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Der Israelit · 1929-07-25 · Heft 30 (25.7.1929) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 30 (25.7.1929)
Date
1929-07-25
Page
– (sequence 15)
Language
German
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t.D-G, Organ -es Kun-es gesetzestreuer Mischer Kehrer Deutschlands. Verantwortliche Schriftleitung: L. Kaufmann, Sprendlingen (Kreis Offenbach). Der Tefilloh-Unlerrichl in der Volksschule. (Allgemeines.) . Von N. Adler in Nürnberg. Nachdruck ohne Genehmigung des Verfassers nicht gestattet. Die Bezeichnung „Gebetübersetzen", worunter gewöhnlich diese Disziplin unseres Religionsunterrichts gemeint /wird, ist begrifflich zu eng gefaßt. Wir erteilen einen Unterricht im Gebet: Wir lehren Tefilloh-Lesen; erklären die abstrakten und - bildlichen Ausdrücke der Tefillaus, machen mit den „Dine Tefillaus" bekannt, lassen die Segenssprüche memorieren (Tischgebet), Iaale wejowau, Reze, Alhanissim; und nicht zuletzt erwecken wir als „Schluche Zibbur" fürs Leben Richtung gebende Gedanken und Gefühle. Man rede deshalb nicht von einem mechanischen „Gebstübersetzen". „Tefilloh" bedeutet nalch Hirsch: ein Urteil über sich selbst, über das eigene Ich in seinem Verhältnis zü Gott nnd der Welt, gewinnen. An den Leitgedanken, der Tefilloh geben wir uns Rechenschaft über unser Sinnen und Wollen, unsere Taten und Ziele. Wohl darum wurde unter den zehn Ausdrücken, die wir für beten in der heiligen Sprache besitzen, Tefilloh der gebräuchlichste und umfassendste Begriff für die Avaudoh schebelev, den inneren Gottesdienst, der nach den Pirke ovaus einer der drei Grundpfeiler des sittlichen Weltgebäudes ist. Die Grundeinstimmung der Seele auf diesen ersten Zweck verlangt die volle Andacht, Kewonoh oder Ijun Hatfilloh, von der verheißen wird, daß man die /Früchte dieses gottgefälligen Tuns im Diesseits genießt und der kapitale Lohn erst im Jenseits uns zuteil werden kann.' So groß ist der Lohn für die . volle/ErfassstM'.<deL^-,tMlichey ,Gebets, daß Gott spricht: Ich '1kaM'!JiiG7 ,.meM>Ainder!,., dev vollen/ Lohn für euer SÄöstrichieN,' euer Selbsterzrehen, für eure Anteils nähme/! chm l- Eeschicke-nWiner Welt, gleichsam *euer Mit- /regieremchnmeinem» Meltenparlackent erst in-sder /Ewig-? ket genießen kästen.->; ' v Das tägliche'Mebet^ (Erdv, bautet, zohorojim) entspricht in seiner Dreiteilung dem Morgen- und Abendopfer nebst dem sich anschließenden Verzehren der Opferstücke durch das nimmer erlöschende Altarfeuer in der Nacht. '„Wir ersetzen die Opfer mit den von unseren reinen Lippen strömenden Opsergedanken". In der Umgangssprache heißt beten auch oren, lateinisch oro-ich bete. Orare ist die Wurzel von oratio - Rede, orator-^Redner. Wir sprechen von einer oratorischen Leistung, im musikalischen Sinne von einem Oratorium. Oren (mit der deutschen Infinitiv-Endung) bezeichnet also in. viel höherem Grade die kunstvoll zusammengesetzte Tefilloh als beten, das einfach bitten bedeutet und mit bakoscho übersetzt werden müßte. Die Verfasser Mserer Tefillaus sind die Männer der großen Synode,-gewesen. Damit jene alten Gebetweisen an Innigkeit nichts verlieren, wenn ihre aus den Psalmen stammenden Sätze unserer Zunge und unseren LLippen wohlvertraut .geworden sind,., fordern die Weisen Israels:/ die Kunst zu erlernen, den Worten des Gebets Tag um Tag etwas Neues abzugewinnen. Die Tiefender vom. heiligen Geist durchwehten Worte ist ja auch nicht auszuschöpfen, ganz gewiß nicht aber durch eine fremde Sprache zu ersetzen;- dem Herzen, das sie voll aufnimmt, vermögen sie immer von neuem zü einem inneren Erlebnis zu werden. Nach /einer anderen Ansicht sind die täglichen Gebete: Schachris, Mincha und Arvis, welche nach ihren Anfangsbuchstaben in dem groß gedruckten Worte Sch'ma zusammengefatzt liegen, Schöpfungen der Erzväter. „Abrai ham stand am frühen Morgen an dem Orte, an dem I er vor dem Antlitze Gottes zu sein pflegte." „Isaak ging zum /göttlichen Zwiegespräch aufs Feld an der Wende des Abends." „Jakob traf seinen Gott (den Allgegenwärtigen!), als die Sonne niedergegangen war." Darum singt auch David (Ps. LV, 18): „Abends und morgens und mittags will ich beten und seufzen- und er erhört meine /Stimme." Hieran knüpfen wir sofort die Bedeutung der Tefillas Zibbur, des gemeinschaftlichen Gebets mit frühzeitigem Minj an, von dem das Prophetenwort gilt: Kabbir lau jimas, „Das Gebet einer Macht, einer Vielheit, einer Gemeinde (Edo) verachtet Gott nicht." Auch über den Begriff „M i s - rach" werden wir „orientieren". Endlich ist ein Wort über die Heiligkeit des Beshakneses am Platze, gerade wegen der Neigung des Einzelnen, sich hier gehen zu lassen, als ob er zu Hause wäre. Der Satz unserer Weisen: .„Wer in der Synagoge wie auf der Straße ausfpuckt, iist 'wie einer, der in Gottes Augapfel speit"; ist wirkungsvollere Korrektur als ein Plakat: Ausspucken strenge verboten. Der Talmud eingangs Taanis geht noch weiter. Er fragt: „Was bedeutet der Vers : „Gott zieht den Menschen zur Rechenschaft über alles Verborgene?" das heißt darüber, wenn jemand vor dem andern ausspuckt Mit Adaun aulom betreten wir den Vorhos des Morgenheiligtums, der beim Strftszelt von 100 silbernen Füßen umgeben war. Dieses meas adonim sollenauchunser Tageszelt tragen, worin eine Andeutung dafür gefunden wird, daß wir täglich 100 Brochaus mit dem 100maligen Schem adnus sprechen sollen. Auf irgend einer Stufe, müssen Mir die Gottesnamen überhaupt etwas näher definieren. .Der erste Mensch, der Gott mit dem 'Attribut „Haschem" ansprach, war Abraham: „wajaumer avrohom haschem elokim". Haschem ist Gott in seiner allwaltenden Liebe, der Barmherzige und Begnadende. Elokim ist midas hadin: Gott , in feiner Wallungsäußerung als Weltenrichter. - In diesem Sinne ist der Namenszug Gottes unter feinen Geboten: „a nt haschem e l o k e ch e m" zu erklären: als der belohnende und bestrafende Gott. Der Midrasch berichtet darüber: „Wenn ich die Menschen richte, werde!ich Elokim genannt; wenn ich Krieg führe' mit'den.iBößen, heiße ich Zebaoth; weün ich den Menschen' Aufschub: wegen ihrer Sünden (Bewührungsfrist!) gebe, : heiße (ich/el schaddai; wenn ich mich Miner Welt'erbarme, dann bin ich Haschem." lieber das! Gepräge '(matbea) der, Genediktionen .steht' im. Talmud' ^,,Berachoth" sehr , viel,, (schon in/der Mstchna darüber-Der Takniüd denkt sich den Iisroel-Menschen vom .Moment seines-freudigen, frischen -Erwachens am Morgen, sobald er 'atmet im rosigen Licht. Fühlt er festen Boden unter den Füßen, schlägt er die Augen auf, bekleidet er sich, regt er die im Schlafe gefesselten Glieder, richtet er sich zn freiem Gang empor, strömt neue Kraft ihm durch Haupt und Herz usw., so nehme der erwachende Jude.Gelegenheit, seinem Gotte mit einem Segensspruch für das tägliche Wunder der Welt- und Lebenserneüerung zu danken. In! Adaun aulom haben die Weisen all das systematisch geordnet. Wir hegleiten hernach den Priester auf seinem Gang ins Heiligtum an den Altar, wo er beim ersten Hahnenrus gerüstet für seinen Gott im Namen der Gottesnation opferbereit dästand. Wir, lesen efehu mekaumon, jenen Perek, (in dem bekanntlich keine Pelukto zu finden ist, -mit der daraus folgenden, Boraita Rabbi IjschMvel. Sollten wir durch dringende Tagesgeschäfte verhindert sein, zum.Thorastudium zu gelangen, dann haben wir damit» unserer Pflicht ,,z;u lernen" genügt; wir haben Thora, Mischna und Talmud gelesen. / Die geschichtliche Entwicklung der Berocho ist folgende: (Der erste -Mensch, der.»/ein freudiges Gottlob! ausrief,, war Ietro, Moses Schwiegervater. „Gott fei 'Dank, der euch aus Aegyptens/Hand errettete!" Im Talmud Sanhedrin 91 steht dieser Kommentar dazu: „Zm Namen des R. Papeus wurde gelehrt: Es war für Mose und die 60 Myriaden der Söhne Israels beschämend, daß sie nicht boruch sagten, bis Jetro/ckam und borüch haschem ausrief." Wir Iisroel-Menschen aber, die wir uns mit allem Wünschen und Hoffen, in der Erfüllung oder j Nichterfüllung unserer Erwartungen im Schatten der Gottesfittiche geborgen wissen, wir tragen in das allgemein gehaltene Boruch haschem! . eine persönliche Note und sprechen: boruch ato haschem, drücken damit unseren Glauben an einen persönlichen Gott aus, der uns liebt und sich Anser erbarmt mit unverdienter Liebe. Fortfahrend sagen, wir aber auch, daß wir auch vor ihm als Richter (elokenu) unseres Tuns bestehen wollen. Daß wir aber „unseren" (Gott, . nicht als einen in seinem Wirken eng umschränkten Nationalgott verehren und feiern, - dessen persönliches. .Regiment sich nur aus Israel erstreckt, während die übrige Menschheiteinem blinden Ungefähr überlassen (bliebe, dieser irrigen Anschauung begegnen wir mit den Worten melech hoaulom, dem erweiterten Attribut (Gottes als König der Welt. Wohl aus diesen Erwägungen heraus ist der „Din" geboren, daß eine Berocho ohne Schßm und Malchus als Berocho nicht gelten kann. Ist. mit der Berocho die Erfüllung einer mizwah verbunden, so erfährt ihre Form eine Erweiterung mit den Worten ascher kidschonu bemizwausow. Hierbei liegt das ewig junge bräutliche Verhältnis Gottes zu Israel -zu Grunde, das der Prophet ausden llrtagen unserer Ahnen mit dem Satze schildert: weerastich li le aulom. Wie nach den Formen-und Symbolen der Thora der Bräutigam seiner Anverlobten einen Gegenstand von hohem Wert überreicht, so hat Gott als Chospn zur Keneses (Iisroel mit seinen mizzwaus sich ein unlösbares Verhältnis geschaffen. Die mizwaus afe sind die Kidduschin unseres Gottes. Durch ihre Hebung werden. wir an unsere bräutliche Stellung zu unserem Gotte erinnert. Die Berocho geht am Schlüsse ins Spezielle über. Dieser Schluß zeigt mancherlei - Veränderungen. Manchmal lautet der Ausdruck: z. B. by »n^an 4>y »bw» nV»D3 *,y rfan *iur:r bv »nbaa tnpa . Des öfteren begegnen wir der Form des Infinitivs mit Vorgesetztem aaS. Die bekannte Talmudstelle in v'nvs (1. Perek) handelt darüber folgendermaßen: nrm »6 imbv Hia riyab /wo 1V1 »Ja®» «-ip'Ny -)3o 1» ->V3 S>ya '■■’i'bs >a .vnva Sani» «-ip’yjs RH’n snVy ^121 .». yn^a san!» K - inao nryan l»a: l-uw/v aa« niim'sn- : Raschi bemerkt hierzu: pwa rnira pa^«7caäip xnaaaa Kle Talmudstelle. / schließt die Kontrovers«'mit dert'Wörten: ,hvn bv r nuaimi, wozu '"Si kommentiert : yatta: *2?ft ’aa -^m •’aiph; >r»des Würzburger Räv N. Bamberger :bf-i S. 42 ist autz/ dem Werk o^>b>w 'iVw folgende feine Bemerkung zitiert: ^»a. .paiaa rr>bv ’v by imsryV uraw nisä bau Die ungewöhnliche - Form bei isiv niLa: isiv Vip ya«^ wird vom Talmud als eine Ausnahme aus der Erwägung erklärt: njppa s^pVp’a •. Berochaus müssen ooy uns sowohl über geistige als auch körperliche Genüsse des Gaumens, der Geruchsnerven gesprochen «und empfunden werben. Einmal -spricht der kpnigliche Sänger den Besitz der Erde ihrem Schöpfer zu:t-7"3 -»»t») .m ’3ts»’i S>an psn "iV,: , . Im Halle! (rop tibtb) tzber erklärt: er den! Himmel als das Reich Gottes, während die Erde den Menschen von (Gott gegeben worden sei. Jener Vers,. sagt der Talmud, (ist vor der Berocho zu verstehen, dieser aber nach derselben. In diesem Sinne ist auch der talmudische Ausspruch gemeint: Wer von dieser Welt ohne Segensspruch!und!. Segenswunsch genießt, wer also Leben und Genuß hinnimmt wie die Triebkraft des Windes und Die Tragkraft des Wassers, alles als Selbstverständlichkeit, der stiehlt etwas seinem Gott.; „Und sein Herr sah, daß Gott mit ihm war^ und alles, Mas er tat, Gott durch ihn gelingen ließ' irmna (b-V) will nach einem Midrasch sagöb: Potiphgk hatte beobachtet, daß Joseph vor dem Genüsse von' Speise und . Trank stets die Lippen bewegte. . Da ftagte ihn Potiphar, was er da mache. Der Sklave antwortet«: „Herr, ich danke erst Gott, bevor ich esse oder trinke".- Der auf jenen zitierten folgende Vers erzählt weiters „Und Joseph fand Gunst in seinen Augen, er durfte ihn selbst chedienen, er bestellte ihn über sein Haus und gab all das Seme in seine Hand.""Gott segnöle" des Aegypters Haus um Josephs willen und G 0 \ t e s

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