber der endgültigen Einigung über die Art und Weise der Arbeit. Hierauf wurde die Gründung der Ortsgruppe Frankfurt a. M. des Jüdischen Priedensbundes in aller Form ausgesprochen. Einige Organisationen, wie Frauenbund, Frauenvereir.igung der Frankfurt-Loge, Jugendgruppe des Jüdischen Frauenbundes,

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