Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 32 (8.8.1929)
- Date
- 1929-08-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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5-eir-e 10. Nr. 32 Der Israelit 8. August! 1929 dr-c-cfaches alpha-be-tisches Akrostichonzur Anwendung j auszog -aus Ken-aan (ins Exil). Auch Nr. 34: 2 in nn°? ’rQ^a kommt, für jeden der 22 Buchstabendrei Verse. Merkccfs These, mn/ivx -mi als Antithese. würdig ist, daß b-e-i allen vier Kapiteln stets, entgegen der eigentlichen Reihenfolge, der Buchstabe o vor dem Buchstaben s genommen ist, was unseren Weisen zu der finnigen Deutung Veranlassung gibt: unsere Voreltern waren mit dem Mund (Peh-Mund) voreilig' und vorlaut. Sie sagten gedankenlos aus, was ihr Auge (Ajin-Auge) nicht gesehen hatte. Bei ihnen kam Pe-H vor dem Ajin. Dem Inhalte nach scheint das erste Kapitel am frühesten entstanden zu sein; es setzt noch den Bestand der Stadt Jerusalem voraus, nur befand sich Judäa i-neiner trostlosen Lage. Die Stadt war verödet und einsam. Vom zweiten Kapitel an ist das Bild vollständig! düster, Während man früher das Leid nur in allgemeinen Zügen schilderte in Anlehnung an den Tempeluntergang, nahmen sich die Dichter der Folgezeit das Recht, auch die Leiden, die sie f e l b st miterlebten, in Kkagelösdern zu verewigen. Auch lokale Judenverfolgungen werden mit einbezogen. Inerster Linie kamen die Juden-metzeleien zuir Zeit der Kreuzzüge in Betracht!, das Bsrhän-gnis von 1096, dem Beginn der Kreuzzüge; hebräisch: i"wn mrs d. t. vom Jahre 4856 der Welt-schöpfung. unn — 856). So in der Elegie Nr. 27, 40, 41. Fünf deutsche Städte werden dort namentlich erwähnt: rri'vV« (©peiier), 8P,,»'>,n (Worms), iss«» (Mainz), (Köln), vii2x>3->i (Frankdie Stadt ist erobert, der Tempel zerstört, die Einwohner > furt). Es sind genau Monat -und Dag des schlimmen erschlagen oder weggeführt. Jirmijahu erlebte den Dem-! Evei-gnlssts angegeben-. Die Kinno Nr. 57 von Rabbi pelunbergang persönlich mit; -er schaute mit eigenen Augen i Meter aus Rothenburg (Tauber)-, nvinv „Frage, die das Unglück, das andere — wie Jefajah — nur g-eweis- «du im Feuer verbrannt wurdest o Thora ^.bezieht sich sagt hatten Er lebte mehr als 600 Jahre vor der üblichen -«uf die -im Mittelalter zu Paris fta-ttgefundien-e Talmud- Zeitrechnung. Er saß auf den Trümmern Jerusalems Verbrennung bezw. Verbrennung vieler Wagen heiliger und sang herzzerreißende Klagelieder. Daher der An- Schäften, infolge eines fanattfchen- Urteils franfang des dritten Kapitels:v3D2'3s--rr '3 ,Jch bin öostsch^r lZ-ei-stli-chen. Den. Schlußteil aller E-l-eg>rtzn der M-ann, der das Elend geschaut, das in Seinem, b-ilden — von Nr. 46 bis 59 — die sogenannten - -Zronirden oder a-’sr’x- Zwn wird direkt angevedvt; es ist Grimme über uns hereinbrach." Die Sprachedes ganzen Buches -ist überhaupt eine erschütternde. In plastischen Worten wird die ganze Katastrophe uns geschildert. Man fühlt das Zittern der schmerzzerrisfenlen Seele Jirmijahus. Bon dem Buche nrs sind die rnr? wohl zu unterscheiden. Während na\x nur vom Untergang des ersten Tempels zur Zeit Jirmajahs (586 vor der üblichen -Zeitrechnung) han-d-elt, sind die ^-p Klagegesänge aus vielen späteren Jahrhunderten, von der Zerstörung deszweiten Tempels (70 nach I) bis zu den Kreuzzügen (1096) und den Juden-verfolg-ungen des Mittelalters. Der Talmud verwendet zwar das Wort rn'v auch als Bezeichnung für das biblische Buch Jirmijahs. heutzutage versteht man jedoch -gemeinhin darunter die poetischen Elegien, die neben dem Buch .12'x in den Synagogen am 9. Aw zur Verlesung kommen. Unter den arabischen Juden wird auch der Name .-imiv-rr oder nvna dafür gebraucht, soviel als das hebräische -nmn die „Bitteren". (Klagen.) Die ältesten Einschaltungen waren -auch für den 9. Aw S-elichaus. Erst später kamen Elegien oder nv'p in Anwendung, besonders als Einlagen und Erweiterung zu der Brocho “p’swisii-H-i Führend für die Abfassung von nrp war auch hier der „Fürst des- Machsor", Eleasar Kalir. Ueb-er seine persönlichen Verhättnisse, sein Leben, seinen Geburtsort wissen wir wenig. Man hielt Italienfür seine Heimat. Heutzutage gilt als unbestreitbare Tatsache, daß Kalir in Palästina gelebt hat oder allenfalls in dem dicht daran grenzenden Teile von Syrien. In der rvnm? -Schmono-Esre des 9. Aw haben wir zu den einzelnen rmvnn eine Kerob-a von Eleasar Kalir: a-nn -pass Aus ihr wollte manwenig - stens annähemb die Zeit ermitteln-, in der er lebte. Es heißt dort: p vi r>rt> 'v niri t-nsn ywn -jvnsK „Mehr als 900 Jahre hoffe ich schon und noch immer trat nicht aus meiner Tenne Sohn." (Messias.) Danach hätte Kalir 900 Jahre nach der Zerstörungd-es zweiten Tempels gelebt/also etwa um das Jahr 1000. Doch ist dem nicht so. Offenbar lehnt sich Kalir an den- Midrasch zu Leoiticus an, wonach Gott den gegen- Israel gehegten Zorn 900 Jahve unterdrückt hat- und nicht in Tatenumsetzte. Gemeint ist die Zeit vom Auszüge aus Aegypten bis zur Zerstörung des ersten Tempels, was -also zur Lebenszeit Kälirs gar keine Beziehung hat. Dazu kommt, daß der 942 verstorbene Gaon- Saad-j-a schon-Kalir als großen Gelehrten und Dichter föi>erte, der lange vor ihm lebte. Er wird auch als Schüler Jann-ais bezeichnet, der um 700 lebte. Somit ist die Lebenszeit Eleasar Kalirs vor dem Jahre 800 anzusetzen-.*) (Elbogtzni, 316.) Außer der Keroba T3kk in der Schmono-Esre des 9. Aw sind sämtliche vinp von Nummer 4 bis 20 von Kalir. (Wir folgen der Anordnung von Dr. S. Bär. der in seiner Rädelheimer Ausgabe die r-m-p mit 1 bis 60 nummerierte). Wie die Eiüschaltung in der Schmono-Esre zeigt, dachte man ursprünglich wohl an die Aufnahme der mrp in dieses Hauptgebet, besonders in die Eulogie (So bei den Sephardim.) Als Zahl und Umfang der Elegien Zimmer mehr anwuchfen, vereinigte man sie zu einem besonderen Vortrage nach der Thoravorlesung, der oft bis gegen Mittag dauert. Sämtliche mr? schlieher.^-uit einem trostreichen Ausblick in die Heileszukunft Israels, die Zeit des Messias, wie das ähnlich jede mv?-i hält. Es werden nicht nur die Vernichtung des Tempels, der Priester, des Kultus, weiblichen Geschlechtes, daher die ständige Endsilbe V. — oder auch i’T- Hier konnte Schmerz und Lieb>e in den höchsten Tönen ausklingen. Besonderen Beifall fand die von Jehuda- Halevi (1086—1145) verfaßte Elegie tt'x * '«vn x^n- (Nr. 47.) Die. Liebe zur zerstörten Heimat fand hier einen ungewöhnlich, zarten und innigen Ausdruck. „Zion, hörst du den Gruß nicht -deiner Mieden? Sie schmachten in Fesseln, sehnendein Glück herbei und sind doch der U-eb-errest deiner Herden! Der Dichter wünscht sich Flügel, um das Land schnell zu erreichen, er möchte dessen Steine küssen, Wald und Flur durchstreifen, den Berg Abarim und Hör sinnend betrachten, wo jene zwei großen Lichter und Leuchten ruhen. (Moses, A-hro-n.) Das Land braucht n-icht Mond und Sonne; die Herrlichkeit Gottes ist fein- Licht uff. Der Dichter verzehrt sich förmlich in der Liebe zu- Zion. Bon diesem Gesang rühmt ein hervorragender nicht-jüdischer Kritiker: „Diegesamte re-ligiöse Poesie — Milton und Klopstock nicht ausgenommen — hat nichts -a-ufzuweistn, was man höher stellen könnte als diese Elegie, in der die Sprache all ihren Reichtum und Zauber dem erschlossen hat, der nirgends mit Künstle-rsu-cht seine Meisterschaft, mit frommer Hingabe und vergessender Bescheidenheit die tiefsten Regungen der Seele bekunden und bestätigen wollte." Juda Haleo-is tragischer Tod ist bekannt. Er hatte schon Jerusalem erreicht, sinkt in Verzückung vor dem Stadttore nieder, um den Boden zu küssen. In dtes-em- Augenblicke kommt ein vornehmer Sarazene herbeigeritten, achtet n-icht des Dichters und stürmt über -ihn hinweg. Jehuda Halevi ist von den Husendes Pferdes tödlich' getroffen-, während er noch -ein Zions-Wed -auf den Lippen hat. Dem -i-RBü 7vs bVs Jehuda Halevifolgte eine Menge von Nachdichtungen, wie unsere Zioniden -beweisen. Man suchte de-n Schwung -nachzuahmen- und erging sich in Kletnm-aleret aller hier einschlägigen Materien: Das DempelhsAlg-tum, die Priesterablei-lun-g-en, die Opfer- Handlungen, die Levilenchore, das Räücherwsr?, die Stadt Jerusalem in ihrer Reinheit und Heiligkeit, als „Krane der Schönheit", alles wird in den o-inx aufgegriffen zur poetischen Verarbeitung-. Manche der Zioniden kommen in ihrer Sprache -der Jehuda Haleois nahe. „Prächtig war dein Bau, o Jerusalem, die -anmutigste aller Städte. Nur -ein Maß Schönheit hat die Welt, du deren neun, für dich und deine Kinder. Voll Pracht dein Bau, kein Stein -und kein Balken stand aus deinen Straßenreihen hervor. Kein Schutthaufen-, auch nicht Hühner wurden beidir angetroffen-, Leichen bliebennicht über Nacht -indeiner Milte, verunreinigtennicht deine Wohnungen. Kein Rauch von- -einem Töpferofen war -bei -dir. **) Wehe, die herrliche Lade mit dem ZwiMngspaar der B-undestafeln und dem sie schützenden Vorhänge sind nicht mehr! Wo ist der Leuchter, der goldne Tisch mit seinen Schaubroten, das- Pri-eftsrwaschbeck-en und sein Gestell? Wo die Trompeten-, die tönenden Harfen, die Ehöre der Dempelfänger? Wo die Könige, die mit dem Schukterkleid geschmückten Priester? (Nr. 54 und 57)- Langeweile ist die natürliche Tochter der Unkenntnis. Es ist bedauerltch, daß man- -oft die paar Mark scheut, um sich -eine üb>ers-etzt-e irra anzuschassen. Dagegen prangen protzig viele ungel-esene Klassiker im Bücherschrank. Jeder Laie -hat Gelegenheit, sich leicht Einblick &ÄÄ »- Sp« der üiMFÄ üW P. gegen die Gesetze, die Propheten-, die Lehrer. Das Schicksal wird als verdientesgerechtfertigt, trotzdem aber nicht an Gottes Liebe und Gnade gezweifelt. Es werdenoft — meistens in einem Kehrreim — die Leiden des Exils in Gegensatz gestellt zum ehemaligen Glück der Heimat. Z. B. o'nxvv vihth im Gegensatz zu 93-ottt Himmel tarn Speise, -dem Fels entquoll Wasser, als ich auszog aus Mizrajim; Wermut und Giftkra-ut und bittere Wasser, als -ich aus zog aus Jerusalem (ins Exil). So werden (Nr. 28) mehr als 30 Dinge gegenübvrgestellt. Ebenso in Nr. 33: ’flsxa und m?» tns3' als ich auszog von Zoan, (Hauptstadt von Mizra-jim). als ich *) Zunz gab die Zahl der Poesien- Kal-irs mit 200 an; nach den neueren Forschungen und der Auffindung der Genisa-Handschriften (Kairo) dürfte man da-s Doppelte' annehmen. (Juden und Jüdisches in der Tschechoslowakei.) In der tschechosl-owaktfchen Republik leben nach -amtlich'en- Angäben 354 342 Personenjüdischer Konfession. Von d-iiesen sind 336 664 -tsch-echosto wakis cher Staatszugehö-rigk-eit, 17 678 Ausländer. Dem nationalen Bekenntnis nach sind 180191 Juden, 73 203 Tfchechoslowak-en, 48 629 Deutsche, 29 061 Ungarn, 3752 Russen (Großrussen-, Ukrain-er, Ka-rpathorussen), 1828 Polen oder Angehörige and'erer Nationen. Nach den MWeil'UNWN des Ministeriums für natio-- nalie VerteMgnng wa-ren nach -dem Stande vom 1. Ja- **) Hier sind Bestimmungen der jüdischen Gerichtsbehörde berührt, ähnlich unseren ortspoliz-eilichtzn V-erordnungen. nuar 1924 in der tschtzchtoflowakisch-en Armee 43 jüMsche OffUpeve, von denen sich jedoch nur drei zur jüdischen Natronalität bekannten. Im Museum für tschechoslowakische Volkskunde in Pilsen wurde foeb-eneine Abteilung jü di s che r v v-l k sk u n d l i ch e r A u sst -e ll u n g s st ü ck e -eröffnet. In dieser Ab-teilung sind in erster Wnie .Gegenstände des Mischen Rtztu-s und der Mischen- Bolksk-unst untergebrachr. (Oberrabbiner Koppel Reich und der Minister.) Bon einem interessanten Briiefwe-chsel berichtet die jüngste Nummer des Budapefter „Zsido Ussag", der ad multus annos an das alte Wbemle Aera in Ungarn-, erinnert. Ein ch-riftlichjer, -aus dem b>ej-etzten Gebiet geflüchteter lun-genkranker Ob-ernotar wandte sich an den grtzifm Oberrabbiner, daß er ihn ineinem Lungenkranken-Sanatorium unberbringen möge. Oberrabbiäer Koppel Reich leitete das Ansuchenan den Wohlfa-h>rtsminffter^ - Magnatenhaus-Mitglied Josef v. Bah, der dem Oberrabbiner in b-esonders liebenswürdiger Weist folgen-dies antwortete: „Lieber Freund! Bon Gaspar Refzmsry zu- Dir gerichteten Brief zu-rückerstatten-d, teile ich Dir mit, daß ich — Deinem Wunsche gemäß — den geflüchteten Uplom. Notar N-eszmery in das Gyulwer Jostf-Sanato-riUm angewiesen habe. Empstnge die- AeußeruNg meiner aüsrtchtigen WerWätzung." Baß m. p. Verfangen Sie beim Einkauf ausdrücklich WML die&fstfiur Alleinige Hersteller, Ounther&HaussnerM Cbenwiriftapfld Garantiert nur aus reinen cPflanzenölen her gestellt 100 Gramm-Stück 15 Pfg. 200 Gramm-Stück 30 Pfg ♦I o N C E JULIUS SCHMIDT ANNONCEN-BÜRO FRANKFURT-MAIN LANGESTRASSE 7 TEL HAKSA 464) POSTSCH.-KONTO FRANKFURTMAIN 142 353 EINZIGE INSER&TEN-flNNBHME FÜR FRANKFURTER GESCHHFTS-INSERATE DES »ISRAELIT« U R O!♦ AUSSERDEM ANNAHME VON INSERATEN FÜR SÄMTLICHE HIESIGE UND AUSWÄRTIGE TAGESZEITUNGEN,WOCHEN- UND FACHBLÄTTER ZU ORIGINAL-PREISEN ANNAHME VONDRUCKSACHEN HANDELtGESCHBFTEtPRIVATE FÜR DIE HERMON-DRUCKEREI BEI BILLIGSTER BERECHNUNG UND KÜNSTLERISCHER AUSFÜHRUNG IN SCHWARZ UND. BUNT-DRUCK Verantwortlich für den allgemeine« Teil und da« Feuilleto» 8. Schachnowid, Frankfurt «.SR.; Inserate i.B.r S.Schach' «owitz. ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L- Kaufmann in Sprendlingen (Kr- Offenbach). — Berlag .Israelit", T.m. b.tz,, Frankfurt a. SR. — Druck Sermon Berlag»« Mttengejellschaft. Frankfurt a. SR. _j