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Der Israelit · 1929-09-05 · Heft 36 (5.9.1929) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 36 (5.9.1929)
Date
1929-09-05
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 Nr. 36 Der Israelit Winkel im Winkel. Von L. Moses. Im äußersten Süden des Wiener Beckens, wo dieses allmählich in das Steinfeld übergeht, Ikegen fünf Boote, deren Namen durchwegs mit dem Buchstaben T beginnen. Es ©egt nahe, nicht Motz Zufall oder das- Gesetz der Serie, sondern irgendein geologisches oder gar ein vökkie-rpsychologisches Gesetz zu vermuten, dem diese NamenbWdungen zuzuschreibenwären. Jedenfalls lohnt sich -eine kurze Betrachtung der Schicksale dieser Orte, denn schon der südlichste unter ihnen, Teesdorf, hat eine interessante Vsvgnag-enheit. Der Name wird vom keltischen „tees", das eine Hirtensiedlung -bezeichnet, abgeleitet und gleich vielen anderen Orten der Gegend, die aus wirtschaftlichen oder klimatischen Gründen, oft aber auch infolge von Kriegsereignissen von ihren Einwohnern verlassen worden waren, war auch Teesdorf später, im sechzehnten Jahrhundert, von Kroaten bewohnt. Sogar die Pfarrer waren mitunter Kroaten und nur -langsam wurde — nicht ohne mannigfache Kämpfe — auch Teesdor-f Meder rein deutsch. Zur Zeit der Herrschaft des aufgeklärten Absolutismus wurde im Zuge der Industrialisierung des Wiener Beckens im Jahre 1802 in Teesdorf eine S-piinnsa-b-ri-k errichtet und bald darauf auch indem nahegelegenen Tatteu-dors, das schon zu Beginn des zwölften Jahrhunderts als Tatindors bekannt war. Dieser Ort befand sich Jahrhunderte hindurch im Besitze des Stiftes Klosterneuburg, während das weiter nördlich gelegene Trnm-au, das ursprünglich keltisch Drumarn- und später Drumenau geheißen hatte, schon im Jahre 1138 Eigentum des Stiftes Hoilig-enkreuz war. Noch heute befindet sich in Trumau, das nach rnannigfachen Kriegen und Plünderungen im sechzehnten Jahrhundert ebenfalls durch Kroaten neu besiedelt wurde, ein Weierhof der Zisterzienser. Ueberdies ist aber Trumau vielleicht der einzige Ort in Niederösterreich, in dem Juden nach ihrer Vertreibung aus dem ganzen Lande, -die im Jahre 1670 erfolgte, einen Schlupfwinkel fanden. Wir wissen nicht, wann dieser Aufenthalt von Juden in Trumau begann und wixvi-ele Familien es waren, die da unter dem Schutze der geistlichen Herren lebten. Sicher ist nur, daß diese Juden infolge ihrer alten Geschäftsverbindungen auch im nahen Baden den -eingesessenen Kaufleuten Konkurrenz boten. Und so kam es, daß auf Beschwerden dieser Badener Handelsleute hin am 10. Dezember 1709 dem Stifte Heiligenkreuz von Josef I. befohlen wurde, die Juden aus Trumau abzuschassen. Der vierte unter den Orten, mit denen wir uns beschäftigen, ist das westlich von TruMau Meg-ene Trai-skirch-en, das, an einem Mchtigen Punkt der alten Römerstrahe gelegen, im fünfzehnten Jahrhundert Baden an Bedeutung weit überragte und schon längst Marktrecht besaß, als Baden noch ein unbedeutendes Dorf war. Daist es denn auch kein Wunder, -daß, während in Baden im Mittelalter von Juden keine Spur zu finden ist, in Traiskirchen im vierzehnten- und fünfzehnten Jahrhundert eine bedeutende Judengemeinde bestand, die ihre -eigenen Judenrichter hatte, und daß Rachem von Trais-kirchen (damals Dreskirchen) im Jahre 1414 als Einnehmer der österreichischen Judensteuern genannt wird. Eine Mühle außerhalb des Ortes heißt noch heute „Judenmühle", da sich inihrer Nähe der „Judensteg" und der „Judenweg" befinden-, die die Juden, vielleicht — um 1700 herum — von Trumau kommend, aus ihrer Wanderung nach Baden passiert haben mochten. In engster Nachbarschaft Tra-vskirch-ens aber Wetzt schließlich, nur mehr eine halbe Stunde von Baden entfernt, Tribuswinkel. Nach der Anschauung einiger Trrbansw-mckel, Trüb-eswünkhl und Tribes winket lautete, auf das flavifche „trib", das heißt Dorf, zurückzuführen. Jedenfalls ist der Ort, der im Volksmund auch heute noch oft nur kurz „Winkel" genannt wird, uralt und er war nicht mir einer der letzten, Zufluchtsorte des Protestantismus in Niedeerösterreich zur Zeit der Gegenreformation, sondernbeherbergte im siebzehnten- Jahrhundert auch vierzehn jüdische Familien, für jen-e Z-eit also eine ganz ansehnliche Judengemeinde. Die Wassergasse heißt noch heute im Volksmund Judengasse und am „Seng-erhof" ist noch jetzt der Eingang zur Synagoge erhalten. Erft vor kurzem wurde in einem TribuswiNkle-r Bauernhaus einwahrscheinlich aus -einer Au bei Tribuswinkel, in der noch jetzt ein Ried „Judenfriedhof" heißt, stammender hebräischer Grabstein gefunden, der nur schlicht die Grabstätte des „wackeve-n Jsak, genannt Eifack" kündet. Im Jahre 1670 mußten auch aus Tribuswin-kel alle Juden auswandern und noch heute behauptet die Volksetymologie im nahen Burgenlan-d, daß die Juden es gewesen wären, die den Ort ein- „trübes Winkel" genannt hätten. Die ursprünglich vermuteten Gründe für die Gleichheit des Anfangsbuchstabens dieser fünf Ortsnahmenhat nähere Untersuchung zwar nicht bestätigt, wohl aber finden wir, daß in dem rechten Winkel, den die fünf Orte mit Trumau im Scheitel bilden, jeder dieser Orte ein Winkel für sich ist, in dem wechselnde Generationen von Menschen verschiedenster Abstammung und Weltanschauung ihr bißchen Glück, oft aber auch durch ihrer Mitmenschen Schuld ein Allzuviel trübsten Geschicks gefunden haben. Ein Deutsch-polnisches Abkommen. Ort der Konferenz: Der Vetsaal in einem tschechoslowakischen Badeort. Herr Dr. L. (mit der Uhr in der Hand): Meine Herren, es ist bereits 7,40 Uhr, der nrua i»r ist doch auf 7,30 Uhr festgesetzt. Wollen wir nicht beginnen? Reb Simche R.: Ich glaube, Ihr Deutschen wäret es, die das brs gemacht haben, indem Ihr auf die Uhr zeigend, die Hoffnung auf hie Rückkunft unseres Lehrers Moses aufgabet. Herr Dr. L.: Verzeihen Sie, auch Euer System der Regellosigkeit und Unbekümmertheit um die Zeit hat häufig ernste Folgen, wie es denn tatsächlich schon vorkam, daß Ihr den nac zu früh beendet habet, weil Ihr Euch einfach nach der Dunkelheit richtet, die an bewölkte?: Tagen trügt und bekanntlich wird die Sünde von na» inim mit der von Ihnen erwähnten verglichen. Da wir nun gerade beim Abrechnen sind, so wäre ich für eine Aufklärung darüber dankbar, wieso so viele Ihrer Landsleute, darunter auch min -»ja ihre ®sv bv pbcn ganz oder zum Teil auf die Stirne legen, während doch selbst der unterste Rand der p^vn nicht unterhalb den Haarwurzeln zu liegen kommen darf. Ja, viele legen nachher noch nm bv in derselben unrichtigen Weise und wäre es dann nicht besser, nur ein Paar p^an aber korrekt anzulegen? Zwar trifft ein großer Teil der Schuld die polnischen ll'isiv, die einen besonderen Vorzug darin zu erblicken scheinen, riesengroße tnu anzusertigen, welche abgesehen von ihrem enormen Umfang schon infolge ihres großen Eigengewichtes fallende Tendenz haben und ständig über die Grenzlinie herunterrutschen. Deshalb ist der Hebel bei den a'isiv anzusetzen. Reb Simche R.: Ich kann mich der Wahrheit, die in Ihrer Kritik liegt, allerdings nicht verschließen und werde es mir angelegen sein lassen, daraus hinzuwirken, daß unsere o»isiv Ihrem Rat Rechnung tragen, denn, wie Sie richtig bemerkten, ist es kein Vorzug der wenn sie zu groß sind und dadurch das Legen auf die richtige Stelle erschweren. Da wir nun bei einer rmn sind, die mit dem Haupthaar im Zusammenhang steht, so werden Sie mir gestatten, mich zu revanchieren und meiner Verwunderung darüber Ausdruck zu verleihen, wie stiefmütterlich Ihr deutschen Jehudim das Verbot des Abnehmens der Ecken des Haupthaares behandelt. Wenn man auch nicht erwartet. daß Ihr nirrs traget, so sollen' laut nsn r-nT> die Pinn nuw auch nicht nrn pso d. h. radikal, selbst nicht mit der Scheere oder Maschine abgenommen werden, was be: Ihren Landsleuten gang und gäbe ist. Herr Dr. L.: Hierin muß ich Ihnen Recht geben, Reb Simche. Ich schlage deshalb vor, daß wir nach unserer Rückkehr, jeder in seinem Kreis, um Abstellung der beiderseits gerügten Mängel uns bemühen. Dann haben wir durch unseren Kuraufenthalt nicht nur etwas für unseren Körper, sondern auch für unsere getan und uns ein Aktioum für die bereits winkenden Tage der Rechenschaft erworben. I. F. Ainderecke. Sabbatstimmung. Von Hermann Seckbach. War das ein Raunen und Flüstern, -ein Lachen und Scherzen, als Schabbosvormittag die Kinder von der Mutter mit der Nachricht überrascht würden, daß diesmal eine schöne Erholungsr-eife ihnen bevorstände., Recha und Leo wurden nicht fertigmit Fragen, und die Mutter erzählte ihnen,, daß hoch oben, nahezu 100 Meter über dem Meere, in den Schwarzwaldb-ergen ein Bad sei nur für Kinder, di-e dort von den Erkrankungen ihres Körpers ganz gesunden. „Dort werden wir uns in Wiesen und Wälderntummeln, und die liebe Sonne, der wir viel!, viel näher sind als hier, wird uns mit ihren heilenden Strahlen so umhüllen, daß wir braun wie die Neger zurückkommen werden, so daß uns der liebe Vater kaum noch -erkennen wird." Endlich nahten die Ferien und mit -einem lachenden und -einem weinenden- Auge nahmen Mutter und Kinder, die schon im „Ferienzug" Platz genommen hatten, vom Vater Abschied. War die Fahrt schön! Erft sahendie Kinder vor ihren Augen die Bergstraße mit den langgestreckten Waldungen-, und dann kamen schon- -die Ausläufer des Schwarzwaldes in Sicht, bis sie endlich durch unzählige Tunnels mitten durch di-s hohen Berge dös Schwarzw-aldes ühren. Mit leuchtenden Micken beobachtete die Mutter >i-e Freude der Kinder an der herrlichen- Fahrt. Zwar müde, aber frohgemut landetensie endlich im „Kinderbad". Und als sie ihr Hotel aufsuchten, blieben sie wie gebannt am Eingang stehen. Bor dem Hause saß mit einem Rabbikäppchen vor einem Sefer lernend ein Mann mit einem schönen würdigen Bart. Kaum sah er die Gaftie, sprang er auf, begrüßte sie mit herzlichem „Sch-ol-aum aleichem" und stelltesich als Besitz-er des Hau- 5. Sept. 1929 fes vor. Er geleitete sie hinauf in ihr Zimmer und verabschiedete sich mit herzlichen Worten. „Aber das muffen wir doch gleich dem Papa schreiben! So ein -echt jüdischer Empfang," -kam es bet Mutter und Kindern wie aus -einem Munde. „Ich glaube," sagte -dann Me MIMer,, „daß wir. es hi-er gut g-etvoff-euhaben!" Und was der Empfang versprochen hatte, das verwrrMchte sich. Wiederum war es Freitagabend. In dem Speisezimmer des Hotels war neben den Erwachsenen eine kleine vergnügte Gemeinde von Kindern versammelt. Alle Tische waren besetzt. Rur -ein Tisch schien noch 8er Gäste zu harren. Und da -erlebtenalle, ganz -besondersaber Leo und Recha -eins -angenehme U-eberraschung. Die Türe öffnete sich -und herein kamenim schönsten Schabbosstaat gar würdevoll der Besitzer des- Hotels mit seiner Familie, und sie nahmen an dem -noch leeren Tische Platz. Dann wurden Me Schabbosli-chter -entzündet, und der Herr des Hauses machte später nach dem Beten seierÄ'ch Kiddu-sch und sang mit Inbrunst Me herrlichen Sabba Meder. Lev und Recha dünkt-en sich wie zu Hause, in Gedanken war ja ihr Papa bei ihnen und benschte sie. Gar zu schnell entschwand Me Zeit, und -als Recha und- Leo mit Hrer Mutter wieder -daheim anlangten -undfrohbewegt von ihrem Vater umarmt wurden, da konntensie nicht genug erzählenvon ihrem schönen Aufenthalt im „Kinderbad". Diese Feri-en bli-eben den Kindern unv-evgeßkl'ch, waren sie doch durchdrungen von — Sab b a-tstimmun-g. Garantiert nur aus reinen Verlangen Siebeim Einkauf ausdrücklich Alleinige rtersretfen Cäemiti-Kappel Pflanzenölen hergestellt 100 Gramm-Stück 15 Pfg. 200 Gramm-Stück 30 Pfg. JULIUS SCHMIDT ANNONCEN-BÜRO FRANKFURT-MAIN UW6ESTRASSE7 TEL HANSA 4641 POSTSCH.-KONTO FRANKFURTMAIN 142 353 EIHZIGE IHSERATEH-AHHAHME FÜR FRANKFURTER GESCHÄFTS INSERATE DES »ISRAELIT« A N N O N C E N B U R O * AUSSERDEM ANNAHME VON INSERATEN FÜR SÄMTLICHE HIESIGE UND AUSWÄRTIGE TAGESZEITUNGEN,WOCHEN- UND FACHBLÄTTER -8>ll ADIAIUAI _ DDEICBU m. ANNAHME VON DRUCKSACHEN HANDEL«GESCH»FTE<PRIVATE FÜR DIE HERMON-DRUCKEREI BEI BILLIGSTER BERECHNUNG UND KÜNSTLERISCHER AUSFÜHRUNG IN SCHWARZ UND BUNT-DRUCK Berantiyortlich für dr» allgrmriae» T ei! mrd dar Feuilleto« S. Schachuowitz» Frankfurt a.M.; I nseratr 1.3$.: «.Schach» »owitz, ebenda. — Für die pSbaadgl [Ae Beilage: Lehrer «. Kaufmann in Sprendlingen («t. Offenbach). — Beklag .Israelit", ®.m. b.H>, Frrukfurt a. M — Druck Hermo» Berlag«» Attkeugrsellschaft, Feaukf urt a. M.

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