Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 45 (7.11.1929)
- Date
- 1929-11-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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e zum LL-Ck. Organ -es Kun-es geseyestreaer jü-ischrr Kehrer Deutschlan-s. w« geben wir unserer ZU lesen? Referat auf der Erziehungskonferenz des Keren Hathora anläßlich der Zweiten Kenejfio Gedaulo. Von Dir. Dr. M. Elias in Frankfurt a. M. I. Das jüdische Kind und das jüdische Buch bilden beide ein schweres, problematisches Kapitel in der Entwicklungsgeschichte unseres Volkes. Als ich auf der ersten Erziehungskonferenz jüdischer Schulen in Frankfurt auf diese Frage hinwies, wurde sie wenig beachtet. Heute steht sie im Vordergrund des Interesses unserer Pädagogen. Aber bis zur Lösung der Frage fehlt noch viel. Unsere Jugendbücherei hat nur einen kleinen Prozentsatz jüdischer Bücher, zum Schaden unserer Schule und zum Schaden der Schüler. Zum Schaden der Schule: Denn sie zerstört damit, was im Unterricht aufgebaut wird, läßt sich ein wertvolles Mittel entgehen, ihre Schüler mit den Erziehungsidealen der Schule dauernd zu verbinden, sowie zur Verlebendigung des Unterrichts und zur Herstellung von Lehrbüchern. Aber ebenso auch zum Schaden der Schüler. Denn wie seine Eltern, stellt das jüdische Kind das größte Kontingent der Bücherleser. Weit mehrmals das nichtjüdrfche, ist es in seinem Denken, Wollen und Lernen vom Buch beeinflußbar, nach der positiven, wie nach der negativen Seite. Vom Buch her bildet sich seine Persönlichkeit, sein Ideal und sein Irrtum. Das beweisen uns unsere '' V ' -!- - -CA- Jugendlektüre aus etwas schlummernde verbreche rische Anlagen des Jugendlichen zum Verbrechen geführt hat. Solche Anlagen können von vornherein nicht festgestellt werden. Oft entwickeln sie sich zum Segen der Gemeinschaft geradezu nach der genialen Seite, aber wir alle kennen das Wort der Thora, das Gebilde des menschlichen Herzens ist zunächst böse von Jugend auf und bekannt ist das Wort des Psychologen Eduard Spranger im Krantz-Prozeß: Im Herzen eines jeden von uns lagert irgendwo eine Mordecke. Aber selbst wenn die Lektüre aus gutes Schülermaterial keine dauernd schlechte Wirkung zeitigt, wer kann denn sagen, ob nicht doch später und wann und wie das Gift aufgeht? All das schreit gebieterisch nach einer spezifisch jüdischen Jugendlektüre: Daß sie im historischen Judentum nicht schon längst vorhanden ist, läßt sich nur daraus erklären, daß wir erst seit verhältnismäßig kurzer Zeit die Landessprachen sprechen und in ihr jüdische Motive iw unserem Sinne behandelt finden. Zum zweiten daraus, daß früher unter uns eine eigene Jugendlektüre nicht notwendig war, weil die ganze Pubertätszeit mit ihren schweren Problemen bei uns auf ein Minimum abgekürzt, der Uebergang vom Kirbe zum Mann durch den schweren Existenzkampf beschleunigt war. Und drittens daraus, daß die einzige Literatur, die dem Jungen wie dem Alten zugänglich war, vom Hauch der Heiligkeit umweht wurde: Musiar, Agada, Maasie Cn.’IJl--- <7» IT.- .. ir r--J an r eigenen Kindheitsermnerungen, da oft ganze Ein-! Bücher, Zeeno Ureeno u. ä. bot reiche'Nahrung schnitte unserer Charakterbildung, Vorsätze undftürdiezwischendemCxlstenzkampfunddemern- Wandlungen von Büchern bestimmt wurden. Zu- ' ~ ~ ' erst haben sie uns nur Freude gemacht, indem sie die Vergangenheit vor uns entstehen ließen und die Welt in ihrer Weite und Fülle, unseren Geist tagelang beschäftigten und unserem ganzen Wesen, unserem Gesichtsausüruck und unserer Sprache einen eigenen, unseren Eltern und Lehrern unerklärlichen Stempel aufdrückten. sten Lernen eingestreuten Stunden. n. Bei der Frage nach dem Ziel der Jugendlektüre können! wir nicht an dem Namen Wolgast vorübergehen, der 1896 in seinem berühmten Buch „Das Elend unserer Jugendliteratur" die literarisch künstlerische Erziehung als Ziel So ist die Jugendlektüre heute noch die stärkste ^argelegt hat, und dem es gelang, >m Laufe der Miterzieherin, welche, ob wir wollen oder nicht, jS->hr° °'«n nnmer größeren Krem von Anhandie Arbeit der Schule und des Hau,es zwingen-!s°rn und V-rkundern seiner Ideen um stch zu der beeinflußt als der Umgang mit Kameraden: Ich"-«, Die Jugend,chr.st m dichterer Form denn dieser kann in den meisten Fallen nachgetem T-nd-nzbuch, kein Buch, das speziell sur die prüft werden, die Lektüre aber nicht. Wir schauen Jugend gKn-ben ist. Nichts Unterwert,ges und uns höchstens den Titel an, und wenn der eins-, nur Stoffliches, Das sind einige ,einer Hauptgermaß« anständig klingt, sind wir schon zufriesorderungm, die er ausgehend von der sozialen den. Wenn wir zum Ueberflutz fragen,!st denn > und geistigen Umwälzung die stch damals vorbedas etwas für Dich, dann - atmen wir erleichiert j rellete, "ufstellte. Bis dahm waren alle Sucher auf, wenn das Kind mit Ja antwortet, Denn^Sut gewesen, die einen patr-ot,sch«, moralischen nicht jeder ist so gewissenhaft, wie ein Mann in ,°der konfessionellen Inhalt, wenn auch noch so Fürth der sich die Mühe gab, die anstößigen?nt! aufgetragen.hatten oder: auch nur dem Titel Stellen herauszufuchen und sie seinen Töchtern nach vermuten ließen. Um das Aesthetische kumzu bezeichnen mit der Weisung, sie nicht zu lesen, ^rte man stch nicht. Natürlich mit durchschlagendem Erfolg. - Nun konnte man vor einiger Zeit noch sagen, Dabei ist in mchtjüdischen Kreisen der gedie Grundsätze und das Ziel Wolgasts könnten jährliche Charakter der schlechten Jugendlektüre für uns nicht existieren, da für uns nicht ein künstlerisch und literarisch, sondern nur ein jüdisch-erzieherisch wertvolles Buch in Frage komme. Doch ist heute auch theoretisch dadurch eine vollständig neue Lage geschaffen, daß das Buch Wolgasts nur mehr historische Bedeutung hat. Ein Neuerer, Ackerknecht, versteigt sich sogar zu der Forderung, daß die Jugndschrift nur im Sinne des Kindes gut und spannend erzählt und gefühlsrein sein müsse. Der Kunstwert einer Dichtung sei für den allgemeinen Bildungswert gar nicht maßgebend, Der Kunstwert einer Dichtung fei gleichgültig, Schönheitssinn beim Kinde nur keimhaft vorhanden und erst in der Pubertät durchbrechend. Auch Z o l l i n g e r glaubt, daß das Bedürfnis der kindlichen und jugendlichen Seele nur mit ästhetisch einwandfreien Mitteln zu befriedigen nicht möglich sei. Ackerknecht ist führend ini Büchereifragen; Walter Hoffmann, ebenso führend auf dem Gebiete der Jugendlektüre, betont Weltanschauung als die wichtigste Bildungskraft und weist ihr die überragende Rolle in der Volksbildung und Volksbüchereiarbeit zu. Auf der anderen Seite hat sich der Ruf: „Pädagogik vom Kinde aus!" auch auf diesem Gebiete Geltung verschafft. Man sagte sich: „Wir reden über die Jugendlektüre; fragen wir doch die Jugend selber, was sie liest und am liebsten liest — dann können wir über die dabei wirkenden Kräfte am ehesten zu einem Ergebnis gelangen. Demgemäß sind Untersuchungen über die Liebl'ingslektüre der Kinder vorgenommen worden. Danach wurden alle diejenigen Bücher abgelehnt, die der Jugend nicht entsprachen: Das war nach Frohnemann die einzige Möglichkeit, auf wissenschaftlichem Wege das ästhetische Verhalten der Jugendlichen zu erforschen und Wolgast aus dem Sattel zu heben. Auf jeden Fall wurde die Entscheidung über das Jugendbuch in die Hand der Jugend gelegt. Pädagogische und psychologische Richtungen begegnen sich heute in der Ueberzeugung, daß von einer entscheidenden Stellung der ästhetischen Kunstsorm und der ästhetischen Genußfähigkeit in der Jugendlektüre keine Rede mehr fern kann, daß die Jugendschrift vielmehr in erster Linie eine Frage der Erziehung ist und bleibt. Das ist eine Plattform, auf der wir uns mit den Vertretern der allgemeinen Jugendlektüre durchaus treffen können. Die Frage ist natürlich immer noch, was das eigentliche Erziehungsziel sei. Aber heute erscheint die Frage der literarischen Erziehung unserer Jugend noch eingeordnet in den großen Bezirk der Volksbildung, und auch hier treffen wir uns mit den Männern der Gegenwart auf dem Gebiete der Jugendlektüre. Hoffmann und Ackerknecht und die psychologischen Untersucher sind sich darin einig, daß künstlerische Erziehung nur eine Teitaufgabe ist und das Ziel keinesfalls bloß im ästhetischen Genießen liegen könne. Beide sehon das Ziel im Kulturellen und It s