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Der Israelit · 1929-09-26 · Heft 39 (26.9.1929) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 39 (26.9.1929)
Date
1929-09-26
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 Nr. 39 Der Israelit 26. Sept. 1923 IV. Viele Jahre vergingen und es geschah, wie der Bat Schern vorausgesagt hatte. Der Doktor heilte viele Kranke, die von anderen Heilkundigen aufgegeben wachen waren. Mit der Zeit wurde fein Name weit im Lande bekannt und vielen war er bald mehr als ein Arzt, denn er war auch ein Deelenarzt, der manchen Schmerz der Seele, durch feinen klaren Blick zu lindern verstand. So wurde er angesehen und sein Wohlstand gedieh. Er zog bald in eine größere Stadt des Ostens und bewohnte ein Castell, das er von einem Adeligen billig erstanden hatte. Das Wohnhaus lag in einem Garten, von einer hohen Mauer umgeben und glich ehnir Meinen Festung, in die, wenn alle Riegel des Eichentores vorgeschoben wurden, niemand gelangen konnte. Dort hauste der Doktor mit einer alten Wirtschafterin, die ihm sehr ergeben war. An jedem Abend pflegte die alte Frau die Heimkehr des Doktors abzuwarten. Dann sperrte sie das Tor sorgfältig ab und das Castell war eine Welt für sich, ganz abgeschnitten von der Außenwelt. V. Als der Doktor eines Morgens erwachte, empfand er eine große Unruhe und ahnte, daß dieser Tag ihm etwas Besonderes bringen werde. Eine Zeittang saß er in seinem Studierzimmer und konnte sich reicht entschließen, wie sonst, seiner Beschäftigung nachzugehen. Warum befand er sich in dieser seltsamen Stimmung, fragte er sich oft. Fürchtete er, daß feinen Patienten etwas zustoßen werde oder daß ihm selbst etwas widerfahren werde? Er wußte keine Antwort auf diese Fragen, die ihn bestürmten und so ließ er alle Kranken, die er zu besuchen hatte, an seinem Geiste vorbeiziehen. Da fiel ihm ein Gutsbesitzer ein, Der vor einigen Tagen vom Pferde gestürzt war und sich einen Beinbruch zugezogen hatte. Nun glaubte der Doktor mit Bestimmtheit zu wissen, wem seine Beunruhigung galt. Doch dann stellten sich wieder Zweifel ein. Es war lächerlich zu denken, daß der Gutsbesitzer sich in Lebensgefahr befinden sollte. Es war eine einfache Fraktur und der Sturz würde für den starken Mann ohne schlimme Folgen bleiben. Das sagte sich der Doktor immer wieder und doch packte ihn eine Besorgnis, so oft er an den Gutsherrn dachte. Endlich hielt er es im Zimmer nicht länger aus und faßte den Entschluß, die Fahrt nach dem Gutshofe sofort anzutreten und nach dem Befinden des Patienten zu sehen. VI. Es war -ein schöner Sommertag. Am Himmel sah man kein Wölkchen. Die Ernte stand schon hoch und die Sonne schien hell und warm. Ein süßer Friede lag über den wogenden Feldern. Gegen Mittag langte der Doktor auf dem Gutshose au und nun überzeugte er sich, daß seine Besorgnis ganz umsonst gewesen war. Es waren keinerlei Komplikationen zu befürchten und der Patient befand sich verhältnismäßig wohl. Der Doktor wollte gleich die Rückfahrt arttreten, noch er wurde gezwungen, zum Mittagessen zu bleiben. Nach dem Essen wurde der Wagen angespannt und zurück ging es zur Stadt. Der Doktor faß in einer Ecke zurückgelehnt. Die Unruhe wich nicht von ihm und chm. war, als wenn sich der Wagen nicht vom Platze bewegen würde. Von Zeit zu Zeit erhob er sich und spornte den Kutscher zur rascheren Fahrt an. Plötzlich schlug der Wagen an einen harten Gegenstand und bewegte sich nicht mehr vom Platze. Der Fuhrmann sprang schimpfend ab und versuchte den Wagen zurückzustoßen, doch bald ließ er von seinen Bemühungen ab und sagte resigniert: „Eine Achse ist gebrochen. Wir können! die Fahrt nicht fortsetzen, bis der Schaden gutgemacht ift." : HM I Der Doktor faß ratlos da und dachte an den verlorenen Tag- Einer Einbildung zuliebe hatte -er die Stadt verlassen, wo ihn seine Patienten notwendig brauchten und nun war -er verdammt, seine kostbare Zeit auf der Landstraße zuzubringen. vn. Endlich faßte er den Entschluß, den Weg ins nächste Dorf zu Fuß zurückzulegen und dort einen anderen Wagen zu mieten. Es war ien Marsch von zwei Stunden und in der Waldeinsamkeit 'hatte -ts«er Doktor reichlich Gelegenheit, feinen GedMLen nachzuhängen. Ihm war, als wenn er auf irgend -einen Befehl gehandelt hätte. Etwas, was stärker als fein Wille war, trieb ihn aus der Stadt. Er -erreichte das Dorf und mietete nach einigem- Umherfragen einen Bauernwagen. Der Fuhrmann schonte die Pferde nicht, doch war es bereits dunkel, als sie am Marktplatz anlangt-em'. Der Doktor suchte noch -einige Kranke auf und es war bereits stockfinstere Nacht, als -er müde und hungrig, aber auch verdrossen über den nutzlos verbrachten Tag vor seinem Landhause anlangte. Die Mißgeschicke dieses Tages waren aber noch nicht zu Ende, denn als der Doktor das Tor aufschloß, merkte er zu seiner Ueberrafchung, daß ss mm innen verriegelt war. Seit vielen Jahren war es zum ersten Male geschehen, daß die Wirtschafterin, ohne seine Rückkehr abzuwarten, die Riegel vorgeschoben hatte. Er zog die Klingel und wartete. Um ihn war es still und finster, kern Stern war am Himmel zu sehen und -es ging ein kühler Wind. Minute um Minute verstrich, doch nichts regte sich. Er läutete noch einmal, aber kein Ton war zu hören und auch die Glocke, die sonst laut vernehmbar war, schwieg. Bestürzt stand der Doktor da. Er sagte sich, daß im Hause etwas Besonderes vorgegangen fein mußte. Einigemale zog er aus Leibeskräften an der Klingel, schlug mit dem Stock ans Tor, aber drinnen blieb es unheimlich still, als wenn jedes Leben im Hause erstorben wäre. Der Doktor entfernte sich vom Tor und umkreiste die Steinmauer. Plötzlich blieb er überrascht stehen«. In seinem Schlafzimmer brannte Licht. Der rosige Schimmer der Nachtampel erhellte den Raum, während das ganze Haus in tiefster Dunkelheit lag. Eine Weile stand er wie erstarrt und blickte zum erleuchteten Fenster hinauf. Da bemerkte er, daß sich jemand im Zimmer befand. Eine Gestatt, die er nicht genau unterscheiden konnte, ging auf und ab. Der Doktor begann mit lauter Stimme zu rufen. Er klatschte in die Hände und schrie, daß man ihn im Hause hören mußte, aber vergebens. Es schien, daß man ihn nicht hören wollte und daß er dazu verdammt war, die Nacht außer seinem Hause zu verbringen. Doch -er mußte Gewißheit haben. VHI. Der Doktor schwang sich mit vieler Mühe auf einen Baum, und nun konnte er in sein Schlafzimmer blicken. Er sah einen Mann, b-er mit dem Rücken zum Fenster stand; unbeweglich und verträumt, als sinne er über etwas. Dann begann er langsam, Schritt um Schritt das Zimmer zu durchqueren. Als er bei der Wand angelangt war, wandte er sich plötzlich um, ging auf das Fenster zu und der Doktor starrte — in fein eigenes Antlitz. Er selbst war es, der eben im Schlafzimmer umhergmg; es war fein Gesicht und auch feine Bewegungen waren -es. „Unmöglich, unmöglich, o, mein Gott, welche Einbildung," stammelte der Doktor, der seinen Verstand zu verlieren fürchtete. „Es ist eine Vision." Er schloß die Augenl, überzeugt, daß die Erscheinung wieder verschwinden werde. Als er nach einer Weile die Augen wieder öffnete, packte ihn ein solcher Schreck, daß sich ihm die Haare sträubten. Am Fenster stand der Mann — kein Zweifel der Doktor selbst — und sah in die dunkle Nacht hinaus. Der Doktor konnte den Anblick seines zweiten Jchs nicht vertragen, stieß einen Schrei des Entsetzens aus und fiel fast besinnungslos zur Erde. IX. Da berührte jemand seine Schulter und der Doktor erblickte einen Mann neben sich, der also sprach: „Ich warne dich, in dieser Nacht dein! Haus zu betreten. Deine Wirtschafterin mußte dich kommen sehen, damit sie sich zur Ruhe begebe und es dir unmöglich gemacht werde, in deine Wohnung zu gelangen. So hat ein anderer deine Gestalt angenommen. Suche eine Herberge auf und morgen kannst du in dein Haus zurückkehren." Da erkannte der Doktor die Stimme, die zu ihm sprach. „Rabbi," rief er, „was geht in meinem Hause vor?" Doch der Doktor erhielt keine Antwort, denn diie Gestalt war, so rasch wie sie aufgetaucht war, wieder verschwunden. Der Doktor erinnerte sich der Worte, die der heilig«e Val Sckem zu -ihm dereinst gesprochen hatte und er wußte, daß die Stunde der Gefahr für ihn gekommen war. So -erhob er sich und eilte von dannen, suchte m der Stadt ekven Gasthos aus und verfiel bald in tiefen Schlaf, x. Es war schon spät, als der Doktor am nächsten Morgen erwachte. Rasch kleidete er sich an und schritt seinem Hause zu. Vor seinem Hause war eine große Menschenmenge versammelt, die gespannt zu den Fenstern des Hauses emporblickten. Der Doktor drängte sich durch die Menge und schloß das Tor auf. Da stieß er auf seine Wirtschafterin, die bei seinem Anblick wie erstarrt stehen blieb und sich dann zu bekreuzigen begann. „Was ist geschehen?" ries der Doktor aus^ „Ein Wunder," sagte die alte Frau, die ihre Stimme wiedrgefunden hatte. „Sie leben, Herr, und wir haben Sie für tot gehalten." Sie ergriff seine Hand und bedeckte sie mit Freudeintränen. Run erfuhr der Doktor, was sich im Haufe begeben hatte: Die Decke seines Schlafzimmers war in d«er Nacht eingestürzt. FamMennachrichten. Geburtstag: Ihren 85. Geburtstag feiert in körperlicher und geistiger Frische am 8. Oktober 1929 Frau M. Mansbach geb. Holstein, Niedenstein, Bez. Kassel. Xi« beliebteste Toiletteseife! Macht jung und schön! In Qualität unerreicht! Gewicht 90 Gramm Preis 35 Pfennig Alleinige Hersteller: Giintfier £ Haussserflkt.-Ges. Chemnitz 16 WY\ren nur bei Alte Uhren u.Schmud werden umgeiäuschioder umgearbeiteh teil 95 tofnoasse »rrantwortltch für 8. Schach -sototfc, den allgemeine» Teil und da» Frankfurt a. M.; Inserate t. ».r «owitz, e'rruda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer in Sprendlingen l»r. Offendach). — »er Banfman- ,3»r«:tt".«. m. b.H„ Frankfurt a.M. — Druck Aktiengesellschaft, Frankfurt a. »erlag er»o» Berlage»

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