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Der Israelit · 1929-09-05 · Heft 36 (5.9.1929) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 36 (5.9.1929)
Date
1929-09-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 36 Der 3 s r ö e H i Einwanderer ebenso wie Einwanderer init eigenen Mitteln berücksichtigt werden sollen. b) Die hebräische Sprache und jüdische Kultur sind zu pflegen. c) Die Agency soll in den Bereich ihrer Tätigkeit die Sorge für die Befriedigung der jüdischreligiösen Bedürfnisse aufnehmen, wobei volle individuelle Gewissensfreiheit verbürgt und gesichert wird. d) Boden ist als jüdisches Eigentum zu erwerben und. unter Beachtung der Bestimmungen des Artikel 10 dieser Vereinbarung, soll der Eigentumstitel erworbener Ländereien auf den Namen des Jüdischen Nationalsonds lauten, damit dieser Boden u n v e r - äusterliches Eigentum des jüdischen Volkes bleibe. e) Die Agency soll landwirtschaftliche Kolonisation, die auf jüdischer Arbeit beruht, durchführen. Für alle Arbeiten, die von der Agency ausgeführt und unterstützt werden, hat der G r u n dsatz der jüdischen Arbeit zu gelten. Solange den Forderungen der Wirtschaftlichkeit Genüge getan wird, soll die s o zi a l e Form jeder in Palästina zu errichtenden Siedlung als eine Sache der Siedler selbst betrachtet werden. Es bleibt jedoch dem Urteil der Jewish Agency überlassen, die Wirtschaftlichkeit und Durchführbarkeit jedes vorgeschlagenen Siedlungsplanes festzustellen, bevor sie Gelder die ihrer Kontrolle unterstehen, einer bestimmten Siedlung zuweist." Wenn wir vom agudistische n S t a n d - Punkt zum Zweckparagraphen' der Agency- Konstttution Stellung nehmen, so ist es klar, daß man mit den wirtschaftspolitischen Th es en ohn e weiteres e in verstände n s e i ni k a n n. Auch wir wünschen eine Plan- Mäßig geleitete, starke Alijah von bemittelten und unbemittelten Elementen. Auch wir bekämpfen aus religiösen und sozialen Gründen jeden Bodenwucher und haben, als wir selbst noch Land kauften, dringend die Notwendigkeit eines einheitlichen jüdischen! Bodenerwerbes erkannt. Es wird ferner auch in unseren Reihen viele Anhänger des Prinzipes des Gemeineigentums an Grund und Bod^n und des Erbpachtrechtes geben. Daß der Grundsatz jüdischer Arbeit uns ge h e i l ig t ist, ha b e n wir, als wir in Machaneh Jisroel einen ersten K o l o ni s a t i o n s v e r f u ch machten, bewiesen und wenn wir unser Werk hätten fortsetzen können, so wären in Machaneh Jisroel ebenso Emzelbauernstellen wie landwirtschaftliche Genossenschaften geschaffen worden. Ansätze hierzu waren bereits da. Mt den wirtschaftlichen Zielsetzungen der Agency kann man sich wirklich ohne Bedenken einverstanden erklären. Die großen Schwierigkeiten beginn e naturgemäß bei den kulturellen Konstitutionsgrundsätzen. um vieles weiter, und die herangewachsene Jugend glücklicher. Man heiratet in Palästina häufig schon wenige Jahre nach der Schulzeit. Keine Hochzeitsfeiet.- Zwei Betten. Tisch, einige Stühle und ein Schrank genügen als Mobiliar. Auch dies beweist, daß diese neue jüdische Jugend die Voraussetzungen des Gelingens des Aufbauwerkes erfüllen würde, wenn sie um den Anschluß an die Traditionen ihres Vätererbes wieder fände. Aber Auch nur so kann eine Annäherung zwischen alten und neuen Jischuw sich vollziehen und nicht durch eine künstliche Einheitsorganisation. Zofe al Zion. (Wollen die drei Millionen Armenier Inden werden?) Die Warschauer Zeitung „Hajnt" teilt mit, daß in den letzten Tagen einige prominente Führer des armenischen Volkes in Warschau geweilt haben, um sich mit den Lehren des Judentums und den religiösen Traditionen der größten jüdischen Gemeinde Europas vertraut zu machen. Sie erklärten, daß das armenische Volk stets bestrebt war, brüderliche Beziehungen zum jüdischen Volke herzustellen; die Armenier, die zum überwiegend größten Teil den Sabbat als religiösen Ruhe- und Festtag halten, und von denen viele, besonders die Intelligenz, die neugeborenen Knaben beschneiden lassen, sind überzeugt, daß sie von Juden abstammen. Ebenso wie die Juden sind sie blutigen Verfolgungen ausgesetzt und über viele Länder zerstreut. Die armenischen Führer besuchten die jüdischen Institutionen, die Synagogen und' den Friedhof. Vor ihrer Abreise erklärten sie, daß 90% des drei Millionen Seelen zählenden armenischen Volkes das Bestreben hat, dem Judentum anzugehören, Seit acht Jahren besteht eine große Organisation „Arrarat Zion", die den Gedanken der Vereinigung des armenischen Volkes mit dem jüdischen Volke propagiert. Der' Name Arrarat Zion soll die geistige Einheit des kaukasischen Gebirges Arrarat, des Stammbodens der Armenier, mit dem Gebirge Zion symbolisieren. II. Auf der Wiener Zentralratstagung der AgudasJisroel vorn Jahre 1921 wurde folgender Beschluß gefaßt: „Der Zentralrat hält ... im allseitigen Interesse die Umbildung der im Entwürfe vorgesehenen Jwish Agency für erforderlich, derart, daß der durch die „Agudas Jisroel" repräsentierten Orthodoxie die, Möglichkeit gegeben wird, ihrer geschichtlichen Ausgabe gemäß, an dem Aufbau der jüdisch-nationalen Heimstätte in Erez Jisroel im Geiste der religiösen Ueberlieferung und des jüdischen Religionsgesetzes mitzuwirken." Damit war unsere prinzipielle Bereitwilligkeit zum Eintritt in die Jewish Agency erklärt worden. Gemäß dem Breslauer Beschluß, der von der ersten Kenessio Gedaulo bestätigt wurde, sollte ein Eintritt von Agudas Jisroel in die definitive Jewish Agency erst dann aktuell werden, wenn sich die Agency ausschließlich auf politische und wirtschaftliche Erez Jisroel-Arbeit beschränken würde. Die zweite Kenessio Gedaulo findet eine vollkommen veränderte Situation vor. Die Agency ist nunmehr eine völkerrechtliche Tatsache geworden und' hat in ihre K o n st i t u t i o n die Pflege jüdischer Kultur und die B esri e di gun g religiöser Bedürfnisse a u f g e n o m - m e n. Es ist heute praktisch nicht mehr möglich, eine Revidierung der Verfassung in der Richtung zu erreichen, daß alle Kulturarbeit aus dem Tätigkeitsbereich der Agency ausgeschieden werde. Wir stehen also vor der folgenschweren Entscheidung: Sollen wir angesichts dieser Situation uns resignierend vom Palästinawerk der Agency vollkommen isolieren oder können wir mit Zustimmung des rabbinischen Rates Voraussetzungen formulieren, die es uns ermöglichen würden, trotz dieser Konstitution an einem Teil der Agency-Arbeiten mitzuwirken? Ich glaube, daß wir die historische Pflicht haben, auch die letzten Möglichkeiten« einer Verständigung mit den anderen Volksteilen zu suchen. Die Agency ist gemäß dem Palästinamandat die legale jüdische Behörde für ©in* w a n d e run g s an ge le g enh eit en und öffentliche Arbeiten. Wir konnten mit einer gewissen Berechtigung, die ausschließliche Kompetenz der Zionistischen Organisation in diesen Angelegenheten bestreiten, weil sie gemäß den Mandatsbestimmungen ja zwischenzeitlich nur als provisorische Agency fungierte. Die heutige, von England und dem Völkerbund anerkannte Agency ist ein definitives, völkerrechtliches Gebilde mit V ehörden charakt e r. Das schafft meines Erachtens eine völlig veränderte Rechts! a g e. Wir machen unseren Autim jede legale Immigration' a l s Agudisten unmöglich. Von Arbeitsbeschaffung durch die Agency gar nicht zu reden, wenn? wir nicht in irgendeiner Form uns an der j Agency beteiligen. Wenn wir nicht zu einem postlwen Ergebnis kommen, wird es keine agudistifche Immigration geben.' Und soll wirklich der agud i st i s ch e gesetzestreue Volksteil von der Erfüllung der Mizwoh Jischuw Erez Jisroel ausgechlosieni bleiben? Sollte es wirklich keine Möglichkeit geben, unter Ausrechterhaltung unserer religiösen Grundsätze einen Weg zur Zusammen? arbeit und Verständigung zu finden? Sollten, gerade die Juden, die im täglichen Gebete, im Gesetze, in der Aguda, Erez Jisroel in das Zentrum religiös-nationalen Höffens setzen, abseits bleibsn, wenn die anderen am Werke sind', wenn Menschen, in denen man jede Chibas Zijon erhaltet glaubte, nunmehr ihr jüdisches Herz in jellster Glut vorfinden? Es ist ja von unserem Standpunkte aus ja nur ein erster Anfang, aber es ist ein Anfang ... Es ist nicht möglich, hier detaillierte Vorchläge zum Agency-Problem zu machen,. In« der zuständigen Körperschaft wird darüb er .ausführich beraten werden!. Es stien hier nur Ärideutungen über Lösungsmäglichkeiten gegeben. Das Budget der Agency, das für kulturelle Institutionen inkl. Schuldendeckung Mk. 104.275 vorsieht, . 5. Sept. 1929 wurde sowohl auf dem Zionistenkongreß als auch auf der Eouncil-Tagung der Agency als Ganzes behandelt und angenommen. Sollte dies auch bei den kommenden Tagungen der Agency beibehalten werden, so würde die Aguda in der Agency dauernd zur unfruchtbaren und« aussichtslosen Opposition auch in politischen und wirtschaftlichen' Angelegenheiten verurteilt fein, weil sie ein als Ganzes präsentiertes B u d g e t w e g en s e ine r K u l tur p o s i ti - o n e n stets ablehnen müßte. Wird das Budget jedoch sowohl auf der Einnahmewie auf der Aus g a b e feite in einen politischwirtschaftlichen Teil und in einen vollkommen gesonderten Kulturetat gteeilt, so hätte «die Agudavertretung d«ie Möglichkeit, sich an den kulturpolitischen Verhandlungen prinzipiell überhaupt nicht zu beteiligen. Die Formel für unsere t eil - weise Mitarbeit in der Agency wäre dann folgende: „Da die Agency durch das Mandat eine staatliche Institution und Behörde geworden ist und wir durch die Agency politisch-wirtschaftliche Voraussetzungen für eine Alijah gesetzeslreuer Juden schaffen wollen, erklären wir. daß wir uns an den politischen und wirtschaftlichen Arbeiten der Agency beteiligen werden. Mil der kulturellen Tätigkeit der Agency haben wir keine wie immer geartete Gemeinsamkeit und behalten uns vor, außerhalb der Agency ein unabhängiges, gefehestreues Schul- und kutkurwerk zu errichten." Ich glaube, daß in dieser Richtung ein Ausweg gefunden werden wird. Die Zionistische Organisation mußte sich nach neuen Mitarbeitern umsehen; sie hat sie in der Agency vereinigt. Auch wir sind zu schwach, um a Hei n eine nennenswerte politische und wirtschaftliche Erez Jisroel- Arbeit zu leisten, abgesehn davon, daß wir unmöglich die staatsrechtliche Position der Agency ignorieren können. Die politischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen für ein jüdisches, seinem Gotte nahes Erez Jisroel können wir, müssen wir mit den anderen schaffen. Aber die geistige n G ru n d l agen für den Vau des kommenden Judenlandes werden in unseren« Landsiedlungen und' in u n - seren Jeschiwaus vorbereitet werden, bis Tage kommen, von denen es wieder heißen wird': .5112'712 'obl.n pun 1'711s?12 1251107 pH mmnn Moses Mendelssohn. (Z u sei ne m zweihun de rtjährigen Geburtstag am 6. September.) Daß Moses Mendelssohn die jüdische Geschichte des letzten Jahrhunderts gemacht hat, möchte heute keiner behaupten. Was wäre wohl aus Deutschlands Judenheit und Judentum geworden, wenn der scheue Dessauer Thorajünger nicht an einem bestimmten Tage durch ein Hintertor m Berlin, und damit > in dis große Kultur, hineingeschlüpft wäre? Ein Ghetto mit eigener Art, Tracht und Sprache hätte es auch fo nicht mehr gegeben. Die große Revolution, Napoleon, die Freiheitskriege, die Emanzipation, sie hätten mit Naturgewalt auch ohne Mendelssohn die Kanäle aufgerissen, durch die die Kulturströmung den Weg in die Judengasse finden mußte. Richtiger ist: Der Zeiten neuer Geist strömte unaufhaltsam weiter, fand am Wege den sMen, kundigen Mann und bemächtigte sich seiner als Wegweisers in die Gaffe. Er selber, konnte den Weg nicht bis zu Ende überschauen, und es war vielleicht weniger eine Schuld, als fein Schicksal, daß dieser Weg m das gr.0sße Nichts einmündete. Will man Moses Mendelssohn, heute den Vorwurf-machen, daß er von der großen Kultur, von der Philosophie, vom Deutschtum zum Judentum kam, ustd ihm damit etwas Wesensfremdes MmfiziMe^das> gantze Teile,des Organismus zu Grunde richtete, so', vergesse man dabei nicht, laß er, ein Sohn seiner Zeit, für feine Kulturmision gar keine anderen Wege hatte, als die von außen. Der Hinweis auf Spanien ist hier un-

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