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Der Israelit · 1929-08-22 · Heft 34 (22.8.1929) · page 16

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 34 (22.8.1929)
Date
1929-08-22
Page
– (sequence 16)
Language
German
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©ei'te 4. Nr. 34 Der I s rae l 4 $ hört, weit mehr als Predigt und Orgel. Merkwürdig berührt es auch, wenn FreudLN-thal in der Abhandlung „Einliberales Gutachten, als historisches, Dokument" auf Grund der Quellendes Judentums, speziell des Schulchan Aruch, zu dem RefuAat gelwngit,: „Kleiner Macht steht das Recht zu, einem Rabbiner seine Autorisation abzuerkennen, welcher Richtung er sich auch immer anschlleßen mag." Der Rabbiner kann also die -ganze Thora leugnen, -er kann sich aus den Standpunkt des Pantheismus stellen — aber niemand hat das Recht, chm seine Autorisation abzuerkennen. Er -bleibt der an, der i"ider rr-mrr-7 xia- Las heißt denn dem Latzenv,erstand doch etwas viel zugemubet. Man könnte noch sehr viel sagen über die indem Buch geäußerten Ansichten. Aber w sei für heute genug damit. Man kann es nur bedauern,, daß fo viel ernstes Streben,, wie es in einem Teil der lilüeralen Wortführer sicher vorhanden ist, sich in einer Richtung bewegt, die unbedingt aus dein Judentum heraus-führen muß, Spinoza. Vier Reden. Von Carl Gebhardt. Heidelberg 1927. Verlag Carl Winter. 80 ©. In vier Reden, die -aus Anlaß der 250. Wiederkehr des Todestages Spinozas gehalten wurden, stellt der bekann-te Spinozafor scher die Bedeutung! des großen Philosophen von vier verschiedenen Gesichtspunkten dar. Die erste wurde bei der Spino-azseier der Societas- Sp-inozana im Haag gehalten, die zweite hm sr-anzösffcher Sprache) m der Sorbonne in Parts-, die dritte bei der Feier des jüdisch-akademischen Philo sophenvereMS in Wien- und die vierte für die Gesellschaft der- Gvethefreunde in Frankfurt. Dieerste Rede „Spinoza" ist der allgemeinen, Bedeutung Spinozas gewidmet. Sie würdigt Spinoza als dengroßen Holländer, der das Erbgut holländischer Kultur, die Gew-isftnssreiheit in seinem thsologisch-po-li-tis'chen Traktat und der in seiner „Ethik" das Erbe holländischer Religiosität, die Lehre „Gott in uns" der Weit geschenkt hat, und beleuchtet zugleich die Beziehungen Deutschlands zu -dem Philosophen, der „hundert Jahve nach seinem Tode -aus einer halb vergessenen literarischen Kuriosität zu d-em Philosophen geworden^ der in Wechselwirkung mit- Kant in schöpferischer Zeit die Geschicke der Philosophie bestimmt hat", der nicht nur zwischen den Völkern, sondern auch zwischen den Religionen und den Zeiten steht, der gelehrt hat, die Natur nicht als «in Chaos, sondern als einen Kosmos zu begreifen. Die zweite Rede „La d-ialectigue interieure du- Spino- ,i-isme" will — c>me Verbeugung vor dem französischen Geist — Spinoza -aifo* den Sprößling, jener miibtelländi- ,'chen Rasse begreifen, die gewissermaßen die ZivMsaÄon 2es Mittelalters bestimmt hat. Der Beweis dafür wird daraus hergeleitet, daß zwischen den Westgoten- und den Judenzwei- Jahrhundrete hindurch Konnubium bestanden hätte. (?) In der dritten- Rede „Spinoza, Judentum und Barock" wird aus das Wiedorerwachen des Spinozismus hingewiesen u-niv aus die Tatsache, daß, während im NewKantianismus kein Raum für Spinoza war, bei der Spinozafeier dieses Jahres Europasich zu Spitn-oza bekannt hätte. Es werden die drei Kategorienaufgezählt, in denen sich im Barock die Unendlichkeit darstellt (Entformtheit, Substan-ziaWät, Dynamismus) und die zugleich die Grundüberzeugung des Spinozismus bilden-. Es wird ferner auf eine Reihe von Beziehungen Spinozas zum Judentum hingewiefen, die allerdings cum grano falls zu verstehensind. Cs klingt auch etwas seltsam, wenn Gebhardt m der Sorbonne Spionza als den Sprößling der race medtteraneenne feiert, während er ihn hier im jüdischen Philosophenv-erein als den Größten eines Judentums hinstellt, das „Judentum dies Galiuth, aber Judentum ohne Ghetto" war. In -der vierten Rede wird die Einwirkung Spinozas auf Goethe indenverschiedenen Perioden des Dichters erörtert. Wenn auch die Reden naturgemäß auf den festlichen Anlaß abgestimmt -und deshalb in -begeisterten Tönen gehalten sind, so geben sie doch einanschauliches Bild von der vielseitigen Wirkung des Philosophen und zeigenzugleich die souveräne Beherrschung des Stoffes durch den- Redner. Dr. I. U. Glaube und Heimat. Don Eugen Fuchs. Mit einem Vorwort von Franz Eugen F u ch s. Bevlin Phtlv- Verlag (brofch. Mk. 0.45). In kindlicher Pietik? hat der Sohn zum ehrenden Andenken an feinen vor fünf Jahren verstorbenen Vater dessen Schristchen: „Glaube -und Heimat" neu erscheinenlassen und mit einem Vorwort versehen. Ais 'Langjähriger Führer des „Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" und den „Verband der deutsch«», Juden" in hervorragendem Maße bseinf-lussende Persönlichkeit stand Eugen Fuchs viele Jahre hindurch im öffentlichen Kampf der Meinungen nicht nur bei erfolgreicher Abwehr des Antisemitismus, sondern auch bei ideologischen Auseinandersetzungen mit dem Zionismus. Daß beide Verbände -in Eugen Fuchs ein-en hervorragend befähigtn, redegewandten und begeisterten- Verfechter ihrer Ideen gehabt, beweist diese Schrift besonders -treffend. Man braucht nicht -allen Thesen des Verfassers zuzustimmen, man mag vielmehr seine allzuscharfe Ablehnung des nationalen Elements im Judentum als abwegig bezeichnen, — die ganze Art feiner Beweisführung aber, sein Streben -nach Vereinigung, seine Lieb-e zur angestammten Religion wie seine schönen,, dialektisch bewundernswerten Ausführungen- -gegen Eduard v. Hartmann und Treitschke verdienen' allgemeine Anerkennung- und werden auch dem „Glaube -und Heimat" zu einer angenehmen, anregungsvollen Lektüre machen,, -der M diesem „Selbstbekenntnis" noch gerne manches anders gefunden hätte. Dr, M. L. Frömmigkeit der Mystik und des ^Glaubens. Von Karl Beth, Dr. theol. et pW. o. ö. Professor an, der Universität Wien. Leipzig- B .G. Teubner. 1927. Kl. 4°. 106. Eine scheinbar nur MnerchriMche Angelegenheiten behandelnde Schrift; -im Vorwort -gibt sie sich, ausschließlich als solche,- zugleich als Ergänzung der früheren Schrrft -des Verfassers „Religion und Magie". Sie greift jedoch über diesen Umsang weit hinaus, -indem sie aus der christlichen Mystik Definitionen, Herleitetz, welche allgemeinste Gültigkeit beanspruchen können. Immanenz, d. i. Einwohn,ung Gottes im Menschen, und Identität, d. r. Sich-EiNs-W-issen mit Gott sind die Pole der mystischen Sinngebung des Lebens. Auch äls Jude pflichtet mm der Abgrenzung bei, die Beth der äußerlichen und -künstlichen- Ekstasis der Bacchanten und der Delphipriesterin vornimmt. Selbst -die bloße Veranlagung zu Visionen ist nach B. noch nicht «ine solche zur' MysW. D-iese -ist ihm -nurdie «ine der beiden möglichen, Einstellungen des Menschen Au Gott: Demütiger Glaube (Distanz) und dauerndes Sicheinswisfen (Symbiose). Für den Mystiker fehlt das „trennende Sünden- -und Schuldbewuhtftm" und somit die sittliche Entwicklung Wir werden hierbei an die Religion -der Sadduzäer (vgl. Hirsch Ans. npn zu n’ffjn nrr-n o»y •’a-nycn) und an gewisse gegen uns -gerichtete Axiom« der paulinischen Gnadenlehre erinnert. Doch auch von der -offiziellen. Kirche selber weiß Veth zumelden, daß -ihr G'lauben-sstandpimU für den Mystiker ausgeschlossen sei. Trotzdem unterbleibt jede Wertung nach einer der beiden Seilen hiin. Die pinchoanalytisch-e Auswertzung der Seekenbrantmystik wird kurz und sachlich abgewiesen. Wenn nun Beth 45) -im zweiten Haupttzvile seines Buchs, der von „der Frömmigkeit des Glaubens" handelt, feststellh, daß -nicht das Historisch-Feststellbar« dle Offenbarung und daß das mit „historischen Mitteln Ergründbare-" nicht -das sei«, was' als off-mbarende Tat Goltzes in der G-efchichtze betrachtet wrd, so -ergibt sich von dieser Definition h«r, deren Auswertung denganzenzweiten, Teil -erfüllt, einganz neuer Gesichtspunkt für die alte Streitfrage,, ob es im Judentum Dogmen im landläufig,en Sinne gebe. Es ist, Belh selbstredend zunächst nur darum zu tun, -daß der Glaub« innerhalb des Christentums alles ander« als -nur historische Ubaerzeugung, also auf BeWisse angewiesen ,fft, di« dem Mystiker entlehnt werden müssen. Gewiss« jüdische modern« Gnadentheologen werdenerstaunt sein, wie Beth (64) die Umfälfchung -des „Du sollst vollkommen sein" in ein „Du wirst vollkommen sein" nicht den, Lehren der Kirche, sondern den — Evoluti-ontsten zuerkennt. Di« Schlußkapitel -des Buches enthalten tiefschürfende De-rgleitchsblicke auf die Religionen desfernen- Ostens und auf di« Einstellung der Reformatoren zur Mystik. Man scheidet von der Belhschen Schrift mit -dem Empfinden, daß hier «ine -inner-chr-isMch« Anschauungswelt mit einer Gründlichkeit und Achtung vor dem Objekt behandelt wird, die dem Gegenstand auch die Aufmerksamkeit Fernstehendster zu,wenden^ muß, Di« jüdisch« Gelehrten-welt sollte sie nicht nur lesen, sondern möge schmsrzllch festfiellen, wie sehr der -innerstsüMschen Gedank-enw-elt solch Darftell-eir bis jetzt feh'lt. Mankannaus ihr, ohne mit den darin vertretenen speziellen RMgivnsmeinungen rechten zu müssen, viel, sehr viel lernen, und desto mehr, je ehrlicher man überzeugt ist daß die Beze-ichnung „Gesetzesreligion" mit aller ihrer Schärf« unserem Jüdenlum zu,kommt und -k e l -ne Entwürd i - gung dar stellt. B. C. Mchereingänge. Das Buch Könige. Verdeutscht von Ma rlin Bub er gemeins-am mit Franz Rosenzwetg. Verlag von Lambert Schneider in Berlin.! Vorschriften beir. die Fehler, die eine Thorarolle unbrauchbar machen und eine Unterbrechung der Vorlesung verlangen. Bearbeitet von Simon Unna, Lehrer in Frankfurt a. M. I. Kauffmann Verlag. Fremde Schönheit. Von L. F. Ctauß, Heidelb erg. Nre-ls Kampma-nn V-e-rlag. Preis geb. Mk. 3.—. fcP'milNri Von Rabb. I. I. Grünwalb, Columbia (Ohio), Rabb. L. Grunwald. Preis 1 Dollar. Haym. Salomon. Immigrant and Finances of the american revolution. Bon Von H, S. Baron. New Nork 1929. Vkoch Publ. Co. tyirmn byy by -,sv- Von Rabb: I. S. Hodes, Birmingham 5688, Sekbstver-' lag. 22. August 1929 Auf Hiobs Wage. Ueber_ die Quellen der ewigen Wahrheiten. Von Leo Schestow, Verlag Lambert Schneider, Berlin 19 29. Preis Mk. 15.—. , Pentateuch and Haltorahs Hebrew Text, e n g 1 i s h translation and commentary I. Genesis geb. Von Chi«f-Rabbil Dr. Hertz, London 1929. Festgabe zum zehnjährigen Bestehen der Akademie für die Wissenschaft des Judentums. 1919—1929. B e rl in. A k ad em ie - Verlag. '< Jüdische Provinzbilder aus Litauen. Bon Jakob Simon. Memel 192 9. F. W. Sieb er t A. G. Beiträge zur Wefenserkenntms des Judentums. Von Dr. Max Beermann. Berlin. Abwehr- B'l ä t t e r - V e r l a g. Preis Mk. 0.76. De meffianifche opvattingen der middeleeuwfche exegeten Rasji, Aben Esra en kimchi. Von Dr. W. I. d e Wilde. Wageuingen 1929. He Veenm a n u. Z o n e n. Preis Mk. 4.50. 'Tib 2">N- Bon E p hraim De-inhard. St. Louis 5683. Moinester Printing Cy. Programm oder Testament. Von I f a a c B r e -u e r. I. Kauffm-an-n Verlag. .nrrisnn tpniü« Teil II. Von M.^Perlmann. Tel- Awiw. 5 6 89. Verlag „Dewir". »tn» '*ifib m»irr 'oö by n*i»nan n»a xo* Herausgeg-eben von Dr. M. Lang-e, Frankfurt! a. M. 5689. H e r m o-n - V erlag. > nmn niw»rnnin-V. J.-Z. Dünner f. A. Oberrabb. von Amsterdam. A-chsterdam 5689. Verlag Meno Hertzberger. Moses. Von Edmond Fleg. München. R. Piper u-. C o. Deutsch-jüdische Probleme der Gegenwart. Von- L. Holländer. Berlin 1929. Philo - Verlag. Kaufmann Frank. Von Hch. Kurtzig. Leipzig. Gustao Engel Verlag. »SV Vk nwn- Teil in. Bon Rabb. M. A. Amrel, Antwerpen. Antwerpen 5689. I. Pleßner. 1N»VN» bv L'M'S- Bon S. S. P -i n e s, Zürich. Wien. M en-o ra Verlag. Vorträge und Ansprachen. Geb. II verbess. Ausl. Bon Maximilian Schein-. Franksürt a. M. I. Kauf smann- V er'l-ag. Preis Mk. 6.—. Die seelische Energie. Von Henri Bergfon. Jena 1928. Eugen Di-ederichs. Jüdische Legenden. Geb. Von Elfe Schnbert- C hrista l-len. Heikb ro nn 192 9. Engen Salzer. Aus Vergangenheit und Gegenwart der Israelitischen Gemeinde Worms. 7. verm. Auflage. Bon S. Rothschild. Frankfurt a. M. 1929. I. Ka u-f fm-an,n. Jüdische Bevölkerungspotilik. Berichte über die Tagung vom 24. Febr. 1929. BerkiiN' Zentz-ralwohl>- fah rtsstell«.. Schafft jüdische Jugend- und Gemeinde-Heime. B e r l i n. Z ent ra-lwo hlsahr-tsstelUV«. Gedanken eines Staatsmannes. Bon LLoyd George. Berlin 1929. Berla-g KuL-t-u-rpolit-i-k. Jefchurun-Bibliothek (jüd.). Nr. 1 Iacob Rofenheim. Was will Agudas Jös-roel? — Nr. 2 Dr. Venzion Fehler. Die jüdische Religion und di« jüdische Nation. — Nr. 3 Dr. N. H. Ehrmän-n. Pädagogische Abhandlungen. Warschau 5689. Verlag I e f -ch u r u n. Die gaonäifchen Verordnungen. Geb-. Berlin 1929. Akademie Verlag. Rückkehr der Juden zur Landwirtschaft. Beiträge zur Geschichte der landwirtschaftlichen Ko-lonisalion der Juden in den verschiedenen Ländern. Franks-ur-t a. M. 1929. I. Kauffmann, Verlag. Preis Mk. 5.—.

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