Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1929-11-07 · Heft 45 (7.11.1929) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 45 (7.11.1929)
Date
1929-11-07
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2450547-2450592--76457-2534034
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

fl Sorbe 14. Nr. 45 D er Israelit 7. November 1929 scher, nur um so gewissermaßen die Ueberheblichkeit der Stadtärzte ins richtige Licht zu rücken. Aber immerhin riet er Zemach, nach Wilna zu fahren. Es könnte ja keinem was schaden. Eine Lungenspitze gibt es ganz gewiß und diese scheint bei ihm nicht ganz im» Ordnung. So ließ Zemach den Stößel aus der Hand und fuhr mit seinem Töchterchen nach Wilna, sah sich die Stadt an, bestaune ihre Schönheiten und befragte sich nach einem Arzte. Und Satan, der sich immer an die Rockschöße der Kleinstädter in Wilna heftet, stieß ihn durch «das Tor des heiligen Stanislaus mitten in die Straße hinein, die widerhallie vom Glockengeläut und fremdem Gebetsummen. (Fortsetzung folgt.) eben nur auf dieses hindeuten, nur auf dieses: Brocho, brocho ..." Die Engel lauschten, lauschten bezaubertdem Schöpfer, dann aber brach aus ihnen die Begeisterung hervor: „So sei es, wie du sagst, einziger Gott. Wir treten« beiseite und auch wir selbst bitten dich: mit dem Buchstaben Beth beginne die Thora. Denn ohne deine Brocho wäre ja auch die Thora selbst nur ein vergängliches Ding. Und bis dorthin,. bis du sie dem Mosche gibst, wollen wir dich lobpreisen, du unser Gott, und auch diese unsere Lobpreisung möge mit dem Buchstaben Beth beginnen: Boruch . . . boruch ato adonaj!" Nach den Feiertagen Der Wettstreit der Buchstaben. Von Julius Cfermely. (Schluß.) Einundzwanzig Engel erhoben so nacheinander ihre Stimmen; bloß ein« einziger war noch übrig, dieser wollte aber nicht sprechen. Er stand nur bescheiden und es war ihm anzusehen, daß er sich fürchtet, vor -dem Herrn zu sprechen. Dieser zweiundzwanzigste Engel war der Buchstabe Beth. „Und du, warum schweigst du auch jetzt noch?" fragte ihn freundlich der Herr. „Du hättest doch gleich nach dem Aleph sprechen sollen, und du schweigst auch noch jetzt ... du hast keine Argumente?" Der Buchstabe Beth warf sich vor Gott zu Boden. „Herr des Himmels, der Erde und des Weltalls," begann» er mit kaum hörbarer Stimme, „ich bin arm, was soll ich als Argument Vorbringen? Ich kenne nichts aus deinem erhabenen Wesen, das ich mit meinem- Buchstaben in Verbindung bringen könnte, auch nichts aus Israels Vergangenheit und Zukunft, das ich neben« mir auf dieWagschale legen könnte. Die Thora kann doch Nicht wegen Bileam oder Valak mit mir beginnen! Ich bin arm, mein Herr und Gott. Ich kenne nur ein einziges Wort, das mit mir beginnt, das Wort: Brocho. Der Segen, der göttliche Segen. Meine einundzwanzig Geschwister haben jetzt vor dir viel gewichtigere Argumente aufmarschierein lassen und so will ich es denn gar nicht versuchen, o Herr, auch meine Stimme vernehmen zu lassen. Beginne mit welchem immer von ihnen, du beginnst die Thora mit einem Würdigeren als mit mir." Da umarmte Gott den Engel Beth und sprach zu ihm mit großer Liebe und Freude: „Mit dir werde ich die Thora beginnen, sogar zweimal mit dir, du Buchstabe Beth. Bereschis heuer nicht, weil er nicht schön sei. „Mein" Ka-dÄksch boro ... so werde ich die Thora beginnen. Dajstammt vom Moh-e-l Vergfeldm Z. Dort w ich eins„,- «rr*™ m'aI über Jomkippu-r. Do horte Ich ihn -und merkte chn Mlt beim Anblick des Buchstaben Beth vor allem,a,ucf) sofort. Ick habe u-ämlick ein aiutes Muüka-ebörseit Von A. Mannheimer in Dettelbach. Wenn «im Herbste die Feiertage zu Ende w-ar-en, pflegten sich die „Pr-ommmiien" des Dorfes -in der nicht allzu geräumigen Wohnstube des Schnittwapenhändlsrs David Bär ein Ste-lMchein, zu geben. Meistens knisterte schon ein wenig das Feuer im altmodischen Ofen, der schon B-ärs Großel-tie-rn- -erwärmt h-a>ll-e. D-i-e g-an-ze Stube hatte ein -altjüdlfches .Gepräge. Natürlich fehlte .der schmale, doch ziemlich hohe Gießfa-ßsch-m-nk mit seinen Seitentüren nicht. Aus ihm ruhten alte, „dicke" Tfillaus, ahgegrisfene Chumos-chim -und einige Machsorim, die gWchfalls schon lange die M-e SulMcher Drucherpress« verlassen hatten. U-eb-e-r öierrt massiven Tisch die Schabbosiiampe an ihrer „Säg"; -an den Wänden verrauchte Bilder, darunter selbstredendein Misra-ch. David Bär war ein tiefer Sechziger, feine freundliche Gattin wenige Jahre jünger. Zwei Töchter hatten sich in der Umgegend Dierfjißiraitet, dm Sohnlebte imi Amerika und war Len Eltern in den vorgerückten- Jahren, eine willkommene Stütze. David Bär führte fein Schnittwarengeschäft nach altem Stil weiter,, ging noch über Land, fow-sit es die Kräfte des Körpers und die Launender Witterung erlaubten. Eines hätte Bär Nie -anfgegeb-en: fein Chasonus. Es lag ihm nicht nur tief im Sinne, es steckte im Blute. Die „B-ärs" waren o->-n von Ow-au-s-Awofenu her. David Bär fungierte als V-orb-eter an den JoMim-Nauvoim, orte auch -am Pefach das -Gebet, am Schmink- Azeres "vr. Natürlich ehrsn-hakber. Außer ihm versahen noch zwei andere, allerdings jüngere Gemeinde- Mitglieder das Amt e«ines Hilfsvorb-eters an d-en hohen Feiertagen. Dabei ging es nicht ohne kleine E-iferfu'chibeäien ab; das «Sprichwort, daß o-nn Narren feien, bewährte sich auch hier. Bei David Bär hatten, sich -am- Sonntag nach .■'•»«t' ' auch Leser Weil eingefunben- und Moritz Kohn nebst mehreren anderen Gem>SindemitgMdern>. erster« gleich Bär Hilfsvorbeter. „Diesmal haben- Sie den Schlußvom Mgen Lehrer Landau „gemacht", begann Lefer Weil, zu Bär hin-gewendet. indem -er dabei einen Zug aus der langen Pfeife tat. die an den Winterab-enden fast nie -erlosch. ..Mir geht -immer das- Jomtosn-nn -noch durch den Kopf," ließ sich Moritz Kohn vernehmen, „das war stets nach M2--N so -bei mir der Fall. Es wird andern genau so ergehen". Bär warf eine Schaufel Kohlen in die Feuerung -und bemerkte lächelnd: „Auch mir Mngen alle *-3"'3 noch -inden Ohren, besonders der K-addifch nach Schachris von Jomkippur, den Sie Heuer „gemacht" hab-en-; voriges Ja-Hr haben Sie „dem Jude! seins" gemacht." meinte Bär, zu Lefer Weil gewendet. Der aber fetzte sich zur Wehr, fing sofort „dem Judel feinen ~ an zu trillern. Den hab-e er noch nie „gemacht". auch die Zuversicht der Brocho, meines Segens, -die Welt vom Erdboden -erhebe. Denn nur die Brocho, mein väterlicher Segen, -erhält die Welt. Sie der Kindheit. Tatsache!" Die selbstbewußten, starken Worte Wells machten Moriz Kohn etwas -empfindlich und er m-e-inte: „Ein Kaddifch so oder so ist keine besonwurde ohne d»°s« zus°mm°Mrz°n, wie ei« M L?" L T? SL S aus dem Sande der Wüste errichtete Säule. Und ^gelten. „Unsinn!" w-arf er spontan dazwischen. „Dann wem unter den Menschen wird mein Segen, meine - könnte man das Gleiche auch vom Adon-Olam behaup- Brocho, zuteil werden»? Nur jenem, dessen Tu- ^en. Auch den sagt man jeden Tag zweimal. Unddoch r hat man „meinen Adon- Olam -noch nicht „nochgemacht , gend dre durch meme Thora ziehende Moral sem j^ <^r ^cht .könnt." Fast MchzEgen^gneten wird. Der den Nächsten li-ebt, wie sich selbst, der MM -und- Kohn,. daß sie „dem D-är seinen Adon Olam" den Witwen und Waisen hilft, der -d-em Hungern- -leicht „nachmachen-" können, aber sie wollten nicht; es den gerne von seinem Brot-e gibt und d-en Nackten Mhe ein wenig gegen die Kowed. Die Leute, besonders liebevoll bekleidet Der Troll wendet den nacb bve Frauen, würden sagen: „Seht, den- AdomOlam hat ueoevou oeriewer. ^er ^rvsr spenoei oen nacy ge-aann-est; der ist von Bär. Er schmückt sich mi-t frem- Trost Dürstenden, den Kranken und Trauernd-enFe-der-n. Der soll lieber bei seinem Adon Olam besucht, und den Armen« m seinem Hause aufbleiben-." „Nur nicht so erregt," wehrte- Bär ab, „es ist sucht, um ihm di-e Qual des Bittens zu ersparen. Der mit gerechter Wage wägt, von seinen Gefährten keine Zinsen nimmt, aber dem Schuldner das Pfand zurückgibt, bevor sich noch der Tag zu Enid-e neigt. Der niemanden beschämt-, der die ihm zugefügte Beleidigung verzeiht und um Verzeihung bittet jenen, den er beleidigt hat. Und der keine Feindschaft säet, sond-erin« unter Feinden Frieden stiftet. Diesen soll mein Segen zukommen, mein verzweifachter göttlicher Segen. Bersechis boro: diese Mer Beth nacheinander sollen doch erst Jomkippur geweseniimfo mir wollen zu Gutem übers Jahr, wenn alles -gesund -ist, wieder zusammenvor dem Omed stehen. Cs ist -im Gründe gar kdn-e Schande und man vergibt sich durchaus nichts anseiner Kowed, wenn man was macht", was ein anderer „schongemacht" hat. Da bin «ich wieder an«devs>. Ich habe auch Ihren -j^n, Herr WM und zwar schon sehr l«aing«e und schäme mich seiner nicht Waswäre« a«kfo dabei-, wenn Sie dagegen meinen, etniaufchen?" Moritz Kohn glaubte fetzt den- Moment gekommen, wo er die gewichtige Rolle eines Bermi-Mers spielen -könne oder solle, und er bemerkte:. „Mgemacht! Im nächsten Jahr zu Gu«tem seuem wir gbeichstatk mit Bä-rs wie Mt WeAs put. Ich mache ja auch manches, was -Sch -in der -Fremde hörte, als Chasvn nach Aber ohne zu schmeicheln- und ohne -andere beleidi«gm- M wollen: der ■». iVan von David Bär -ist «ln-ziiA - So was gibts nicht mehr!" — „Me meisten Sie das, lieber Kohn," fragte Lefer Weil-. „Nun-, -ich will damit sagen, daß Bärs für mich zu hoch ist. Soweit kann ich nicht hinauf. Das Gleiche ist natürlich auch be-im in^ pr? bit Fall. Beide sind ja ganz gleich wie jeder v pn weiß." Als alter - „Fachmann" ergänzte der Me Bär-, daß ihm das schon der feki-ge Großvater gelehrt habe: -istunfern G-etz«enüen ist der ii>»n und der s; iv vollständiggleich.' Er dürfte vielleicht in andern- Ländern genau so sein-. Wenige stens läßt es sich vsrmubeni." Halb -ernst, halb. fcherThaft warf Leser Weil dazwischen :„Was ku-mmerit -uns das fremde Cha»s-onu-s! Unseres ist schön, jeder hört es gerne. Neues wird nicht eingeführt. 3Li-r werdenschon da-sür sorgen, daß man, nicht Altes abfchafst." Inzwischen war Fva-u Bär ei-ngetreten und sie iob-te alle -drei ob erer Leistungen über den Schellenkönig. Das' war echte FrauenpoMk und schlaue Berechnung; denn je zufriede- -ne-r ihre Gäste sind, desto eher wird man ihrem stillen Wunsche-, den „Abend der ChasaNim" zu beschließen, na-chk-ommen. Mehr oder weniger verblümt erteilte sie den Ratz nicht nur vor den Feiertagen -und währ-end derselben eine „Schoirrzetit" -ei-nzuhMen. Auch jetz-t fei' esam Platze, auf Erholung -bedacht zufein, in erster Line auf ausr-eichendle Nachtruhe. Lef-sr-Weil und Kohn müssen diösen Wink mit dem Zaunpfahl doch verstandMhaben: dnen fast gleichzeitig entglitt das Pfeifchen ihrem Munde -und sie machten A-nstaWen-, sich zu erheben zum Fork- -gehen. Die gu-t gespielte abwehvende Geste von Frau Bär k-onnite sie ebensowenigdaranhindern, wie Bärs fre-un-dliches Zureden, noch ein bißchen zu verweilen. „Ihre Frau hat Recht; morgen ist die Nacht herum." meinte Kohn trocken, während ein sarkastisches Lächeln seine Lippen umspielte. „Gut Nacht, meine Herrschaften," ref Les-er Weil, schon unter der geöffneten Tür stehend. „Wünsche wohl zu ruhen und nächstes Jahr zu Gutem soll alles beim alten bleiben, nur den ü-iy p™ und irbv ibv tauschen mir 'gegensMig aus; der und der nv w bleibt der frühere, wie er -es immer gewesen-. Gute Nacht!" Ainderecke. -n *7 * n ■»iNsan mim llN di niiyaa r '1X171 '711P1171 '71^1 '7N'7>1X wbwi unip rniv2 D’niy -»laa D'npi1? (l wnpn nxa 'naa (2 71210^ '2 1N2 vi^i (3 •irip.i pix '1.11 mn by 71NX *]D '12*72 1'OD DX1 (4 •nnna nxin ]aiz;i ]^i nsna Jsak Lubinski, Schweinfurt. Wir machen unsere Leser auf ein Inserat des Z entral-Vereins deutscher Staatsbürgerjübtschen Glaubens auf der letzten Seite unserer dieswöchigen Ausgabe aufmerksam, das wir ganz besonderer Beachtung empfehlen. In Bad Kreuznach, Fährgasse 2, haben die Geschwister I a n k e l 0 w i tz ein 1 -Restaurant neu eröffnet, wo Sie guten Mittag- und Abendtisch zu mäßigen Preisen erhalten. Referenzen erteilt Herr Rabbiner Dr. Jacob s. Vorherige Anmeldung ist erwünscht. Die Belebung der Hautatmung und eine hygienische Reinigung, die zarte Glätte und gesunde Widerstandsfähigkeit bewirkt, find unerläßliche Voraussetzungen für eine klare, jugendlich stische Haut. Ein Zusatz von Kaiser Borax macht das Wasser weich und mild und gibt ihm zugleich anttseptische Reinigungskraft. Kaiser Borax muß es sein, der in den bekannten roten Originalpackungen mit ausführlicher Gebrauchsanweisung erhältlich ist. Die Marke bürgt für die Qualität. Der Name allein tut es nicht: Daß Sie den Namen „Soöener" kennen, ist selbstverständlich. Viel wichtiger ist es, ob Sie auch wirklich bei Erkältung des Rachens, bei Husten, Heiserkeit und Verschleimung dieses bekannte Produtt anwenden. Gerade dem Gehall an natürlichen Salzen, die aus den berühmten Heilquellen von Bad Soden a. Taunus gewonnen werden, verdanken diese Pasüllen ihre hervorragende Wirkung. Beravtwortltch für de» allgemeinen Teil und da» Feuilleton 3. Schach»owitz, Frankfurt a. M.; Suserate 1.«.Schach« rowtt». ebenda. 7- Für die piidaaogische Beilage: Lehrer L. ttanfman« in Sprendlingen (St. Offenbach). — Berla» ,Seraeltt«tz tL*. - Swnf «ermo« Berla»»» Aktiengesellschaft, Frankfurt a. M.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.