Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 32 (8.8.1929)
- Date
- 1929-08-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 32. Serie 7 8. AuWst 1929 Baden berufen wurde. Diese Stelle auszufüllen erfor-, derte auch eine ganz besondere diplomatische Fähigkeit; einerseits durch die Nähe Wiens, in welcher Stadt zu dieser Zeit die wildeste Assimilation ihre Orgien feierte), andererseits dadurch, daß m dem Weltkurorte Baden ein .Publikum aus allen Weltrichtungen mit den verschiedensten religiösen Schattierungen Aufenthalt nahm. Nur Me solche, - hervorragende Persönlichkeit wie dey Heimgegangene, der in sich angestammte Standesehre, unverbrüchliche traditionelle Glaubensauffassung mit dem scharfen Blick.für die unabweislichen Anforderungen der Zeit und einer bestrickenden, alle versöhnenden, persönlichen Liebenswürdigkeit vereinigte, konnte Mit Erfolg alle Klippen umsegeln und in gerader Linie zur Hebung des jüdischen Geistes in dieser Gemeinde wirM. Die Konservativen verehrten ihn anerkennugsoll als Schutzwehr der Ueberlieferung, die anderen schätztem seinen lauteren Charakter und seine vornehme, materielle« Selbstlosigkeit so hoch, daß sie schon aus Sympathie für seine Persönlichkeit seinen Intentionen folgten. * Dies ermöglichte es ihm während seiner 49jährigen Tätigkeit eine immer gerade, von PrinM/entreue vorgezeichnete Linie unentwegt einzuhalten pich seine Gemeinde auf dieser Basis einer blühendes Entwicklung entgegenzuführen. Selbst die Verschiebungen auf sozialem und «religiösem Gebiete während . der Kriegs- und Nachkriegszeit, welche sich in tiefgehenden und sehr oft zersetzenden jüdischen Bewegungen äußerten, wußte er kn seiner bewunderungswürdigen Weisheit in solche Bahnen zu «lenken, daß didselben sich wohltuend auf die religiös»: Entwicklung auswirkten und Baden zu dem intensivsten Betätigungsgebiet der Agudas Jisroel machte. Das Kriegswaisenhaus ist das schönste bleibende Wahrzeichen seiner harmonischen Tätigkeit. In der Beteiligung an seinem Begräbnis spiegelte sich der Erfolg seines segensreichen Wirkens. Vertreter der Behörden, des Landes und der Stadt, Geistliche aller Konfessionen, Rabbiner und Vorstände der orthodoxen und modernen Nachbargemeinden folgten tief ergriffen seinem Sarge. Trauerreden hielten im Namcst der Gemeinde Präses Alexander Braun, der sich auch als treuer Freund von seinem Rabbiner verabschiedete, Rabbinatsassessor Friedman«, Oberrabbiner Reich aus Verbo, der sich aus rührende Weise auch im Namen seines greisen Vaters, des Oberrabbiners Koppel Reiich aus Budapest, von dem Heimgegangenen Oheim verabschiedete, sein Schwager, Rabbiner Duschinsky, Rakosbülotü, Rektor Schwarz, Wien, Weiß, Wiener Neustadt, Schweiger, Mödling. i Die Trauerredner schilderten in eindrucksvoller Weise die «Tragik des Falles, welcher durch die schwere Krankheit der Rabbinersgattin — einer Tochter der in Deutschland wohlbekannten Familie Ellern — gesteigert wird und hoben rühmend die hingebungsvolle Zärtlichkeit hervor, mit welcher sich die Kinder des Heimgegangenen bestrebten, seinen Intentionen zu entsprechen. rraiiin Aürich, 30. Juli. Mes der angesehensten Mitglieder unserer Gemeinde, Herr Lippmann' Knurr, feiert am fnn tav seinen 70. Geburtstag, ein Ereignis, an welchem die ganze Khiloh freudigen Anteil nimmt. Steht doch Herr Knurr drei. Jahrzehnte, seit 1900, als Schul- und Gemeindevorsteher an der Spitze unseres Gemeindewesens und war während dieser Zeit stets bestrebt, sein nicht immer leichtes und verantwortungsvolles Amt im setzestreuen Sinne zu verwalten, was von der Vorgesetzten Behörde « auch des öfteren gern unerkannt und zum Ausdruck/gebracht würden ist. Sein Hauptverdienst aber ist es, den Neubau der hiesigen jüdischen Schule, die Als Musteranstalt für die jüdischen Gemeinden HstfrieSlands gelten kunn. in die Wege geleitet und gefördert zu haben, und ln GMeinschaft, Mit dem Schulvorstände sorgt er noch chSUttz" gewisse?Häst für die Instandhaltung dieses schönen Gebäudes.^Md für die Anschaffung der notwendigen SchuluteHrlien. Er unterstützt gerne jede. Bestrebung, die Äuf n-nn. zielt und ist selbst ein fleißiger Besucher dev Uchiurim. Seit Zähren versteht er auch in der. DrjMgoge das Amt eines spin in ganz musterhafter MÄse, und wir dürfen am rrn uns versichert halten, -Äst kein Schosarton vorbeigehl. Auch in seinem Berufsleben steht er geachtet da und hat 'sich-infolge seiner Rechtschaffenheit und Zuvorkommenheit überall in . Stadt und Land einen guten Namen erworben. Das Geschäft, das aus kleinen Anfängen von seinem Vaterbegründet worden ist, hat er im Verein mit seinem vor' einigen Zähren verstorbenen Bruder durch Fleiß und Geschicklichkeit zu einer achtung-. gebietenden Höhe gebracht. Gewiß wird es Herrn Knurr, der vor und während des Krieges auch zu den Stadtverordneten zählte, an seinem .Zubeltage an Ehrungen nicht fehlten. Wir aber wünschen dem verdienten Manne:wV 0'ivsi 17! Sprechsaal. Zweierlei Misrachismus. Das Vorhandensein verschiedener. Strömungen im Misrachi — wie in jeder lebenskräftigen Weltorganisation, wie vor allem auch in der Aguda — ist den Lesern des „Israelit" nichts Neues,- die Folgerungen, die an diese Tatsache in der vorwöchentlichen Nummer geknüpft wurden, im Einzelnen zu erörtern und zu kritisieren, möchte ich mir heute versagen, umsomehr als dieses Thejma gegenwärtig noch ivenig aktuell ist. -Wohl .aber erscheint Der Israelit es mir notwendig, einige Richtigstellungen an den Voraussetzungen jener Schlüsse vorzunehmen, hinsichtlich der berichtetest Tatsachen sowohl wie namentlich hinsichtlich der mir zugeschriebenen Meinungsäußerungen. So richtig die Alternative bezüglich der programmatischen Grundlage des Misrachi wiedergegeben ist, so mißverständlich wirkt sich die Verwechslung von Aguda- I d e e und -Organisation aus. Kein Mistachist in der ganzen Welt dürfte sich heute, wie das«seltsamerweise als meine Anschauung hingestellt wird, gefühlsmäßig „unlöslich mit der agudistischen Organisation verknüpft" fühlen, viele aber mit der Idee de;r Aguda, wie sie bis 1913 einen relativ adäquaten Ausdruck in »der damaligen provisorischen Organisation gesunden hatte. Seit dem verhängnisvollen Winter 1913-14 ist diese Idee, wie meinen engeren Freunden und mir scheint^ heimatlos geworden und geblieben. Wenn wir in der jüngsten Entwicklung innerhalb der deutschen Aguda und im Leipziger Delegiertentag den ersten Hoffnungsstrahl für eine wieder anhebende Rückkehr zu jener Idee von der Sammlung aller Thoratreuen für die ihnen gemeinsamen Aufgaben erblicken, so wissen wir, daß dies eine Hoffnung auf lange Sicht ist. Wie in der allgemeinen ideologischeil Einstellung eine Umwälzung nicht rasch und nicht ohne tiefgreifende Gegenwirkung namentlich der ungarischtschechoslowakischen Gruppen zu erwarten sein dürfte, so ist namentlich ein inneres Vertrauensverhältnis zwischen den Parias von gestern und heute straft § 4) und denen, die die Pariastellung gewünscht haben, nicht von heute auf morgen herstellbar. Namentlich aber kann nicht scharf genug — weil verhängnisvoll von Anfang an— die Auffassung zurückgewiesen werden, als könne die Aufhebung des § 4 die Frucht einer erneuten Betätigung von z. Zt. Fernestehenden in der Aguda sein. Sie ist vielmehr eine der V o r b e d i n g u n g e n für eine solche Betätigung: so lange die wie immer begründete Rechtsverkürzung offene oder auch in schamhafter Verbrämung andauert, ist eine aktive und fruchtbare Mitarbeit der so stigmatisierten Richtungen sowohl aus tatsächlichen Gründen wie aus solchen der Würde und Selbstachtung undenkbar, so wenig wie etwa der Misrachi bei einer derartigen Minderbewertung seitens der Zionistischen Organisation in dieser hätte verbleiben können. Wie so unmögliche Ideen aus meinen Darlegungen herauegelesen werden konnten, ist mir unerfindlich. Endlich ist hinsichtlich des Gegensatzes zwischen den beiden (durch Adlers Aufsatz und den meinen charakterisierten) Richtungen ein zwiefacher tatsächlicher Irrtum in dem vorwöchentlichen Artikel richtigzustellen. Zunächst sind wir beiderseits einig in der Betonung der Einheit des jüdischen Volkes und in der Ablehnung der Trennung als Prinzip (wenn auch nicht als eines zuweilen nötigen taktischen Mittels). Mit dem Eintreten für die Einheit als - Grundsatz und als Fundament der Gemeinschaftsaufgaben ist die Idee der Organisierung der thoratreueN Zudsnheit für ihre gewaltigen Sonderausgaben weder im Widerstreit noch bagatellisiert. Zum zweiten ist die vermeintliche Einschränkung der Gefolgschaft meiner Auffassung vom Misrachi auf die Aelteren und auf den Westen schon hinreichend widerlegt durch den jüngsten Frankfurter Delegiertenlag des Misrachi, wö gerade' auch jüngere (z. T. dem Esra angehönge) Msrachisten eine der meinen nahestehende Auffassung vertraten. Vor allem aber durch die Tatsache, daß der Präsident der größten Misrachiorganisation überhaupt, der polnischen, in jener programmatischen Grundalternative durchaus auf demselben Standpunkt steht wie ich. Die Gerechtigkeit gebietet indessen, in diesem Zusammenhang zu betonen, daß die Charakterisierung, die im Schlußteil des angezogenen Artikels die östliche Ausprägung der entgegengesetzten Auffassung erfährt, .maßlos übertrieben und keineswegs mit. den Tatsachen in Ueberemstimmung ist. Wer die Sammlung der Thoratreuen will, muß nach dem Grundsatz verfahren: Si vis pacem, para pacem! , Kiek° Jerusalem. Ad o lf Fraenkel. Rest-arationen unter Aussicht. An die Redaktion des „Israelit" Fr an kfurt a. M. Das Eingesandt des Herrn Studienrat Dr. Adler in der Nr. 31 Ihres gesch. Blattes („Unter Aufsicht") gibt uns zu folgenden Bemerkungen Anlaß: Es soll keineswegs geleugnet »werden, daß bezüglich des Kaschruth in dem einen oder anderen unter Rabbinatsaufsicht stehenden Speisehaus dieses. oder jenes zu bessern wäre. Der Unterzeichnete Verein ist — ‘«nie jeder Sachkenner weiß und wie auch Herr Dr. Adler selbst zugibt — jederzeit gern bereit, Anregungen «ntgegenzunehmen und Beschwerden objektiv zu prüfen; und es darf ruhig behauptet werden, daß der' Verein gewillt» und meistens auch in der Lage ist, Mißstände zu beseitig gen. Der Verein kann aber nur dann einschreiten, wenn der Beschwerdeführer, wie es Hexrr Dy. Adler getan hat, unter vollem Namen bestimmte Tatsachen, aber keine allgemein gehaltene Kritik vorbringt. Insoweit begrüßen wir die Bemerkungen des Herrn Dr. Adler. Andererseits aber mutz gefragt werden, ob der Einsender durch seine „Flucht in die Oessentlichke'kt" seinen Zweck erreicht. U. E. kann durch das Eingesandt der Eindruck hervorgerusen werden, als sei zwischen einem beaufsichtigten und einem unbeaufsichtigten Speisehaus bezüglich des Kaschruth kein wesentlicher Unterschied. Dieser Ansicht kann nicht scharf genug widersprochen wer- Dden. Es ließen sich Spalten füllen, wenn wir berichten wollten, was in manchen sogenannten „rituellen" Speisehäusern vorgeht, die keiner Rabbjnatsaufsicht unterstehen. Im Vergleich hierzu sind die vom Einsender oorgebrachten Bemängelungen vom ganz geringer Bedeutung. Was nun speziell die Verabreichung von 'iaa bv aVn betrifft, so dürfte allgemein bekannt sein, daß an manchen Plätzen — besonders Kurorten — uw Milch schlechterdings nicht zu beschaffen ist. Daß in solchen Fällen vonseiten des aufsichtsführenden Rabbiners deutlich auf diesen Umstand hingewiesen wird, ist nach unserer Ansicht unbedingt .notwendig. Wenn uns Fälle genannt werden, wo diese selbstverständliche Forderung nicht erfüllt wird, werden wir nach wie vor selbstverständlich das Erforderliche unverzüglich veranlassen. f Hochachtungsvoll Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser, e. V. Hamburg 1 Katz en stein. Briefkasten. Hi« alter Abonnent. Die Frage ist selbstverständlich zu verneinen. Familiennachrichten. Varmizwo: Simon-Venni Bamberger, Sohn dee Frau Rabbiner Dr. Bamberger, Halberstadt, Friedensstraße 5. 17. August, '»tu nav. Silberne Hochzeit feierte am 3. August Jacob Himmelreich und Frau Lina geb. Strauß, Ostendstr. 47. — Herr I. Belgrad und Frau feierten das Fest der silbernen Hochzeit. Die Woche. Thoralehranstalt Jeschiwa. Wie in den zurückliegenden Jahren, veranstaltet anläßlich der Iahrzeit unseres Raws die Jeschiwa am Sonntag, den 5. Aw, abends 8 Uhr, im Hörsaal der Synagogengemeinde „Israelitische Religionsgesellschast" ein öffentliches Lernen mit anschließender Ansprache seitens des Rektors, Herrn Rabbiner Dr. Joseph Breuer '"3 Gemeindevertretung der Israelitischen Gemeinde. In der nur einige Minuten währenden .Sitzung der Gemeindevertretung der Israelitischen Gemeinde, am 1. August, wurden zu den bereits bewilligten Rm. 2000.r-> weitere Rm. 1880.— für die Kosten der Inschriften des neuen. Friedhofs genehmigt. Die Eröffnung desselben findet voraussichtlich am 1. September statt; ein Komitee ist vom Vorstand bereits mit den Vorbereitungen für die Eröffnungsfeierlichkeiten betraut. Eine Neunzigjährige. Frau Mathilde K i r s ch n e r, geb. Hamburger, Rechneigrabenstr. 20, feierte am 2. August ds. Is. ihren 90. Geburtstag. Frankfurter Vereinskalender. Verein Mekor ChHim. D'-m 's nav, 1 Stde. vor Nacht: Midrasch Herr Leopold Schwab. (Alle Schiurrm wie üblich.) IahrzeilsstMngen. Sonntag, 11. August, Siegstied Weil-Stiftung. Montag, 12. August, Rabbiner Dr. Solomon Breuer- Stiftung. Mittwoch, 14. August, Solomon Rosenbaum-Stiftung. Gebetzelten. cp-nn raff Freitag abend 7,10 Samstag n»3vn 6.30 Samstagsmorgen 7.45 Samstagnachmittag 1.— und 5.— Samstagabend 8.45 Wochengottesdienst: Morgens 6.15 Nachmittags 7.15 Sonntag Morgen Festfeier anläßlich des Verfassungstages 383 nswn* Mittwoch Nachmittag 6.— Mittwoch Abend 8.30 Donnerstag Morgen 6.10 Donnerstag Nachmittg 7.20 Fastenbeginn Mittwoch 7.44 Fastenende Donnerstag 8.27 Tefillin-tegen am Morgen 4.—