Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1929-11-28 · Heft 48 (28.11.1929) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 48 (28.11.1929)
Date
1929-11-28
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2450547-2450595--76504-2534084
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Seite 14 Nr. 48 Der Israelit 28. Nov. 1929 nina. Diese Namen zeigen den Aufstieg bis ZU Ende an. Er kommt als „Tröster" nach großem Weltenleide, um dann als „Schilo" die Völker zu sammeln. Im steten Wachsen als „Iinon gelangt er zur Endetappe des „Chamna", da sich eiin Gnadenstrahl auf die gesamte Menschheit herabläßt, sie sammelnd und im ewigen Glücke einend."- „Gebt uns den Segen, Rabbi," bat Valentin. „Wir haben eine große Reise vor und gehen großen Dingen entgegen." „Ich weiß es, Ihr geht ins Ausland. Eure Liebestat für einen wehrlosen Juden« hat Euch vorübergehend die Heimat gekostet. Ihr sollt nicht umsonst der großen Liebe das Opfer gebracht haben. Strebet stets nach Wahrheit, Licht und Liebe, das mein dreifacher Segen!" Als sie wieder in der dunklen Straße zur Christenstadt waren, sagte Sarembo: „Ein merkwürdiges Volk «diese Juden. Wenn abends oder Samstags das Marktgeschrei bei ihnen ruht, sind sie alle Gerechte und Gelehrte und Heilige. Hast Du den Redner im Bethaus gesehen und seine Hörer in der Ekstase? Sie sitzen in ihren engen Stuben und kennen «die Welt und das Leben bester, als mancher unserer Wandermönche. Dieses Licht, das der seltsame Rabbi Else im Auge trägt! Und er kennt sich im Kosmos, in der Mathematik und in der Sterrenwelt bester aus als all unsere Priore und Prälaten." „Und dieses innere Glück!" ergänzte Valentin . „Hast Du nicht etwas gemerkt? Solange sie uns für die Ihren hielten, für „Berliner", verachteten sie uns, aber in der Verachtung lag Vertrautheit und Liebe. Kaum wußten sie, daß wir von der arderen Seite tarnen, da wandelte sich die Verachtung in hohe Achtung. Aber die Augen wurden kalt und fremd. Ein eiserner Vorhang ließ sich herab und teilte zwei Welten." „Aber ihr Rabbi Elie <^ar doch offen und voller Liebe zu uns." „Ja, dieser seltsame Mann scheint mir einer der ganz Großen zu sein, die vom Oberlichte des Alls etwas in sich tragen, das alle guten Geister in den entlegensten Ecken herauslockt und wie die Falter an sich zwingt. Manche verbrennen dabei ... Ich las einmal etwas bei alten Griechen davon. Hätte mir ein böser oder unreiner Ge darske in seiner Gegenwart bei Dir Raum finden können; hättest Du nur einmal zu lachen vermocht?" „Offen gesagt: nein. War er eigentlich alt oder jung?" „Ich weiß es nicht. Die Augen glänzten in frischer Jugend, aus dem Munde sprach tausendjährige Weisheit." „Du bist ein Grübler, Valentin, und schaust tief. Mich störte zuweilen der strenge Blick des Mannes und seine kurzen, messerscharfen Formeln. Er sprach Stichworte, denen wir erst den eigentlicher.! Text zu geben hatten." „Unser Prior spricht lang und breit und jedes Wort ist in Oel getaucht," sagte Valentin mit verhaltenem Spotte. „Denke Dir den entgegengesetzten Fall," ging Sarembo auf den Vergleich ein, „ein paar Jünger aus der Judenstadt wagten« sich hinüber ins Kloster ..." „Wir haben den anderen Fall erlebt," fiel ihm Valentin ins Wort. „Das kleine Jüdchen erhielt schon an der Pforte blutigen Empfang — weil er vergaß, seinen Hut abzutun, den Hut, der wie angenageltes Heiligtum auf dem Judenkopfe sitzt ..." ' „Merkwürdige Menschen, dieses Judenvolk!" (Fortsetzung folgt.) Oer (Seron und der Magid. Zrrm Tode Nabbi Menachem Krakowskys, -es „Maggid von Wilna". Unter „Maggid von Wilna" versteht die Welt des Ostens etwas anderes, als das was man sich gemeiniglich unter Maggid vorstellt. Seit Jahrhunderten, seitdem Wilna den Nabbinertitel nicht mehr vergibt, war es der Maggid, zugleich führendes Mitglied im Rabbinate, der die Gemeinde und das Rabbinat nach außen repräfenrepräsenlierte. Rabbi Jakob Josef, ein Gaon großen Ausmaßes, führte den Titel „Maggid". Im derzeitigen Wili.aer Rabbinate dürfte wohl Rabbi Chajim Ofer, der alles andere eher als ein Maggid (Redner) ist, den ersten Platz einnehmen. Aber neben ihm stand Rabbi Menachem Krakow sky b"sr als Gaon und Maggid zugleich. Ein Begnadeter, zählte er zu den größten Rednern unter den derzeitigen östlichen Nabbinen. Von einem Feuer durchglüht, das von einem „Reimer Maggid", oder eineni Israel S a l a n t e r geerbt sein könnte, mit einem Pathos, das die Massen in höhere Wellen hinaufriß, von einem Strahlenglanz der Wortbilder und einem Reichtum der Gedanken ausgezeichnet, stets aus der lebendigen Aktualität des Tages schöpfend, an den ewigen Werten der göttlichen Lehre messend und aus die Zeit und ihre Not zugeschnitten, so waren die Reden Krakowskys. Wenn in den unzähligen Schulen und Bethäusern Wilnas bekannt wurde: „der Stadtmaggid spricht in der großen Schul", da strömten die Menschen in solchen Scharen, daß die Polizei vor den Türen die Ordnung aufrecht erhallen mutzte. Tausende standen in Tränen aufgelöst, wenn dieser Redegewaltige in ihre .Herzen hineinleuchtete, daß keine Ecke im Dunkel blieb. Von weit und breit in Zentcallitauen und Polen fuhren die Leute nach Wilna, um einmal Rabbi Krakowsky zu hören. Der feuersprühende Mund hat sich geschlossen. Am Sabbatausgang schloß sich das scharfe und zugleich gute Auge, das gewöhnt war ins Maffenaudiiorium zu seinen Füßen zu sehen. Noch nicht 60 Jahre alt, ging er von dannen, scheinbar noch so rüstig der Körper, schöpferisch der Geist, und die Seele voller Gluten. Einer der letzten, vielleicht der letzte aus der Schule einer Zeit, in der das Wort auf dem Almemor noch die Massen meisterte. Rabbi Menachem gehörte zu Wilna und der großen ^-chul, wie die heilige Lade zum heiligen Raume, die Krone zur Thorarolle gehört. Ob freudiger oder trauriger Anlaß, der Sabbat der Teschuba oder des Trostes, die Nacht vor den ersten Slichaus oder die Jahrzeit von! Gaon; Rabbi Menachem stand auf dem Podium vor der Menge und gab dem Anlaß Wort und Ausdruck, daß vergangene Zeiten lebendig wurden und ganz nahe rück ten. Cr war darüber hinaus ein Mann mit einer Sabbat feele in der Brust, freundlich gegen Jedermann, Arm und Reich, Groß und Klein mit gleicher Liebe behau delnd. Es dürfte den Mann des großen Geistes zu weilen Ileberwindung gekostet haben, sich als Volks red n er zu den Massen herabzulassen,- er tat es, um sie hliiauszuziehen, weil für ihn die erzieherische Tat über dem Gedanken und dem Forscher stand. Jede Droschv war ein Erlebnis für ihn, ein noch tieferes für seine Gemeinde. Er führte einen mutigen Kampf gegen die überhandnehinenden neuen Richtungen. Er verteidigte das Altheilige. Und viele von den sogenannten Liberalen konnten es sich nicht versagen, zu seinen Predigten zu kommen, zu lauschen und nachzudenken. Manch einer wurde durch das lapidare Wort Rabbi Menachems wieder auf den rechten Weg geführt. Und wenn er das Podium verließ, zog er sich in seine Lehrstube zurück und wühlte bis in die tiefe Nacht hmem m den jüdischen Geistestiefen herum. Ein umfassendes W e x t 3 u Rambain in der Hinterlassenschaft des Rabbi zeigt, daß der G a o n in ihm vielleicht noch größer war als der Maggid. Seine letzte große Droscho hielt er am Chaul Hamaued zur Jahrzeit des Wilnaer Eaon. Letzter Gruß.' und er kehrt nun zu ihm heim. Die Bestattung am Montag war vom Rabbinate in allen Einzelheiten geregelt worden und ging unter einer Beteiligung vor sich, wie sie Wilna seit Menschengedenken nicht gesehen hat. Etwa zehn Rabbiner von Namen aus Wilna und Umgegend hielten ergreifende Heipedim. Lautes tausendstimmiges Schluchzen begleitet das -Gebet des Stodtchasan. Biele Stunden dauerte diese Kundgebung. Die Trauer ist damit nicht erschöpft. Sie wird erst in der ganzen Schwere empfunden werden in der Gemeinde und in der großen Schul, wo das Katheder von Rabbi Menachevl Krakowsky verwaist dasteht. p"'i JW2 öw »ja» avrpifr (1 WIIPN •'rrn*? nrw -ina V?mi (2 mw1? im (3 •anpn pK nm nra by nns «p ’miVd Ton ata (4 •nrmö n*nn psn jeh nmn Jsak Lubinski, Schweinfurt. : uns Laibbrot — ortf> 333 (l Silbertalent — tp2 “DD (2 wnpn nx npsiV *]02n 122 rw» *>,ti (ro n w) Jordambene |TT\1 122 (3 n’tfma) |ii\i 122 V2 nx 01^ V? 1121 («"' Fetten Weideplatz — “d (4 Richtige Lösungen sandten ein: Leo Domowih, Eydtkuhnen; Joses Wetzlar, Königstein i. T.; I. H. Tempelhof Saarbrücken; Aron Lipschütz, Frankfurt a. M.; A. Davidsohn, Rastenburg; Mar Straßseid, Wittmund (Oßfriesland); S. Ottmann, Gladbeck; Ludw. Alexander Blu-- menfeld, Neunkrrchcn; M. Weinreb, Ludwigshasen; Siegmund Häusler, Duisburg; Baruch Labin, Frankfurt a. M.; I. Landau, Kristianstad (Schweden). . Briefkasten. S. in I. Betrag für Abonnement verbucht. H. H'. in München. Das Inserat kostet Mk. 8.— Das Abonnement ist bis 1. 4. 1930 bezahlt. Ä. M. K. Erhalten und verbucht. Aamiltenuachrichken. Barmizwo: Josef Schuster, Sohn des Lehrers I. Schuster, Groß-Krotzenburg. nnfrv, n?*>3- V erlabte: Gutta Katz, Egelsbach bei Darmstadt mit Herrn Ludwig Vacharach, Seligenstadt. — Meta Strauß, Karlstadt a. M., mit Siegfried Bamberger, Wiesenfeld llfr. Daß selbst hervorragende amerikanische Zahnärzte B i 0 x ultra als die beste Zahnpasta empfehlen, ist wohl das glänzendste Zeugnis für die deutsche chemische Industrie. Da Bior ultra sehr ausgiebig ist, ist sie auch im Verhältnis billiger als andere Zahnpasten. Es ist sogar ratsam, möglichst wenig davon zu nehmen, weil ihre starke Schaumtraft selbst bei kleinen Portionen genügt. Mund und Zähne zu reinigen. Auch die Kinder gewöhne man beizeiten an den Gebrauch dieser Pasta sehr rasch. Bior- und Bior ultra-Zahnpasta sind erfahrungsgeinäß die besten Reinigungsmittel auch für künstliche Gebisse. Unter dem Stichworte: „Fort mit dein Bügeleisen! Mangeln ist billiger als bügeln!" empfieht B. Halberstadt. Ostendstr. 9, sein Verfahren, das neu für Frankfurt a. M. ist. Es gibt kein Versagen und kein Verbrennen der Wäsche mehr. Die Mangel behandelt die Wäsche schonender als das beste Bügeleisen. Wer einen Versuch macht, wird zufriedener Kunde bleiben. Der Preis ist mit 25 Pfg. die Rolle berechnet. Auf Wunsch wird jedes Quantum Wäsche abgeholt und tadellos geinangt wieder hsimgebracht. Die Natur hilft! Als Naturprodukt sind Fay's echte Sodener Mineral-Pastillen anzusprechen. Diese Pastillen werden aus den Salzen der bekannten Heilquellen des Bades Soden a. Taunus hergestellt und wirken ausgezeichnet bei Husten, Heiserkeit und Verschleimung. BerautwortNch für den allgemeinen Teil und da» ffeutlleto« S. Schach «owitz, Frankfurt a. M.; Inserate t.B.r «.Schach« «owitz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer 8. Kaufmann in Sprendlingen («r. Offenbach). — Berlar .Israelit", T.rrr.b.H., Franksrrrt a. M — Druck Sermon Verlags Aktiengesellschaft. Frankfurt a. SR. Ainderecke. Lösung des Rätsels in No- 45 nvn ’JXStOfl 3'31O221 fi’*P3J3 .121713 ■»amsn av tu Tia^rai mwan pjKin ’nismn wi wni» ir^V3 Gebäck.*) Ein Pfund Bienenhonig, 100 Gramm Palmin und 25 Gramm Zucker werden erhitzt und als Gewürze das Abgeriebene einer Zitrone, ein Teelöffel Zimt, drei gestoßene Nelken und ein Päckchen Vanillezucker verwendet. Unter die abgekühlte Masse rührt man zwei ganze Eier, zwei Pfund Weizenmehl, zwölsi Gramm Hirschhornsalz, sowie zwölf Gramm Pottasche. Der Teig wird tüchtig geknetet und dann kleinfingerdick ausgerollt. Man sticht mit einem kleinen Weinglafe Scheibchen aus und bäckt sie auf gefetteten Blechen gar. Man überzieht sie nach Belieben mit einer Schokoladen- oder Zuckerglasur. *) Palmin ist das naturreine Kokosfett von Dr. Schlinck. Mhndelplätzchen geraten damit gleich vorzüglich, wie beispielsweise ein Honigblechkuchen oder einfacher Napfkuchen. Palmin ist hundertprozentiges Fett. Es ist daher außerordentlich ergiebig. Ein Rezeptbüchlein verabfolgen die Kolonialwaren- und Feinkostgeschäfte gern kostenlos.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.