Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 36 (5.9.1929)
- Date
- 1929-09-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 36 Der Israelit 5. Sept. 1929 A r a b e r g e g e n d e rr j ü d i s ch e n I i s ch u w im heiligen Lande liegen tiefer. Unsere Märtyrer in Erez Jisroel find nicht für die Kothel Maarowi gefallen, sondern für das e w i g e L i ebesband, das das Land der S che - ch i n o mit d e m V o l k e d e r S ch e ch i n o verknüpft. Es geht ums Ganze. Man will auf arabischer Seite durch einen von langer Hand vorbereiteten Feldzugsplan England derart einschüchtern, daß dieses Land, vor die Alternative zwischen einem Kampfe mit der ganzen islamischen Welt und dem Verzicht auf die Balfour- Deklaration gestellt, formell oder faktisch — letzteres wird den arabischen Drahtziehern genügen — die jüdische Einwanderung unterbindet, auf die Erschließung des Landes durch amerikanischjüdisches Kapital Verzicht leistet und sich auf die Erhaltung einer den Weg nach Indien sichernden britischen Militärkolonie „Palästina" beschränkt. Mit einer naiv anmutenden Offenheit hat die sogenannte ,arabifche Exekutive" dem nach Jerusalem zurückgekehrten Oberkommissar die drei bescheidenen arabischen Forderungen unterbreitet: 1. Errichtung eines Parlaments, 2. Annullierung der B a l f o u r - D e k l a r a t i o n,, 3. Sperrung der palästinensischen Tore g egen eine NeueLnwanderung von Zionisten. Das also ist der höhere - Sinn der Mordbrenner-Aktion, die seit zwei Wochen zur Schmach der gesitteten Menschheit und zur Schmach des englischen Imperiums, durch die Gaue des heiligen Landes rast und neben unersetzlichen Menschenopfern die Frucht einer beispiellosen Aufbau- Arbeit von Jahrzehnten vernichtet. Daß die palästinensische Beamtenschaft „unvorbereitet" war, darf man ihr — wenn man von dem arabischen Einschlag absieht —glauben. Aber inLondo n schemt es bisher bei allem Einfluß, den die erweiterte Agency doch wahrlich besitzen sollte, noch nicht gelungen zu sein, die höchsten Stellen der Labour-Regierung mit demjenigen Maß von Entrüstung gegen das „unvorbereitete" Palästina-Regiment zu erfüllen, die man von idealistisch gesinnten Politikern wirklich erwarten dürste. Wenigstens berichtet der Draht noch von S a m s t a g über eine Stellungnahme der englischen Regierung, die für uns Juden schwer verständlich erscheint. Es heißt da: London, 31. August. „Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, ist das K o l o n i a l a m t n i ch t bereit, eine materielle E n t s ch ä d i g u n g f ü r die Opfer der U n r u h e n iini P a l ä st i n a in Aussicht zu stellen. Seitens des Kolonialamtes wird aber a n g e d e u t e t, daß die Kleines Feuilleton. Die verwüsteten und bedrohten Städte des alten Zischuw. Hebron. Die Stadt ist uralt und wird schon im Pentateuch (Moses 1) als die Stadt genannt, die stüher Kirjat Arbah hieß. Dort standen die Eichen Mamres, in deren Schatten Abraham die fremden Gäste, Menschen und Engel, bewirtete. Vor der Stadt ist die Machpela-Höhle, in der die Väter und Mütter schlummern. Die Kundschafter kamen nach Hebron und schnitten dort die Riesenrebe ab. Kaleb warf sich'dort', nach agadischer Tradition, auf die Vätergräber, und die Stadt fiel später in den Anteil seines Stammes. König David regierte von Hebron aus die zwei zu ihm haltenden Stämme bis zur Einnahme von Jerusalem und dem Zeitpunkt, da sich sein Reich über ganz Juda und Israel ausdehnte. Die Araber, die die Stadt „El Chalil" (Liebling Gottes) nennen, maßen ihr große heilige Bedeutung bei. Die Kreuzfahrer verwüsteten Hebron und vernichteten die dortige jüdische Gemeinde, so daß der Weltreisende Benjamin'v. Tud est'a'1170 dort nur^ei.'n e EeinzigenkJuden fand-WSNMZS« mi Hebron ist. die <> höchstgelegenes Stadt?in? Westjordanland und zählte 1921, nach den Angaben von Trietsch und Jesajas Preß, 600 jüdische Seelen. Die Gegend ist heute noch sehr reich an Wein. Die gesamte Einwohnerschaft beträgt 20000 Seelen. Vor einigen Jahren übersiedelte ein Teil der S lobotker Jeschiwa nach Hebron. 'Auch sthr oberster Palästina-Regierung ihrerseits vielleicht die Notwendigkeit einer Entschädigung anerkennen wird. In der Frage der Entwaffnung nimmt das Kolonialamt den Standpunkt -ein, daß, wenn die Juden nicht entwaffnet worden wären, es vielleicht zu noch mehr Blutvergießen gekommen wäre. Das Kolonialamt sieht es als nicht zeitgemäß an, ein Statement über eine Neuorientierung der britischen Politik zu erlassen. Das Kolonialamt ist ferner nicht bereit, irgendwelche Beamte der Palästina-Regierung zu entlassen, solange die Untersuchung über deren Schuld oder Unschuld nicht abgeschlossen ist." London, 31. August. Der Präsident der Jewish Agency, Professor Chaim Weizmann, hat sich im Hinblick auf die von der Jerusalemer Zionistischen Exekutive ihm übermittelten Mitteilungen, denen zufolge der Jischuw in Palästina der Gefahr der Vernichtung preisgegeben ist, zu dem britischen Kriegsmintster Tom Shaw begeben und ihn ersucht, von London aus die nötigen Anordnungen zum Schutze des palästinensischen Judentums zu treffen. Kriegsminister Tom Shaw erklärte Weizmann, es sei ihm nicht möglich, sich in die Verhältnisse Palästinas einzumischen, da die militärischen Streitkräfte dieses Landes dem Befehl des OberkomMistars unterstellt find-. Die führenden zionistischen Kreise Londons sind — w i e die ITA zuverlässig erfährt — tief enttäuscht und beunruhigt darüber, daß das Kolon i al amt bisher nicht eine kate gorische Erklärung darüber herausgegeben hat, daß die Regierung entschlossen ist, d en Iis chuw zu schützen u n d d a ß an, g e s i ch t s der tiefernsten L a g e i n P a l ä st i n a n i ch t d ieerwarte - t e n energischen Schritt e u nt e r n o m - me n wurden, die v o n d e n Zionisten in London und Jerusalem als notwendig erachtet worden find." Wir wollen hoffen, daß dies nicht das letzte Wort der englischen Regierung ist und verzichten darum für den Augenblick darauf, die poli- BiOXULTDA Die sfarkschäumende Sauerstoff-Zahnpasta wird von vielen Zahnärzten als beste Zahnpasta bezeichnet und selbst benutzt. Kleine Tube 60 Pf. BBOX-MUNDWASSER Flasche 1.— und 2— Ml. Gegen lockere Zähne. Prob e-Flasche gratis. Max Elb A. 6., Dresden Leiter, Rabbi Mosche Mordechai Epstein, kam seinen Jüngern nach. Viele Talmudjünger aus dem heiligen Lande selbst wie aus Amerika kamen hinzu, so daß die Jeschiwa ungefähr 200 Vachurim zählte. Diese Jeschiwa war am heiligen Sabbat zu allererst die Zielscheibe für die losgelassene arabische Bestie. Über das fürchterliche Blutbad in Gemeinde und Jeschiwa von Hebron ist im Nachrichtenteil genau berichtet. Safed. Sased (ns?) wird im Talmud Jeruschalmi als die Stadt genannt, auf deren Gipfel die Feuersignale zur Ankündigung des neuen Mondes angezündet wurden. Im Mittelalter wurde die Stadt, zuletzt noch einmal 1837, von schweren Erdbeben heimgesucht. 1170 fand Benjamin von Tudela keinen einzigen Juden in Safed. Erst nach der' Austreibung aus Spanien fiedelten sich dort sephardische Juden an, die sich besonders dem Studium der Kabbala Hingaben. Von den großen Männern, die in der Blütezeit Safeds, im 16. Jahrhundert, in dieser Stadt lebten und lehrten, seien genannt: Jacob Verab, Joseph Karo, Solomon Halevy Alkabez (Verfasser des '°rn nub), Moses Kordowera, Moses Alfchich, Isaak Lurje (Ari) und Rabbi Chajim Wital. 1663 hatte Sased eine hebräische Druckerei, die erste im Orient. Ungeheuere Leiden ergossen sich in der Folgezeit über Safed, die die Zahl der jüdischen Seelen dezimierten. Auch der Weltkrieg traf Safed mit Hungersnot und Epidemien besonders hart. Die jüdische Gemeinde zählt dort unter 16 000 Einwohnern 60 0 0 Juden. Die Überzahl der Mohammedaner ist nicht sehr^groß, da die Stadt etwa 2000 Christen beherbergt. K Die zwei Gemeinden, die sephardische und aschkanasische, besitzen eine große Anzahl von Talmudthoraschulen und Jeschiwaus. Berühmt ist die alte Schul des „Äri". tische Auswertung der jetzt geschaffenen kritischen Situation fortzusetzen. Noch auch scheint es verfrüht, das furchtbare Erleben dieser Tage 311b specie aeterni zu würdigen. Wenn diese Blätter in W Hand unserer Leser gelangen, versammeln sich in Wien die berufenen geistigen Fü h re r d es jüdischen Volkes, die Männer des ■»asrt nsxna nninn der,, A g udas I i sr 0 elGewiß wird ihr an dem Studium der Gotteslehre geschärfter Blick vor allem andern prüfendruhen aus dem schrecklichen Verhängnis, das über Israels Gesamtheit dort, wo das Herz des Gottesvolkes am sichtbarsten pulst, dort, wo Himmel und Erde sich küssen, hereingebrochen ist. Dieses Verhängnis zu de ute n, es aus den heidnischen Vorstellungen von zufälligem Geschehen oder >n«aturgesetzlicher Notwendigkeit herauszulösen, es zur N2iVv-Predigt zu gestalten für uns alle, alle die einzelnen Zellchen und Glieder des rrms m? Vxw» — das wird die heilige Aufgabe der '»2N ^Xil7',das auch die historische Pflicht, der „großen Versammlung" sein, die — als habe eine waltende Vorsehung es gerade so gefügt —- im Augenblick höchsten nationalen Wehes Zusammentritt. -psiaj? “]pyT3 — „w enn Du zurSammlunlg aufrufst, rettet Dich Dein bloßes Verfammeltfein ", dieles alte, tiefe Wort möge sich bewähren an den nach Wien sich sammelnden Vx-w 'v^x ,nyx,v An ihrem Reden und Tun, an ihrer Treue und brüderlichen Liebe hängen in angstvoller, zitternder Erwartung die Herzen Hunderttausender. Mögen« sie nicht enttäuscht werden in dieser Schicksalsstunde. Das Agency-Problem der Agudas Jisroel. Von Dr. Robert Weiß in Berlin.*) I. Es ist das historische Verdienst der Agudas I i s r 0 e I, daß sie M Kattowitz nach Jahrhunderten der Zersplitterung versucht hat, den gesetzestreuen Teil des jüdischen Volkes zusammenzufassen, und ihm das Bewußtsein seiner besonderen Kraftquelle und seiner besonderen Aufgabe zu geben. Der jüdischen und der nichtjüdischen Welt wurde deutlich demonstriert, daß der traditionstreue Volksteil keine amorphe, ftumm-pafsive Maste darstellt, der als unbeachtlich im Kräftefeld der jüdischen« oder nichtjüdischen Poli- *) Der nachstehende Aufsatz ist vor 14 Tagen geschrieben. Die Red. ' Tiberias. Die hartbedrohte Stadt Tiberias liegt am westlichen Ufer des Kinereth-Sees in Galiläa. Sie war nach Zerstörung des Tempels Sitz des Sanhedrin. Sie zählt heute 8000 Einwohner, davon 6000 Juden, ist also durch und durch eine jüdische Stadt. Die sephardische Gemeinde ist sehr alt, die aschkenasische ist erst vor 150 Jahren durch Änsiedlung von polnischen Chassidim entstanden. Auf dem alten jüdischen Fried Hofe zeigt man die Gräber von Rabbi Iochanan den Sakai, Rabbi Akiba, Rabbi Meier Baal Hanes und vielen anderen von Tannaim und Amoraim, sodann auch das Grab von Maimonides, an dessen Rand eine Synagoge und ein Lehrhaus erbaut sind. Ganz in der Nähe dieses Grabes fließen die weltberühmten warmen H eilque llen von Tiberias. Jeder Schritt in diesen alten Städten ist heiliger jüdischer Boden, der nun von roher Hand entweiht und mit jüdischem Blute getränkt wird. Nachkommen von Moses Mendelssohn. In den Wochen vor der zweiten Centenarfeler Moses Mendelssohns beschäftigt sich naturgemäß die jüdische Presse mit dem weltberühmten Philosophen und seinen unsterblichen Werken. Es dürste bekannt sein, daß die Träger dieses berühmten Namens seit Generationen nicht mehr dem Judentum angehören, ebenso die Nachkommen der bekannten Zeitgenossen Mendelssohns, z. B. David Friedlaender, Daniel Jtzig, Ephraim. Aus Jtzig ist Hitzig, aus Ephraim - Ebert - Eberty geworden. Da dürfte es gestattet sein, daß der Unterzeichnete sich als: der letzte lebende Jude aus dem Familienkreis Moses Mendelssohn bezeichnet.