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Der Israelit · 1929-11-28 · Heft 48 (28.11.1929) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 48 (28.11.1929)
Date
1929-11-28
Page
– (sequence 19)
Language
German
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28. Nov. 1929 K. G. vorzulegen: Bisher oblag es der Palästina- Zentrale allein, die finanzielle Grundlage für alle Arbeiten inp» zu schaffen. Daß ihr dies nur bis zu einem bescheidenen Grade gelungen, ist nicht ihre Schuld und gewiß nicht ihre Schuld allein. Es hat sich daher "als unbedingt notwendig erwiesen, dieses wichtige Gebiet, die Aufbringung der Mittel, zu dezentralisieren. Es besagt zwar Absatz 1 der Resolution, daß in jedem Land eine besondere Palästina-Zentrale begründet werden solle. Bis es aber fo weit ist, müßte eine Stelle geschaffen werden, die sofort an die Arbeit gehen, kann. Nun gehört die Slowakei zu den Ländern, in denen die Aguda-Ddee am tiefsten Wurzel gefaßt und wo man die Notwendigkeit der Aguda-Arbeit besonders erkannt hat. Die Slowakei hat auch bereits die Kofer-Nefesch-Jnftitution geschaffen und verfügt daher auch schon über den für solche Arbeit notwendigen organisatorischen Nahmen. Bei 'dem großen Verständnis, das man dort für öen “pm iim vrr-w' ps hat, darf man die Hoffnung hegen, daß die von der K. G. beschlossene dreigliedrige Kommission baldigst gebildet und in Aktion treten kann. Denn darüber muß Klarheit herrschen. Wenn die Mitarbeit anderer Länder für die Ausbringung der Mittel nicht einsetzt, wenn» nicht alle Kreise der Agudo in allen Ländern ihre Kräfte aufs Aeußerfte anspannen, so muß eine Aguda-Schule nach der anderen ihre Pforten schließen, dann muß die Arbeit für px einfach liquidiert werden. Die Kenessio Gedaulo in ihrer Gesamtheit hat jedoch ihren einheitlichen Willem dahin kundgetan, daß die Agudas Jisroel es nicht dahin kommen lasten will. Sie hat vielmehr mit geradezu elementarer Kraft zum Ausdruck gebracht, mit Anspannung aller Kräfte mehr als bisher für das heilige Land tätig fein zu wollen. Die Palästina- Kommission hat in dauernden, mühevollen Beratungen die Wege zu zeigen versucht, die zu dieser Arbeit führen. Die Palästina-Zentrale hat nun das Wort. Möge sie, wenn sie zur Arbeit aufruft, auch die Resonanz finden, die der wichtige Gegenstand verdient. östliche und westliche Ehinuch-Methoden. In allen Berichten, welche über die zweite ni>n veröffentlicht sind, wird besonders hervorgehoben, daß die geistige Annäherung, welche durch die erste Kenessio «ingeleitet wurde, auf der zweiten verstärkt und vertieft wurde. Das kann nur jeden' wahrhaften Iehudi, jeden Freund der Agudas Jisroel als ein erfreuliches Resultat tneser Bewegung mit inniger Freude erfüllen. Die Annäherung hat sich vielleicht schon früher in bescheidenen Grenzen vollzogen, in der einzelne Gemeinden z. B. Deutschlands, wo. seit langen Jahren, gezwungen durch die Verhältnisse im Osten oder freiwillig größere Ansammlungen ostjüdischer Familien sich ansässig gemacht haben, erst mit scheelen Augen von den alteingesessenen Jehudim betrachtet, dann aber nach und nach als erwünschter Zuwachs der Gemeinde gerne gesehen. Einsichtige schätzen bei unseren aus dem Osten zu uns eingewanderteu Brüdern die häufig weit größere Kenntnis der Thora, die Hnfsfreudigkcrt gegenüber bedürftigen Brüdern, das Tranen und den Eifer bei Erfüllung von ms», bie Bedürfnislosigkeit, das größere Anpassungsvermögen in wechselnden Lebenslagen, die kräftiger und inniger zum Ausdruck kommendemxv^v nnv-und einiges mehr, und bedauern nur, daß das Einleben in.die Verhältnisse des Westjudentums besonders vom ersten Geschlecht der Einwanderer so außerordentlich schwer von statten geht; häufig sieht es so aus, daß die ostvüdischen Brüder in voller Kenntnis obiger Eigenschaften sich dadurch überlegen fühlen gegenüber den sog. Wsstjuden, deren mp» i anaa anzu-- nehmen sie keine Anstalten machen, obgleich mit denen M’sn» zu sein sie sich weigern und strikte darauf sehen, ihren ov» ikip d pnn am» besonders 'iiov non beizu-, behalten und separate nnoas ’ra einzurichten. Daß dies der ganzen Einbürgerung hindernd im Wegs steht, ist -erklärlich und bedauerlich, denn auch die oftjüdischen Brüder können von den Westjuden manches lernen. Nicht allein die viel weiter fortgeschrittene Synthese -pn oy nmn fis. sondern, und das ist in unseren Augen viel wichtiger,' auf dem Gebiete der Methodik des pnn- Man braucht nur oberflächlich zu beobachten, um hier grundlegende Unterschiede festzustellen, woher die bessere Methode sicher die des Westjuden ist. Jedem, der Augen hat d zu sehen, werden die folgenden Vorkommnisse geläufig sein, die Schreiber oft beobachten konnte und beobachtet hat. - Der Israelit Blätter In einer, deutschen Schul: Ein Vater kommt anr mit ihm sein 6—8 jähriges Eöhnchen. Genau wie der Vater hat der Sohn sein mbv angezogen unter dem Mantel, sein Taschentuch als Gurt um den Leib oder sonstwie an der Kleidung angehakt oder angenäht, «min muß er sich leihweise im noaon ma verschaffen, da er keines milbringen konnte, und wenn er weggeht, wird alles auf gleiche Weise gehandhabt, das Kind also von klein auf daran gewöhnt nov m»nt7 selbst bei der .ivrrt-v .nsma des Tragens und gerade bei dieser als wichtig zu betrachten und es wird ihm kein Opfer fein, als Großer ebenso zu handeln. Dagegen kn einem ostjüdischennvao.n mo: der Vater hütet "mom.ixrw n'n, aber dafür trägt der Sohn alles Nötige ins noaon bis zum Tage der ms»~ia* Ich konnte jüngst beobachten in einem kleinen als plötzlich am n v wegen der anderwärts mangelnedn min noo es nötlg wurde, den nt"orn o p» zu -wechseln, daß ein elfjähriges Mädchen die omaro-mtw,mmnv für alle in einem großen Koffer nach dem neuen Platz schleppen mußte! Wo soll da die Eingewöhnung an nov mpbn statthaben? Findet am »sw eine Feierlichkeit statt, im oder, nb'o mip oder ähnliches, so schleppen die Kinder Bier, Kuchen u. a. von den Wirtschaften oder Haushaltungen über die Straße in die Festversammlung. Gleiche Mängel beobachtet man beim Beginn des pan Legens vor der irxn~-a- Bei uns wird genau drei Monate vor der Zeit das Kind gewöhnt, dort wartet man häufig bis einen Tag vorder nis»~ia oder beim ms?» yun an den oway/i läßt man, wie berichtet wird, Kinder, am 12. Tischri mxa-na werden, am vorhergehenden -na: di noch nicht fasten, ein Vorgehen, das bei den Westjuden unmöglich wäre. Diese Beispiele ließen sich noch erheblich ocrinch.c::. Lo unterliegt für mich nun keinem Zweifel, daß diese Ehinuch-Minhagim unserer Ostbrüver von den dortrgen ’ma gekannt und gebilligt, vielleichi sogar erngerichtet sind, möglich auch, daß sie im galizischen Städtchen, wo alle Jehudim dicht beieinander wohnen und einer die Gebräuche der anderen kennt und beobachtet, nicht so schädlich wirken. Daß aber die Art der deutschen ynn besser ist, unterliegt keinem Zweifel. Da Agudas Jrsroel den Ehinuch als eine ihrer Haupttätigkeiten mit ausgenommen hat und ernstlich fördern will, dürfte die Angleichung der östlichen "parr Methode an die deutsche wohl mit der Aufmerksamkeit wert sein. M. I. Aulim. In Wien fanden anläßlich der 2. Kenessio Gedaulo der Agudas Jrsroel Sitzungen der vorbereitenden Aulim- EXekutive statt, die der Konstituierung der von Dr. Nathan Birnbaum gegründeten A u l i in - G e m e i n s ch a ft gewidmet waren. Den Hauptpunkt der Beratung bildete das Statut, das in seinen prinzipieller! Bestimmungen festgestellt wurde. Hiernach ist die Aulimgemeinschaft „eine Vereinigung gesetzestreuer, Juden, die für den seelisch-sittlichen Ausstieg des Volles Israel arbeiten will". (Unter seelisch-sittlichem Aufstieg ist nach Au,fassm'g der Aulim Aufstieg in einer Synthese rou Got i in'g eit (daas), menschlicher Gegenseitigkeit (rachamim) und Würde äußerer Lebensgestaltung (tiferes) zu verstehen.) Die Arbeit geschieht für diejenigen Mitglieder, dis sich einer bindenden G e - meinschastszucht unterwerfen, durch Selb st erz r e h u n g zu immer höheren Stufen seelisch-sittlicher Kultur im Geiste des überlieferten Judentums; für alle Mitglieder vor allen: durch Betreibung der Schaffung von Voraussetzungen für die Hebung des seelisch-sittlichen Niveaus der jüdischen Gesamtheit (wobei als solche Voraussetzungen hauptsächlich eine weitgehende V e r l ä n d l i - chun g und eine straffere geistliche Führung der jüdischen Gesamtheit anerkannt werden). Die Mitglieder, die sich einer bindenden Gemeinschaftszucht unterwerfen und demgemäß besondere Verpflichtungen auf sich nehmen, heißen Mitglieder des engeren Kreis e s und besitzen für diese ihre besonderen Verpflichtungen ein eigenes Statut. Die anderen Mitglieder heißen Mitglieder des weiteren Kreises. Alle Mitglieder haben gleiche Rechte. Die besonderen Verpflichtungen der Mitglieder des engeren Kreises beziehen sich auf möglichste Erweiterung des jüdischen Wissens, auf die Enthaltung von Linus, Unkeuchheit und Wett- und Geldspiel, sowie von durch die Leitung der Gemeinschaft verbotenen Erwerben, auf regelmäßigen Eheschbaun hanefesch und widuj, auf gegenseitige liebevolle Zurechtweisung, auf Teilnahme an feierlichen Zusammenkünften und sonstigen Veranstaltungen der Gemeinschaft und auf besonders eifrige Teilnahme an allen von ihr eingeleiteten und durchgeführten Werken. Unter den gefaßten Beschlüssen seien hervorgehoben: einer Aktion für die Schaffung einer landwirtschaftlichen, nt 11 einer Iesch iwo verbundenen S ch U l s i e d IN N g; Herausgabe einer Monatsschrift in deutscher Sprache „Der A u s st i e g", der bald ähnliche Zeitschriften in hebräischer und jiddischer, Sprache folgen, sollen. Schließlich Einbringung von Anträgen bei der 2. Kenessio Gedaulo der Agudas Jisroel auf Einsetzung von Kommissionen zum Studium des Derländlichungs- und des Allgemeinde- '(Knesses Jisroel-) Problems. (Diese Anträge wurden auch eingebracht und von der Kenessio angenommen.) Der Leitung gehören an: die Herren Dr. Nathan Birnbaum (Vorsitzender), Berlin; Samuel Ostersetzer (Sekretär), Duisburg; Moses Elzas (Kassierer für Deutsch- Nr. 23 Leite 3 land und Oesterreich), Kassel; Henry van Leenwen (Kassierer für die anderen Länder), Scheveningen. Informationen erteilt der Sekretär Herr Samuel O st e r s e tz e r , Duisburg. Wildstr. 36. Korrespondenz hebräisch, jiddisch und deutsch. . ' Aus der Bewegung Karlsruhe. In gut besuchter Versammlung der hiesigen Ortsgruppe der Agudas Jisroel erstattete Herr Rabbiner Dr. I. Merzbach aus Darmstadt Bericht über die Eindrücke der «ft-na "var und wußte m anschaulicher und warmherziger Werse ein treffendes Bild derselben zu entwerfen. Ein Hinweis auf das Programm der Ortsgruppe und ein Aufruf zu intensiver Tätigkeit durch Herrn Rabbiner Dr. Michalski ergänzte dessen Ausführungen. Hamburg. Die Agudas Jisroel-Frauengrupp-e Hambuygi-Altona beschließt am 3. November 1929 ihr erstes Arbeitsjahr. Die Gruppe hat sich zur Aufgable gestellt, ihre Milgtieder mit den Zielen und Arbeiten der Agudas Jisroel- WektonWNisation bekanntzumachen und sie zu aktiver Beteiligung heranzuführen: Als vornehmliche Arbeitsgebiete betrachtet die Gruppe daher: sichere Stellungnahme gegenüber den Mischen Tagesfragen, besonders zu allem, was die Erziehung der Kinder heute verlangt. Außerdem soll die Mische Ausbildung der Frau erweitert und ihr Verständnis für ihre modernen Aufgaben für die Mische Gesamtheit und für ihr Haus und ihre Kinder Vertieft werden. Die orthodoxe jüdische Lebensgestalbung soll den Frauen nicht bloß ein, wenn auch noch so treu behütetes Schematismus billeiben, sondern durch die Erkenntms ihrer gratMastn ewig gültigen Hintergründe mit innerster Gefüh-lswärme und eigenster Willenskraft erfüllt, zur Durch Heiligung des Lebens — ihrem wahren Sinn — verlebendigt werden. Im Wintersemester 1928/29 fanden' folgende Kurse statt: 1. Dinim bei Herrn R. S. Jacobson; 2. Unsere neue jüdische Fibel bei Frau M. Flörsheim. Monatlich einmal fand eine allgemeine Versammlung stabt, in denen soligende Themen behandelt wurden: 1. Die Notwendigkeit agudöftischer Frauengruppen (Frl. Studi-en-rat Lilly Fvöimann); 2. Soziale Idee im Judentum (Bernhard S. Jacobson); 3. Die Gründung! der Agudas Jisroel (Frl. Studi-en-rat Lilly Freimann): 4. Die Aufgaben der Kenessio Gedaulo (Wolf S. Jacobson); 5. Die Kenessio Gedaulo und die Frauen (Frl. Studienrad Lilly Freimann); 6. Biblische Geschichten' für die Kleinsten (Frau Jenny Baer); 7. Bajs Jakob-Erlebnisse (Frau- Küthe Jacobson. Am 19. März 'fand der erste Dee-Nachmittag statt, bei dem ein Referat „Kleidung und Mode" von Frau Käthe Jacobson großen Jnte-resse begegnete. Der Weltkongreß jüdischer Frauen' in Hamburg, auf dem der Weltbund jüdischer Frauengegründet wurde, wurde von unserer Gruppe mit großer Anteilnahme verfolgt. Unser Dorschlag, die Ehe- und Scheidungsfragsn, besonders das Problem der Agunoth. dem Rcibbinischen Rat der Agudas Jisroel-Weltorgamsation zu unterbreiten, wurde angenommen und ist anläßlich der 2. Kenessio Gedaulo in Wjen auch zur Ausführung gelangt. In der Woche des Weltkongresses ergriffen wir gern die Gelegenh-elt, von Herrn Dr. Deutschländer, dem Leiber des Keren Hatorah und Direktor des Bajs Jakob- Schulwerkes, und von Frl. Dr. Judith Rosenbaum Darstellungen über die Bedeutung und das Wachsen des Mädchenschulwerkes in Polen zu hören. Im Anschluß daran bildete sich ein Hamburger Komitee für Bajs Jakob, dem Damen aus allen- Kreisen Hamburgs angehörsn. Auf Veranlassung der Palästina-Zentrale der. Agudas Jisroel in Frankfurt a. M. betreut unsere Gruppe die Büchs-ensammtung für das Paläftina-Schulwerk. Evtl. Ertrüge der Arbeiten am Handarbeitsnachmittag werden für Palästina zur Verfügung gestellt werden. Von sonstiger sozialer Arbeit hat unsere Gruppe bisher abgesehen. Der Plan für den kommenden Winter sieht folgende Kurse vor: 1. Dinim bei Herrn- Bernhard S. Jacobson; 2. Fortsetzung des Fibekkurfes bei Frau M. Flörsheim; 3. Handarbei-tsnachmiiMg; 4. Monatlich einmal allgemeine Versammlung. Hamburg. Am Dienstag, den 22. Oktober 1929, versammelte sich die Frauettgruppe der Agudas Jisroel von Hamburg-Altona za einem Tee, zu dem eines unserer lieben Mitglieder seine Räume sreundlichst zur Verfügung gestellt hatte. Die Stimmung der Seman- Simchossenu waltete auch über dieser Veranstaltung. Nach einer herzlichen Begrüßungsansprache wurdendie Pläne für die Winlterarbei-t be-kann-tgegeben-. Später -erhielt Frl. Studienrat Lilly Freimann das- Wort zu ihrem Referat „Unsere Zeit — jüdische Erziehung". Die Rednerm schilderte, in Anlehnung an -eimn Aufsatz von- Frau Obersch-Ulrat E. Beckmann-Hamburg, einige charakterWsche GrlmdzüW der heutigen Jugend und versuchte zu zeigen, wie eine echte jüdische Erziehung aus die Probleme, die sich dadurch auftun, reagieren kann. Als solche charakteristischen Grundzüge wurden hervorgehoben: Die Freude am Körper, die Sehnsucht nnch der Gemeinschaf-t mit Gleichaltrigen,, -di-e frühe Selbständigksit, auch bei Mädchen, und eine Wahrhaftigkeit, die sich aus einen starken Wrrklichkei-tsstnn gründet und allem Gefühlsmäßigen widerstrebt-. Die Ausführungenbegegneten großem Interesse und lösten lebhafte Debatten ans. Im November beginnen die regelmäßigen Schiurvm und fonfttgen Veranstaktungne unserer Gruppe.

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