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Der Israelit · 1929-09-12 · Heft 37 (12.9.1929) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 37 (12.9.1929)
Date
1929-09-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8. Nr. 37 Der Israelit 12. September 1929 Die Haltung der transjordanischen Stämme wird im allgemeinen als zufriedenstellend angesehen; eine Aus nähme machen zwei kleine Stämme im Norden. Kairo, 4. Sept. Vom Büro der Jüdischen Telegraphenagentur in Jerusalem wird telefonisch nach Kairo mitgeteilt, daß ein großer Arabertrupp die jüdische Kolonie Chittin bei Tiberias angegriffen hat, aber vom britischen Militär in die Flucht geschlagen wurde. Dabei wurden 12 Ara der getötet und mehrere gefangen genommen. Die jüdische Kolonie. Kfar Tabor wurde ^ion Arabern angegriffen und ausgeraubt. Die Araber führten das Vieh mit sich fort. Unter den Arabern wird die Suche nach Waffen und nach geraubtem Gut fortgesetzt. Die Nachrichten, daß die Kolonien Tel Joseph und Beth Alpha von Arabern angegriffen worden sind, haben sich nicht bestätigt. Es erfolgte ein Angriff auf Sed Jara, der zurüägeschlagen wurde. In der'Nacht zum Dienstag griff eine Horde Araber die von der' Bevölkerung geräumte Villenstadt Talpioth an. Das britische Militär schlug den Angriff zurück. Talpioth ist bekanntlich schon einmal nach der Räumung durch die Einwohnerschaft von Arabern geplündert worden. Beduinen haben am 3. September die jüdische Kolonie Mescha überfallen und zum Teil ausgeraubt. Die Polizei griff sofort energisch ein, erreichte die Horde und brachte und brachte das geraubte Gut in die Kolonie zurück. Auf die Judenschaft Palästinas hat diese Tatsache einen sehr guten Eindruck gemacht; der Erfolg bei Mescha zeigt, daß wo guter Wille besteht, das entsprechende Resultat nicht ausbleibt. Die Verhaftungen bei dem jüdischen Selbstschutz wur den auch gestern noch fortgesetzt. Heute, den 4. Septem ber, wird aus allen Teilen Palästinas Ruhe gemeldet. Dank an die Universität Oxford. Jerusalem, 5. Sept. Die jüdische Gemeinde von Jerusalem hat an die Universitä "Oxford ein Schreiben gerichtet, in welchem den Orsorder Studenten, die während des Ausbruchs der Unruhen in Jerusalem weilten, und Seite an Seite mit der jüdischen Jugend die Heilige Stadt ÜNd die Zivilisation verteidigten, der Dank und die Wertschätzung ausgesprochen wird. Das Schreiben wurde der britischen Presse zur Veröffentlichung übersandt. Palästina wird längere Zeit militärisch beseht bleiben. — Englische Richter werden Recht sprechen. Jerusalem, 7. Sept. In den Kreisen der Palästinaregierung wird offen zugegeben, daß man noch aus lange Zeit hinaus mit dem Banditenunwesen, das in der letzten Zeit im Gefolge der Unruhen zum Durchbruch gelangt ist, zu rechnen haben wird. Um mit diesem Banditentum auszuräumen, wird es sich als notwendig erweisen, für eine beträchtliche Zeit eine starke militärische Besatzung im Lande zu unterhalten. — Gemäß Kabinettsorder sind Gerichte zum Verhör und zur Aburteilung der Schuldigen eingesetzt worden, die sich aus englischen Mitgliedern der. Palästina Administration zusammensetzen. - (ITA.) Der Groß-Alufti fordert« . . Jerusalem, 7. Sept. Der Groß-Musti unterbreitete dem Oberkommissar die folgenden Forderungen: 1. Politische Gleichheit der Araber mit den Juden;2. gleiche wirtschaftliche Rechte für Araber und Juden; 3. Annullierung der bisher versehenen Konzession für Errichtung von Staukraftwerken zur Elektrifizierung Palästinas (Rutenbergs Palestine Electric Corporation) und anderer Konzessionen,' Neuverleihung aller Palästina-Konzessionen durch , die Mandatsregierung auf der Basis bes öffentlichen Wettbewerbes; 4. Status quo hinsichtlich der Benutzung der Heiligen Stätten bezw. des Status der einzelnen Religionen; 5. Einführung neuer Einwanderungsbeschränkungen, bezw. Regelung der Einwanderung gemäß der sozialen und wirtschaftlichen Bedürfnisse Hes Landes. (ITA.) Palästina vor dem Völkerbundsrat. Je-rAsalem, 5. Am 6. September nahm der Völkerbundsrat anläßlich des Tätigkeitsberichts der Mandatskommission Stellung zu den palästinensischen Unruhen. . Nachdem der Berichterstatter Procope (Finnland) das Bedauern des Rates über die Vorgänge zum Ausdruck gebracht hatte, ergriff der britische Außenminister Henderson das Wort. Nach seinen letzten Informationen vom 31. August betrage die Zahl her Opfer: Getötet 83 Mohammedanex, 4 Christen, 109 Juden; verwundet liegen in den Hospitälern 122 Mohammedaner, 10 Christen, 183 Juden. Die Unruhen seien im Allgemeinen beendet, wenn auch noch nicht überall volle Ruhe herrsche. Eine llntersuchungskommission, bestehend aus einem. Richter und je einem Vertreter der drei großen Parteien soll die Lage prüfen. Die britische Regierung, schloß Hederson, habe nicht im Sinne, das Mandat oder feine Natur neu zu prüfen. Sie halte an der früheren Politik fest, d. h. an der Grundlage der Balfour-Deklaration von 1917, in der die Errichtung des Jüdischen Nationalheims in Palästina vorgezeichnet ist. Wenn der Bericht der Untersuchungskommission vorliegen wird ,werde die Negierung entscheiden, welche Maßnahmen zu treffen seien, um für die Zukunft die Wiederkehr ähnlicher Ereignisse unmöglich zu machen. Es ergriffen sodann verschiedene Redner das Wort, UM zunächst ebenfalls ihrer Sympathie für die Opfer der Ereignisse in Palästina Ausdruck zu geben, so der polnische, der rumänische und der kanadische Vertrete-r. Auch der deutsche Außenminister Stresemann gab der Hoffnung Ausdruck, daß England feine Pflicht tue. Tragische Ironie. Jerusalem, 5. Sept. Besonderes Aufsehen erregte es, daß der bekannte Gelehrte Harold Wiener, der sich mehrfach als Freund der Araber erwiesen hat, bei den Zusammenstößen Jerusalem ermordet wurde. Bei 'der Eröffnung seines letzten Willens stellte sich heraus, daß er 10 000 Lstr für arabische Institutionen als Legat ausgesetzt hatte Die Führer der Agudas Jisroel fordern, daß die Untersuchung gegen die Verbrecher von unparteiischen britischen Beamten geführt wird. Sie protestieren gegen die wahllosen Verhaftungen unter den Juden in Haifa und in anderen Städten, die sich ihres Lebens wehrten, nachdem sie von den Massacres gegen wehrlose' Menschen in Hebron erfahren haben. «In Hebron", schloß Rabbi Sonnenseld seine Ansprache-an den High Commissioner, „wurden Männer groß im Gesetz, Aristokraten des Geistes, deren Leben frommen, gottgefälligen Taten gewidmet war, abgefchlachtet, totgeschlagen und gemartert, ohne daß sie von irgendwelcher Seite Hilfe erhalten haben. Eure Exzellenz werden wohl wissen, daß in der Jefchiwah von Hebron junge Männer waren, die, hätten sie vorher gewußt, daß auf die Behörden kein Verlaß ist, zur Selbstverteidigung gegriffen hätten und nicht niedergemäht worden wären wia Heu unter der Sense." (ITA.) Mahnung und Beruhigung. Jerusalem, 6. Sept. Wie gerade in den Kreisen der Gesetzestreuen Palästinas das große Unglück vorausgeahnt wurde, beweisen die Aufrufe des Waad Hgfr der Afchken a f i m, die kurz vor Tischobeaw verteilt wurden, und entgegen allen Demonstrationsversuchen dringend zur Ruhe und Besonnenheit mahnten. In einem dieser uns jetzt zugegangenen Aufrufe heißt es u. a.: „Die unkontrollierbaren Gerüchte stören die Ruhe der Bürger und bergen schwere Gefahren für den ganzen Jischuw. Uebereilte und unbesonnene Maßnahmen gegen einzelne wilde Uebersälle, auch wenn sie in reiflicher Notwehr geschehen, verschlimmern die Lage noch mehr. Alle Teile der Bevölkerung werden aufgeifordert, in Ruhe der Entwicklung der Koselsache entgegenzufehen, damit nicht ganz Jerusalem in Gefahr gebracht wird. Wem es ernst ist um die Ehre und das Wohlergehen Jerusalems und jeder, dem jüdisches Menschenleben teuer st, wird alles aufbieten, daß sich die Gärung nicht zu Tumulten und Pogromen auswächst." •... Die Bulletins der Regierung, die .die verbotenen Zeitungen ersetzen sollten, liegen uns nun auch in hebräischer Sprache vor. Sie sind aus Beruhigung. de" Gemüter abgesehen und ergeben kein Gesamtbild der Lage. Die Verluste werden in Zahlen nach Konfessionen angegeben, und zwar ohne Kommentar. Ausführlich sind in den Bulletins nur die offiziellen Bekanntmachungen der Behörden wiedergegeben. Rabbi Sonnenfeld bei Chancellor. 1 Jerusalem, 10. Sept. Rabbi Sonnenfeld, das Oberhaupt der der Ägudas Jisroel angeschlossenen traditionell gesetzestreuen jüdischen Gemeinschaft Palästinas, und Rabbl Poungreis hatten eine Unterredung mit dem Oberkommissar Sir John Chan-, cellor, in deren Verlaus sie ihrer tiefsten Enttäuschung darüber Ausdruck gaben, daß trotz wiederholtes Versprechungen seitens der Regierung nichts unternommen würde, um den Juden Jerusalems und ganz Palästinas wirkliche Sicherheit gegenüber den schrecklichen und ohn^ Beispiel dastehenden Angriffen^ der Araber Schütz "zu gewähren. Die Rabbiner erklärten;' wenn die.Juden strengste Bestrafung her Schuldiget" fordern, fo. nicht darum, weil sie. von Gefühlen der Rache beseelt sind, sondern weil sie den Wunsch haben, daß endlich die Ordnung und die Sicherheit für Leben und Eigentum in Palästina wiederkehren. j Vermischtes. Breme», 12. September. Das altbekannte jüdische Restaurant Levys Hotel ist zum 15. September an ein Brauereikonsortium verpachtet worden? Der seit zwei Generationen im Besitz der Familie Levy befindliche Koscher-Restaurationsbetrieb nimmt damit ein Ende, und es ist zu wünschen, daß sich bald eine geeignete Persönlichkeit findet, die eine streng rituelle, modern geleitete jüdische Speisewirtschast neu eröffnet. Der enorme Durchgangsverkehr und das Vorhandensein zahlreicher jüdischer Angestellter erfordern jedenfalls eine baldige Lösung des entstandenen Problems. Kirchhain (Bez. Kassel), 18. August. Der mm na» war für unsere Gemeinde von besonderer Bedeutung, galt es doch, das 25jährige Bestehen unseres Eottejshauses festlich zu begehen, und man rüstete sich in allen Kreisen der jetzt ansehnlichen Kehilloh, alles aufzubieten, um Eindruck zu hinterlassen. Die Absicht der Festlekter war von der Tatsache geleitet, der Gegenwart zu zeigen, was ihre Vorfahren in Kirchhain, in dem damals 25 jüdische Familien wohnten, geleistet haben. Jene Männer haben damals einen Dauerwert geschaffen, denn sie waren wahrhaft fromme Juden und weitblickende Menschen. So steht das schöne Gotteshaus, ein^Prachtbau von seltenster innerer und äußerer Schönheit, noch heute so da, wig am Tage der Weihe. Seine Pforten sind aber täglich geöffnet, nie fehlt es an Minjan und am na» und ai» cm bleibt selten ein Mann oder eine Frau beiin Gebet aus. So ist die Kirchhainer Schul auch innerlich in dem Viertel-- jahrhundert mehr geworden, und die jetzt dort wohnenden 70—80 Familien freuen sich, den Weg der Alten sortzusetzen. Möge es so bleiben. — Schon am Freitag Nachmittag sah man auf allen Gesichtern die Festesfreude^ Im Festgewand eilten alle Kirchhainer Juden mit ihren vielen Gästen in das mit Lorbeerbäumen und Blumen geschmückten Gotteshaus zum Gebet. Eine freudige Ueberrafchung wurde ihnen dort noch geboten. Herren aus der Gemeinde hatten unter Leitung des Herrn Julius Isaak einen Männerchor gebildet, der in solcher Reinheit sang,, daß er in jeder Großgemeinde in Ehren hätte bestehen: können. Für die Abendmahlzeit blieb der Gemeinde nicht: lange Zeit. Gleich nach 9 Uhr war der große Saal des „Hotel Zipfel" wieder gefüllt. Dort sprach Lehrer Horwitz aus Kassel „Aus der Geschichte und Volkskunde der hessischen Juden". Der Redner, der Kirchhain und Umgegend besonders hervorhob, konnte durch feine langjährigen Forschungen aus dem Vollen schöpfe" und fand recht aufmerksame Zuhörer. — na» Vormittag i?war ganz dem Gottesdienst gewidmet.. Wiederum erfreute bet Männerchor durch geeignete Söndergesänge und die Liturgie die andächtige Gemeind" und Lehrer Rapp gab in seiner Festrede!dem Ausdruck, was alle bewegte .Der Redner verband in sinniger Weife arra und nrnr 'v Zerstörung und Ausbau, ersucht die Gemeinde näch Inhalt? des Thorawortes, in« ja»on m'i zur- Einigkeit und ermahnte, im Sinne der Alten, das ideale Gebäude vor Rissen und Verfall zu bewahren. Im Rahmen des Gottesdienstes wurden mit den bekannten Gesängen auch nispir gemacht. Die Thorarollen trugen alte Leute, die bei der Einweihung, zugegen waren. Bei manchem Greis 'lassen Tränen. In nachdenklicher, ernster Stimmung verließen alle das Gotteshaus. — Aus Ernst folgte Fröhlichkeit. Die kam noch abends,' zum Ausdrück, und man? genoß sie in vollen Zügen, bis der angebrochene Tag. «ein neues Recht forderte . L. Htz. London, 1.. September. . Unter dem Vorsitzvon Mr. I. C. Cohen ist in Whitechapel eine Organisation der Kleinhändler, die in Ostlondon wohnen, geschaffen worden mit dem Ziele, die Arbeitszeit in den .Ladengeschäften äbzukürzen und den christlichen Geschäften. die' Beobachtung der Sonntagsruhe zu sichern. Die Initiatoren wollen. die Interessen der jüdischen Ladenbesitzer,' die am. Sabbat geschlossen halten, loyal wahren.; Heidelbergs 24. August. Als erfreuliches Symptom, der- Erstarkung' des gesetzestreuen jüdischen Lebens in %e; die Tatsache ' zu .benMlen,- daß der Verein „Machsike Hadaß" (Verein gesetzestreuer Juden a: V.) sich "nüninehr entschlossenha" einen'Eigenen Vereinsrabbiüer änzüstellen. Herr Hermann Meier, welcher seine Ausbildung bei der Frankfurter Jeschiwah genoßwurde auf diesen Posten berufenund wird sein. Amt noch vor Rosch Haschono antreten.

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