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Der Israelit · 1929-09-19 · Heft 38 (19.9.1929) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 38 (19.9.1929)
Date
1929-09-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. Nr. 38 Der Israeli! 19. Sep-embeir 1929 Die Eenessto Oeäsulo. Aach der Eröffnung. Unter dem gewaltigen Eindruck der Eröffnungssitzung füllte man eine halbe Stunde mit Maariwgebet, Austausch von Begrüßungen und ernsten Besprechungen aus. Gegen 9 Uhr fand man sich wieder im Plenum zu einer Sitzung zusammen, um den Bericht 'der F i n a n z k o m m i s s i o n entgegenzunehmen. Herr Leo Wreschner, Frankfurt a. M., teilt mit, daß die Gründung einer Allgemeinen Kreditbank A. G., mit Sitz in Amsterdam und Berlin, beschlossen wurde. Das Aktienkapital beträgt Lstr. 100.000.' Große Zeichnungen sind bereits in der Kommission gemacht worden, und weitere erfolgen aus der Mitte der Versammlung. Das Institut soll rein kaufmännisch betrieben werben und insbesondere auch dem Osten zu Hilfe kommen. Sodann verfolgt es als Hauptziel, der Jugend zu einer Existenzgründung zu verhelfen. Aus den weiteren Leitsätzen der Allgemeinen Kreditbank A. G. seien nachfolgende wiedergegeben: Das Aktienkapital beträgt RM. 2 000 000 (Goldmark), eingeteilt in 100 000 Aktien ä Mk. 20.— Als erste Tranche werden 30 000 Aktien ä Mk. 20.— ausgegeben. Die Ausgabe erfolgt zum Nennwert, jedoch hat jeder Zeichner als Beitrag zum Organksationsfond 10 Prozent in bar zu entrichten. Organe der Bank sind: Der Derwaltungsrat, bestehend aus mindestens 25 Mitgliedern. Der Ausschuß. Er besteht aus 7—11 Mitgliedern, von denen die Mehrheit ihren Sitz am Domizil der Bank oder in der Nähe haben muh. Der Vorstand besteht aus mindestens zwei gleichberechtigten Direktoren; er führt die Geschäfte und haftet gegenüber den Aktionären, wie den Verwaltungsgremien für ordnungs- und statutengemäße Führung der Geschäfte. Die Genera lversammlung tritt einmal im Jahre, und zwar innerhalb 3 Monaten nach Beendigung des Geschäftsjahres auf Berufung durch den Vorstand zusammen. Sämtliche Büros der Bank müssen am Sabbat und Festtagen geschlossen bleiben. Die Bekanntgabe der Gründung wird mit großem Jubel entgegengenommen. Der Rest des Abends gehört dem D a f I o m i. Der Begründer dieser Institution, der Pitrokower Raw, von der Versammlung mit großen Ovationen empfangen, lernt den Traktat aus und knüpft daran eine zündende Ansprache, voll Geist und Mahnung und getragen von einem jüdischen Feuer, das alle Herzen entstammt. Damit hatte der Abend seinen harmonischen Abschluß gefunden. Für die einzelnen Gruppen und Kommissionen gab es noch lange keine Nachtruhe. Bis m die spätesten Nachtstunden sah man in den Nebenräumen Licht. Dort saßen die Landsmannschaften, Gruppen und Kommissionen bei Beratungen zusammen. Der Mittwoch. Es ist der erste eigentliche Arbeitstag. Die Festklänge des Eröffnungsaktes rauschen noch in den Ohren. Die Kenefsio ist noch etwas lyrisch gestimmt und muß sich langsam zur ernsten nüchternen Arbeit hinüberfinden. Die Herren Rabbinen vom Osten verzichten nicht auf längere, oft umständlich an mutende theoretische Auseinandersetzungen. Hört man aber richtig hin, tut sich doch der sachliche Kern immer sichtbarlich auf. Und dieses Feuer, dieser Eifer, dieser Wille zur jüdischen Arbeit! Die Herren haben ihr jüdisches Herz übervoll. Wer wollte es ihnen verargen, wenn die Lippen einmal überlaufen, und zwar oft weit über die von der Geschäftsordnung gezogenen Ufer ... Jrn Mittelpunkte des Mittwochvormittags l stand der Geschäftsbericht. Die Debatte bringt viel Anerkennung und einige Kritik. Ueberall der Notschrei der jüdischen Seele. Judentum in Not! Thora in Not! Helft uns! Im Folgenden fei der Bericht der beiden Mittwochsitzungen wisdergegeben: ^Mittwoch Vormittag um 11 Uhr tritt das Plenum zur dritten Sitzung zusammen. Herr Oberrabbiner Le- ,w in-Rzeszow, begrüßt die Versammlung und verliest die Liste der Kandidaten für das Präsidium, die alle per Akklamation gewählt werden. Wir haben die Namen bereits telegraphisch angegeben. Her Oberrabb. Senator Z i r e l s o h n übernimmt den Vorsitz. Gr führt sich mit einer Begrüßungsrede ein, in der er u. a. sagt: Die A. I. steht rechts und links; rechts, weil auf dem Boden der Thora, links, weil durch und durch sozial und warme Menschlichkeit erstrebend. BiOXULTi Die sfarkschäumencfe Sauerstoff-Zahnpasta ■ wird von vielen Zahnärzten als beste Zahnpasta bezeichnet und selbst benutzt. Kleine Tube 30 Pf. Bl OX-MUNDWASSER Flasche 1.— und 2.— Mt. Gegen lockere Zähne. Probe-Flasche gratis. Max Elb A. Q., Dresden Der schwere Kamps der Eesetzestreuen nach innen hat schon gleich nach der Gesetzgebung am Sinai mit dem „Egel" begonnen, hat sich in der Richterzeit sortgescM und muß jetzt noch geführt werden. A. I. kennt keine Angst, weil der sie beseelende Thorageist allen Gefahren trotzt. Er schließt mit Segensworten für die Verhandlung der K. G. Es folgen warme Begrüßungen durch den Wiener Naw Oberrabbiner Fürst und eine längere Rede des Pinsler Raw, Aron W o l k i n, der in Trauer und Wehmut auch der Verluste in Palästina gedenkt. Mit markanten Worten begrüßt Kommerzialrat Sigmund B o n d i Vorsitzender der Gemeinde „Adaß Jisroel" in Wien, die Versammlung. Der Vorsitzende huldigt mit einigen Worten dem Schöpfer des Daf Jomi, Oberrabbmer Schap i r o. Daraus ergreift Rabbiner Dr. P. K o h n das Wort zu seinem Referate, als Einleitung zum Geschäftsbericht. Der Geschäftsbericht selbst liegt im Drucke vor, und werden dessen Grundgedanken an anderer Stelle «nedergeben. Sollte Kritik einsetzen, meint der Redner, so ser gesagt, daß keiner so kritisch sein kann, wie er und der G. A. selbst. Alles was nicht getan wurde, sei aus das Schuldkonto der Dezentralisierungsbestrebungen zu setzen. Die Eigenbrödekei gehe oft so weit, daß man mit Austritt drohe. Nichts könne sich noch in der GesamtorthodvXie ereignen, was die Welt nicht in Verbindung mit der Aguda brächte. Die Welt weiß, daß in der Aguda sich die Ideenwelt und das Leben der Orthodorie konzentriert. Er spricht dann Dank insbesondere den „Zeire A. I." aus. Es sei noch ausgesprochen, daß nichts rechts von A. I. stehen kan n. Die A. I. zeigt an der Grenze der heiligen Thora, wo sich der Jude vom Juden scheidet. Damit ist zur Generaldebatte übergeleitet, die in der Nachmrttaqssitzung beginnen soll. M i ttw o ch N a chm i tt a g. Kurz nach 5 Uhr eröffnet Senator Z i r e l - sohn die Sitzung. Als erster Redner ergreift Jankelewitz, Kalifch, das Wort und erklärt im Namen der „Poale Jisroel in Polen" deren volle Zugehörigkeit zur A. J.-Weltorganifation. Darauf richtet Wolf Pappenheim, von der Versammlung mit Jubel begrüßt, ein paar herzliche Begrüßungsworte an die Versammlung. Im Namen der holländischen Landesorganisation hält nun Herr Slagter-Rotterdam eine längere gedankenreiche Rede, in derqn konkretem Teile er der Leitung Anerkennung zollt. In Holland mache die Aguda Fortschritte. Die K. G. sollte in einer Resolution der Welt und der gesamten Judenheit erklären, daß die Juden das Gottesoolk sind. Er beantragt ferner, die Gründung eines Keren Haschabbos. Die Welt muß wissen, daß alle Initiative für die S a b - batbewegung von der A. I. aus gingen. Es wird mitgeteilt, daß ins Präsidium noch folgende Herren eingetreten sind: Goodman -London, Slagter für Holland, Rabbiner K a h a n e für Amerika, Herr Kirkes für Polen. Thoraworke auf der kenefsio Gedaulo. Die Männer der Thora im Osten, denen das heilige Wort Maß aller Dinge ist, lieben es, auch die sachlichen Fragen der nüchternsten Wirklichkeit mit heiligen Testen und geistvollen Ausdeutungen zu verbrämen. Wer darin Ablenkung sieht, hat kein Ohr für die Sprache der jüdischen Seele. Deutlich, plastisch oft hebt sich aus dem Zierwerk der positive Grundgehalt der Rede ab; Sachlichkeit, von Perlen überstrahlt, aber nicht zugedeckt. Hiermit eine kleine Auslese in aphoristischer Kürze: -iron i-rr '~i mm man tk Damals, vor sechs Jahren, sprachen sich hier die in Gott Geeinten zum erstenmal von Mann zu Mann aus. Wer durste wagen zu hoffen, daß aus dieser Zusammenkunft eine solche Bewegung erwachsen würde? Allein "7 üfcp'-i, Gott vernahm die Sprache des jüdischen Herzens, ivv isw'mVi n yjs£> yrot nso anM, er schrieb alles in Sein Buch ein, so daß die Schaar derer, die sich zu Seinem Namen zählt, so groß und stark heute da stehen kann. (Aus Begrüßungsrede). -java mpn ntnaa Vielfarbig und weithinleuchtend wie der Bogen kn den Wolken ist diese Zusammenkunft. Möge sie auch Vogen in der Hand des Schützen fein, zur Abwehr aller Angriffe auf Gott, Israel und Seine Thora. (Aus einer Begrüßung). -NVVVI 112'1 N3VN» Der Gedanke dient dem Worte, das Wort der Tat. Wehe wem der Diener (Wort) die Herrin (Tat) überschreit und sie gar ni cht zu Wort kommen läßt. (Aus einer Mahnung des Vorsitzenden Zirlsohn zur Einschränkung der Redezeit). .'i3i "tV nywn nr 'iai pnx nyc? innD Tlan öffnet niete Tore der Gerechtigkeit, 'irv. Viele Wege und Türen führen zu Gott. Ist man einmal drinnen, ist es doch immer nur ein Tor und ein Ziel uwn (Diskussionsredner gegen § 4.) Wie ist das zu erklären, daß die wilden, reißenden Tiere in Noahs Arche Frieden miteinander hielten? Sie sahen zum Fensterchen hinaus in die. verderbende, allvernichtende Flut. In solcher Stunde der Gefahr schließen sich selbst wilde Tiere zur Brüderschaft zusammen. (Aus einer Mahnrede zur Einigkeit in der Generaldebatte). Kleines Feuilleton. Endlich erreicht! Die endgültige Unterrichtsbefreiung in Sachsen. Von Dr. S. Erünberg. Vorsitzender des Weltverbandes der Schomre Schadbos. In der letzten Nummer des Verordnungsblattes des sächsischen Kultusministerium wird endlich die Verfügung aufgehoben, nach welcher ein Dispens vom Sonnabend" unterricht unter keinen Umständen erteilt werden darf; Damit werden die in Sachsen herrschenden Bestimmungen tn völligen Einklang mit denen der anderen Bundesstaaten gebracht. Die Vorgeschichte dieser Verfügung ist interessant genug, um kurz beleuchtet zu werden. Seit dem Jahre 1876 herrscht in Sachsen die Bestimmung, daß Schuldispense an Sonnabenden deshalb nicht erteilt werden, weil diese Befreiungen nicht beansprucht worden sind. Durch persönliches Entgegenkommen einzelner Schuldirektoren wurden allerdings Ausnahmen dieser Regel stillschweigend vom Ministerium geduldet. Erst nach der Revolution, als besonders in Sachsen eine stark religionsferndliche Stimmung Platz griff, wurde die alte Verfügung in schärferer Fassung den Schulbehörden zur Kenntnis gebracht und ausdrücklich verordnet, daß außer an den hohen Feiertagen keinerlei Dispens zu erteilen sei. Mit ähnlicher Schärfe wurde auch gegen die anderen Religionsgemeinschaften vorgegangen und es hat eine jede ihre Forderungen bezüglich der Tage an denen eine Dispens unbedingt erforderlich ist, auf ein

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