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Der Israelit · 1929-12-19 · Heft 51 (19.12.1929) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 51 (19.12.1929)
Date
1929-12-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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w 19. Dezember 1929 Frankfurt a. RI., den “"iOä'm' j^Der Israeli Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum | VmBBDIII Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. l\l mm* Abonnement ab Juli 1».9: Deutschland l-30 M:rk monarttch; Ausland: Blertel- -iahrpretse (entsprechend dem deutschen Jnlandspres /»»Sgltch Kosten des Erreifbaud-Ber» sandes) Deutsch-Österreich: Schilling 8^—; Amerika 1 Dollar; mark zum Tageskurs oder Zloty. Schwei, 5 FFr. Tkchrcho-Slowakei 35 Kronen ( Ungarn Peagö 5 ab 1.Juli 1927; Dänemark 8.8V Kran.; Norweger 8.30 «ron.; Schweden 8.60 «ro». Einzelnummer vier, q Noldol u 'iae. Der Israelit erfchetnt jede» Donnerstas. Inserat» 50 Saldos, für die stebeugespalte«, Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzeigru nur 40 Pf. Die 78 mm breite Mellaraeaeile r letzte Tertseite 3.— Mk., vorletzte T-risette 3.80 3Kc.; Ehiffregebühr in ES »e eines dovr. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufende« Jnseralaufträge» tarifm. Preise'böh rng jeder,. Vorbehalt. Jnseratenannrhme durch de« Verlag des Israelit«. m. b. H.. Frankfurt a. SW., Rechnetgrabenstrabe 7. Tel. Hansa 5843 sow. durch sämtl. Annoncen-Eävrd. des In-und Auslands. Alleinige Jnseratrnann. für grankf. GeschAtsam.: Aul. Schmidt/La rgeitr. 7, II, Tel. Hansa 4841. Platzvorschr. ohne Berbindlicht. .„ .r direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Fraatfnrl (Äatn- Hs. laöüa. — A merdem an: Po»"vartajfe Wien Nr. /880ö. — Poftwackafsenamr Bnowoeft Nr. 18434. — Postscheckkonto Warschau Nr. 180767. — Postscheckamt Zürich Nr. VU1 7254 — Inkasso-Bank Rotterdam — Postscheckamt All st rdam Nr. 84889 — Böhmische llnionbank in Prag — ü-me» Uarmarosed Llenü & Co._m Bukarest - Filiale des Wiener Bankvereins in Agram, - Der B>rich^«k»and für alle aus Abonnement od-r aus Inseraten sich eraebende» Zahlungsvervstichtungen ist Frankfurt a. Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit“ für den Monat Januar! Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten. . Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg. Verlag des Israelit G.m.b.H., Frankfurt a.M. Der bürgerlichen Feiertage wegen muß -er ^Israelit" nächste Woche bereits Dienstag Nachmittag expediert werden. Redaktionsschluß Montag Abend 7 Uhr. Zur Lage in Erez Zisroel. Ohne Weiteres ist anzunehmen, daß ein etwa vorhandenes Bestreben, das auf die Revolutionierung der Welt abzielt, überall dort in Erscheinung tritt, wo irgendwie Unruhe oder Unzufriedenheit in der Bevölkerung schon vorhanden sind. Selten ahnen die Beunruhigten, zu welchem Ziel sie Handlangerdienste leisten. Von diesem Standpunkte aus ist die, Vermutung nicht von der Hand zu weisen, daß jenes Bestreben auch bei den Unruhen, in Palästina seine Hand im Spiele hat. Es bedurfte ja wirklich nur einer starken Unterstreichung der vorhandenen oder vermeintlichen Gegensätze, um Irregeleitete zu diesen furchtbaren Ausbrüchen zu veranlassen. Mani muß sich fcie.s klar vor Augen halten, wenn man wirklich zu einem erträglichen Zustand kommen will, der des Schutzes der Panzerwagen und Äeroplane entraten kann. Durch den größten Teil der offiziellen zionistischen Presse geht ein Und derselbe ToN, die Warnung vor dem Defaitismus. Das heißt also die Bitte, sich durch die augenblicklichen Ereignisse nicht entmutige zu lassen. Das ist löblich und begreiflich, aber um so ernster erwächst daraus den verantwortlichen Stellen die Pflicht, alles zu tun. damit diese Ereignisse nicht den Charakter der Dauer erhalten. Wir verstehen darunter nicht sowohl die Ereignisse der Tat als die Ereignisse der Stimmung. Was soll man z. B. dazu sagen, daß fast durch die ganze englische zionistische Presse der Ruf geht, Palästina dürfe für die Araber im Verhältnis zu ihrem großen sonstigen Gebiet nicht mehr sein, als Naboths Weinberg. Sind denn diese Herren, die doch die Pioniere des Volkes der Bibel sein wollen, so wenig bibelkundig, daß sie nicht wissen, daß es einen unglückseligeren Vergleich überhaupt nicht geben kann, und wo ist denn das jüdische Volk, wenn es sich nicht einmütig gegen diesen Vergleich erhebt? Woher nimmt man das Recht, die Araber so zu reizen, daß man es wagt, diesen Vergleich auch nur in die Debatte zu werfen? Das ist verantwortungslose Desperad-opolitik und je inniger man am heiligen Lande hängt, je heißer man seinen gesundem Aufbau wünscht, um so ehex muß man gegen dieses Beginnen protestieren. Es wäre Feigheit, zu schweigen, und wir haben' Vertrauen, daß besserdenkende Menschen in allen Lagern mit uns übereinstimmen. Denn es kommt jetzt wirklich einzig und allein darauf a»n, die Stimmung zu verbessern und dadurch erst den Boden zu schaffen, auf dem überhaupt eine Verständigung möglich ist. Es ist ebenso zwecklos, wenn jetzt die Vertreter der arabischen Sache vor der Jnquiry Eommission eine ganze Leporelloliste der sogenannten zionistischen Uebergriffe zum Besten geben uird dabei Kleinigkeiten zu phantastisch großer Bedeutung aufbauschen, wie es verkehrt und zwecklos ist, wenn man auf der andern Seite versucht, die geheimen Fäden der groß-arabischen Politik bloßlegen zu wollen. Im besten Falle gibt man in beiden Punkten Symptome, aber niemals die Wirklichkeiten. Wer seine Hand im Spiel gehabt hat, wissen wir nicht, aber es ist geradezu eine Anlage von diabolischer Schlauheit, daß man die Westmauer in den Kampf warf. Man wußte, daß dies ein Punkt ist, bei dem jedes jüdische Herz rascher schlägt und machte deshalb aus einer Stätte der Gefühle der heiligen Wehmut ein Politikum. Wer jemals als religiöser Mensch die Westmauer besuchte, und das zueiner Zeit, in der nennenswerte Störungen der Andacht nicht vorhanden ware^, der weih, wie er sich innerlich damit auseinandersetzte, daß auch diesem Weg und auch dieser Stätte das Gepräge des Golus klar ausgedrückt ist. Die Umgestaltung der Kothel Maarowi- Frage zu einem Politikum, das hätten gesetzestreue Geister niemals mitmachen dürfen. Und wir können nicht daran glauben, daß der im Grunde seiner Seele gläubige Anhänger des Islam irgend etwas von dm ererbten Rechten rauben will, die den gläubigen Juden zur Möglichkeit der Befriedigung ihrer Herzensbedürfnisse notwendig sind. Wir wagen es auszusprechen: die Angelegenheit der Westmauer ist eine Sache gläubiger Menschen und jedem andern rufen wir zu: „Bands off!" Es hat noch niemals in der jüdisches Geschichte gut getan, wenn rein religiöse Belange mit nicht rein religiösen Motiven verfochten wurden. Ebenso selbstverständlich ist es aber auch, daß die Araber wenigstens in diesem Punkt gleichfalls nur rein religiöse Motive obwalten lassen und die Politik von einer Stätte fernhalten müßten, die beidm Kontrahenten heilig ist. Das alles mag im ersten Augenblick als Utopie erscheinen. Wir sind der Anschauung, daß das einzige Instrument des Friedens die Religion ist, und daß religiöse Faktoren sich finden müssen, um auch den Frieden in die Politik einzureihE Wenn die zionistische Organisation weitschauend genug wäre, so müßte sie diesem Gedanken zustimmen. Denn es handelt sich nicht um Prestige, sondern zunächst um einen realen Erfolg, dann aber in viel höherem Maße um die Geschichte. Ist, wie wir es annehmm, auch die jüdische Geschichte nichts anderes als eine Verkörperung der in unserem Schrifttum dargelegten Lebensform und Verheißung, so muß die Orthodoxie bereit sein, die Verantwortung zu ihrem Teil auf sich zu nehmen, so muß das jüdische Volk in allen seinen Gestaltungen sich geschlossen hinter diese Möglichkeit stellen, d-ie allein sub specie aeternüatis den jetzigen, höchste Gefahr in sich bergenden Zustand zu einem segenvollen umgestalten kann. P. K.

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