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Der Israelit · 1929-09-19 · Heft 38 (19.9.1929) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 38 (19.9.1929)
Date
1929-09-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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19. September 1929 Der Israelit Nr. 38. Seite 7 über am Montag nachmittag im Plenum gesagt wurde, war ein Wort der jüdischen Seele zür jüdischen Seele. Wer diese Referate angehört hat, dem wurde es zuinnerst klar, daß es auf diesem Kongresse um das Höchste und das Heiligste geht; wie sich ein Redner geistvoll ausdrückte, mehr um die I ü d i s ch k e i t als um das Judentum. Am Montag Vormittag beginnt die Sitzung um 10 Uhr unter Vorsitz von I. M. Lervin mit dem Referat von Heinrich E i s e m a n n über O r g a n i s a - t: o n und Finanzen. In der Debatte spricht der .JanoverRaw über allgemeine jüdische Fragen. Chad a k o w - Riga spricht über Lettland und macht einige Vorschläge für die Landesorgamsation. Ginsberg- Radin unterstreicht einige Wünsche des „Ehofez Ehaim". Jacob R o s e n h e i m betont, daß das Budget gänzlich unzulänglich sei und eine Arbeit für die Zukunft mit den bisherigen Zahlen nicht möglich mache. Es sprechen noch zum Budget Seenmann -Neusanz, Rappaport-Bielitz, der die Einrichtung eines Parteigerichtes für innere Streitigkeiten in der Aguda wünscht; G o r d o n - Newyork, der gesteigerte Propagandaarbeit in Amerika verlangt. Koppel Spiro- Antwerpen will die Leitung von der Verantwortung nicht entbinden. Man soll Ihr die erforderlichen Mittel in die Hand geben und damit ihr die volle Verantwortung belassen. S z e k e tz - Lodz beschwert sich, daß die polnischen Delegierten, obwohl Polen die größten Opfer bringe und größte Begeisterung zeige, aus der K. E. benachteiligt werden, was der Vorsitzende, I. M. L e w i n , mit Hin'weis auf die Vertreter Polens im Präsidium entschieden zurückweist. Die 2. &.<5. sei ein Arbeitskongreß und könne sich nicht tu langwierigen, fruchtlosen Reden verlieren. Kröng r a t - Warschau konstatiert, daß alle, die in Polen in der Aguda arbeiten, aus der Schule der Zeire Agudas Jisroel heroorgegangen sind. Rabbiner Kahane - Newport beklagt sich, daß es sowohl an Menschen wie an Propagandamaterial für die Arbeit in Amerika fehlt. Es folgt die Verlesung von Begrüßungsschreiben vieler Rebbes upd Rabbmen, darunter W l s ch u i tz e r und Lubawitscher Rebbe, Rabbi M. Ch. Sonnen seid und Klatzkin in Jerusalem. Es sprechen ferner der Samoczer Raw und H o - r o w i tz - Oliski über allgemeine jüdische Fragen, womit die Vormittagssißung ihren Abschluß fi-rdet. Die Nachmittagssitzung am M o:tt, t a g. Am Montag Nachmittag um 5 Uhr wird die Debatte unter Vorsitz von Jacob Rosenheim fortgesetzt. Es sprechen z machst Rabbiner R a b b i n o w i tz - London, Apfelbaum - Kischinew, Rabbiner S o m i n o w - Wi dau und Ei senzwein aus Amerika. Alle sprechen über allgemeine jüdische Fragen, andere gegen den Eintritt in die Jewish Agency. Es folgt eine Kundgebung für die Juden in Sowjet-Rußland. Da der vorgesehene Referent, Hornstein, plötzlich erkrankt ist, verliest Rabbiner Dr. P. K o h n einen Schriftsatz Hornsteins über die erschütternde Tragödie, unserer Brüder in Sowjetrußland, die im schwersten Kampfs um ihr primitives religiöses Recht stehen. Dr. Kohn fügt dem Schreiben hinzu, daß ein genaues Bild über die Lage in Rußland nicht zu erhalten ist, darum sei Vorsicht geboten. Nicht zu erklären ist es, wie wenig Widerhall das Leid der russischen Brüder in der Judenheit der Welt gefunden hat. Die seinerzeit von der Aguda unternommene Aktion für Mikwoaus in Rußland scheiterte am Mangel von Interesse. Was die Sache schlimmer macht, ist, daß die Religionsverfolgungen von eigenen Brüdern, Kindern jüdischer Mütter, nusgehen. Seine Anträge gehen dahin: Ständige Kommission zum Studium der Lage in Rußland und Ausfindigmachung der Hilfswege einzusetzen. Da Proteste Zwecklos sind, erklärt die K. G., daß unter den Religionsverfolgungen gegen die Juden in Rußland die gesamte Judenheit schwer leidet. Möge Gott unseren Brüdern dort die Kraft und den Mut stärken. Wir beugen uns in Ehrfurcht vor den jüdischen Religionshelden in Rußland. Die Anträge werden einstimmig angenommen. Es sollen Mittel bereitgestellt werden zur Ermöglichung der Auswanderung de rrussischen. Juden und zür Unterstützung der Emigranten. Der nächste, gleich wichtige Punkt der Tagesordnung betrifft die Schechita. Erster Referent ist Dr. med. Lieben in Prag. Er spricht als Mediziner vom rein wissenschaftlichen Standpunkte und weift in schlichten, sachlichen Ausführungen all die Angriffe und Behauptungen der Gegner zurück. Es fer selbstverständlich, daß wir bemüht sind, die besten technischen Mittel für die Vorbereitung der Niederlegung hys Tieres usw. zu finden. Der Schächtschnitt selbst galt und gilt immer noch als die beste und humanste Tötungsmethode. Daß die Zuckungen nach dem Schnitte keine Zeichen für Leben- und Qual des Tieres sind, ist durch viele streng vwissenschaftliche Gutachten bewiesen. Gerade in Wien, wo vor kurzem eine Tierschutzkonferenz sich gegen die Schechita aussprach, muß das Wort zur Ehre der Wissenschaft und der Gerechtigkeit von dieser berufenen Instanz für die füdische Religion zur Verteidigung der Schechita erhoben werden. Es muß der Welt gesagt werden, daß die Schechita uns ein Gottesgebot wie alle anderen ist. Er bespricht -die verschiedenen Betäubungsmittel, von denen bis jetzt kein einziges für uns in Betracht kommen kann. Nachdem dem Referenten vom Präsidium der Dank für das Referat und die bisherigen aufopfernden Bemühungen votiert worden ist, ergreift Rabbiner Dr. E. Munk- Berlin das Wort zum zweiten Referat über das Thema. Nach allgemeinen BemsrkunMn über die bindende Kraft der Gebote, auch des Schächtgebotes, erwähnt er die Fülle von wiffenschaftlichen Gutachten, die im langen Kampfe um die Schechita zu Gunsten derselben abgegeben wurden. Die Gegnerschaft gegen das Schächten muH als eine Verirrung des menschlichen Geistes^ -angesprochen und wird von einer späteren Welt als solche angesehen werden. Die Verteidigung der Schechita müsse mit aller Kraft in den gegnerischen Kreisen geführt werden. Er spricht bei der Gelegenheit Rabbiner Dr. F e u ch t w a n g, Wien, Dank aus dafür, daß -er in besagter Wiener Konferenz so mutig für dieses bedrohte NMgionsgebot eingetreten ist. Auch heute fer das Wort an diejenigen außerhalb des Saales gerichtet, die nicht aus Haß, sondern aus ehrlicher Ueb>erzeugun>g gegen die Schechita kämpfen zu müssen glauben. Auch jüdische Brüder zählen zur letzteren Kategorie. Darf aber ein Jude, der einen Schimmer von der Thora hat, glauiben, -daß die göttliche Lehre vierquälevrsche Gesetze vorschreiben könnte? Es ist der größte Much des Golus, daß wir unwillkürlich un'jüdifche Elemente in unsere Gedankenwelt hineinnehmen. Die Gefahr eines Schächtverbotes war in letzterer Zeit auch in Norwegen aktuell. In der Schweiz besteht ein solches Verbot feit Jahren. Auch in Warschau fehlte es nicht an solchen Versuchen. Wir dürfen die- Schechlita nicht in erster R-eihe und allein unter dem Gesichtspunkle der Humanität verteidigen, sondern als heiliges Go>ltesgebot. Es stimmt auch nicht, daß das Schächten nur Öm Zweck hätte, den uns. verbotenen Blutgenuß zu vermeiden. Man muß bei der Apologetik recht vorsichtig sein mit positiven Gründen. Negativ werden wir nicht müde, zu betonen-, daß das Schächten keine Tierquälerei fci>, es ist wie alle anderen Gollesgebole eine Erziehung zur Kedufcha. In Beantwortung der Frage, warum wir heute um die Schechita fo leidenmüssen, richtet der Redner ergreifende Muffarworte; nicht zuletzt an das orthodoxe Judentum, das an Mahnungen, Zurechtweisungen und Abhilfe vielleicht fehlenließ. (Brausender Beifall.) Der Vorsitzende dankt dem R-ef-erlent-e-n in erster Reihe für das, was er nicht gesagt hat, nämlich für seine aufreibende und aufopsernn-gsvolle jahrelange Tätigkeit zur Verteidigung der Schechita. Es folgt ein Referat von- Obevrabbiner Lew in übe-r den Sabbat im Wirtschaftsleben. Der Sabbat ist die Refchomo von Israel. Das Wort vor-i geht nicht auf Gott, sondern auf den Sabbat und bedeutet, die Einsetzung des Sabbat als Seele des Volkes. Wenn der Jude am Sabbat feine Geschäftsbücher schließt, inacht er ein anderes Konto-Buch auf, fein geistiges und moralisches Soll und Haben. Ist dem Juden der Sabbat genommen, so fehlt ihm die moralische Abrechnung und die Brücke zu Gott. In herrlichen Worten schildert er die Bedeutung des Sabbat im jüdischen Leben und das Unheil, das mit dem Niedergangdes religiösen Lebens und der Abnahme der Sab buch e-iligu-ng für das Judentum entstanden ist. Agudas Jisroel will den Sabbat dem jüdischen Volke und Israel dem Sabbat retten. Agudas Jisroel will nicht, wie andere Organisationen, Judentum, sondern Jüdischkeit, und das fei ganz was Anderes. Er bespricht die Hauptursachen für die Abnahme der Sabbatheiltgung: Die Zwangssonntagsruhe und die Wochen markte ab Sabbat. Eine allgemein internationale Aktionf ü r d e n Sabbat muß von der Agudas Jisroel ausgehen, dahinzielend, daß das Sonnta-gsruhegesetz für den sabbathaltenden Juden durch Freigabe von Arbeitsstunden gemildert werde. Mit der großen Sabbat-organifat i o n, die jetzt in Berlin in Wirksamkeit trat, soll eine enge Verbindung hergestellt werden. Er deutet zum Schluß das Wort nrm?: nsa mv nta in dem Sinne, daß, wenn der Sabbat wie früher das jüdische Haus und die jüdische Gasse beherrscht, auch die politische u n d soziale Ruhe für das jüdische Volk in der erwünschten Vollkommenheit eintritt. (Starker Beifall.) Robb. Dr. P. K o h n gibt, entgegen falscher Ausstreuungen einer englischen Zeitungs-Agentur, eine Erklärung ab, daß die Agudas Jisroel nach wie vor treu zur Balfour-DeklarnUon steht. Es sprechen noch zur allgemeinen Lage der Solk i e w e r Raw, Rabbiner Vernbaum aus Beßarabien, der Kobriner Raw und der Ra ko wer Raw, der sich besonders warm für die Unterstützung von Jeschiwaus einsetzt. Die Beschlüsse des Rabbinifchen Rates. Darauf wird die Tagesordnung abgebrochen. Am Präsidialtisch nehmen Rabbi Chajim Oser Grodsensky- Wilna, Oberrabbiner Fürst- Wien, I. M. Lewin - Warschau und Jacob Rosenheim - Frankfurt a. M. Platz. Oberrabbiner Schapira - Piotrokow ergreift das Wort zur Berichterstattungüber die Tätigkeit des allweltlichen Rabbinifchen Rates. In seiner diesmaligen Tagung, so führte der Referent aus, hat sich der Rat eine Verfassung gegeben. Der Rat besteht aus 120 Mitgliedern; 36 Mitglieder hiervon bilden die Exekutive. An der Spitze des Rates steht ein dreigliedriges Ehrenpräsidium (Chofez Chajim, Czortkower und Gerrer Rebbe) und ein aus 8 Mitgliedern bestehendes Arbeitspräsidium mit Rabbi Chajim Oser Grodsensky als Präsidenten. Dem Präsidium gehören an je ein Mitglied von Litauen, Galizien, Tschechoslowakei, Rumänien-, Deutschland und den Randstaaten, sowie 2 Mitglieder von Polen. Das Präsidium hat mindestens alle drei Monate, die Exekutive midnestens VA jährig und der gesamte Rabbinische Rat alle drei Jahre zusammenzutreten. Die nächste Vollsitzung des Rates findet in Erez Jisroel statt. Reben den Verfassungsfragen hat sich der Rabbinische Rat mit einer Reihe praktischer Fragen befaßt: Das Resultat seiner Beratungen gibt der Rat durch Herausgabe von Kaul Kaures bekannt: In der A g u n o t y - F r a g e ist die sofortige Errichtung einer Zentralstelle, die alle notwendigen Nachforschungen anzustellen hat, beschlossen worden. Die orthodoxen Juden aller Länder werden zum Beitritt in die Agudas Jisroel aufgerufen. Der 8 4 bleibt in seiner Fassung unverändert, aber in Fragen von weltlichen Organisationen hat der allweltliche, in Fragen von Landesorganisationen hat der Landes- Rabbimsche Rat über die Wählbarkeit in die obersten Organs zu entscheiden. In einem Kaul Kaure werden die Gesetzestreuen aufgerufen, die selbständigen orthodoxen Gemeinden ihres Ortes zu fördern. Die in Deutschland wohnenden Ostjuden werden auf die Verpflichtung, der orthodoxen Gemeinde beizutreten, hingewiesen-. — In der Maran n e nfrage hat sich der Rat für die Aufnahme der Zurückkehrenden entschieden und erachtet es als Pflicht der gesamten Judenheit, den Marannen alle materielle ^ünd moralische Hilfe zu gewähren. — In der Frage der JewishAgengyhat der Rat nur seine prinzipielle Stellung sestgelegt, die Fassung aber dem G. A. überlassen. Der Rabbinische Rat hat jedoch gleichzeitig sestgestellt, daß für uns der Aufbau von Erez Jisroel mindestens so wichtig und teuer ist, wie der anderer Kreise. Schließlich teilt Oberrabbiner Schapira mit, daß der Mauezes Chachme Hatorah beschlossen hat, Herrn Jacob Rosenheim den» Titel „Morenu Horaw" zu verleihen. Das ganze Haus erhebt sich und bringt Herrn Rosenheim stürmische Kundgebungen dar. Rach einer kurzen Ansprache von Jacob Rosenheim, der alle persönlichen Ehrungen zurückweist, aber die Größe der Stunde feiert, in der der Rabbinische Rat sich eine Konstitution gegeben habe, wird um 11 Uhr abends die denkwürdige Sitzung geschlossen. Die Dienstag-Sitzungen. (Telegr. Bericht.) Wien, 17. Sept. Die Vormittagssitzung' von Dienstag schloß mit Annahme der Vorschläge der Verfass u n g s k o mm i s s i o n. Die Resolution über die Je w i s h Agency wird einstimmig a n g en o m m e n. Die Kenessio Gedaulo protestiert gegen den Versuch, historische Rechte des jüdischen Volkes zu schmälern und fordert von der englischen Re-, gierung eine unparteiische Untersuchung der Schuldfrage und der Bestrafung der an den Mordtaten in Palästina Schuldigen,. Die Vorschläge der P a l ä st i n a - Kommission zur Schaffung einer gemischten Chinuch -Kommission in Jerusalem, bestehend aus je 6 Agudisten und 6 der Jerusalemer Aguda nicht angehörenden Gesetzestreuen, führt zu einer äußerst erregten Auseinandersetzung und wird, da eine Einigung nicht zu erzielen ist, zuletzt dem Geschäftsführenden Ausschuß zur weiteren Verhandlung überwiesen.

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