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Der Israelit · 1929-12-12 · Heft 50 (12.12.1929) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 50 (12.12.1929)
Date
1929-12-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Geit* 2 Nr. 50 Der Israeli: 12. Dezember 1929 ihnen leider auch nicht durch unsere Ablehnung entziehen. Sie treffen uns ja gerade da, wo wir durch unseren Beruf, durch die Arbeit für des Lebens Unterhalt gezwungen sind, mit ihnen zu paktieren. Gegen die unjüdischen Auswirkungen der Kultur im Gesellschafts- und Wirtschaftsleben anzukämpfen, ist aber erst möglich nach ernster Beschäftigung mit den ungesunden Bedingungen, unter denen wir hier zu leben haben und ihre Beseitigung im Rahmen einer Gesamtorganisation aller Gesetzestreuen. Mit der Frage der Möglichkeit eines Lebens im Sinne von „Tauroh im derech erez" hat das weniger zu tun, als mit der nach seiner Notwendigkeit. IV. Um diese Frage beantworten zu können, tun wir gut daran, uns zu erinnern, welche Gefahr die Ablehnung weltlicher Bildung für die Tauroh als L-ebenselement der Nation, als Lebenskraft und Lebensmacht des Individuums bedeutete. Wie lange ist es her, da haben unjüdisch Gesinnte, thorafeindliche Elemente die ganze Leitung und Vertretung der Judenheit in ihre Hände bekommen, auf die materiellen, ideellen und politischen Interessen bestimmenden Einfluß gewonnen und die jüdische Erziehung ganzer Generationen durch Leugnung jüdischer Wahrheiten erzwungen. Diese Entwicklung, noch heute in nicht . wieder gutzumachender Weise wirksam, war nur möglich, weil die Orthodoxie es versäumt hatte, mit den Argumenten neuzeitlichen Denkens und den Waffen weltlicher Bildung vertraut zu machen, über welche die Feinde der Tauroh verfügten. Diese Entwicklung hatte Hirsch und Hildesheimer auf den Plan gerufen: daß sie kommen mußten, ist die Antwort der Geschichte auf die Frage, ob unser Prinzip für den hb'D notwendig ist. Die Gegenwart beantwortet sie für die Einzelnen. Wie denkt man sich ohne jenes Prinzip die jüdische Erziehung unserer männlichen und weiblichen Jugend? Angenommen, wir erlangten die Genehmigung der Behörde und die Billigung unserer Eltern zu einer Schule, die sich in der Hauptsache aus Jeschiwabetrieb einstellte und die weltliche Bildung nur insoweit berücksichtigte, als für den künftigen Beruf erforderlich. So erforderte doch eben diese Rücksicht auf dem künftigen Beruf eine Differenzierung in eine Volksschule und Höhere Schule, ohne daß auch nur eine quantitative Beschränkung des Stoffplanes möglich wäre. Der Existenzkampf ist heute härter als je, die Ergreifung eines Berufes — wenn er auch nur seinen Mann nähren soll — durch das Berechtigungswesen, durch jüdische Bindungen und nichtjüdische Hemmungen unendlich erschwert, die Verheiratung der Töchter Glücksache geworden. Demgegenüber müssen wir hierzulande nichts unversucht lassen, unseren Kindern die umfassendste Bildung angedeihen zu lassen, damit sie in der W elt vorw ärts kommen. In d er nichtjüdischen Welt. Darauf muß die Schule vorbereiten. Denn das Kind kann nicht immer von jüdi^- fchen Eltern und Erziehern behütet bleiben, es kommt der Tag, da es ins. Leben hinaustritt mit seinen Forderungen an die Welt und dort ihre bezwingende und überwältigende Macht an sich erfährt. Mit aller Tauroh, die es gelernt hat, steht es ratlos dem modernen Apikaures gegenüber und vor all den Konflikten, in welche die moderne Kultur den weit- und lebensfremden jungen Menschen verwickelt, wenn er nicht gelernt hat ihre Aeußerungen vom Standpunkt der Tauroh zu würdigen oder abzuleh-nen. Darin liegt ja die Tragödie so manches in unsere Gegend verschlagenen jungen Ostjuden. In der unguten, ungeschickten, schicksalhaften Scheidung zwischen jüdischer und nichtjüdischer Welt. Danach erscheint die weltliche Berufsarbeit als etwas Gott Abgewandtes, als notwendiges Uebel, und die oonihr ausgehende Freude als Gojim-Nachas. Der Mangel an Verständnis für das Geistige in» der Weltkultur zeitigt dafür oft genug andere weltliche Blüten. Ueberschätzung des Sportes, spielerische Hingabe an Auto und andere Maschinentypen, Raffgier und Genußsucht. Und die Armut des geistigen Erlebens im Beruf teilt sich nur zu oft auch dem jüdischen Erleben mit. Der so entstehende Jude ist eine gespaltene Persönlichkeit. Jüdische, ganze Menschen entstehen nur in der Auseinandersetzung mit der Welt, durch eine mit den Krätfen der Innerlichkeit vollzogene Umbildung und Aneignung der Außenwelt, durch die Erkenntnis der Spannung und des Ausgleiches zwischenjüdischer und' nichtjüdischer Kultur. Soll der werdende Mensch fähig sein, die großen Angelegenheiten menschlichen und nationalen Seins zu erfassen, aufrichtig an den ihm vom Beruf gestellten Aufgaben teilzunehmen, BiOXULTRA Oie stark schäum ende Sauerstoff-Zahnpasta Wird von vielen Zahnärzten als beste Zahnpasta bezeichnet und selbst benutzt. Kleine Tube 80 Pf. BIOX-MUNDWASSER Flasche 1.— und 2.— Ml. Gegen lockere Zähne. Probe-Flasche gratis.Max Elb A. G., Dresden entsprechend der Forderung unserer Weisen: öBrt> r#T f'LNN -21 > „All «dein Tun sei um Gottes Willen", dann müssen wir ihn nach dem Grundsatz K"*t ös? mw erziehen. Denn darin liegt im besonderen - das doppelt auszeichnende, der doppelt erzieherische Wert, die religiös und sozial versöhnende Wirkung dieses Prinzips:" Daß es die Halbheit überwindet, nach der das Leben des Inden in eine Seite des heiligen, jüdischen und eine des niedrigen, beruflichen Lebens zerfällt, indem es im Gegenteil allen Betätigungsweifen eine gottgewollte Bedeutung beimißt, und somit aus dem Bewußtsein des vollen, reichen, allumfassenden Lebens heraus, das religiöse und weltliche Tun mit freudiger und gerechter Empfindung in die großen' Zusammenhänge einreiht; und daß es die jüdische Seele allen Strömungen der Erde, allen Einflüssen geistiger Art öffnet, sich mit allen Fragen der Menschheit zu beschäftigen, und vor allem in den Kulturgütern der Umgebung die ihm erlebbare, ihm seelisch nahe, durch Golusschicksal und innere Verwandtschaft verständliche Kraft eines bedeutsamen, das Große Ganze eigenartig abbildenden Teiles der Menschheit zu sehen, zu pflegen und zu bereichern. V. So wären wir doch wieder bei der Forderung Samson Raphael Hirschs angelangt. Das Menschenbild, das ihm vorschwebte, war der Mensch-Jisroel. Es ist behauptet worden, daß sich Hirsch der Strömung seiner Zeit entsprechend gezwungen sah, dem Typ des Juden schlechthin den des Mensch-Jisroel überzuordnen. Diese aus der durchsichtigen Absicht, Hirschs Bedeutung zu relativieren, herausgeborene Behauptung stimmt nicht. Für Hirsch war „Jude sein" die höchste Lebensform, der edelste Lebensinhalt. Nur sah erdie Lebensaufgabe des Juden zusammengesetzt aus Pflichten, die zugleich für alle Menschen gelten, und solchen, die speziell dem Juden zugewiesen sind. Den Träger dieser zweifachen Aufgabe, der sich dieser Zweiheit bewußt an ihrer Spannung entwickelt, in ihrem Ausgleich lebt und wirkt, nennt Hirsch Mensch-Jisroel. Daß eine solche Verschmelzung durch Tauroh im derech erez nicht nur einer persönlichen Anschauung Hirschs entsprang, daß sie für jeden Juden aus den Bedingungen feines Lebens wie aus dem Wesen seiner Gottesanfchauung sich begründen läßt, war fein feste Ueberzeugung. Und in der Tat ergeben sich aus der Lebenserfahrung und aus der Seelenlage des Juden, im Erkennen, Fühlen und Begehren', Einsichten, die für alle Menschen gelten!. Andererseits gibt es im Bemühen um die Tauroh und bei der Uebung hicäii Das fünffache Band. Bei allen Verheißungen und Segnungen, die Isaak, Jakob und Israel aller Zeiten werden, beruft sich Gott auf den ersten Erzvater Abraham 'bi?2 amas vav hpx apy '711110 '»ipn 'NIL»'»18V»ii»V'i„weil er hörte auf meine Stimme, hütete meine Hut, meine Gebote, meine Satzungen und meine Lehren." Nach Midrasch und Talmud (von Raschi zur Stelle zitiert) bezieht sich das erste Wort ’i>ipa auf die „zehn Prüfungen", die Abraham auserlegt wurden, bei denen er gläubig und vertrauensvoll der Stimme Gottes folgte. '7ii»V»: Das find die Zaun gesetze, die Abraham in allen Einzelheiten kannte und als Schutzmauer für das eigentliche Gesetz achtete, vnxa sind die Gebote, die uns schon nach dem Diktate des Verstandes zur Aufrechterhaltung der Menschengssellschaft als geboten erscheinen. 'Tili?» bezeichnet aber die Satzungen, die uns nicht eingehen di'bs 2'v» svs.iV gegen die sich zuweilen der Verstand auflehnt, aber im unerschütterlichen Glauben eines Abrahams verankert bleiben. -Tnn.n endlich ist die Bezeichnung für die mündliche Lehre, die Tradition und Interpretation des heiligen Tertes, die uns erst ermöglicht, das vorgeschriebens Gebot richtig zu halten. Bis zum letzten Ausläufer, zum letzten Brauche tz'^"v27i 211p) kannte Abraham die Tradition und wich keinen Schritt von ihr. In einer chassidischen alten Schrift finde ich in Anlehnung an diese talmudische Erklärung die Vermutung, daß mit diesen fünf Etappen von '^ip bis vit» möglicherweise die fünf Bücher der Thora angegeben sind, die Abraham kannte, bevor sie noch niedergeschrieben waren. Gehen wir diesem Gedanken weiter nach,, dann ergibt sich folgendes: 'bipi gibt den Inhalt des ersten Buches, des Buches der Schöpfung an. Lesen wir doch da schon im ersten Abschnitte P2 ibnn» v'pbrr b'p r« ivvV'i „und sie hörten die Stimme Gottes, der wandelte im Garten." War doch von Gott von vornherein die Menschenwelt so gedacht. daß der Mensch Ihm ganz nahe sei. L2'iinn7i2 ni'2V. Gott und Mensch wandeln im Garten der Schöpfung Hand in Hand. Der Sündenfall bewirkte es, datz die Schechina sich erhob, immer höher von Himmel zu Himmel hinaufstieg, in dem Matze, wie der Mensch in den Generationen bis Abraham von Stufe zu Stufe sank. Mit Abraham hob sich der Mensch und Netz sich die Schechina dementsprechend herab, sodatz der Urzustand, wenigstens für eine Menschenfamilie, wieder hergestellt war. Gott und Mensch waren wieder so nahe, datz letzterer die Stimme des Schöpfers unmittelbar vernahm p»V isn 'bl?2- Daraus zog Abraham die Konsequenz und lernte aus dem zweiten Buche, dem Buche des Gesetzes, dem Buche, in dem ein weiter Kreis UM den heiligen Berg gezogen wird, darin so oft von der „Hut Gottes" gesprochen wird und auch davon, wie „die Söhne Israels den Sabbat hüten" und mit einem Zaun vor Eingang und nach Ausgang umgeben sollen »2VN 71« b«iV' '12 118V1; aus diesem Buche holte er die Steine für die weite Schutzmauer um den Garten des heiligen Gesetzes, 'nivvv iivwi- Im dritten Buche, das „die Lehre der Priester" genannt wird, schließt fast jede Satzung mit dem Worte ms 1B7-2. Und sind die Opfersatzungen alle erschöpft, dann folgen die Gesetze zur Heiligung unseres Lebens trviT'' zur Heiligung des Gottesbodens mit Schemita und Jobel, sodatz das ganze Buch in den Worten ansklmgt, rwra»n nb«. Dieses dritte Buch vor Augen, lernte, lehrte und lebte Abraham die Gebote, die unsere Lebensweihe bedingen:'7111L». Die Satzungen, deren Grund wir nie erfahren und erforschen werden und sollen, werden uns im vierten Buche der Thora am Beispiel der roten Kuh gelehrt. Die Rätsel in Ieben und Lehre restlos zu lösen, ist nicht der Menschen Sache. Abraham, der mit dem ersten kindlichen Denken Gott erahnt hat, wußte demutsvoll Halt zu machen, wo sich der Schleier über die Dinge herablietz: '711p1N '711117,1 auch meine Lehren, die min nun», wie wir sie im fünften Buche haben, war im. Grundkern Abraham gegenwärtig. Dieses Buch gibt den Faden weiter an Josua, Josua gibt ihn an die Alten und diestz weiterhin bis zum letzten Schüler, der in seinem Kämmerlein aus den Tiefen des Gesetzes schöpft, i'nss n» bs wb p'Tii vübn Mit bent fünften Buche eröffnet«* sich Abraham zugleich die ganze mündliche Tradition, sodatz er seine Kinder und uns alle auf 'nmn verpflichtet. Kleines Feuilleton. Der neue Zeschurun. Das soeben erschienene Heft des „Jefchurun", Monatsschrift für Lehre und Leben im Judentum (Herausgeber Dr. Jos. W o h l g e m ut h), zeichnet sich wiederum durch einen reichen und vielfältigen Inhalt aus. Das Heft wird eingeleitet durch eine geistvolle Studie von Dr. Jos. C ar l e b a ch in Altona über die 2. Kenessio G e d a u l o in Wien. Die Studie spiegelt den mächtigen

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