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Der Israelit · 1929-08-22 · Heft 34 (22.8.1929) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 34 (22.8.1929)
Date
1929-08-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
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©eiitie 10. Nr. 34 Der I s r <r e l i t 22. AuMst 1929 und auf sich einwirken, freute sich ihrer Reize und j Zeiten die Gemeinde mit Mut und Vertrauen erlabte sich an der bunten Palette der sommerlich «füllte —, beunruhigten sein Leben und' brachten prangenden Natur. Weite, öde Landstrecken ga-1 ihn in eine gefährliche und sorgenvolle Lage. Der den ihm indes Gelegenheit, über das Kommende Krieg forderte ungeheure Geldsummen, auch der Gemeinderat der Prager jüdischen Gemeinde nachzusinnen. Sein Herz pochte, wenn er an den folgenden Morgen dachte, da er seinen Bestimmungsort erreicht haben würde. Immer neue Pläne durchzuckten wie Blitze fein Gehirn. Doch dann stockte er wieder, sich die Frage stellend: Wirst du auch etwas verwirklichen können? Du mußt es, rief es mächtig in ihm. Mit einem harten und verbissenen Lächeln um den Mund war er eingenickt. Und die Räder sangen: du mußt es — du mußt es — du mußt- (Schluß folgt.) Rabbi Zomtob Lippmann Heller aus Wallersteiu (1579—1654 ) Von Rabbiner Dr. A. Posner in kiel. In dem Marktflecken Wallerstein im ehemaligen Fürstentum Ansbach — heute wohnen dort nur etliche jüdische Seelen — wurde im Jahre 1579 Jomtob Lippmann Heller, der als „Tausves-Jontof" (Heine, Disputation) bekannte Talmudgelehrte geboren, dessen Schicksale in diesem Jahre, da sein Geburtstag sich zum 250. Male jährt, neu erzählt zu werden« verdienen. Der Knabe wurde, da fein Vater, der Rabbiner Nathan Heller vor der Geburt des Sohnes gestorben war, bei seinem Großvater erzogen, der Moses Wallerstein hieß und auf feinem Grabstein als Landrabbiner von ganz Deutschland — will wohl sagen Süddeutschland — bezeichnet wird. Hier genoß er seine erste untervichtliche Ausbildung. Er besuchte später noch die talmudische Hochschule des Rabbi Jacob Günzburg in Friedberg (Hessen). In Prag beendete Heller seine Ausbildung, die hier auch den profanen Wissenschaften galt. Um die Wende des 17. Jahrhunderts berief ihn die Prager Gemeinde zum Leiter einer Talmudschule und zum Dajan, zum Mitglied des Judengerichtes. Er genoß hier hohes Ansehen, verheiratete sich mit Rachel, der Tochter von Moses Aaron Aschkenas und hatte zahlreiche Nachkommenschaft. Es waren friedvolle und glückliche Jahre, die die Familie in Prag verlebte, und der Vater des Hauses hatte Sinn für das Wohlergehen seiner Kinder, sorgte für ihre Belehrung und auch Verheiratung. Mit recht jungen Jahren verlobte er seine Töchter schon, nach dem Brauch der Zeit und konnte einer z. B. 800 ft. als Mitgift mitgeben, er war ja auch Hausbesitzer m Prag, widmete freilich einen Teil seines Hauses für die Unterrichtszwecke. Wohl ein Vierteljahrhundert wirkte der Gelehrte in Prag. Da erhielt er einen Ruf nach Nikolsburg, einer bedeutenden mährischen Gemeinde, die ihm das dortige Rabbinat übertrug. Im Winter 1624 siedelte Heller nach Nikolsburg über, wo er nur wenige Monate blieb. Denn bald gelangte der Ruf der Wiener Gemeinde an ihn. Im Frühjahr 1625 tritt er sein Amt in Wien an. Aus Wien waren die Juden im Jahre 1421 „auf ewige Zeiten" vertrieben worden, aber die Kaiser brauchten Geld und holten die Juden allmählich wieder zurück. 1624 wies ihnen Ferdinand der n. die Gegend der heutigen Leopoldstadt als Wohnsitz. Es war eine im Blühen begriffene Gemeinde, deren geistiger Führer Lippmann Heller werden sollte. So fand er hier viel Neuarbeit vor, auf die er sich mit Eifer stürzte. Er gab der neuen Gemeinde Statuten, er traf besondere Verordnungen für den Kult, er schuf gemeinnützige Institutionen und schien mit der Gemeinde verwachsen. Trotz der Anhänglichkeit der Gemeinde hielt es ihn dort nicht, als die Prager Gemeinde ihn rief, ihn zum Oberrabbiner und Schuloberhaupt ernannte. Er kehrte 1628 gern in die Stadt zurück, in der er als Jude in der Nähe des Hohen Rabbi Löw wirken durfte. Aber es war nicht zu seinem Besten. Die Wirren des dreißigjährigen Krieges — 1626 hatte er anläßlich einer Seuche in Wien eine Predigt gehalten, die in den sorgenvollen, muhte sich an der Aufbringung beteiligen. Er nahm Anleihen auf, die durch Besteuerung der Gemeindemitglieder gedeckt werden sollten. Viele Mitglieder glaubten, zu scharf angefaßt zu sein, und scheuten sich nicht, den eigenen jüdischen Gememderat bei den Staatsbehörden anguzeigem'. Auch gegen den Gelehrten richteten sich die Anklagen der Verleumder. Sie reichten eine Anklageschrift gegen Heller ein, in der sie ihm Vergehungen gegen das Steuerwesen vorwarfen und behaupteten auch, daß er in seinen Schriften! bisweilen die christliche Religion zu schmähen nicht unterließe. Der Kaiser erfuhr dies. Er ließ ihn verhaften und 1629 zum Verhör nach Wien bringen. Seinen Freunden gelang es, eigene Fahrt für ihn zu erwirken und ihn« von der Schmach der Fesselung zu befreien. Er blieb zunächst weiter in Untersuchungshaft, in feiner Wohnung, im Kriminalgefängnis, im Staatsgefängnis. Es wurde eine Untersuchungskommission eingesetzt, die ihn verhörte. Sie richtete die Frage an ihn«, wie -er den Talmud, den doch der Papst verwerfe, anpreisen könne. Er verteidigte sich mit der Angabe, daß der Talmud eine wichtige religionsgeschichtliche Quelle des Judentums sei und daher von allen Juden hochgeschätzt werden müßte. Der zweite Vorwurf der Anklage könne nicht zu Recht bestehen, da kein talmudischer Ausspruch, der den Nichtjuden gelte, sich gerade «auf Christen beziehe; -nur die Heiden des talmudischen Zeitalters feien gemeint. Die Anklage entbehrte so aller rechtlichen Grundlagen. Dennoch — im Interesse der Staatskasse — wurde Heller zu einer Geldstrafe von 12 000 Reichstalern verurteilt. Er wollte diese hohe Summe herabgesetzt wissen und brachte eine entsprechende Bitte vor. Dem Bemühen seiner Fürsprecher ist es zu danken, daß die Summe auf 10 000 Reichstaler ermäßigt und ihre Zahlung auf drei Raten« verteilt wurde. Außerdem sollten seine Schriften vernichtet und ihm das Recht, einen Rabbinatsposten zu bekleiden, abgesprochen werden. Auch hierin wurden noch Milderungen erreicht. Seine Schriften wurden nur der verdächtigen Stellen beraubt, nur i«n> den kai-, serlichen Erblanden durfte er nicht als Rabbiner wirken. Krank kehrte der Gelehrte nach Prag zurück, beraubt seines Vermögens und so vieler Hoffnungen. Drei Monate mußte er der Erholung widmen. Danach im Sommer 1631, verließ er Prag, und begab sich nach Polen. In dem Städtchen Nemirow (Litauen) bekleidete er zunächst das Rabbinat. Drei Jahre später wurde -er nach Lodomir (in Wolhynien) als Rabbiner berufen. Von dort ging er 1643 als Oberrabbiner nach Krakau, als Nachfolger des R. Joel Sirkes (genannt der Bach). Hier verbrachte er lehrend und wirkend feine letzten Lebensjahre. 1654 starb er in Krakau. Es endete ein« Leben, das durch Städte und Länder wandern mußte und nur in der Wissenschaft die ewige Ruhe fand, die das Schicksal ihm vorenthielt. Wir besitzen noch die Werke, die den Namen des Rabbi Heller unsterblich gemacht haben, ja, wir lesen und benutzen sie noch eifrig. Wir lernen da einen Gelehrten kennen, der im Meere des Talmuds sich zurechtfind-et, Sprache und Geschichte beherrscht und in wenigen Sätzen große Gedankengänge wiederzugeben, vermag. Um 1615 etwa Me er schon sein größtes Werk vollendet, es rügt den« Titel Toffafoth Jomtow-Hingufügungen )es Jomtow, es ist ein Kommentar zu sämtlichen sechs Ordnungen der Mischna, der ganz oder im Auszug allen Mischna-Ausgaben beigedruckt ist. Zehn Jahre hatte Heller an diesem Werfe gearbeitet, dafür hatte er aber auch die Freude, daß es sofort beim Erscheinen freundliche Aufnahme and, und daß er selbst noch zwei Neuauflagen erlebte. Mehr als der andere übliche Kommentator der Mischna, R. Obadja von Berttnoro, erfaßt der T. I. den« ganzen Zusammenhang und erörtert in großzügiger Weife Systeme und ^Prinzipien der talmudischen Erklärungen. Seine Kenntnisse in der Mathematik zeigen in diesem Kommentar seine vielfachen Zeichnungen und Berechnungen, zu denen die Mischna oft Anlaß gibt. Am Ende dieses Werkes macht der Verfasser auch einige biographische Angaben über sich selbst. R. Heller hat außerdem 18 Werke verfaßt, viele sind« halachischer Natur, auch Predigten hat er in Prag 1626 herausgegeben. Sein eigenes unruhevolles Leben beschrieb er in der Megillath ewah. Für die Vorschriften des Hauses verfaßte er ein Büchlein in jüdisch-deutscher Sprache, damit es einem großen Leserkreis zugänglich sei. Die miterlebte Geschichte gab ihm Veranlassung und Stoff zu mehreren Gedichten, Selichoth genannt, von denen eines die Schlacht am weißen Berge (am 8. November 1620) behandelte, es wurde am 14. Chefchwan des genannten Jahres bei der Gedächtnisfeier in der Altneusynagoge in Prag vorgetragen. In anderen schildert er die Leiden der Verfolgungen durch Chmelnicki (1648—50). Diese Gedichte werden noch heute am 20. Siwan in den jüdischen Gemeinden Polens rezitiert. Aus allen Liedern spricht eine ungeheure Wärme der Empfindung und liebevolles Mitleid. So war das Leben dieses Mannes, der auf deutscher Erde geboren, in mährischer Luft seinen Ruhm begründete und in Polens Boden ruht. Unvergessen bleibt der Gelehrte und sein Werk. Wer ihn studiert, er kenne die Erlebnisse dieses Meisters in Israel! Lassen Sie Ihre UHREN bei Neeser-LAPP, Allegasse Z reparieren. Sie gehen gut und die Preise sind billig. Alles unter Garantie. A N O N C E JULIUS SCHMIDT ANNONCEN-BÜRO FRANKFURT-MAIN UMGESIRASSE7 IEL HAHSA 184t PQSTSCH.-KONTO FRANKFURTMAIN 142 353 EINZIGE INSERATEN-ANNAHME FÜR FRANKFURTER GESCHRFTS-INSERATE DES »ISRAELIT« U R O AUSSERDEM ANNAHME VON INSERATEN FÜR SÄMTLICHE HIESIGE UND AUSWÄRTIGE TAGESZEITUNGEN,WOCHEN- UND FACHBLÄTTER ZU ORIGINAL-PREISEN ANNAHME VONDRUCKSACHEN HANDEL»GESCHZtFTE«PRIVATE FÜR DIE HERMON-DRUCKEREI BEI BILLIGSTER BERECHNUNG UND KÜNSTLERISCHER AUSFÜHRUNG IN SCHWARZ UND BUNT-DRUCK Verantwortlich für dr« allgrmrtnrn Teil und da, FerriTeto* S. Schach uowitz, ffrattlfart a. SR.; Inserate f.8.Schach« «owitz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. Kaufmann tu Sprendlingen («r. Offenbach). — Verlag .Israelit", T. Frankfurt a. R. — Druck Sermon Verlag»» Attirugrsellschaft, Frankfurt a. SR.

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