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Der Israelit · 1929-11-14 · Heft 46 (14.11.1929) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 46 (14.11.1929)
Date
1929-11-14
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 14 Nr. 46 Der Israelit 14. Nov. 1929 „Dann soll auch sie wissen, was die Menge längst durch die Kirche hätte erfahren sollen, nämlich daß die Kirche berufen ist, m i t z u lieben und nicht mitzuhassen." „Du bist der alte Valentin und denkst immer an Welt und Weite, an Ideal und heilige Berufung, nie an! dich selbst. Denken wir aber jetzt an uns. Entsteht das Gerücht und findet Glauben, daß wir einen K i r ch eu s ch ä n der in Schutz genommen haben, dann ist es um uns getan. Unsre Laufbahn wäre beendet, werden, morgen schon aus dem Seminar gewiesen, wenn uns nicht noch Schlimmeres bevorsteht." Valentin sah entschlossen zur blauen Höhe hinaus. „Brächte die Kirche es nicht fertig, einem Menschen, der feine Unschuld beteuert und glaubhaft macht, gerecht zu werden, dann stände sie an, dem Altäre, auf dem das Heidentum dermaleinst seine Blutopfer darbrachte, unid es lohnte nicht mehr, ihr zu dienen." „Du hast gut reden, Valentin, Du bist Sohn des Grafen Stanislau Potocki. Dem hohen Adel bleiben alle Wege offen. Ich bin Kind armer Eltern, der von seinem Vater, dem Dorfschulineister, nur den Hang zur Theologie und keinen roten Kreuzer geerbt hat." „Du weißt, meine Eltern nehmen sich Deiner an." „Das taten sie, weil ich eine Zeitlang Dein älterer' Freund und Lehrer war und Dich für das Seminar vorbereitete. Kommt dieser Zwischenfall an den Tag und eine Ausweisung aus dem Seminar, dann bin ich in den Augen Deiner Eltern der Schuldige und werde zuerst davongejagt. Du aber bist der Sohn und findest Deinen Weg ..." „Ich werde nicht von Dir lassen, Sarembo." (Fortsetzung folgt.) Alärkyrernamen aus der Slobodkoer Zefchirvo in Hebron. Seew Halevi Beermann. Ein Mann von universalem Wissen,, der eine regelrechte „Aliiah der Thora" von Amerika organisiert hatte. Ein gut Teil der amerikanischen Jünglinge, die sich auf die Thorahochschule nach Hebron begaben, wurde von ihm dazu veranlaßt und geleitet. Beermann hatte Hochschule und Rabbmersemmar in Newyork absolviert und bereits in einigen Gemeinden als Rabbiner und Prediger gewirkt. Unzufrieden mit sich, im steten Streben nach Vollendung, verließ er Amerika und einen gut einbringlichen Posten und begab sich nach Palästina, um in Hebron als einfacher Bachur zu lernen. Er hatte das Eis gebrochen und viele folgten seinem Beispiel. Mit 23 Jahren mußte er sein junges Leben durch Mörderhand lasten. Aron David Schönberg. Mit 24 Jahren kam Schönberg, ebenfalls Hochschüler der Universität und des Rabbinerseminars in Amerika, -nach Palästina. Er stammte aus dem Westen und besuchte in Newyork die Ieschiwa von Rabbi Jizchok Elchonon, bevor er an die Quelle der Thora nach Hebron ging. Seine tiefgehende Art zu lerten, wobei das reiche umfassende profane Wissen ihm große Hilfsdienste leistete, war hochgeachtet in der JeWrva. Er blieb bescheiden in seiner Ecke und lernte mit eisernem Fleiße, von einer unsäglichen Verehrung für seine Lehrer, einer glühenden Liebe für seine Mitschüler beseelt, die sich in aufopfernden Taten kundgab. SeiU Blut vermischte sich mit dem seines Freundes und Heimatgenosten Seew Beermann. Zewi Halevi Frumin. Er stammte aus Kanada, lernte und lehrte in Chicago. Er wollte aber mehr ler n e n, denn lehren. So ging er nach Hebron. Man sagte dort von ihm, daß er als erster das Iefchiwohaus 'betrat und es als letzter verließ. Roch um Mitternacht hörte man oft seine Stimme. In dien Taschen des ermordeten Frumin fand man Schriften, Glossen! und Bemerkungen zu Bibel und Talmud in englischer und hebräischer Sprache. Mit 23 Jahren wurde ihm das Lebenslicht ausgeblasen. Benjamin H u r w i tz. Auch Benjamin Hurwitz kam, ein Absolvent des Rabbinerseminars, aus Newyork, um sein Thorawissen zu vertiefen. Er hatte einen schweren Kampf mit seinen Eltern zu bestehen, die ihr einziges Kind nicht in die Ferne lasten wollten. Er versprach ihnen, nur zwei Jahre in Hebron zu bleiben. Nach Ablauf der Frist schrieb er an seine Eltern, sie mögen ihm verzeihen, er könnte sich von Erez Jisroel und der Thoraftätie in der Stadt der Erzväter nicht trennen. Einige Tage später traf ihn das Mordbeil der Araber. Benjamin Hurwitz, erst 19 Jahre alt, wird mit dem heiligen Boden, von, dem er sich im Leben nicht trennen konnte, im Tode verbunden bleiben. Seew Grünberg. Grünberg zählte erst 18 Jahre. Er kam aus Brooklyn als Sohn armer Eltern nach Hebron. Ein amerikanischer Thorafreund bestritt die Reisekosten. Er war kränklich und lebte daher etwas zurückgezogen. Er ruht in der Gräberreihe neben seinen Kameraden. Aron David E p st e in. Die adeligen Züge im Gesichte des Siebzehnjährigen zeugten von der hohen Herkunft. Cr war Sohn des bekannten Rabbiner von Chicago, Rabbi Efraim Fischet Epstein und hatte e i n Ideal, einen Wunsch, ein Ziel im Leben: der Lehre auf den Grund zu gehen. Er ruhe in der Welt, wo die letzten Geheimnisse offenbart werden, in Frieiden. Jakob W e ch s>l e r. Wechsler kam, ein Siebzehnjähriger,, aus Chicago mit kritischem Sinne nach Palästina. Hebron und das Milieu der Jeschiwo nahmenihn, den Sohn reicher Eltern, gefangen, so daß er alle Prüfungen eines primitiven Bachurlebens freudig aus sich nahm. Er stellte sich nach außen und innen vollkommen um. Seine letzten Worte, bevor er seinen Wunden erlag, waren an seinen Lehrer, Rabbi Efraim Sokolorver, gerichtet und sie lauteten: „Ich bin glücklich, als Thorajünger zu sterben. Ich habe mein Ziel im Leben erreicht." Chajim K r a s n e r. Krasner war erst 16 Jahre alt, stammte aus Brooklyn, wo eine Mutter für das vaterlose Kind in aufopfernder Liebe besorgt war. In der Tasche des Ermordeten fand mau einen Brief der Mutter, in dem sie ihn beschwört, für einige Wochen in die Sommerfrische nach Tel-Awiw zu gehen. Er. hatte es nicht getan, weil er mitten im Semester das Studium nicht unterbrechen wollte. E i s i k B e r n stei n. Bernstein war Sohn, von Rabbi Elieser aus Kamorowko. Er kam aus der russischen Hölle, ein Opfer der Religionsverfolgungen, über Minsk nach Slabodko. Lange Strecken hatte er zu Fuß Zurückgelegt. Bei der Uebersiedlung eines Teiles der Ieschiwa nach Hebron nahm Rabbi Mosche Mordechai Epstein den hochbegabten, strebsamen Bachur mit nach Hebron. Er hatte sich mit seinen 26 Jahren dort schon lehrend» betätigt- Lange Stunden litt er noch schwer unter den gräßlichen Verletzungen, bis er am Sabbat, den 18. Aw, seine Seele aufgab. Israel L e i s e r o w i tz.. Auch Leiserowitz stammte aus der Gegend von Minsk und flüchtete, aus Sowjetrußland-, wo ihm die Gelegenheit zum Thoralernen abgeschnitten war. Er galt Neben Reismann *) als Jlui in Hebron. Mit dem Siebzehnjährigen wurde uns eine herrliche Hoffnungsblume zertreten. *) Siehe vorige Nummer. KirtberecFe Das Wunder. Von Hermann Seckbach. „So ist es denn wahr, — unser Junge, unser süßer kleiner Liebling soll gelähmt bleiben, nicht mehr gehen können! Allgütiger, wie schwer, 'wie entsetzlich schwer hat uns das Leid getroffen!" Händeringend, heftig schluchzend, standen tieferschüttert die Eltern vor dem Professor der j Univcrsitätstindertlürll. Mit liebevollen Worten versuchte der gütige Arzt, sie zu beruhigen. „Seien Sie nur nicht zu unglücklich, Sie beide und wir hier haben das Menschenmögliche getan, um Ihr Kind am Leben zu erhalten. Das ist mal die Hauptsache, und Sie werden sehen, das liebe Kerlchen wird vielleicht uns allen noch Freude bereiten . . .!" Jahre sind seitdem vergangen ... Die gramgebeugten Eltern haben sich ganz daran gewöhnt, unter ihren gesunden Kindern ein gelähmtes, blondgelocktes, hilfloses, goldiges Bübchen zu haben, das schließlich in einem Heim für dauernd landen mutzte. Und nun will ich, liebe Kinder, ein Bildchen Eurem geistigen Auge vorsühren, das Euch zeigt, wie wunderbar Gottes Wege sind: Könnt Ihr Euch denken, daß dieser Junge der Mittelpunkt des ganzen Heims geworden ist? Daß er fleißig lernt, die jüdischen Gebete mit Hingabe sich aneignet und zum Sonnenschein seiner ganzen Umgebung wurde? Ja, der Zustand besserte sich so, daß er wieder etwas gehen kann und von Bett zu Bett 'wandert, überall wärmende Liebe ausstrahlend. Fühlbar wie ein Erlebnis kam dies am Vorabend des heiligen Rauschhaschonohsestes über uns. In der lichterfüllten, stimmungsvollen Anstaltssynagoge des Krankenheims ist eine kleine andächtige Gemeinde versammelt. Da wird kurz vor Beginn des Gottesdienstes an der Hand der Schwester unser kleiner Junge hereingesührt und auf einen für ihn bestimmten Sessel gesetzt. Und als mit dem heiligen Rauschhaschonoh gar noch der Sabbat seinen Einzug hielt und mit Lcho daudi begrüßt wurde, da horchte die kleine Gemeinde auf. Klang doch «US ihren Reihen ein süßes, Helles Kinderstimmchen hervor, das die Führung der Stimmen scheinbar übernahm, und ganz in dem Banne dieses eigenartigen Vorgangs war es allen zumute, als ob die Sabbatengel vom Himmel heruntergekommen wären, um diesen Gottesdienst zu verschönern, zu verherrlichen und die Seelen der Beter hinauszusühren an diesem heiligen Tage vor den Thron des Allgütigen ... Lassen Sie Ihure UHREN bei Neeser-LAPP, Aliegasse 2. reparieren. Sic Preise sind billig. gehen gut und die Alles unter Garantie. Die beliebteste Toilettesette! mm w, Macht jung und schön! ln Qualität unerreicht! Gewicht 90 Gramm Preis 35 Pfennig Alleinige Hersteller: Günther &HaussiierAkt.-6es. 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