Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 42 (17.10.1929)
- Date
- 1929-10-17
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Zur ScnaffplaUcnoorfüftrung synagogafcv dflusife Jossele Rosenblatt. Wir Hallen voriges Jahr in Frankfurt Gelegenheit, den Sänger Rosenblalt zu bewundern. Nicht minder interessant und beachtenswert ist der Mensch Rosenblatt, seine Geschichte und der Weg, den er als Jude und Künstler gegangen ist. Einer frommen chassidischen Familie in Rußland entstammend, kam er mit seinem Vater, einem armen Wanderchasan, im Alter von acht Jahren nach Sadagora, denn die Familie zählte — wie heute noch er selbst — zum Kreise der Sadagorer Lhassidim. Dort wurden die phänomenalen Gaben des Kindes auf dem Gebiete der Gesangskunst erkannt. Der Knabe verschönte und belebte mit seinem herrlichen Gesänge die Tafel des Rabbi und fand die höchste Bewunderung der Chassidimgäste, die damals aus allen Gauen nach Sadagora zum großen Rabbi Friedmann pilgerten. Dabei lernte der Junge fleißig und wurde in den Wegen der jüdischen Lehre und alter Frömmigkeit erzogen. So wurde er von dem Schicksal des Wunderkindertums bewahrt. Der Rot gehorchend, fuhr Vater Rofenblutt, auf Josfrle Rosenblalt. Anraten des Rabbi, in die Provinz hinaus, um mit feinem Jungen in fremden Synagogen uorzubeten. In diesen Eastgottesdiensten war das Solo des kleinen Josfele vorherrschend und er eroberte aller Herzen. So ernährte er schon als Kind buchstäblich mit der ihm von Gott verliehenen Kunst, die er zum Preise Gottes verwendete, die ganze Familie. In M u n k a s c wurde er später, ein Siebzehnjähriger, festgehalten und von der Gemeinde als Ehasan angestellt, von wo er ein Jahr später, achtzcehnjährig und schon verheiratet, als Oberkantor nach Preßb u r g kam. Hier erntete er großen Ruhm, denn feine Stimme war inzvischen zu einem unvergleichlich schönen lyri- Au äer Vosfükruug am 21. Oktober 1929 ist «lee Antritt frei schen Tenor ausgereift. Fünf Jahre wirkte Rosenblatt in Preßburg und kam 1906 im Alter von 23 Jahren, ein. Ehasan von Ruf, hochgeachtet auch als Jude von jüdischem Wissen und inniger Frömmigkeit nach Hamburg. Die Hamburger Wirkungszeit Rosenblatts ist in Deutschland weit über Hamburg hinaus in guter Erinnerung. Hier hatte er die Gelegenheit, auf dem Wege gründlicher Ausbildung den phänomenalen Naturgaben vollendete Technik zuzugesellen. So kam er nach sechsjähriger Tätigkeit kn Hamburg als Ehasan vom ersten Rufe im Jahre 1912 nach Amerika, wo er gleich mit großem Jubel empfangen wurde und eine Anstellung als erster Kantor an der damals größten orthodoxen Synagoge deutsch-ungarischer Observanz in Newyork „Ohew - Ze - dek" — in der Rabbiner Dr. Philipp Klein ein langes Menschenaller als Rabbiner wirkte —, erhielt. In dieser Stellung verblieb er, indem sein Ruhm von Tag zu Tag wuchs, bis zum letzten Jahre, da er eine Stelle in der inzwischen zur noch größeren Bedeutung angewachsenen orthodoxen Schul der vereinigten nso •»jd unter günstigeren Bedingungen annahm. Vielleicht entsprach auch der sefardische Ritus und die sefardische Einstellung dieser großen Synagoge mehr der Erziehung und dem chassidischen Temperamente Rosenblatts. In Amerika eignete sich Rosenblatt noch mancherlei Kenntnisse an und brachte die technische Ausbildung zur Vervollkommnung. Er singt mit gleicher Meisterschaft englisch, italienisch, französisch. Besonders sein italienischer Gesang srndet von der amerikanischen Kritik rückhaltlose, ostt überschwengliche Anerkennung. Er sang in den letzten Jahren wiederholt neben jüdischen auch nichtjüdische Konzerte auf großen Bühnen und machte Tournees durch Europa. Dieses mehr der Rot gehorchend als dem eigenen Triebe. Es widerstrebt ihm, die heiligen Gebete des jüdischen Gottesdienstes vor Ohren, die sie nur als Kunst hören und bewerten, vorzutragen. Er fingt in den Konzertsälen nur einige wenige hebräische, Stücke aus der Peripherie des Gebetbuches, in der Hauptsache aber profane Lieder, jüdisch-deutsche Volkslieder und italienische Arien, mit denen er das Publikum geradezu fasziniert. Nie hat man Rosenblalt anders auf der Bühne gesehen, als mit breitem Käppchen, das den ganzen Charakterkopf bedeckt, nie anders als im langen Barte, der noch fast die Urform der chassidischen Heimat aufweist. Nie hat Rosenblatt am Freitag abend und Feiertagen in Konzerten gesungen. Als er in Newyork und London in der großen Oper bei ausverkauftem Hause sang, teilten die Plakate mit großen Lettern mit: „Heute, am Freitag abend fällt das Konzert wegen des Sabbats, den der Künstler in Ruhe und Weihe heiligt, aus." Ein K i d d u s ch H a s ch e m an den Plakatsäulen, sagten die Juden im Osten von Newyork und London, und hatten nicht ganz Unrecht. Ein Faktum, das uns den Charakter des Sängers im schönsten Lichte zeigt, wird uns verbürgt und mit Akten belegt. Ein großer Sprechfilm in Amerika wollte Bild und Gesang Rosenblatts in einem festhalten und zeigen und bot ihm ein Honorar von 100 000 Dollar an, wenn er sich entschlösse, in Sargenes und Tallis Kol Nid re zu singen. Er lehnte glatt und leichten Herzens das glänzende Angebot a b. Er profaniere nicht, erklärte er, das Kol Nidre- Gebet vor dem Filmpublikum, zumal in den Gewändern, die ihm ein Symbol der Weihe und seiner heiligen Sendung sind. Dabei lebt Rosenblatt zurzeit unter Umständen, die ihn zvingen, neue Einkünfte zu suchen. Er hat ein durch Konzerte und Platten erworbenes ansehnliches Vermögen in einem idealen Unternehmen verloren, von dem er sich viel für das Aufblühen des orthodoxen Judentums in Amerika versprach. Erst nach diesen Verlusten entschloß er sich schweren Herzens, in Konzerten zu singen und Tournees nach Europa zu unternehmen. Er EINTRITT FREI JARGON-- KONZERT AM ZI. OKTOBER 19Z9 ABENDS 8 UHR IM KLEINEN SAALE DER FRANKFURT LOGE ESCHERSHEIMBRUANDSTR. 27 (NÄHERES SEITE 2) MIT EINLEITUNGSVORTRAG VON HERRN RED. S. SCHACHNOWITZ FRANKFURT A. M. ANFANG PRÄCIS. 8 UHR wirkt aber auch bei allerlei Wohltätigkeitsfesten mit und zeichnet sich in Amerika auch sonst durch offene Hand und offenen Sinn für alles, was gut und jüdisch ist, aus. Jossel Rosenblatt erfreut sich eines glücklichen Familienlebens. Er steht jetzt im 46. Lebensjahre.. Aus der Ehe. die er mit achtzehn Jahren einging, sind acht Kinder hervorgegangen. Der älteste Sohn hat auf ungarifchen Jeschiwaus gelernt, seine Studien in Amerika vollendet und wirkt jetzt als Rabbiner in Baltimore. P% M bringt jedem mühelos die Möglich- Hr jBrwi keif zur Weiterbildung auf jedem I ■ Ü™H B gewünschten Gebiet sowie an Unterhaltung für jeden Geschmack das Richtige - Ihre Stimmung an den kommenden Feiertagen wird gehoben durch die weihevollen synagogalen Gesänge der ersten Kantoren, aufgenommen auf die in jedem einschläg. Geschäft erhältlichen SCHALLPLATTEN